Mehr Akku = besserer AF?

Manchmal denkt man, man ist in einer Zeitschleife gefangen. Man sollte Klamotten nicht wegwerfen – irgendwann werden sie wieder modern. Einer dieser Wiedergänger ist die Story vom besseren AF durch einen anderen Akku. Die Geschichte kam 2004 in der Oly-Community auf. Als die Profis die großen FT-Tüten an eine E-1 mit Batteriegriff anbauten und feststellten – Oha, das geht flotter.

Der Grund war simpel. Der Batteriegriff der E-1 hatte nicht einfach einen weiteren BLM-1 drin, sondern einen amtlichen BLL-1. Ein Akku mit 3400 mAh. Die großen FT-Optiken haben große Schrittmotoren drin, um die riesigen Fokusglieder zu bewegen. Die verlangten Strom und den konnte der BLL-1 besser liefern als der kleine BLM-1. Zack – AF war flotter.

Hier mal ein Größenvergleich. BLS-50 1210 mAh, BLM-1 1500 mAh und BLL-1, 3400 mAh.

Die FTs sind immer noch eine Herausforderung für Akkus, weil hier große Massen extrem stark beschleunigt werden müssen.

MFT hat es da einfacher. Die mFT-Objektive haben kleinere Fokuselemente und beim Kontrast-AF muss das Glas nicht auf hohe Endgeschwindigkeit gebracht werden. Auch das ein Grund, warum man bei mFT mit einem vergleichsweise winzigen Akku so weit kommt.

Nun ist da tatsächlich jemand auf die grandiose Idee gekommen, dass man einem zehn Jahre alten Prozessor einfach mehr Spannung verpasst und der dann auf einmal schneller arbeitet. Boah ey- schnellerer Autofokus. Warum nur sind die ganzen Techniker nicht schon lange auf diese Idee gekommen? Im Gegenteil, sie haben immer kleinere Spannungen genommen um ihre Prozessoren zu betreiben …

Tatsächlich ist der BLS-7 mit 7,74 Volt Nennspannung angegeben. (Das entspricht einer Zellspannung von 3,87 Volt.) Der BLN-1 hatte eine Nennspannung von 7,6 Volt, der BLS-50 7,2 Volt und der BLH-1 7,4 Volt. Was schließen wir daraus? Bei der E-M5 hat man den Prozessor beschleunigt, aber bei den E-M10 und OM-5 und den ganzen PLs hat man beschlossen – die sind schnell genug, da muss das nicht sein. Und die E-M1II, die den gleichen Proz wie die „PEN“ hat, braucht auch keine Beschleunigung.

Man sieht, das Argument ist schlagend.

Der BLS-7 ist ein Akku, der komplett in China von Highpowertech für OMDS gefertigt wird. Das ist keine Hinterhofklitsche, sondern eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Das nur nebenbei.

Also: der Akku is dolle – wird dadurch der Proz schneller? Nein. Damit der gleiche Proz schneller wird, muss er höher getaktet werden. Und jeder Modder weiß – da braucht’s dann mehr Kühlung. Nun hat die PEN aber ein Kunststoffgehäuse, was generell etwas ungünstig für eine Kühlung ist. Und in allen anderen Parametern ist die PEN absolut kein Speedchampion. Warum also nun ausgerechnet beim AF?

Was beeinflusst tatsächlich die Geschwindigkeit des Autofokus:

  • Der Fokusmotor im Objektiv. Geschwindigkeit und Leistung des Motors im Verhältnis zum Gewicht des Fokusgliedes.
  • Auslesefrequenz des Sensors. Je öfter der Sensor ausgelesen wird, desto besser und schneller kann der Fokus korrigiert werden.
  • AF-Algorithmus. Die OMs haben beim AF die Angewohnheit, zuerst zu defokussieren, bevor sie erneut fokussieren. Das benötigt anscheinend der Sensor für den Phasen-AF. Der Sensor der E-M1II braucht das nicht. Deshalb ist der AF der E-M1II in bestimmten Situationen, wo der AF bereits sehr nahe an der Zielposition ist, schneller. Die OM-1 kann dafür den Phasen-AF schneller ansteuern, weil sie nativ Phasen-AF-Befehle verarbeitet. Das „Delay“ durch das Defokussiern ist vom Firmwarestand abhängig.

