Das Wort zum Sonntag

Ich mache hier sehr wenig Politik. Aber diesmal ist es wichtig. Einen ganzen Haufen Leute haben einen Aufruf an Papst Leo XIV gerichtet, ein Gipfeltreffen der globalen Führer zu organisieren um über Frieden und nukleare Abrüstung zu sprechen.

Und ja, es gibt wohl begründete Vorbehalte gegen die katholische Kirche im Allgemeinen und das Papsttum im Besonderen. Aber ich denke, den Text kann man sich auch als Muslim, Buddhist und Atheist durchlesen und bedenken.

Hier die Übersetzung:

[Hinweis: Wenn Sie diesen Aufruf unterzeichnen möchten, füllen Sie bitte dieses Google-Formular aus ]

Wir appellieren an Sie, Eure Heiligkeit Papst Leo XIV., als den Führer, der sich am stärksten dafür eingesetzt hat, für die gesamte Menschheit zu sprechen, anstatt für bestimmte Nationen, Religionen oder Wählergruppen, einen internationalen Notfallgipfel einzuberufen, um die Welt vom derzeitigen Kurs des Krieges und einer potenziellen nuklearen Katastrophe abzubringen und die größten Krisen, denen die Menschheit heute gegenübersteht, friedlich zu lösen. Ein solches Vorgehen stünde im Einklang mit Ihren wiederholten Aufrufen zu Frieden und Gerechtigkeit seit Ihrem Amtsantritt als Papst – Aufrufe, die Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen auf unserem Planeten inspiriert und ihnen Hoffnung gegeben haben.

Am 10. Juni 2025 veröffentlichte die damalige US-Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes (DNI), Tulsi Gabbard, ein kurzes, aber erschreckendes Video, das in Hiroshima begann und davor warnte, dass wir „dem Abgrund der nuklearen Vernichtung näher sind als je zuvor“ und dass „kriegstreiberische politische Eliten leichtfertig Angst und Spannungen zwischen den Atommächten schüren“. „Es liegt an uns, dem Volk“, schloss sie, „uns zu Wort zu melden und ein Ende dieses Wahnsinns zu fordern. Wir müssen diesen Weg in den Atomkrieg ablehnen und auf eine Welt hinarbeiten, in der niemand in Angst vor einem atomaren Holocaust leben muss.“

Am 20. Oktober 2025 warnte Sergej Naryschkin, der Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR: „Die Welt erlebt derzeit den fragilsten Moment für die internationale Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Naryschkin fuhr fort: „Unsere gemeinsame und vielleicht wichtigste Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Anpassung an die neue Realität ohne einen großen Krieg verläuft, wie es in früheren historischen Phasen der Fall war.“ Seitdem die beiden Geheimdienstchefs Alarm geschlagen haben, sind viele Monate vergangen, und wir sind der nuklearen Vernichtung nur noch näher gekommen – viel näher.

Als Gabbard und Naryschkin diese Warnungen aussprachen, tobte der Krieg in der Ukraine, Israel verübte seinen Völkermord im Gazastreifen, und die Spannungen zwischen China und den USA wegen Taiwan und des Südchinesischen Meeres waren hoch. Seitdem ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hinzugekommen. Die Gefahr eines Dritten Weltkriegs hat somit exponentiell zugenommen.

Es gibt weiterhin Anzeichen dafür, dass die politischen Führer sich auf eine solche Eventualität vorbereiten, obwohl wir seit mehr als vier Jahrzehnten wissen, dass selbst ein begrenzter Atomkrieg – ganz zu schweigen von einem groß angelegten – weltweit unvorstellbare Schäden auslösen könnte, darunter einen nuklearen Winter, der das Leben auf unserem Planeten vernichten könnte. Am 20. August 2024 veröffentlichte die „New York Times“ einen Artikel auf der Titelseite, in dem gewarnt wurde, dass sich die USA darauf vorbereiten, einen gleichzeitigen Atomkrieg an drei Fronten gegen Russland, China und Nordkorea zu führen. Am selben Tag berichtete das „Bulletin of the Atomic Scientists“ über eine wachsende Gruppe von Nuklearstrategen, die der Ansicht sind, dass ein Atomkrieg geführt und gewonnen werden kann, womit sie jahrzehntelange Erkenntnisse, dass ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf, faktisch auf den Kopf stellen. Im vergangenen Jahr erklärte der US-Admiral Thomas Buchanan, die USA würden sich darauf vorbereiten, einen Atomkrieg zu führen und zu gewinnen, und genügend Atomwaffen in Reserve zu halten, um ihre globale Vorherrschaft aufrechterhalten zu können. Vor kurzem hat der Chefstratege des US-Pentagons, Elbridge Colby, die Notwendigkeit erörtert, dass die USA neben dem Einsatz von Truppen aus Südkorea und Japan auch taktische Atomwaffen einsetzen müssten, falls es zwischen den USA und China zu Kampfhandlungen in der Taiwanstraße kommen sollte.

