Warum ich EBV nicht mag.

EBV ist „Elektronische Bild Verarbeitung“. Mag ich nicht. Ja. Ich verwende sie. Seit PC Paintbrush for Windows 1.0 auf den Markt gekommen ist. Das kaufte man damals in einem Malkasten von Faber Castell. Mit zwei Disketten, 4 Farbstiften und 4 Wasserfarben drin. Das war 1993. also jetzt gemütlich 33 Jahre her. Ich verwendete es dazu, meine Graustufenscans aus dem Scanman256 zu kolorieren.

Sieben Jahre später habe ich mit Daniel Schuler zusammen selber eine EBV programmiert, um Graustufenbilder von alten Büchern von Flecken zu reinigen. („Despeckle“). Und zwar so, dass man der Software mal locker 1000 Scans vorsetzen konnte und die alle Scans automatisch gesäubert hat.

Ich weiß also, wie sowas geht.

Ich mag sie trotzdem nicht. Warum?

Ich habe viel mit Fotoneulingen zu tun. Und mit Kunden. Und die sehen Bilder und sagen „das will ich auch machen“. Und dann scheitern sie daran, weil das alles Fake ist. Weil man solche Bilder nicht fotografieren kann, weil es diese Wirklichkeit nicht gibt. Weil niemand so perfekt aussieht. Weil. Weil. Weil.

Und dann sind sie frustriert.

Stabile Fotografen entscheiden dann: Ich geben einen F*** auf die Meinung von anderen. Ich fotografiere weil ich das will. Wenn ich Pixel schubsen will – das ist ein anderes Hobby. Und nein, das gehört NICHT dazu, auch wenn viele Kamerabediener das behaupten. Mauern und Anstreichen sind zwei verschiedene Berufe. Klar, der Anstreicher kann den Pfusch des Maurers zupinseln, aber es bleibt Pfusch. Und wenn der Maurer seinen eigenen Mist kaschiert, dann wird ihm irgendwann das Haus einfallen.

Weniger stabile Fotografen beschließen: Wenn es alle machen, mach ich es auch. Und Zack werden Objekte automatisch entfernt, aus Tante Erna wird Claudie Schiffer und aus dem abgeranzten Golf ein nagelneuer Ferrari. Coooles Foto.

Nein. Kein Foto. Weder die Wirklichkeit, noch ein Ausschnitt derselben.

Ja, aber man hat doch schon immer Fotos retuschiert. Jo. Um zu kaschieren, dass das Bild des Sprößlings unscharf ist, denn den Blagen wollte keiner noch mal im Studio haben um ein besseres Foto zu machen. Um den mittlerweile in Ungnade gefallenen Trotzki zu entfernen. Und so weiter. Capa hat bisweilen beschlossen, die Fotos gleich ganz zu faken. Klar, Beschiss gab es schon immer. Seit es Banken gibt, wurden sie überfallen. Ich überfalle trotzdem keine Bank.

Wenn ich Bilder verändere, dann schreibe ich das dazu – oder es ist sofort ersichtlich, weil das so nicht möglich ist. Niemand denkt ernsthaft, dass meine Fotos mit fliegenden Teppichen real sind. (Obwohl ich da ein RAW zeigen kann.)

Und das ist eben mein Problem, was ich mit der aktuellen EBV-Kultur in den Fotoclubs – und ja, auch in den Wettbewerben – habe. Die Anfänger sehen grandiose Fotos mit Milchstraße oder von heranwetzenden Dachsen, sind geplättet und werfen die Flinte ins Korn „Kann ich nie!“ und niemand sagt ihnen, dass an der Milchstraße ein spezieller „Milchstraßenfilter“ in der EBV schuld ist, und man den Dachs samt Trainer mieten kann.

Und dann wundern sich die Clubs, wo der Nachwuchs bleibt.

Zeigt von mir aus eure EBV-Künste und macht wundertolle Kunstwerke – aber stellt daneben das Originalbild. Das JPG, das aus der Kamera kam. Dann kann man eure Beherrschung des Programms bewundern und die Beherrschung des Fotografenhandwerks.

