Nochmal BLS-Clones

Und wieder habe ich einen „neuen“ Clone bekommen, diesmal einen OTB. Deren kompatible Akkus findet man immer noch in den diversen üblichen Kanälen. Und dazu noch einen Patona BLS-5. So einen Patona habe ich ja vor zwei Jahren schon mal geknackt – nur war damals was anderes drin. Damals waren im Patona TMB-Zellen, diesmal habe ich den Hersteller der Zellen beim besten Willen nicht rausgefunden.

Am Rand der Zelle ist „ASS-DLY-C-16.8-B“ eingelasert. „ASS“ in Zusammenhang mit LiIonen-Zellen heißt heute „All-Solid-State“ und bedeutet eigentlich, dass die Zelle unter allen Umständen sicher ist. In Datenblättern zum Typ habe ich das aber nicht gefunden, eher, dass diese Type lediglich 1000mAh Kapazität hat – und nicht 1140mAh wie Patona außen draufgedruckt hat. Kapazität hin oder her, der Akku war auf jeden Fall aufgebläht und mausetot.

Die Elektronik ist ein alter Bekannter: das RHWBLS5-M2 mit dem Fake-NTC mit 10 kOhm – und die Kurzschlusssicherung JK-D210.

Der OTB ist noch ein bisschen lumpiger gebaut, hat die ältere Version RHWBLS5-M1 drin, auch mit 10kOhm-„NTC“ und auch dieser Akku war aufgebläht und ließ sich nicht mehr laden. Allerdings hatte er noch 8 Volt intus. Und OTB hat sich kurzerhand die Kurzschlusssicherung gespart. Das Ding kann also hochgehen. Aber wenigstens stimmt die aufgedruckte Kapazität mit den Datenblättern der Zelle überein.

Im Lauf der Recherche zu den Patona-No-Name-Zellen bin ich auf eine rumänische Website gestoßen, deren Autor offensichtlich von Patona „mit Informationen gefüttert“ worden war, und von „zertifizierten 1000 Ladezyklen“ faselte. Das kann schon sein, dass die Zellen das unter Laborbedingungen aushalten. Aber nicht im RealLife und vor allem nicht ohne LoadBalancing – das natürlich keiner der Clones hat. Die Lebensdauer der Clone ist blanker Zufall, wie eben die beiden Zellen „gepaired“ sind. Im Durchschnitt ist nach 40 Ladungen noch die Hälfte der Kapazität übrig. Kaum ein Clone hält 100 Ladungen aus.

Nochmal: LiIonen-Akkus sind toxisch. Die Argumentation „für den Preis eines Originals kann ich zehn Clone kaufen, da ist das wurst, wenn die nur ein Zehntel so lang halten“ ist in etwa auf dem Niveau: „Ich schmeiß die McDoof-Tüte immer in der Autobahnauffahrt aus dem Fenster, dann verstopft das nicht meine Mülltonne.“

9 Replies to “Nochmal BLS-Clones”

  1. Hallo Reinhard,
    danke fürs Schlachten „meiner“ Akkus.
    Vielleicht noch ein paar zusätzliche Infos. Der OTB war von 2013, der Patona von 2016.
    Danke & Gruß
    Markus

  2. Mal wieder herzlichen Dank an Reinhard für Untersuchung der Clone-Akkus. Mich hat das nachhaltig vom Zweifel befreit, ob ich mir nicht ganz vielleicht und möglicherweise doch einen Clone zulegen sollte, nur so als Reserve, versteht sich …

    Mit den Original-Akkus bin ich jetzt wieder sehr gut gefahren. Bei -24°C haben Akku und Kamera draußen länger durchgehalten als ich. Nach einer Stunde waren die Füße kalt, aber der erste Akku hat mit der E-M1II auch mit dem mechanischen Verschluss noch einwandfrei funktioniert. Und ich hätte mich wirklich richtig geärgert, wenn ich da keine Fotos mehr hätte machen können …

  3. Das hilft aber alles nichts, wenn Olympus den Originalakku nicht mehr herstellt. Dann bin ich froh, wenn es Fremdhersteller gibt, die die passende Größe noch herstellen. Oder soll man die Kamera dann wegwerfen? Soweit ich weiß, stellt Olympus keine BLM-1 mehr her.

    1. Aber wäre doch nett, wenn diese Fremdhersteller einfach Akkus herstellen würden, die a) sicher und b) haltbar sind? Solange die Leute das Zeug kaufen, weil’s „billiger“ ist, solange werden die Hersteller entsprechend herstellen. Erst wenn die Kunden darauf bestehen, dass das Zeug dem Stand der Technik entspricht, werden die Clones besser werden.
      Wenn es Clones gäbe, die genau so gut wie die Originale wären, dann wäre ich der Erste, der Halleluja brüllt. (Genau deshalb habe ich seinerzeit die Uniross-Sammelbestellung gemacht.)

