Luminar – das Ende der Geschichte

Skylum ist bei Luminar mit einem genialen Marketingkonzept angetreten, bei dem sie über Influencer mit immensen Umsatzbeteiligungen innerhalb kürzester Zeit eine ungeheuere Marktdurchdringung erreicht haben.

Respekt. Die Traute muss man haben. Denn was sie verkauft haben, war im Endeffekt ein halbseidener, langsamer RAW-Entwickler mit ein paar quietschbunten Presets. Das Argument war „Ja, das taugt noch nichts, aber wir haben supertolle Sachen vor!“. Es haben sich jede Menge Leute bequatschen lassen – inklusive mir – und haben ihr Geld in den „Lightroom-Konkurrenten“ gesteckt, in der Hoffnung, dass man vom ungeliebten Adobe-Abo-Modell loskommt.

Mite des Jahres haben sie gehofft, dass sie alle Luminar 3-User dazu kriegen, gleich kostenpflichtig auf V4 umzusteigen. Anscheinend haben ihnen da ein paar User den Marsch geblasen, worauf sie wieder eine Roadmap für V3 veröffentlicht haben. Für die Mac-User haben sie zwischenzeitlich sogar ne Version rausgebracht, die unter OS 10.15 läuft.

In Bearbeitung ist eine „bessere Speicherverwaltung“. Doch schon.

Und künftige 3-Versionen kriegen dann „IPTC Basisbearbeitung“ – was auch immer das ist. Eine Suchfunktion. Für Dateiname und IPTC-Felder. Kameraprofile und Objektivprofile. Ein Datum dafür gibt’s nicht. Ist ja nur „geplant“.

Wann also Luminar endlich das macht, was eine Bildverwaltung eigentlich tun sollte, weiß kein Mensch.

Ich habe es ja seinerzeit gewagt und auf 3.1.3 (3920) upgedatet. Das Update war echt was für die ganz harten. Erstmal hat es sieben (!) Stunden gedauert, bis Luminar erstmal gestartet ist. Dann sieben Stunden für den ersten Installationsversuch. Dann sieben Stunden für den zweiten Installationsversuch. Beim dritten habe ich ihn dann laufen lassen bis er sich dann weigerte weiterzumachen, Luminar würde angeblich schon laufen. Also Luminar deinstalliert. (Wobei Luminar freundlicherweise nur das Programm entfernt, nicht aber alle Einstellungen und die Datenbank.) Dann neu installiert mit der aktuellen „Testversion“.

Endlich startet das Programm. Und nach wenigen Minuten ist es sogar bedienbar. Was man nicht machen sollte: in ein Verzeichnis der Bibliothek springen, bei dem noch nicht alle Thumbnails erzeugt sind. Dann wird’s einfach wieder zäh. Bei der beschleunigten Vorschau wird das erzeugte Thumbnail einfach hochskaliert – das Bild sieht beim Durchscrollen einfach nur gruselig unscharf aus. Da ist man versucht, die ganzen Bilder zu löschen.

Jetzt ist Luminar 4 rausgekommen. Anscheinend ist jemand aufgefallen, dass es ein Programm namens Portrait Professional gibt – seit bald 20 Jahren – und dachte sich – machen wir auch.

Ich habe gedacht, Prima, vielleicht gibt’s ja ein Update, das Luminar 3 benutzbar macht.

Nope. „Sie verwenden die aktuelle Version“.

Ich bin raus aus der Geschichte. Die Software ist zwar tatsächlich schneller geworden – aber Bedienbarkeit geht anders. Kann sein, dass das für 10.000 Bilder funktioniert Aber eine Software, die sieben Stunden braucht, um auch nur zu starten, ohne dass da intern ein Alarmsignal losgeht „Installation beschädigt“, oder die bei der Deinstallation hunderte von Megabyte Datenmüll auf der Fesplatte zurücklässt – Muss man echt nicht haben. .

Software, die gegen Platzhirsche antritt, sollte dem Platzhirsch zumindest halbwegs ebenbürtig sein. Das trifft nicht nur auf Luminar zu, sondern auch auf den Affinity Publisher – der weder Fuß- noch Endnoten kann. Man kann ja gerne trommeln, dass man der Beste ist – aber wenn dann Basics fehlen, dann macht man sich lächerlich. Ich schreibe meine Bücher noch heute mit dem Ventura Publisher – schlicht, weil es noch kein Programm gibt, das auch nur annähernd an dessen Leistungsfähigkeit rankommt.

Und so wie’s aussieht, wird das wohl auch so bleiben.

Ein Vierzylinder-Motor an einem norwegischen See. Gekennzeichnet mit „/10C“

17 Replies to “Luminar – das Ende der Geschichte”

  1. Word!
    Genau so ist es mir auch gegangen. Ich dachte, oha eine Alternative zum Abomodell von Lightroom. Angelockt mit Versprechungen die nicht gehalten wurde. Immer wenn der Rechner wieder mal mittendrin abstürzte habe ich mir gesagt „wird ja, nur Geduld“. Und dann wird einem plötzlich Luminar 4 angepriesen ohne das Luminar 3 in irgendeiner Form ernsthaft brauchbar ist. Da bin ich dann auch raus. Ich frage mich, ob das Konzept langfristig aufgeht.

