Alles fließt. Oder so ähnlich. Auch wenn Olympus sagt, es wird sich nichts ändern, es geht weiter wie bisher – natürlich wird sich was ändern. Es hat sich schon geändert. Die Aluhutträger haben Olympus schon abgeschrieben und es gibt genug Leute, die solchen Naidoos glauben.

Es wird sich also was ändern. Es werden sich Produkte ändern, es werden sich Kommunikationsstrategien ändern und es werden sich auch einige Personalien ändern. Alles drei muss nichts Schlechtes sein. Zu lange hat sich Olympus gegenüber den Kunden abgeschottet und aus dem Elfenbeinturm heraus Produkte designt.

Für mich war die Spitze der Absurdität erreicht, als mir ein Entwickler von Olympus schrieb, er dürfe von mir keine Produktideen annehmen – weil ich ja nicht bei Olympus arbeiten würde. Das war mal anders. Vielleicht ändert sich das nun auch wieder.

2012 auf der Photokina mit Terada-San zur Feier des HDR-Modus bei Olympus….

Eine Nummer geht aber erstmal weiter – ohne Änderung. Nämlich die Produkte, die bereits entwickelt wurden oder die in der Entwicklung sind. Die werden planmäßig auf den Markt kommen. Denn hier geht es ja nicht drum, dass Olympus pleite wäre. Die Company ist trotz der fetten Abschreibungen im letzten Jahr profitabel. Und es geht auch nicht darum, die Imaging-Sparte, die erheblich zur technologischen Führerschaft von Olympus im Medizin-Bereich beigetragen hat, gegen die Wand zu fahren. Es geht darum, auszuloten, ob und wie die Sparte als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert werden kann. Und zwar so, dass sie weiterhin Kameras auf den Markt bringt und Objektive entwickelt.

Niemand, der auf Entscheiderebene mit der Sache zu tun hat, geht auch nur annähernd davon aus, dass Olympus Imaging vom Markt verschwindet. Und das betrifft nicht nur Entscheider bei Olympus sondern auch bei anderen Firmen.

Also: auch wenn all die Vlogger und Kamerajournalisten sich jetzt auf die Sache stürzen und vom Untergang der Kamerabranche durch die Smartphones faseln – drunter machen die es nicht – es gibt offiziell immer noch lediglich eine Ankündigung von Verhandlungen. Ein MOU, in der deutschen VC-Szene nennt man das “LoI” – nein, nicht LOL, sondern “Letter of Intent”. Allerdings ist “LOL” auch recht passend, denn das Wesen des LoI ist, dass es nur ein Zettel ist, auf dem steht, dass man verhandeln will. Aber dass man auch jederzeit wieder damit aufhören kann. Und dass man erstmal den Mund über Interna hält. (NDA – Non Disclosure Agreement)

Ich habe in meiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der amundio ag einige von diesen LoIs unterzeichnet. Die Wirkung derselben war gleich Null. Weder wurden Verhandlungen beschleunigt noch verlangsamt. Der Sinn und Zweck solcher Zettel ist ausschließlich, Leuten, die gar nicht an den Verhandlungen beteiligt sind, zu zeigen, dass man verhandelt.

In unserem Fall sind wir mit den LoIs zur Bank gedackelt und haben denen die gezeigt und gesagt “Schaut mal, mit welchen potenten Investoren wir in Verhandlungen sind.” Die Banker waren natürlich angemessen beeindruckt.

Ein LoI hat weniger Wert als ein McDonalds-Gutschein für zwei Hamburger zum Preis von einem. Wenn man mit denen irgendwas anstellen hätte können, würde ich heute diesen Blog nicht schreiben, sondern an meinem privaten Fjord in Norwegen sitzen und Delphine zählen.