Wäre doch ein Deal, oder?

Und solange ihr nur für eure eigene Wand knipst, ist sowieso alles egal.

13 Replies to “Warum ich EBV nicht mag.”

  1. Ich für mein Teil nutze elektronische Bildverarbeitung bei der Entwicklung meiner Fotogeafien zu Bildern. In ziemlich genau dem Umfang wie ich es früher in der DuKa gemacht habe. Abwedeln, nachbelichten, Staubflecken und Kratzer entfernen… so Zeugs halt. Was ich auch mache ist Dinge entfernen die ich beim erstellen des Bildes nicht im Vorwege durch z.B. Veränderung des eigenen Standpunkts ausblenden konnte. Ding die nicht da waren einbauen oder gar Composings mit eingefügten Monden, Personen oder was auch immer mache ich nicht. Höflichkeiten bei Porträts mache ich schon, da wird schon mal der ein oder andere Pickel entfernt. Falten hingegen eliminiere ich hingegen eher mit Hilfe entsprechender Beleuchtung.
    Meine Bilder sind selten ooc und ich neige nicht zu Dagmatismus… von daher bin ich wohl auch eher kein Fotograf. Vielleicht eher ein Bildermacher.
    Gruß aus HH
    Achim

    1. Dogmatismus hält an – meistens unbewiesenen – Glaubenssätzen fest. Ein Dogma ist zum Beispiel: „RAW ist gut, JPG ist schlecht.“ Oder „Jedes Bild muss bearbeitet werden, sonst ist es Mist“. „OoC gibt es nicht“ (Hat Patrick Ludolph mal behauptet.) oder auch „JPG reicht immer“ und „Wer Bilder bearbeitet ist nur zu faul zum fotografieren.“
      Ich würde Dich als Fotografen bezeichnen. Jeder, der solche Bilder wie Du mit LC macht, statt sie am Computer zusammenzufrickeln, entwickelt seine Bilder im Kopf – nicht am Bildschirm. Und ich denke, das wäre zwar wieder eine unbewiesene Behauptung, aber dann stelle ich die halt mal als Dogma auf…

  2. Hmmm – ich glaube Du kennst meine Meinung dazu: EBV ist für mich die neue Dunkelkammer …. und manchmal auch mehr. Ich spiele gerne damit rum – allerdings inzwischen weniger, seit meine Kamera ArtFilter hat 😉
    Aber ja, Ausschnitt, gerade rücken und ein wenig an Farben oder Belichtung korrigieren (wenig, heißt nicht ein Tag- aus einem Nachtfoto machen), das gönne ich mir fast immer. Kann man auch gleich direkt richtig machen? Aber ja doch, nur bin ich dafür meist zu ungeduldig vor Ort oder kann mir Zeit und Ort nicht genau genug aussuchen – ich bin halt nur ein Knipser, kein Fotograf – naja.

    Aber manchmal, also manchmal, da muss es einfach auch mal mehr sein, da muss die Realität einfach mal „überbügelt“ werden, da hilft dann alles nichts.

    Andy
    immanipulationsmodus

    PS: natürlich ohne KI, alles Handarbeit…..

  3. Ich seh das so in etwa wie Achim, ein paar Regler schupsen und entrauschen, leichte schärfen gehört für mich dazu. Composings und KI generierte Bilder probiere ich dann und wann mal, ab nur um zu gucken was da so geht.
    Auch mal Pickel entfernen oder störenden Müll entfernen, Schwarzweiß umwandeln ja, aber häufiger in der Kamera selbst umgestellt, hab mir sogar optische gelb, orange und rot Filter geholt. Macht übrigens Spass. Bildzuschnitt und Größe mache ich auch in der Post.
    Ziel ist es aber schon soviel wie möglich aus der jeweiligen Kamera herauszuholen und sowenig wie nötig Bildbearbeitung, kostet ja Zeit.