  2. Ich kann Euer strenges Urteil nicht recht nachvollziehen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Luminar nicht zur Verwaltung, sondern praktisch nur zur Bearbeitung nutze. Die Bilder liegen bei mir nach Datum geordnet im Workspace-Ordner, und wenn ich etwas machen will, was Workspace nicht kann, starte ich Luminar als „registrierte Anwendung“ aus Workspace. Luminar 4 startet bei mir übrigens schneller als Luminar 3. Und das Bearbeiten geht wirklich gut, dass Gesichter und der Himmel jetzt automatisch erkannt und maskiert werden, finde ich richtig attraktiv. Niemand zwingt mich, ein Preset anzuwenden, verderben kann man seine Bilder mit jedem Bearbeitungsprogramm.

    1. ON1 habe ich als LR-6-Benutzer ausprobiert. Es hat mir nicht gefallen und ich habe es ganz schnell wieder gelöscht. Alle Gründe weiß ich nicht mehr, aber es hat viel nach Hause telefoniert. Luminar, glaube ich, tut das auch. LR zwar ebenfalls, aber das kann man leicht stoppen.

  3. Womöglich ist das Abo-Modell von Adobe doch das kleinere Übel.
    Die Art und Weise, wie man Bilder auf Computern verwaltet und bearbeitet, ist wohl zu einem wesentlichen Teil bei Adobe entstanden. Da sind die zu Hause, das können die und das wollen sie zu Geld machen. Das ist Kapitalismus. Es bräuchte ein paar Genies, die eine bessere Arbeitsweise erfinden, die entsprechenden Anwendungen erstellen und an den Markt bringen. Das geht aber nicht über Nacht. Und auch die werden Geld sehen wollen.

    1. Es geht mir nicht um Bildbearbeitung. Dafür habe ich ausreichend Software. Es geht mir nicht um RAW-Entwicklung. Dafür habe ich Workspace. (Und wenn mir das zu langsam ist, schließe ich ne E-M1II oder X an und die Sache rennt. ) Ich brauche eine Bildverwaltung. Kann Luminar 4 IPTC-Tags? Stichworte? Gesichtserkennung?Kann es mit ner Million Fotos auf nem Linux- Netzwerkshare über SMB? Picasa – diese Gratis-Software von Google die längst ausgelaufen ist – kann das seit einem Jahrzehnt. Es ist also kein Hexenwerk.

      1. Exakt das ist das Thema: die Verwaltung von einigen hunderttausend Fotos, die verschlagwortet und mit Kamera- und Ortsdaten versehen sind. Mit LR 6 finde ich alle Bilder von einem bestimmten Ort oder ein bestimmtes Eisenbahnfahrzeug oder alle einer Baureihe oder technische (verschlagwortete) Details binnen zwei bis drei Sekunden und habe sie auf dem Schirm. Ich wähle ein paar aus, bearbeite minimal nach und gebe sie in einer Minute in dem gewünschten Format aus. So gehen im Jahr 2500 bis 3000 Fotos online. Und jedes Jahr kommen 12000 bis 20000 Belichtungen hinzu. Die werden nicht nach Ereignissen sortiert oder umbenannt sondern verschlagwortet.
        Diese komfortable (und professionelle) Bildverwaltung bietet niemand außer Lightroom an. Die ist mir durchaus was wert, aber ich möchte nicht bis an mein Lebensende 10, 20, 30 Jahre lang monatlich dafür bezahlen.

        1. Genau so. Und ich habe halt irgendwann vor vielen, vielen Jahren, als Lightroom mit 50k Fotos noch überfordert war, auf Picasa gesetzt. Das kann das alles nämlich auch. Nur suche ich halt Ersatz. Und alles, was ich bisher getestet habe, ist an der Aufgabe gescheitert. Über kurz oder lang werde ich meine Arbeitsplatzrechner auf Linux umstellen und dann mit Darktable arbeiten.

          1. Moin, habe ich gerade hinter mir auf Debian10 XFCE4.12

            Leider habe ich noch keine gescheite Lösung zwecks Farbmanagement gefunden.
            Kalibrierung mit EX3 am Eizo CS2420 klappt zwar, aber leider nicht die Anwendung bei speziellen Programmen. Bei XnViewMP (nativ) und Workspace unter q4wine komme ich aktuell nicht weiter. Bei Darktable 2.6.0 habe ich noch nicht die Stellschrauben gefunden, scheint aber das ICC-Profil irgendwo her zu holen, und einigermaßen farbtreu anzuzeigen.
            Farbmanagement scheint noch etwas in den Kinderschuhe zu stecken, zumindest bei -stable Versionen 😉

            Gruß Uwe

          2. Natürlich weiß ich nicht was Du genau schon für Software ausprobiert hast und welche warum durchgefallen ist.
            Je nach persönlichen Präferenzen – IMatch (nur Windows) oder Photo Supreme (Windows, Mac und Server – SQL oder PostgreSQL).

          3. Hallo Robert,
            Ich habe jetzt IMAtch mal die letzten drei Tage meine Bilder einlesen lassen. Es kann viel, ist leidlich schnell, läuft stabil – aber ist für das, was ich brauche eben nicht brauchbar – es zeigt ORFs aus der E-M10 an, ohne das Orientierungstag auszuwerten – und ORFs aus der E-M1X gar nicht. Dass keine Gesichtserkennung dabei ist, hätte ich notfalls noch verkraftet, aber die RAWs sollte die Software schon anzeigen.

            Leider hinterlässt die Software bei der Deinstallation ihre Datenbank. Das ist etwas lästig, da hinterherzuputzen. Das sind nämlich bei mir gut 40GB….

  4. Ich habe Luminar und bin einigermaßen zufrieden damit. LR trauere ich ein bisschen nach, aber für 2-3 etwa 2-stündige Hobby-EBV-Sitzungen im Monat abonniere ich keine Software für 140 Euro im Jahr.

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