Und wegen eines solchen wertlosen Zettels hyperventiliert gerade die Branche. Die einzigen, die sich derzeit wirklich Sorgen machen müssen, sind die Leute, die für die Dreier-Serie von Olympus verantwortlich sind und der Meinung waren, Innovation würde grandios überschätzt – man könne den Millionen Bloggern und Influencern doch problemlos die Technik von gestern nochmal aufs Auge drücken. Es kann sein, dass die sich eventuell einen neuen Wirkungskreis suchen müssen, wenn Imaging ein Spin-Off wird.

Denn eines ist sicher: die Kameratechnik ist noch lange nicht ausentwickelt. Alleine meine Liste an Feature-Requests, die ich an Olympus geschickt habe, ist noch lange nicht abgearbeitet. Aber wenn man die Smartphones aufholen lässt, dann ist man halt irgendwann aus dem Rennen. Es muss einen Grund haben, warum man so viel Geld ausgibt und so viel Zeug rumschleppt.

Gebt uns mehr Gründe dafür. Ihr könnt das. Macht das!

10 Replies to “Panta Rhei”

  1. Bis gerade eben haben sich die Auguren im oly-forum in 855 “Aussagen” zu dem Thema geäußert, whow!

    Kopfschüttelnde Grüße von der Küste!

  2. “Wenn man mit denen irgendwas anstellen hätte können, würde ich heute diesen Blog nicht schreiben, sondern an meinem privaten Fjord in Norwegen sitzen und Delphine zählen.”
    Echt? Findest du diese elendige Sommerhitze auch so toll? 😉

  3. Hallo Reinhard,
    im zweiten Absatz hast du die Sache auf den Punkt gebracht. Olympus sollte nicht zu lange warten und den Naidoos und Hildmännern das (Diskussions-)Feld überlassen. Um den Image-Schaden nicht zu groß werden zu lassen, braucht die Olympus-Gemeinde ein paar klare Ansagen.

  4. Ich würde mich ja schon über die Ankündigung einer tollen neuen Kamera freuen, die etwas mehr ist als nur eine leicht gepimpte E-M1/5/10 Mark II. Warum nicht mit dem einen oder anderen Feature aus dem iPhone 11 Pro? Das wäre mir Statement genug.

    1. mit dem einen oder anderen Feature aus dem iPhone 11 Pro.
      Die da wären? Der 1/1,7″ Sensor, die 12Megapixel oder gar die optische Bildstabilisierung?
      Ob Iphone oder Samsung/Huawei, ich sehe da keine Vorteile welche Olympus weiterhelfen würden.

        1. Bleibt hoffentlich auch so! Ein Feature aus einem iPhone wäre für mich höchstwahrscheinlich ein Anschub mehr zu anderen Herstellern zu schielen.

  5. Mal davon abgesehen, wer in diesem Land einen Aluhut auf hat, ich brauche weder eine Ansage, noch gehöre ich zu einer Gemeinde. Olympus hat ein System für intelligente Menschen, d.h. nicht für die Masse und damit lässt sich nun wenig Umsatz generieren. Mit dem Rabatt hab ich mir nun das 300mm F4 gekauft das ich damals auf Zingst mit Dir, Reinhard, ausprobieren durfte. Zusammen mit dem 2fach Konverter eröffnet es Möglichkeiten von denen ein Huawei- und Chinafan nur träumen kann. Bild kann ich leider nicht hochladen. Und für die Jammerer die meinen mit 20 MP kann man keine guten Bilder machen, die kapieren nie, dass es nicht die Größe des Sensors ist. Im neuen Merian Heft ist ein Bild von mir auf einer Doppelseite gedruckt, das mit der E-M1 II mit 6400 Iso aufgenommen wurde. Ich würde mich freuen wenn Olympus weiterhin solch kreative Aktionen wie die Playgrounds, den Fotokunstpfad und horizonte Zingst unterstützen würde

  6. Richtig ist, dass man etwa fünf Jahre bei den Kamera-Gehäusen keine großen technologischen Sprünge mehr gemacht hat, wenn sich das ändert, wäre es begrüßenswert!

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