  4. Wir haben jeden Monat am ersten Clubabend unser „jeder bringt“, also einfach Neues, was man so gemacht hat. Jeden zweiten Monat ist aber „jeder bringt“ mit vorher-nachher. Hier zeigen wir zuerst das Original und dann dass finale Ergebnis (auch gerne in Variationen). Ist immer ein toller Abend, weil dort wirklich sehr viele unterschiedliches gezeigt wird. Manchmal übertrieben, manchmal gewaltig.
    Zur EBV allgemein: wenn es kein digital göbe, weiß ich nicht, wie ich heute das tolle Hobby betreiben würde! Wenn ich an die Zeit denke, die ich in den 80er und 90ern als Schüler und Student in der Duka verbracht habe… Die Zeit hätte ich heute einfach nicht und Rente ist noch lang hin 🙂
    Also ganz prinzipiell ist digital und ebv für mich toll. Ich spiele auch gerne mal mit allen Reglern rum (aktuell mit Aerochrome Effekt bei Farb-IR Aufnahmen), bleibe aber doch gerne auf dem Boden (hoffe ich!).

  5. Ich seh das so in etwa wie Achim, ein paar Regler schupsen und entrauschen, leichte schärfen gehört für mich dazu. Composings und KI generierte Bilder probiere ich dann und wann mal, ab nur um zu gucken was da so geht.
    Auch mal Pickel entfernen oder störenden Müll entfernen, Schwarzweiß umwandeln ja, aber häufiger in der Kamera selbst umgestellt, hab mir sogar optische gelb, orange und rot Filter geholt. Macht übrigens Spass. Bildzuschnitt und Größe mache ich auch in der Post.
    Ziel ist es aber schon soviel wie möglich aus der jeweiligen Kamera herauszuholen und sowenig wie nötig Bildbearbeitung, kostet ja Zeit.

    Gruss Thorsten

  6. Moin,

    meine EBV heisst dxo sowieso vers. 4 (einige Jahre alt). Da sind alle Objektivkorrekturen drin die ich wollte. Ich nutze entrauschen und clear view, weil die Canyons im Oman 364 Tage vom Jahr so staubig sind, daß man die andere Seite kaum sieht. Dieses Filmpackteil habe ich auch. Nutze ich gelegentlich und es macht manchmal hübsche Filmeffekte.
    Bei UW-Bildern drehe ich ein bißchen an den Farben, weil meine WG8 sonst ständig Fischlein in Erbsensuppe zaubert. Für mehr als 2 Minuten pro Bild habe ich keine Geduld – braucht es mehr lösche ich.
    Wenn ich jpg geknipst habe nehme ich gleich irfan view.
    Das andere ihre Bilder eigentlich am PC malen und das Foto nur ein roher Rahmen für das Bild darstellt finde völlig ok und geht mich auch nichts an.
    Ich bin kein Künstler, ich will eigentlich nur ein bißchen Vergangenheit zur Unterstützung meiner Erinnerung festhalten.

  7. Es gibt halt unterschiedliche Ansätze und wenn es vertieft wird, erinnert es mich fast an die Relegionskriege, wobei dann auch Lutheraner und Reformisten und…..
    Aber was ist ein jpg? Für mich steht davor ein Sensor der versucht etwas abzubilden mit seiner Einschränkung. Und ein jpg ooC ist auch ein entwickeltes Bild. Denke nur an die Paramater die man eingeben kann, das Einfluss auf das jpg hat. Auch gar ein jpg ooC mit einem ART-Filter wäre als Ergebnis einer Nachbearbeitung verschmäht und ein Original-jpg würde verlangt in der Präsentation, das es doch nicht gibt?
    Es gibt Momente, erst die Tage ein Foto gemacht, da mußte über einen Verlaufsfilter der Vordergrund aufgehellt werden, damit der Himmel dahinter konstant bleiben konnte. Schlicht Dynamikumfang. Eine OM1 II/OM3 war nicht an der Hand.
    Nachbearbeitung ist für mich ein Weg. Möchte mich auf das Motiv konzentrieren und nicht vor Ort auf alle Regler der Möglichkeiten. Austausch von irgendwelchen Teilen wie Himmel etc… kann man, dann wird für mich ein Foto zu einem Bild, das dann in den meisten Fotowettbewerben nicht zugelassen sind.
    Ansonsten hat jeder seinen Weg um zu einem ansprechenden Foto zu kommen.

