Kleine Verbesserungen

Die Diskusion ist ja gerade in den Kommentarspalten einer Gerüchteseite am hochkochen: Hat OMDS tatsächlich klammheimlich einen neuen, leistungsstärkeren Prozessor in die PEN gebaut? Hat Sony eventuell aus Versehen einen Prozessor geliefert, der den schnellen AF der Sony-Kameras eingebaut hat? Der Grund für diese Mutmaßungen ist das Video von Robin W, in dem er zeigt, dass der Autofokus im Nahbereich mit dem 60mm Makro schneller als bei der OM-1 ist.

Ich habe nun meine OM-1 gegen meine E-M1II antreten lassen. Mit dem 30mm Makro. O Wunder – die E-M1II ist im Nahbereich schneller. Wie kommt das? Die beiden haben unterschiedliche Sensoren mit komplett unterschiedlichen AF-Philosophien. Je nachdem, was man fotografiert, ist mal der eine und dann der andere AF schneller.

Warum ich das nicht schon länger thematisiert habe? Ich habe in jedem Buch und zu jeden Firmwareupdate die AF-Performance getestet. Die AF-Performance der Kameras haben sich von Firmware zu Firmware teils brutal geändert. Manche Objektive liefen bei manchen Motiven hinterher schneller, andere langsamer. Deshalb ist ein solch plakativer Vergleich, der von Lesern immer sehr gerne genommen wird, ziemlich albern. Man kann ja nicht mal sagen, welche Firmware bei der OM-1 den besten AF liefert. Es kommt drauf an, welches Motiv und welche Optik man hat. Exakt zu spezifizieren ist das nicht.

Was allerdings jeder beim Titelbild sofort sieht, ist, dass die beiden Motoren der Drohnen unterschiedlich groß sind. Der eine Arm gehört einer Mavic 3, der andere einer Mavic 4.

Ja und? Soo groß ist der Unterschied doch nicht?

Dinge können täuschen. Vor allem wenn es um Volumina von Zylindern geht. Tatsächlich ist der neue Motor 2,27 mal größer als der Alte. Um einen Autovergleich zu bemühen – ein Vierzylinder mit 1 Liter Hubraum gegen einen Vierzylinder mit 2,27 Liter Hubraum. Zum gleichen Preis. Bei 1150 Kilo statt 1000 Kilo Fahrzeuggewicht.

Dann müsste das Ding doch abgehen wie eine Rakete? Die offiziellen Zahlen sehen eher moderate Veränderungen. Steiggeschwindigkeit + 25%, Horizontalgeschwindigkeit + 19%, Windwiderstand mit 12 m/s gleichgeblieben. Also – „Kleine Verbesserungen“.

Rentiert sich das denn überhaupt? In den Motoren stecken Spezialdrähte drin, die nicht so warm werden, neue, 27mm längere Rotoren, was 25% mehr Rotorkreisfläche bringt, Akku mit 23,8% mehr Kapazität aber geringerem Gewicht. (was die 22% längere Schwebezeit erklärt.) . Aber das ist doch alles mehr so marginal?

Interessant sind die Geschwindigkeitszuwächse. Um etwa eine Steiggeschwindigkeit von 8m/s auf 10 m/s zu steigern, braucht es etwa 40% mehr Steigleistung und die Motorleistung muss noch höher sein.

Und jetzt wird es interessant. Es gibt da nämlich ein Video von DJI:

Das ist schon ein Jahr alt und hat wahrscheinlich auch schon jeder gesehen – 3,4 Millionen Views – aber es ist immer wieder toll zu sehen – und hier ist die Mavic 4 auf fast 9000 Meter. Eine Höhe, in der viele Hubschrauber schon nicht mehr fliegen können. Man sieht, dass da oben erheblich Wind unterwegs ist – und die Mavic lässt sich nicht beeindrucken.

Tatsächlich scheint die Mavic erhebliche Reserven zu haben, die sie im Notfall aktivieren kann. Warum baut man das ein und verhindert den regulären Zugriff des Kunden darauf? Der Grund ist simpel. Die Drohne ist dafür gebaut, dass sie bei „Fly Home“ auch zurückkommt. Und wenn sie blöderweise beim davonfliegen mit dem Wind geflogen ist, dann muss sie halt gegen den Wind zurück. Dann wird die „schlafende Energie“ aktiviert und Raumschiff Orion bewältigt den „Rücksturz zur Erde“. `Warum wird das nicht kommuniziert? Weil sonst der Kunde im Vertrauen auf diese Reserven dumme Dinge macht.

Die Drohne auf dem Mount Qomolangma – bei uns ist der Berg als „Everest“ bekannt – war eine Serien-Mavic. Es wurde nur die Höhenbegrenzung rausgenommen. Ach ja – und die hat noch ein paar andere Flüge absolviert, nämlich Medikamente auf eines der oberen Camps geliefert. Nur – darüber wird nicht geredet.

Kommt irgendwer auf die Idee, zu behaupten, dass die Mavic 2 besser, schneller, toller wäre als die Mavic 4? Ääääh – Nö. Sowas nennt man technischen Fortschritt. Evolution. Bei manchen Kameraherstellern wäre schon eine Drohne mit verchromten Armen ein neues Modell und mit einer besonders aerodynamischen Lackierung eine „Revolution“.

Wir sollten uns nicht mehr verscheißern lassen.

Ist das neue Produkt tausend oder gar zweitausend Euro besser als das Alte? Dann her damit. Ist es nicht? Dann behaltet den Mist.

PS: Die japanische EETimes hat die beiden Drohnen zerlegt und festgestellt, dass alle Chips einer neueren Generation angehören, die Prozessoren mehr Kerne enthalten und – so ziemlich das Einzige, was gleiche geblieben ist, der 48MP 1/1,3″-Sensor der mittleren Telelinse ist. Der FT-Weitwinkelsensor ging von 20MP auf 100MP und der 1/2″ Telesensor ging von 12MP auf 1/1,5″ 50MP. Die Mavic 3 kam 2023 raus, die Mavic 4 2025.

PS2: Die Nummer mit dem Everest ist allerdings nicht wirklich neu – das haben sie mit der Mavic 3 auch schon veranstaltet.

One Reply to “Kleine Verbesserungen”

  1. Der Herr mit dem AF Video hat schon viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Das ist auch der einzige Grund warum er so einen Quatsch behauptet, er weiß wie das influenza Game läuft.

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