Die Experten hinter der „Doomsday Clock“ des „Bulletin of the Atomic Scientists“ sind nicht die Einzigen, die glauben, dass die Welt immer näher an die nukleare Vernichtung rückt. Und zusätzlich zu den Bedrohungen seitens der USA haben mehrere einflussreiche russische Politiker Wladimir Putin dazu aufgerufen, Atomwaffen einzusetzen, um die Ukraine zu besiegen.

Wir, die Unterzeichner aus aller Welt, halten den Zeitpunkt für günstig, einen internationalen Sondergipfel einzuberufen, um die großen Konflikte in der Welt anzugehen und der Notwendigkeit Rechnung zu tragen, sich vom nuklearen Abgrund zu entfernen. Russland steckt seit fast fünf Jahren in der Ukraine fest. Obwohl Russland unter hohen Kosten weiterhin schrittweise Geländegewinne erzielt, ist die Lage an der Front weitgehend festgefahren, und beide Seiten richten durch ihren Drohnen- und Raketenkrieg erhebliche Schäden an der Energieinfrastruktur und der Schifffahrt an, was zu weltweiten Energie- und Nahrungsmittelengpässen führt und sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer jeweiligen Länder Leid verursacht. Sollte die von der NATO unterstützte Ukraine weiterhin Russlands rote Linien überschreiten, wird Putin dann bereit und in der Lage sein, die russischen Falken zu bremsen? Die USA sind unterdessen nicht in der Lage, einen diplomatischen Ausweg aus ihrem Krieg mit dem Iran zu finden, der keinerlei Anzeichen dafür zeigt, den USA zu gestatten, die Krise zu beenden, die sie und Israel durch den Angriff auf den Iran ausgelöst haben. Während China darauf besteht, dass der Erhalt Taiwans seine ultimative rote Linie ist, würden alle in der Region davon profitieren, wenn sich die Spannungen beruhigen und Ressourcen in die Entwicklung – nach dem Vorbild von Chinas „Belt and Road“-Initiative – statt in Kriegshandlungen umgeleitet würden.

Dieser letzte Punkt sollte universell gelten. Es ist schmerzlich verschwenderisch zu sehen, wie so viele Nationen Ressourcen von Ernährung, Wohnraum, Bildung und Gesundheitsversorgung auf ihr Militär umleiten. Dies gilt insbesondere für Nordamerika, Europa und Asien, wo die Rede von einer friedlichen Konfliktlösung der Rede von Kriegsvorbereitungen gewichen ist. Diese Verschwendung und Irrationalität zeigen sich am deutlichsten bei den Ausgaben der neun Atomwaffenstaaten zur Aufrechterhaltung, Modernisierung und Aufstockung ihrer Atomwaffenarsenale, die die menschliche Zivilisation innerhalb weniger Minuten auslöschen könnten. Als erster Staat, der 2017 den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (TPNW) unterzeichnet und ratifiziert hat, muss der Heilige Stuhl unter Ihrer Führung den Zielen dieser kraftvollen Initiative von hundert Nationen treu bleiben, die dem Vertrag bislang beigetreten sind.

Wie Sie selbst vor einigen Monaten weise und eindringlich erklärt haben: „Ich habe mehr als einmal den eindringlichen Appell wiederholt, den der heilige Paul VI. an die Generalversammlung der Vereinten Nationen richtete – Was mich verbindet, so bemerkte mein verehrter Vorgänger, ist ein Pakt, besiegelt ‚mit einem Eid, der die zukünftige Geschichte der Welt verändern soll: Nie wieder Krieg, nie wieder Krieg! Es ist der Frieden, der Frieden, der das Schicksal der Nationen der gesamten Menschheit leiten muss‘! Gerade im Atomzeitalter muss sich die Wahrheit durchsetzen: Nicht Atomwaffen schaffen Frieden, sondern Abrüstung. Diese Wahrheit, die in den vergangenen Jahrzehnten, als wir eine nukleare Deeskalation erlebten, klar zu sein schien, wurde durch ein Wettrüsten verdeckt, das heute Angst und Schrecken verbreitet.