  8. Ich dachte ja bis einschließlich E-330, lasst mich mit RAW in Ruhe, da hab ich schlicht keinen Bedarf für. Bis dann die E-510 kam, die wegen des Stabis her musste, obwohl ich nach der E-330 eigentlich keine Kamera ohne Klappdisplay mehr haben wollte. Und deren JPEG-Engine dann immer so rund 1 EV Dynamik in den Highlights abschnitt, ich also übermäßig oft ausgefressene Lichter hatte. Die zwang mich zum RAW.

    Und als ich dann feststellte, dass Bilder im RAW-Konverter auszusortieren und die übriggebliebenen (meist unverändert, allenfalls ein bisschen zurechtgeschnitten) im Batch zu JPEGs zu machen auch nicht wirklich mehr Arbeit ist, bin ich halt dabei geblieben. Zuerst mit Silkypix Developer Studio Pro, von dessen Hersteller damals auch die Olympus-JPEG-Engines stammten und das demenstprechend ansprechende Farben lieferte. Später dann mit DxO PhotoLab wegen der Entrauschung. An allen anderen Konvertern, die ich ausprobierte, hat mich entweder was an den Ergebnissen (meist die Farben) oder an der Bedienung gestört.

    Heute mache ich ein klein wenig mehr Bearbeitung, aber normalerweise auch nicht vielmehr mehr als Helligkeit, Kontrast, Farbtemperatur anpassen, wenn ich’s für nötig halte, allenfalls noch ein bisschen Geometrie. Retusche? Fast nie, von Staubflecken mal abgesehen (nein, nicht bei Oly/OM, aber bei Sony, die kriegen das bis heute nicht hin), oder ganz selten, wenn ich einfach mal rumspielen will. Da wiederum kommt fast nie was bei raus, was ich behalten wollen würde. Ich bin tatsächlich eher jemand, dem’s beim Bild ein bisschen auf sowas wie Authentizität ankommt.

  9. Mir reicht eigentlich Entrauschen, Crop, gelegentlich Nachschärfen mit DXO als EBV,
    selten auch ein „Aufpolieren“ mit Radiant (bei handyfotos)
    Viel EBV gibt es ja mittlerweile auch in der Kamera selbst (CP , Artfilter,…) .
    Ich mag es immer noch nicht:-).
    Wer es gut macht und nicht behauptet so , genauso, habe ich es fotografiert, warum nicht ?

  10. Als ich in meiner ersten Ehe die Dunkelkammer zugunsten mehr Platz für Kinder aufgeben mußte, starb für viele Jahre auch die Leidenschaft für kreative Fotografie. Also nur noch Fotos fürs Familienalbum, 30 von 36 Fotos Ausschuss. Seit wenigen Jahren ist dank EBV die Dunkelkammer an meinen PC-Platz zurück gekehrt- welch eine Offenbahrung! Seither kann ich meinen individuellen Blick gemäß Erinnerung an das Motiv mit zuvor nie gekannten Möglichkeiten realisieren. Da ich in RAW fotografiere, ist EBV ohnehin essentiell, auch für die SW-Variation vieler meiner Motive. (Eine Leica Monochrom ist außerhalb meiner Besitzphantasie). Für mich bedeutet also EBV einen dicken Daumen nach oben, dort wo sie nützt, niemals wo sie schadet!

  11. EBV ist für mich ein Werkzeug wie ein Winkelschleifer: Ich mag nicht damit arbeiten, man kann damit viel Schaden anrichten, aber gelegentlich ist er extrem nützlich.

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