Fotosoftware made in Germany

Im Jahre 2012 – jaja, der Opa erzählt von vergangenen Zeiten – habe ich auf der Photokina Michael Piepgras kennengelernt. Das ist der Typ da rechts neben dem Bildschirm. Und auf dem Bildschirm ist HDR Projects Platin – eine HDR-Software mit ein paar ziemlich coolen Features, die damals so nicht mal Photoshop konnte – nämlich Retusche in der 32bit-Datei. Ach ja, hier der Link zum Artikel von damals.

Franzis hat 2020 ja nicht nur die Fotobücher eingestellt, sondern auch die Softwaresparte. Und genauso wie ich mir die Rechte an meinen Büchern habe geben lassen, hat sich Herr Piepgras die Rechte an seiner Software geholt und eine eigene Firma gegründet, um diese Software zu vertreiben. Accelerated Vision. Vertreiben ist eigentlich falsch, denn den Vertrieb macht Franzis, Ashampoo (mit denen ich ja schon mal Stress hatte) und der Somaja-Verlag .

Ich schreibe ja gerade am Oly-Praxisbuch und da habe ich ja die alte HDR Projects- Software drin erwähnt. Die gibt’s ja nicht mehr, also habe ich nachgekuckt, was da derzeit für eine Version kursiert – #11. (Ich suche grundsätzlich in allen meinen Büchern immer die neuesten Softwareversionen raus. Allein schon deshalb, weil es eben gelegentlich Software, die ich mal empfohlen habe, nicht mehr gibt. Autopano Pro von Kolor zum Beispiel.)

Und dabei habe ich Bauklötze gestaunt, was da mittlerweile aus diesem „HDR Projects“ geworden ist. Ein komplettes Ökosystem an Tools für die Nachbearbeitung von Bildern. Cool fand ich das Tool, mit dem man bei ganz normalen JPGs eine Tiefenkarte erstellen kann. Die Software erkennt, was vorne und hinten ist und kann die verschiedenen Bereiche unterschiedlich manipulieren. Photoshop kann das seit ein paar Monaten auch. Nur nicht so geil.

Und ein anderes Ding kann Photoshop jetzt auch: ein Bild „neu belichten“. Dabei nimmt man ein Bild und sagt dem „belichte das anders“. Und dann kann man da eine grüne Lampe von oben angeben. Photoshop lädt dann das Bild ins Netz und bastelt per generativer KI eine andere Lichtsituation zusammen. Kostet pro Bild 30 Credits. Mit einem Firefly Standardtarif kann man das im Monat immerhin 66 mal machen. Also die Hochzeit besser gleich richtig belichten.

Oder von Piepgras HDR #11 kaufen. Schon die Nummer #10 konnte Tiefenkarten erstellen – vor zwei Jahren. Und man konnte in dieser Tiefenkarte beliebige Lichtquellen verteilen und damit neu beleuchten. Dafür ist es natürlich praktisch, wenn man mehr Daten hat. Also baut die Software aus dem Bild erstmal ein HDR, so dass dann intern mit 32bit Fließkomma gerechnet werden kann. Je besser natürlich die Datenbasis ist, desto besser wird das Ergebnis werden.

Mittlerweile hat er ein Hilfsprogramm dazugebaut, das genau diese Tiefenkarten in höherer Qualität erstellt.

Und der Gag dabei: Die dazu notwendige KI läuft local bzw. ist das halt simpel Mathematik. Man kann also beliebig viele Bilder damit bearbeiten und die Bilder verlassen den lokalen Rechner nicht.

Da steht zwar überall „KI“, aber das läuft alles lokal. Mit einem anderen Hilfsprogramm kann man Artfilter selber bauen. Man nimmt ein Bild, bastelt irgendwas drauf, was man cool findet (wenn man lustig ist auch mit einer anderen Anwendung) und packt dann beide Bilder in das Programm, das baut da draus einen Artfilter, der dann auf jedes beliebige andere Bild angewendet werden kann. Und dieser Artfilter ist dann in allen Modulen erreichbar.

Die Möglichkeiten sind immens.

Einfach nur mal ein Hinweis. Die Links sind oben im Text. Ich habe Herrn Piepgras angeschrieben, der konnte sich noch an mich erinnern und das war gleich wieder so ein bisschen eine Geistesverwandtschaft. Ich werde mich nach dem Buch mal mit den Tools genauer auseinandersetzen und ausführlichere Artikel schreiben. Wer gerade Lust hat, sich damit zu beschäftigen, hier gibt’s einen YouTube-Kanal dazu. Ach ja: schaut mal beim Somaja-Verlag nach den Preisen. Das Zeug ist absolut bezahlbar. So im Bereich meiner PDFs.

Und nein, kein Affiliate Link, ich kriege keinen Cent. Ich finde einfach nur den Typ genial und seine Programme auch.

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