Vézelise liegt in der Region Grand Est. Das Dorf hat angeblich 1441 Einwohner. Wenn ich mir ansehe, wie viele Häuser dort leer stehen, frage ich mich, wo die alle wohnen. Und nachdem so gut wie alle Läden dort genauso leer sind – wo die sich mit Lebensmitteln versorgen.

Die Häuser sind leer, Saints-Côme-et-Damien ist abgesperrt, das Hauptportal mit Barrieren blockiert.

In der Kirche findet ab und zu noch ein Konzert statt – man bittet darum, doch den Seiteneingang zu verwenden:

Richtig. Das ist eine Brettertür. Oben und unten kann man durchkucken. Die Farbe hat mal bessere Zeiten gesehen – aber das ist schon ein Eck her. Die Häuser aussen rum sehen nicht besser aus.

Der Eingang eines wunderschönen Hotels aus dem dem 16. Jhd. Der Rest des Hotels sieht nicht besser aus. Natürlich steht es leer. An jedem zweiten Haus stehen „A vendre“-Schilder, meistens haben sich die Schilder dem Zustand der Häuser schon angepasst. Vermutlich kann man den halben Ort für kleines Geld kaufen und kriegt dann noch die Kirche dazugeschenkt. In Frankreich haben selbst kleinste Orte am Ortseingang ein „Ville Fleurie“ – Schild, mindestens mit einer Blume drauf, die anzeigt, dass sich die Bürger wenigstens ein bisschen Mühe mit dem Blumenschmuck geben. Vézelise hat nicht mal ein entsprechendes Schild.

Die einzigen Farbflecken sind Parkverbotsschilder. Ok, ich habe mit der PEN-F ein bisschen nachgeholfen, aber die Fotos geben den Eindruck, den dieses Dorf macht, sehr genau wieder. Eine der Stärken der PEN-F. Emotionale Fotografie.

Überall in Vézelise ist dieser Geist. Bevorzugt an leerstehenden Läden. In unterschiedlichen Farben, aber immer präsent. Dieser Tabakladen befindet sich direkt neben der zweiten Sehenswürdigkeit von Vézelise, den hölzernen Markthallen aus dem 16. Jahrhundert. Die Fotos auf Wikipedia und im Netz sind immer mit starken Weitwinkelobjektiven gemacht. In Wirklichkeit sind die Hallen nicht länger als 30 Meter und wirken natürlich kleiner, auch weil sie mit etwa 4 Metern vergleichsweise niedrig sind.

Und das letzte Foto: ein C-Polo, zuletzt gebaut 1986 – also mittlerweile weit über 30 Jahre alt. Steht da einfach so rum und gammelt vor sich hin. Der Sprit ist schon abgesaugt, aber anscheinend gibt es niemanden, der den Rest noch brauchen kann. Wer einen unverbastelten C-Polo sucht. In Vézelise an der Post steht einer.

One Reply to “Vézelise”

  1. Die Gegend kenne ich nur vom durchfahren, so wie es aussieht bleibt es auch dabei.
    So tote Dörfer habe ich auch schon weiter westlich gesehen. Die Leute hängen nicht so an der eigenen Scholle, wie hierzulande. Wenn es keine Arbeit mehr gibt, wird eben umgezogen.
    Wenn der Bäcker zu macht, geht‘s mit dem Rest auch ganz schnell.

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