Es war in der Tat Papst Paul VI., der erste Papst, der im Oktober 1965 vor den Vereinten Nationen sprach und in dieser außergewöhnlichen Ansprache Präsident Kennedy zitierte: „Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, sonst wird der Krieg der Menschheit ein Ende setzen.“ Er zitierte das Buch Jesaja und erklärte: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern umschmieden.“ In seiner Enzyklika „Populorum Progressio“ von 1967 betonte Papst Paul VI.: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden.“

Auch andere Päpste haben in Krisenzeiten mutige Initiativen ergriffen, um die Menschheit zu retten. Im Oktober 1962 plädierte Papst Johannes XXIII. für eine friedliche Lösung der Kubakrise und trug dazu bei, sowohl Präsident Kennedy als auch Premierminister Chruschtschow eine Möglichkeit zu bieten, das Gesicht zu wahren und die Krise diplomatisch statt militärisch zu lösen – zu einem Zeitpunkt, als ein Krieg unmittelbar bevorzustehen schien. Ein ähnliches Unterfangen könnte heute Erfolg haben, da die beiden großen Konflikte der Welt unlösbar festgefahren zu sein scheinen. Dasselbe gilt für das nukleare Wettrüsten, da die neun Atommächte ihre Arsenale nicht nur modernisieren, sondern auch ausbauen, nachdem jahrzehntelang zwar vernünftige, wenn auch viel zu langsame Reduzierungen stattgefunden hatten. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind die beiden großen nuklearen Gegner durch keine Verträge zur nuklearen Rüstungskontrolle gebunden. Andere Länder und Gebiete, darunter Japan, Südkorea, Polen, Saudi-Arabien, Taiwan und die Ukraine, haben begonnen, über die Beschaffung eigener Atomwaffen zu diskutieren, was die Welt nur in ein noch größeres atomares Pulverfass verwandeln würde.

Ein Aufruf des Papstes zu einem Sondergipfel, um die aktuellen Kriege zu beenden und die wachsende Abhängigkeit von Atomwaffen und Kriegführung umzukehren, könnte den Staats- und Regierungschefs der Welt die Chance geben, einen neuen Kurs einzuschlagen und uns von der derzeitigen Entwicklung hin zu einem die Erde zerstörenden Atomkrieg abzubringen. Wir fordern Sie, Papst Leo, dringend auf, Ihre einzigartige moralische Autorität zu nutzen, um ein solches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Welt, einschließlich der Staatschefs der drei wichtigsten Atommächte, einzuberufen, damit diese zusammenkommen und auf die Bitten der Menschheit reagieren, unsere Welt in eine grundlegend andere Richtung zu lenken, bevor es zu spät ist.

Titelbild: Detail des Epitaphs des Ritters Martin von Wildenstein. Gest. 1466. Klosterruine Gnadenberg.

21 Replies to “Das Wort zum Sonntag”

    1. Da würde ich widersprechen! Zumindest was den Papst angeht. Glaube ich. Aber klar, Glauben ist nicht Wissen. Aber G. soll ja bekanntlich Berge versetzen können. Manchmal.Vielleicht. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür. Glaube ich.

    2. Es geht hier nicht um eine der üblichen „Petitionen“. Dieser Aufruf wurde in Abstimmung mit einer ganzen Latte amerikanischer Kirchenleute verfasst, die teilweise Papst Leo persönlich kennen. Es geht nicht drum, dass der Papst nicht dahinter steht. Es geht darum, dem Papst die entsprechende Rückendeckung zu geben, dass er diesen Gipfel durchsetzen kann. Einfach mal die Liste der Leute ankucken, die den Aufruf unterzeichnet haben. Das sind jetzt keine Himbeerwillis.

  1. Wenn man eine kriminelle Organisation wie die Kirche braucht, um dieses
    Problem zu lösen, dann spricht das nicht FÜR den mündigen Bürger der
    demokratischen Staaten. Von den neun Atommächten und den zusätzlich fünf
    Staaten der „Nuklearen Teilhabe“ sind nur zwei (China und Nordkorea) nicht
    demokratisch. Vielleicht sollte man in die andere Richtung schauen.

