Als ich 1983 die erste Tour nach Norwegen unternommen habe, waren Wellblechpisten noch völlig normal und wir sind mit unserem abgewrackten Hanomag Henschel F20 nirgends aufgefallen. (Ein umgebauter Blumentransporter. Vanlife vor 40 Jahren.)

2009, mit der Ente, war das schon eher ein „Aufgschau“. Aber uns sind immer wieder kantige Volvo-Kombis entgegen gekommen, in denen Mütter mit Kindern zum Einkaufen fuhren. Und am Straßenrand standen dekorative Wracks aus den 60ern. Ich habe die Autos glücklicherweise fotografiert.

Das ist vorbei. Wenn man Wracks sieht, dann sind das halb zerlegte Autos aus den 80ern, die in Vorgärten stehen. Ab und zu sieht man in Garagen mal einen hochglanzpolierten Buckelvolvo oder auf dem Hof einer Autowerkstatt eine DS. Muss man aber Glück haben.

Was rumfährt sind Teslas und SUVs. Es kann sein, dass das nördlich des Polarkreises noch anders ist, aber hier in Südnorwegen hat man den Eindruck, ein Schaulaufen der „Geld spielt keine Rolex“-Autos zu bewundern.

Natürlich gibt’s auch eine aktive Straßenkreuzer-Community. Da die Spritpreise mittlerweile die 3-Euro-Schallmauer durchbrochen haben, fahren die allerdings nur noch sporadisch in freier Wildbahn rum.

Generell sind die Preise absurd angezogen. Ein Chickenburger ohne alles kostet auch mal locker 18 Euro. 4 Minuten Duschen bis zu 4 Euro. Im Supermarkt fällt einem die Kinnlade ins Portemonnaie, das Kilo Kartoffeln vier Euro. 500 Gramm Erdbeeren Siebenfuffzich.

Ich habe mich mal über die Wohnmobilisten aufgeregt, die zu Haufen auf den Parkplätzen stehen und die Campingplätze sind leer – bei den Vanlifern, bei denen die Kohle nicht so locker sitzt, verstehe ich das mittlerweile. Da ist man versucht, die Kühlschränke mit dem Essen aus Deutschland vollzupacken. Denn, und das ist das Blöde – das Zeug für richtig viel Geld ist nicht mal besonders gut. Das ist einfach simple Supermarktware. Massenfutter. Billig produziert.

Das gute Zeug kriegt man am Land, wenn man weiß, wo.

Mittlerweile wird viel verkauft. Nicht nur Bauplätze, auch Häuser, Hytter, oder ganze Campingplätze, deren Besitzern das Geld ausgeht. Der Reichtum fängt an, sich nach oben zu verschieben. Die Häuser, die es mittlerweile hier zu kaufen gibt, haben teilweise absurd große Grundstücke. Für ne halbe Million Euros bekommt man gemütliche zehn Quadratkilometer Grund mit Bauernhof drauf.

13 Replies to “Autos in Norwegen”

  1. Ich kann die Preise im wesentlichen bestätigen (ich wohn ja hier). Aber Kartoffeln bekommt man auch für zweifuffzsch pro Kilo (lose). Benzin/Diesel variiert im Preis je nach Wochentag zwischen 18NOK und 27NOK (sagen wir 2€ – 3€).
    Und das Essen ist wirklich eher unter aller Kanone (viele Zusatzstoffe insbesondere Konservierungsmittel). Lidl hat sich hier (ich muss sagen angeblich) nicht gehalten, weil es zu billig war und die Qualität angezweifelt wurde (ist bald 20 Jahre her). Es gibt hier inzwischen eine Kette, ein quasi-Drogeriemark, der „normal“ heißt und günstige Preise aufruft, wie man sie aus D kennt (plus die leicht höhere MwSt von 25% und noch kleinere Zuschläge). Preise sind hier wirklich random und hoch ohne vernünftigen Grund. Aber genug gerantet. Relaxter ist es hier allemal und keine Sau interessiert es, was du für ein Auto fährst oder welches Smartphone du hast – aber ich bemerke bisweilen durchaus eine starke Wohlstandsverwahrlosung (mich eingeschlossen).

    1. Stimmt, ich habe heute auch lose Kartoffeln für 19,90 gesehen. Es geht billiger. Gestern abend gab es solche Kartoffeln. Eiwei. Da bin ich vom Nachbarn in Rocksdorf was anderes gewohnt. Die Ökoeier haben nach Chemie geschmeckt – habe ich noch nie erlebt. Und ich habe hier bis zur Höhe von Bergen Dieselpreise zwischen 25,99 und 30,05 gesehen. Leider nicht weiter runter. Die letzten drei Tage waren 27,5 NOK schon billig!
      Das mit dem „relaxt“ – ja, deswegen bin ich ja auch so gerne hier.

      1. Also Karotten und Kartoffeln sind etwas, das hier wirklich schmeckt. Und lose Kartoffeln bekommt man in gut und in schlecht (jedenfalls äußerlich). Also, ich beschwere mich wirklich oft und ausgiebig über das kulinarische Norwegen und die Preise, aber was hier angebaut wird schmeckt durchaus als Rohware.
        Wegen Benzinpreisen: kann ich auch nicht so wirklich mitreden, fahre selber kein Auto (sehe nur die Preise an der Tanke nahe meiner Wohnung und die variieren doch erstaunlich stark).
        Eier und Fleisch (Wurst sieht schon ekelig aus) klemme ich mir hier auch inzwischen, Käse ist ist so ein Fall von naaa, jaaa (aber geht).
        Preise sind hier aber auch hoch wegen des ungünstigen Wechselkurses (bei Importen relevant). Das war so um 2008 und ab und an danach mal anders. Ich kann mich erinnern, ich war mal 2021 in Berlin, da kostete eine Salatgurke 49 Cent im Aldi und hier war man mit 26NOK (damals vielleicht 2,60-2,70€) dabei – da war meine Kinnlade nicht bloß im Portmonee sondern irgendwo im Erdkern …
        Ja, genug geschwafelt.

