Beim Graben in Rocksdorf stoße ich immer wieder auf Hinterlassenschaften des Vorbesitzers – genauer, seiner Kinder. Ein paar der Fundstücke habe ich jetzt mal etwas geputzt und hier – auch als “#stayathome”-Anregung auf einen Spiegel gesetzt. Man muss nicht in LostPlaces herumturnen, um morbide Dinge zu finden, gelegentlich tut es auch der häusliche Sandkasten. Der LKW ist ein “Majorette” Ford CL9000 von 1987, ursprünglich hing da mal ein Tieflader mit einem Gazelle-Helikopter dran.

Majorette ging 1992 pleite, wurde ein halbes Dutzend mal verkauft und gehört jetzt zur Simba-Dickie-Gruppe. Produziert wird schon lange nicht mehr in Frankreich, sondern in Thailand.

Dieses Teil ist ein sogenannter “Flip Racer” von LTI. Auf der einen Seite ist es ein Formel-1-Auto, auf der anderen, grünen, Seite ein Sportwagen. Muss auch aus den späten Achtzigern stammen. Rennen kann man damit natürlich nicht mehr fahren, aber nachdem ich sowas noch nie gesehen hatte…..

Vom nächsten ist nicht viel mehr als ein Fahrgestellt übrig.

Das ist eine ehemalige Siku-Zugmaschine. So richtig mit Hebel, damit man den Sattelauflieger verriegeln kann, also was “Besseres”. Allerdings dürfte da wohl irgendwas richtig Schweres unterwegs gewesen sein….

Eigentlich hatte ich mir überlegt, die Teile so richtig clean auf weißem Poly zu fotografieren, nen Stack am besten, dass da wirklich auch jede Delle und alles erkennbar sind.

Aber die Lochkamera mit dem Spiegel – hat mir besser gefallen. Und ging Frei Hand.

Warum ich überhaupt auf Autos bin? Aktuell hat mal wieder die PR-Abteilung einer Weltfirma so richtig tief ins Klo gelangt. Die Jungs in Wolfsburg haben anscheinend überhaupt keine Sicherungen mehr eingebaut. Oder die Personaler stellen als Social-Media-Leute alles ein, was Instagram halbwegs korrekt buchstabieren kann. Oder das machen Werkstudenten oder Praktikanten – wie in einigen anderen Firmen. Soll vorkommen. Aber das soll ja weit verbreitet sein, dass die Bezahlung von Fußvolk vor allem Kostenfaktor ist.

Da fällt mir zur aktuellen Diskussion noch was ein. Upton Sinclair hat 1905 (!) den “Dschungel” geschrieben, in denen er die Zustände an den Schlachthöfen von Chicago schilderte. Er löste damit einen Skandal aus, der vor allem deshalb hochkochte, weil er beschrieb, dass Arbeiter mit TBC ins Fleisch husteten. Daraufhin wurden die Gesetze geändert. Und zwar nicht etwa die Arbeitsschutzgesetze, sondern die Hygienevorschriften. Upton Sinclair: “Ich wollte Amerika ins Herz treffen – aber ich traf es nur in den Magen.”

Das ist jetzt 115 Jahre (!) her.

Update: Ein VW-Vorstand hat den rassistischen Clip schon ne Woche vorher auf seinem Twitter-Account gepostet. Und schon da fiel das Ding unangenehm auf. Aber angeblich schreibt der Vorstand seine Tweets gar nicht selber, sondern das macht das Social Media Team. Kann man nicht erfinden.

7 Replies to “Schrott”

  1. Der Dschungel fällt mir bei solchen Meldungen auch immer ein, denn es hat sich nichts geändert, was in dem Buch beschrieben wird, nichts.

    Na ja, ich kaufe mein weniges Fleisch direkt beim Bio-Bauern. Weiderinder, Schweine im Stroh und im Familienverband, etc. Der verwendete Schlachthof ist klein und fein zu Mensch und Tier. Wurst etc. wird dann sowie so auf dem Hof gemacht, von einem bayerischen Metzger in aller Ruhe.

    Das Video von den Wolfsburgern ist wirklich unter aller Kanone.