    Kann es sein, dass die Existenz der Atomwaffen in den meisten Staaten, die
    Atomwaffen besitzen, demokratisch legitimiert ist?

    Wenn die demokratische Mehrheit tatsächlich auf den Einsatz von Atomwaffen
    verzichten wollen würde, dann bräuchten wir nicht den Einsatz des Papstes,
    der gegen den Willen der demokratischen Mehrheit (bzw. gegen die demokratische
    Legitimierung der Atomwaffen) vorgehen müsste. Aber die Demokratien haben
    anders entschieden.

    Oder sind die demokratischen Atommächte unschuldig an dieser Situation?

    Wer ist denn dann schuld, etwa China und Nordkorea, die sich jeweils ca.
    10 Megameter von den USA und Europa entfernt befinden? China und Nordkorea
    haben keine Militäreinrichtungen in der Nähe Europas und/oder der USA – ein
    Teil der NATO hat aber sehr wohl sein Militär in Ostasien stationiert. Seit
    mehr als einem Jahrhundert hat die USA im Pazifik sein Militär positioniert
    und seit mehr als einem Dreivierteljahrhundert in Ostasien. Dann kommen noch die
    illegalen Angriffskriege der USA in Afghanistan im Jahr 2001 und in Südostasien
    in den 1960er/1970er Jahren. Und dann führten im Jahr 1953 ein paar NATO-Mitglieder
    auch noch einen Sturz eines demokratischen Staates westlich von China zw. südlich
    der Sowjetunion durch – im Iran. Mit entsprechenden Konsequenzen, die man bis
    heute bei der Tagesschau bewundern kann.

    Kurz zusammengefasst:
    Die NATO und/oder die USA haben bzw. hatten China halb umzingelt (und Nordkorea
    wird von China als Pufferzone benutzt).

    Von wem fing die Bedrohung an?
    Etwa von China, Nordkorea und Iran – mit deren Erfindung der Atombombe, die in
    vielfacher Anzahl auf deren international verteilten militärischen Einrichtungen
    gelagert wird?

    Bisher dachte ich, dass es andersherum war.

    Als die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. an die Weltgemeinschaft gesprochen
    haben (1962 und 1965), da gab es zwar auch Kriegshetzer, aber diese hatten
    höchstens einen General-/Admiral-Dienstgrad. Das letzte Wort lag bei Leuten,
    die wenigstens noch einige Gehirnzellen besaßen und (mehr oder weniger)
    deeskalierend wirkten.

    Ob heutzutage ein Papst bei einem Vorzeigebürger, wie z.B. Trump, Bolsonaro
    oder den anderen Personen mit der Dagegen-sein-Politik etwas ausrichten kann?
    Müssten – zumindest die demokratischen Staaten – denn nicht einfach ihre
    Politik überdenken?

    P.S.:
    Dass die Inanspruchnahme einer kriminellen Organisation zu schlechten
    Konsequenzen führen kann, konnte man ja bereits bei der Zusammenarbeit
    der USA mit Lucky Luciano und seinen Mafia-Freunden sehen. Das Ergebnis:
    Ein Mafia-Staat in Kuba: https://www.youtube.com/watch?v=VFm5GwJj6u8

    P.P.S.: Ich bin gegen Atomwaffen.

  2. Möchte der Papst das jetzt noch überhaupt, Tradition Rattenlinie? Möchten das bestimmte westliche Interessenvertreter? RAND „Extending Russia“ , oder ist die ganze Sache nicht doch gründlich vorbereitet worden Brzezinski „Die einzige Weltmacht“ und Scott Horton „Provoked“. Ist Regime Change ein üblicher Prozess, den dieser Aufruf nur stört, Lindsey A. O’rourke „Covert Regime Change“. oder ist die Situation nun doch so kritisch, dass man die eigene Bevölkerung aktivieren möchte, um Pause zur Erholung für den nächsten Schlagabtausch zu haben. Hilft der Papst auch gegen unsere eigene Militarisierung? Am Ende macht eine Partei wieder Wahlkampf „Keine Waffen in Krisengebiete“, um dann das Gegenteil zu tun. Stimmen für Verständigung sind in Deutschland gefühlt an die Seite geschoben worden. Ist Frieden eher ein Ausnahmezustand? Wer möchte, kann natürlich mit seiner Unterschrift seine Meinung kundtun. Was daraus ge“spin“t wird, darauf bin ich gespannt. Hest

  3. Vielleicht kann man die Petition auch an den Dalai Lama, das Oberhaupt der orthodoxen Kirche und einige Grossayatollahs und jüdische Kirchenoberhäupter richten. Kein Kirchenoberhaupt darf Krieg und Vernichtung gutheißen oder dazu aufrufen.
    tom

  4. Warum sollte der Verein zur Förderung der Pädophälie hier besonders moralisch legitimiert sein ? Nix gegen die persönliche Integrität des Papstes, aber die katholische Kirche hat genug Unheil angerichtet mit ihrer menschenverachtenden Sexualmoral, gern nach dem Motto ‚Wasser predigen, Wein trinken).

