Olympus 1959 – 1963

1959 kam die PEN heraus. Die erste PEN war eigentlich alles andere als ein technologisches Sahnestück. Sie belichtete Halbformat, also nicht 24×36, sondern 24×18 – Hochformat. Wenn man Querformat haben wollte, musste man die Kamera hochkant halten. Die erste Pen hatte keinen Belichtungsmesser, ein 28mm f/3,5 – für Halbformat ein leichtes Weitwinkel – und überhaupt nur vier Belichtungszeiten: 1/25s, 1/50s, 1/100s und 1/200s. Und „B“. Die ersten Kameras stellte noch nicht mal Olympus selbst her, sondern Sanko-Shoji. Erst innerhalb des ersten Jahres stellte Olympus dann auf Eigenproduktion um.

Trotz ihrer vergleichsweise simplen Technik wurde die Kamera ein Erfolg – sie war die kleinste Kamera für den 35mm-Film auf dem Markt und als die PEN einschlug, wurde das Konzept von der japanischen Konkurrenz fleißig kopiert.

Gleichzeitig mit der PEN kam wieder ein Me-Too-Produkt raus. Die Rolleiflex Baby Grey initiierte in Japan einen kurzen Boom von zweiäugigen Spiegelreflexen mit 4×4-Filmformat. Olympus wollte dabei sein und baute die Eye-44, die gleichzeitig mit der PEN vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der 4×4-Boom in Japan aber schon wieder vorbei und die Eye-44 war bereits tot, als die Presse sie zu sehen bekam. Immerhin war die Eye-44 die erste Olympus-Kamera mit Belichtungsautomatik, die über eine wilde Blendenkonstruktion mit Federaufzug realisiert wurde. Auch die Eye-44 hatte noch einen Fremdverschluss von Seikosha.

Die Erfahrungen bei der Konstruktion der Eye-44 wurden dann bei der Auto-Eye  von 1960 verwendet.

Die Auto-Eye von 1960 war die erste Kamera mit automatischer Belichtungsmessung. Wen’s interessiert, hier gibt’s die Bedienungsanleitung. Die Auto-Eye hatte ein Feature, das auch die heutigen Kameras alle besitzen: den „halb gedrückten Auslöser“. Denn die Belichtungsmessung startete erst bei halb gedrücktem Auslöser. Wer nun zu schnell durchdrückte, bekam Fehlbelichtungen. Für die „Einsteiger“, die mit „halb drücken“ nicht klarkamen, gab’s bei er ersten Serie den „Pre-Vu“-Knopf vorne dran, der ebenfalls eine Belichtungsmessung startete. Man drückte also „Pre-Vu“, wartete auf das OK im Sucher und drückte dann den Auslöser durch.

Die Auto-Eye war eine ganz normale Kleinbildsucherkamera mit 45mm f/2,8-Objektiv und Copal-Verschluss und der Nachfolger der „Ace“, deren Gehäuse ganz ähnlich aussah. Während es für die Ace aber Wechselobjektive gab, wurde die AutoEye mit nur einem Objektiv ausgeliefert. Auch wenn die 1959 vorgestellte Ace-E bereits einen Selenbelichtungsmesser an Bord hatte, komplett automatisch belichtete erst die Auto-Eye.

1961 kam die PEN in den Genuss der vollautomatischen Belichtungsmessung, die PEN EE, bei der die Selenzelle rund ums Objektiv angeordnet war.

Hier die PEN-EE von 1962 (die erste Serie hatte das PEN noch nicht im Schriftzug) zusammen mit der PEN-F von 2016.

1963 schließlich kam die PEN-F heraus:

Die PEN-F war die einzige Halbformat-Spiegelreflexkamera mit Wechseloptiken. Maitani, der für die PEN-F veranwortlich war, baute ein paar höchst interessante Details ein. Die PEN-F hatte nicht das übliche Dachkantprisma, sondern ein Porroprisma, das war notwendig, weil ja der Spiegel nicht nach oben klappte, sondern zur Seite. Und die Kamera hatte – endlich – wieder einen von Olympus entwickelten Verschluss: einen Rotorverschluss, der bewirkte, dass, wie bei einem Zentralverschluss, mit allen Belichtungszeiten geblitzt werden konnte – und Rolling Shutter-Effekte nicht auftraten. Die Konkurrenz hatte zu dieser Zeit noch Tuchverschlüsse mit Synchronzeiten oberhalb von/60s Sekunden.

Einen Belichtungsmesser gab es als Zubehör, den konnte man an das Zeitenrad koppeln.

Insgesamt gab es 18 Objektive für die PEN-F. Das 38mm f/2,8, das im Kit mit der PEN-F verkauft wurde, war trotz guter Qualität eher ein Ladenhüter, weil das 38mm f/1,8 fast zum gleichen Preis verkauft wurde. Größere Stückzahlen des 38mm f/2,8 wurden schließlich in Hamburg mechanisch vernichtet, weil die Rücksendung nach Japan zu teuer geworden wäre.

Das 40mm f/1,4 für die PEN-F ist einiges der wenigen Objektive von Olympus, die mit Thorium-Glas gebaut wurden und deshalb schwach radioaktiv sind. Man erkennt das am leichten Gelbstich.

Der Zeitraum zwischen 1959 und 1963 war nicht nur für die Kamerasparte von Olympus entscheidend.  In den späten 50ern und Anfang der 60er versuchte Oshima, die deutschen Ärzte zur Gastrokamera zu bekehren und noch 1972 steht im „Handbuch zur Praxisrationalisierung“, dass nur die Reihenuntersuchung mit der Olympus-Gastrokamera aus betriebswirtschaftlichen Gründen und zur Schonung der Patienten sinnvoll seien. Die „Gastroskope“ würden sich auch im Leasing niemals bezahlt machen.  Doch 1960 kam die Schlange ins Paradies, sprich, Professor Kondo vom Womens Medical College in Tokio erwarb ein amerikanisches Hirschowitz-Gastrokop, das auf Glasfibertechnik aufgebaut war. Kondo musste dieses Gerät seinerzeit aus eigener Tasche bezahlen, weil keine Institution die Kosten übernehmen wollte. Kam war das Gastroskop im Land zeigte sich die optische Industrie in Japan auf einmal interessiert und bereits 1963 wurde das erste Fiberglas-Gastroskop aus japanischer Fertigung vorgestellt.

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