    1. Ein Glück, dass ich mir das noch angesehen habe 😉
      Wahrscheinlich wurde er juristisch angedroht. Anscheinend kann die “Weltfirma” Kritiken nicht ab.

      1. Die Nummer hatte die Agentur “Voltage” gebaut – deren Cheffe eine interne Untersuchung angekündigt hat und sich bis dahin nicht mehr äußern will. Die Inhalte werden anscheinend von verschiedenen Agenturen produziert und jeweils automatisch auf den VW-Account ausgespielt. Bei Agenturen ist es oft so, dass der Chef für die Akquise zuständig ist, die Kampagnen von den Kreativen entwickelt werden und die tägliche Arbeit dann von den HiWis erledigt wird. Es ist wie überall. Die Strukturen geben die oben vor, und wenn es ein strukturelles Problem gibt, sind es die unten, die’s ausbaden müssen…
        https://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/rassistische-werbung-von-vw-das-sagt-die-verantwortliche-agentur-voltage-183186

        1. Was ich aber nicht verstehe. Wenn der Auftraggeber, hier VW, der Agentur einen Auftrag für das neue Modell gibt, wieso guckt sich der Auftraggeber das Video nicht vorher an, bevor sie veröffentlicht werden soll. Wenn ja, dann hat der Auftraggeber kein Gespür für die Gesellschaft. Hauptsache, es soll anregend und provozierend sein (wobei das Video inhaltliche nicht so recht passen will um für ein Auto zu werben).

          Auch wenn der Auftraggeber bzw. der Chef der Agentur diesen Auftrag den Mitarbeitern weitergibt, haben die immer noch die Verantwortung.

          Viele Grüße
          Pit

          1. Wir reden hier über einen Großkonzern. Wenn da der Vorstand alle Werbemaßnahmen abnicken muss, die weltweit ausgespielt werden, dann hat der nichts anderes mehr zu tun. Oft wird nur die grobe Richtung der Kampagne mit der Agentur abgesprochen. Und je größer die Agentur, desto weniger ist der Chef der Agentur in den einzelnen Maßnahmen drin. Das geht so weit, dass schon bei kleinen Firmen die Social Media-Leute relativ unabhängig agieren, obwohl ein einziger dummer Satz auf Facebook einen teueren Shitstorm auslösen kann. (Olympus Deutschland hat mich zum Beispiel auf ihrer Facebook-Seite auf “Stumm” geschaltet, damit ich nicht irgendwelche kritische Sachen posten kann. Der Treppenwitz ist ja, dass ich diese Seite seinerzeit angelegt habe – weil die niemanden hatten, der das konnte.) Das Problem ist schlicht, dass die meisten Firmen die Bedeutung von eigenen Social Media-Kanälen falsch einschätzen. Die Marktmacht von Mega-Influencern wie Bianca Claßen wird zwar korrekt eingeschätzt (“Hier haste 100.000 Euro, wir haben da noch ne Million Schuhe rumstehen, die will keiner haben. Vertick die mal.”) aber die eigenen Kanäle werden von Praktikanten, Werkstudenten oder eben externen Agenturen bespielt. Und wenn da jemand aus der Firma draufkuckt und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, dann muss der erstmal den zuständigen Abteilungsleiter anspitzen, der natürlich für das Engagement der Agentur verantwortlich ist und nicht unter die Nase gerieben kriegen will, dass er da was verbockt hat. Und die Agentur beruft sich auf die abgenickte Kampagnenplanung. Also rennt das gegen die Wand. Das nennt man Parkinsons Peter-Prinzip. Oder so ähnlich.

  2. Weiterhin tolle Überraschungen bei Schaufeln.
    Zeitreise inbegriffen.
    Kleine regionale Schlachthöfe sind Aufgrund der einzuhaltenden Auflagen in allen Bereichen nicht mehr Konkurrenzfähig. Die Masse macht den Preisdruck wieder Wett.
    Wir gehen am eigenen System kaputt und werden krank.
    Wo viel Geld im Spiel ist, gibt es keine Moral.
    Grüße Wolfgang

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