  4. Dieser Tage habe ich meinen Original-BLN-1 angedickt aus dem Ladegerät genommen. Mit gutem Gewissen kann ich ihn nicht mehr in die Kamera stecken. Herstelldatum 2015-06-22BB. Neuerdings bietet Patona nun eine Version „Protect“ an, die einen NTC haben soll, Kosten 20 Euro. Bei manchen Händlerangeboten für neue (?) Original-Olympus-Akkus ist im Bild der Aufdruck 2013… oder 2015… zu sehen, andere zeigen die Schriftseite gar nicht, bei einem Bild war dummerweise ein Reflex genau auf dem Schriftfeld. Was also tun? Für 60 bis 80 Euro ein Original, das schlimmstenfalls seit 8 Jahren ungeladen im Regal liegt oder einen Klon? Auf gute Namen wie Ansmann etc. kann man sich anscheinen auch nicht verlassen.
    Falls ich den Patona Protect ausprobiere, bekommen Sie ihn gerne zum „schlachten“, sobald er „dicke Backen“ macht.
    Gut, dass es Autoren und Blogger wie Sie gibt! Ich bin erst vor einigen Tagen auf Sie gestoßen und gebe den Link gerne weiter.

    1. Den Patona Protect hat ein User bereits ausprobiert. Seine Messung: kein NTC, kein Load-Balancing. Aber einen Info-Chip, der der Kamera eine fixe Seriennummer mitteilt. Ich habe Patona (den GeFü) vor Wochen angeschrieben und um Aussage gebeten, was es mit den Protect-Akkus auf sich hat. Keine Antwort. Die Aussage auf der Website „Der Akku ist 100% baugleich zu dem Original Akku.“ halte ich für eine freche Lüge. Sieht man bereits daran, dass der Akku die fünf Prüfpunkte des Originals nicht hat.

  5. Der Patona protect v1 wird ausdrücklich mit NTC und hitzestabilem V1-gehäuse und sogar Intelligenz beworben
    (mal bei amaz.. suchen). Vielleicht ist das ja tatsächlich der erste Clone, der das Siegel „Approved by R.W.“ verdient und den ich sorgenfrei in meiner Kamera laden kann (auch bei Fuji kostet inzwischen das Ladegerät extra).

    1. Ich zitiere von der Website von Patona: “Ferner sind wie beim Originalakku NTC Widerstände (negativer Temperaturkoeffizient) auf der Akkuleiterplatte angebracht, die die Temperatursteuerung kontrollieren und bei Überhitzung automatisch abschalten.”
      Der NTC des Olympus-Akkus schaltet bei Überhitzung nicht ab. Das ist nicht die Funktion des NTC. Der NTC teilt dem Ladegerät die Temperatur des Akkus mit, so dass das Ladegerät die korrekte Ladekurve auswählen kann. Es gibt allerdings eine Thermosicherung in den ganzen Clonen. Das ist aber eine völlig andere Sache. Am T-Anschluss des Patona ist nach wie vor ein Festwiderstand verbaut.

      Außerdem noch: “Der Akku ist 100% baugleich zu dem Original Akku.” Der Patona Protect BLN-1 hat NICHT die fünf Prüfpunkte des Originals. Das kann man von außen sehen und das ist sogar auf den Produktbildern zu sehen. Leider habe ich nirgendwo ein Urteil gefunden, wie baugleich baugleich oder gar “100% baugleich” sein muss.

      Und von LoadBalancing steht nicht mal was im Werbetext. Ich habe vor Wochen den GefÜ angeschrieben, aber die ganze Clonebranche weigert sich mittlerweile, Fragen zu beantworten oder mir gar Samples zur Verfügung zu stellen. Ich kauf den Mist nicht mal zum Ausschlachten, wenn ich nicht wenigstens einen groben Anhaltspunkt habe, dass sie was anderes machen, als Kunden zu verarschen. Derzeit bin ich geneigt, den Leuten zu sagen, kauft die billigsten Akkus, die ihr kriegen könnt – oder Originale. Dieses ganze “Marken-Akku”-Gedönse ist einfach nur Geldmacherei.

      1. Also wieder nix. Saubande, blöde.

        Also doch lieber weiter Originale kaufen bis sich irgendwann vielleicht doch mal ein Klonkrieger die Mühe macht, die Originalelektronik vollständig zu kopieren und gute Zellen einzubauen. So viel teurer kann das doch nicht sein. Da würde ich auch ein paar Euro mehr für hinlegen.

        Danke für die Infos und für deinen Einsatz!

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