  2. Ja, die Preise. Es ist immer mal wieder alles anders als zuhause. Und in jedem Land anders.
    Da musst Du mal Urlaub in der Schweiz machen …
    Aber Diesel – naja, nach Norwegen muss man mit dem E-Auto fahren.
    Mein Sohn ist gerade von einer 7500 km Tour durch Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen bis zum Nordkap zurück gekommen. Die Preise an den Schnelladern liegen bei ca. 2/3 von denen bei uns … wir haben es dann ausgerechnet: es waren (inkl. der paar Mal laden in D) 6.42 Cent/km für den Strom.

    1. „Da musst Du mal Urlaub in der Schweiz machen …“

      Ja unbedingt!!! Bei uns in der Schweiz kosten 2.5 kg Kartoffeln festkochend für Gschwelti, Salat CHF 3.75

      Geschmacklich sind sie nicht schlecht 😀

  3. Hoi Reinhard
    Kannst Du mal bitte etwas über die Norwegischen Fischspezialitäten berichten (probieren) ? Z.B. Marinierter Hering oder den Rakfisk ? Schmeckts ? Weiterhin schöne Reise, Gruss Georg

    1. Nein. Ich habe Stockfisch probiert, muss ich nicht jeden Tag haben. Der Lachs ist meistens Zuchtlachs und entsprechend naja. Ich habe zweimal selbst gefangenen Lachs gekriegt. Das ist etwas völlig anderes. Und ich meine völlig anders. Leider gibt’s beide Restaurants nicht mehr.
      Ansonsten keine Fischerfahrungen.
      Ach ja, ich habe mal Königskrabbe gegessen. Weil das Viechzeug den gesamten Meeresboden rund um das Nordkap bis zu den Lofoten kahlfrisst. Da dachte ich, ein gutes Werk zu tun. Aber Kapitalismus ist überall – und weil die Königskrabbe als Delikatesse gilt und fürstlich bezahlt wird, gibt es Fangquoten dafür. Es geht also nicht drum, die einheimischen Arten zu schützen, sondern die Profite der Königskrabbenfischer. Lohnt Königskrabbe? Nope. Ohne den Dip ist das halt relativ geschmackloser Fisch.

    2. Selbstgefangener Fisch ist eines der wenigen Gerichte, die in Norwegen genießbar sind. Lachs geht schlecht, Permits für die klassischen Flüsse sind sehr teuer.
      Aber Meeresfisch (Dorsch, Seelachs, Makrele, Rotbarsch) habe ich fast überall gefangen, ohne dass man dafür große Angelkenntnisse braucht. Ist an den Küsten auch überall frei, mit Ausnahme der Bereiche von Flussmündungen (wo Meerforelle und Lachs steigen).
      Das negative Faszinosum in dieser großen Fischernation: Frischfisch gibt`s fast nur am Tagesmarkt in Fischereihäfen, überall sonst nur in Folie. Allgegenwärtige Kunststoffverpackung ist das Credo, in Zukunft sicher auch elektrischer Strom im Plastiksackerl.

  4. Vielleicht sind die Treibstoff-Preise in Norwegen deswegen so hoch,
    weil Norwegen es ernsthaft versucht auf Elektro-Autos umzustellen,
    sodass nur wenige Autofahrer mit Verbrenner-Motor fahren und die
    „Stückkosten“ (Literpreis) deswegen relativ hoch angestiegen sind.

    P.S.:
    Da hier die internationalen Kartoffel-Preise verglichen werden 😉 :
    https://amtatmall.mn/product/58808

    1. Norwegen hat bei Neuzulassungen m.W. ca. 90% BEV-Anteil. Das bedeutet aber auch, dass das im Bestand halt 20 Jahre dauert, bis das insgesamt so weit ist. Aktuell ist der Bestand dort bei ca. 50% BEV, heißt es. Das deckt sich mit meinem Eindruck von letztem Jahr im Urlaub dort.
      Also ja, nicht mehr „nur“ 30% BEV-Anteil bei Neuzulassungen und noch unter 10% im Bestand wie bei uns im August in Bayern (worauf wir ja schon stolz sind, nach der langen Durststrecke). Aber immerhin boch 50% Verbrenner im Bestand. Sicher wird da auch schon die eine oder andere Tankstelle dicht gemacht haben. Ich denke aber, man wird nur nicht mehr Benzin/Diesel in der Krise „subventionieren“, wie es hier bei uns geschieht. Sondern man läßt es seinen Markt-Gang gehen.

      1. Der Neuzulassungsanteil liegt bei 98,7% (August 2026) Der Bestand an Elektroautos liegt bei 32,5% des Gesamtbestands von etwa 1 Mio. Pro Jahr werden etwa 100.000 Fahrzeuge neu zugelassen. In sieben bis zehn Jahren dürfte die Vollelektrifizierung erreicht sein, vorausgesetzt, wir haben zwischendrin nicht eine „geopolitische Verwerfung“.
        Die Tankstellen werden weniger, aber vor allem sind es immer mehr Automatentankstellen. Der Anteil der Tankstellen, an denen noch ein Shop ist, sinkt rapide.
        Dass die Spritpreise so hoch sind, liegt in Norwegen aber an den Steuern (und den Mineralölkonzernen), nicht an mangelnder Nachfrage.

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