    1. Der Aufruf geht an den Papst.
      Nicht an die katholische Kirche.

      Wenn man sich ein bisschen mit dem Hintergrund beschäftigt, wird klar, warum ausgerechnet der Papst hier gefragt ist – und warum tausende Leute weltweit diesen Aufruf unterzeichnen, die durchaus die Geschichte der katholischen Kirche kennen.

      Es ist sehr, sehr einfach, diese Initiative zu verurteilen, schlicht weil jemand gefragt ist, der einer Organisation vorsteht, die in der zweitausendjähirgen Geschichte für ziiiiemlich viel Unheil verantwortlich ist. Nur leider trifft das für so ziemlich jede große Organisation zu und schon gleich gar für so ziemlich jeden Staat zu. Die logische Folgerung daraus ist, jede Friedensinitiative zu blockieren. Das bedeutet nur eben leider, dass demnächst die Welt zerstört wird. Dann hat man zwar Recht gehabt, dass alle voll böse sind, kann das aber nicht mehr im Internet posten, weil man dann tot ist. Und das Internet gibt es dann auch nicht mehr.

      1. Na, der Papst steht dieser moralisch wenig glaubwürdigen Organisation vor. Wenn ich bei Kardinalstreffen die verknitterten alten weißhaarigen Männer – nur Männer, bekanntermassen -in ihren lila Uniformen sehe kann ich mir nicht vorstellen dass aus diesem Kreis die Welt verbessert wird.
        Die Initiative wirkt extrem abgehoben , „Treffen der Staats- und Regierungschefs der Welt, einschließlich der Staatschefs der drei wichtigsten Atommächte“. Ein paar Nummern kleiner wäre realistischer. Bilateral hatte man mit dem START-Abkommen immerhin mal was erreicht.

        1. Die Leute, die den Aufruf gestartet haben, kennen die Personen, an die sie den Aufruf richten, persönlich. Das ist keine Petition von Hans Otto aus Kleinklunkershausen.
          Diese „verknitterten, alten, weißhaarigen Männer“ (danke für das Kompliment) haben immerhin Papst Leo gewählt, der sich schon mehrmals in Sachen Weltfrieden weiiiit aus dem Fenster gelehnt hat. Sehr viel weiter und mit mehr Nachdruck als absolut jeder deutsche Politiker. Dass er beim deutschen Mainstream deshalb unbeliebt ist – Jo.
          Es ist die derzeit vielversprechendste diplomatische Initiative überhaupt. Die komplette europäische Diplomatie glänzt durch Nichtexistenz.

          Diese Initiative lächerlich zu machen, ist einfach. Man kann das mit jeder Friedensinitiative machen. Das ist und war immer der schnellste Weg ins Massensterben. Nur dass es diesmal um alles geht. Die USA sind der Meinung, es gibt einen gewinnbaren Atomkrieg. Dass Europa dann nicht mehr existiert ist denen wurscht. Ein einziger Reaktorunfall in der Ukraine hat auf Jahrzehnte hinaus unsere Wälder vergiftet. Die Kinderkrebsraten werden jedes Jahr höher, die Anzahl der schweren Missbildungen steigt. Was eine nukleare Verseuchung Russlands bedeutet, selbst wenn die keine einzige Rakete starten können, kann man sich ausmalen. Von einem darauf folgenden, weltweiten, nuklearen Winter ganz zu schweigen.

          Das kann man als Panikmache abqualifizieren, man kann sich aber auch mit den entsprechenden Studien beschäftigen.