Dann gibt es noch andere Faktoren, die die wahrgenommene Geschwindigkeit des AF beeinflussen.

  • Ansprechverhalten des Auslösers. Sowohl der Auslöserknopf selbst als auch ein „Tap“ auf das Display haben eine Verzögerung.
  • Größe des Fokusfeldes. Mit „alle Felder“ tut sich der AF leicht, irgendwas zu finden, was er scharf stellen kann. Je kleiner das Fokusfeld ist, desto langsamer wird der AF, allerdings wird er auch exakter.
  • Exaktheit. Wenn man den AF nicht auf 100% trimmt, sondern sich überlegt, dass 98% auch langt, dann kann man den Autofokus ungeheuer beschleunigen. (Das 12-200 ist am langen Ende richtig scharf – man merkt’s nur nicht, weil der Hersteller sich gedacht hat, da kommt es nicht so drauf an und dem AF da größere Schritte spendiert hat.)
  • Blende. Je offener die Blende und je größer die Brennweite, desto exakter muss der Autofokus sein. Wenn ich mit 12 mm und f/5,6 knipse, ist die Fokusentfernung nahezu wumpe.
  • und natürlich Licht und Wackelei von Motiv oder/und Fotograf und sogar Farbe und Muster des Motivs. (Die E-5 hatte extreme Probleme, auf knallrote Kleider scharf zu stellen.)
  • Ach ja: mittlerweile kommt bei der Motiverkennung noch hinzu, ob das entsprechende Motiv auch trainiert wurde. Nicht jedes Auto wird auch als Auto erkannt.

Also: Nur weil man auf dem Akku nun statt 1210 mAh beim BLS-50 1285 mAh lesen kann, bedeutet das nicht, dass da in der Knipse irgendwas schneller läuft.

Ich vermute, dass der neue Akku gewählt wurde, weil er Rundzellen drin hat und der Akku in der Kamera geladen wird. Der alte BLS-50 konnte ja problemlos durch einen 15 Jahre alten BLS-1 ersetzt werden. Und die machen mittlerweile reihenweise dicke Backen. Wenn das in der alten Ladeschale passiert, stört das nicht. Wenn sie das in der Kamera machen, dann ist die Kamera reif für den Service. Und ich denke, das ist den Leuten in Tokio mittlerweile auf den Keks gegangen.

2 Replies to “Mehr Akku = besserer AF?”

  1. Hallo Reinhard,
    in der neuen OM PEN ist laut Hersteller der Prozessor der E-M1 III und nicht II verbaut, auch wenn die sich nach Dir kaum unterscheiden.
    In einem älteren Artikel hast Du mal geschrieben, dass die E-M1 II präziser fokussiert als die III und die X, da letztere auf mehr Geschwindigkeit getrimmt sind.
    Das dürfte sich dann hier ähnlich verhalten, oder?

    Gruß, Matthias

    1. Das kommt auf die Firmware an. Die Firmware, die auf das 150-400 optimiert wurde, fokussiert mit den anderen Optiken schlechter. Umgekehrt fokussieren E-M1X und E-M1III mit dem 150-400 besser als die E-M1II. Die beiden Prozessoren 8 und 9 sind bis auf den Cache meines Wissens identisch. Die X hat einen 8, die III einen 9. (der zweite 8 der X ist nur für die Objekterkennung.) Die Fokusgeschwindigkeit hängt bei diesen P?rozessoren von der Firmware ab. Es kann durchaus sein, dass die PEN mit bestimmten Objektiven in bestimmten Situationen superschnell fokussiert. Das hat aber nichts mit dem Prozessor oder dem Akku zu tun, sondern mit der Firmware. Da ich die Kamera nicht habe, kann ich das nicht erforschen.
      Die OM-1 hat einen völlig anderen AF und den doppelten Readout. Und einen völlig anderen Prozessor.

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