  5. Alle Aufrufe, Aktionen, Appelle zur Erhaltung des Friedens sind bewundernswert, sie werden nichts bringen.
    Wenn man wissen möchte, wohin die Reise geht, ist allein die Verhaltensforschung (Ethologie, Behaviorismus) eine aussagekräftige Entität. Diese in den letzten Jahrzehnten explodierte Wissenschaft hat gezeigt, dass wir uns auf dem Weg von Primaten zu Sapiens zu einer deutlich aggressiveren und egoistischeren Tierart entwickelt haben. Diese Entwicklung ist die Grundlage unserer Dominanz (auch im Vergleich zu anderen Menschengattungen, die wir auf diesem Weg ausgerottet haben).
    Untermauert wird dieser Trend durch biologische Erkenntnisse in der Hirnforschung, so haben sich bei uns Amygdala und Präfrontaler Cortex stärker herausgebildet als andere Gebiete des Neocortex. Beide Areale sind Zentren von Emotionalität und deren Kontrolle. Eine Kontrolle, die offenbar nicht funktioniert, sonst wären Kriege nicht der unausrottbare Dämon unserer Geschichte. Wir sind als Art derzeit (noch) eine Erfolgsgeschichte der Evolution, aber wir sind eben ein evolutionäres Experiment, und es ist wahrscheinlich, dass dieses Experiment in die Hose geht.
    Wir sind nicht das Ergebnis irgendeiner göttlichen Schöpfung, nicht die Krone der Biologie, wir sind ein winziger Versuch der Biodiversität, auf diesem Planeten einen Wimperschlag zu existieren.
    Religion, Kultur, Philosophie, Kunst ecc. sind dabei niedliche Ornamente, die dem einen oder anderen vielleicht helfen,
    bis zum Abend durchzuhalten.

    1. Werner,
      Deine „ART“ Worte einzusetzen ist Klasse!
      Für Flora und Fauna wünsche Q ich, das das Experiment mit Dümmlingen schnell in die „Hose“ geht…

    2. „dass wir uns auf dem Weg von Primaten zu Sapiens zu einer deutlich aggressiveren und egoistischeren Tierart entwickelt haben“ – sehe ich nicht ganz so pessimistisch. Der Mensch unterscheidet sich als Art von anderen Tierarten doch vor allem dadurch, dass Verhalten weniger genetisch prädisponiert ist, stattdessen mehr durch Anpassung an die Umwelt entsteht, erlernt wird. Als eine der jüngeren neurologisch verifizierten Erkenntnisse habe ich gerade die in Erinnerung, dass im Menschen beides gleichermaßen angelegt ist: Konkurrenzverhalten wie Kooperationsverhalten. Wie sich das im einzelnen Individuum ausprägt, entscheidet sich sehr stark dadurch, welche Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen es im Leben vorfindet. Diese wiederum haben ihre Wurzeln in der Gesellschaftsform, in der eins aufwächst. Unsere wiederum basiert zentral auf einem „alle gegen alle“ – eigentlich klar, welche Tendenz in Sachen Konkurrenz vs. Kooperation sich da entwickeln muss. Handfeste, reale Gegenbeispiele völlig anderer, kooperationsbasierter Organisationsformen mit deutlich friedfertigerem Leben liefert die (v.a. außereuropäische) Ethnologie durchaus einige.

      1. Siegmund Freud: „Das unzivilisierte, brutale Verhalten, das durch Krieg entfesselt wird, zeigt, dass die Menschen nicht so tief gesunken sind, wie wir fürchten, weil sie gar nicht so hoch gestiegen waren, wie wir von ihnen glaubten. Krieg ist unvermeidlich, es liegt in der menschlichen Natur, Kriege zu führen“.
        Die Primatenforschung hat gezeigt, dass aggressives territoriales Verhalten z.B. bei Schimpansenclans durchaus üblich ist, aber kooperatives Verhalten innerhalb des Clans vermutlich besser funktioniert als beim Menschen (wo nur mühsamst konstruierte Sozialnormen und Gesetze Anarchie und Gewalt verhindern). Bezüglich ethnologischer Gegenbeispiele bin ich skeptisch, das Topos des „edlen Wilden“ hat sich wohl erledigt, nicht ganz ausgeschlossen halte ich die von dir zitierten friedfertigeren Organisationsformen evtl. bei matriarchalen Gesellschaften; nur, wo gibt es die noch?

  6. Vielen Dank für das Thema und die Diskussion, sehr interessant. Auch wenn alle mal im Curry Clan verortet waren bzw. noch sind aber sich vielleicht schon einem anderen Clan anschließen möchten, ist es hier im „erweiterten“ Clan weiterhin kooperativ und respektvoll, schön. Gruß Hest

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