Olympus 1999-2003

Dies ist der Prototyp Nummer 2 des ersten 90°-Bookscanners der Welt. Bestückt mit zwei Camedia C3030Z, die an zwei getrennten PCs über USB hingen, da das SDK damals noch keine zwei USB-Ports unterstützte. Also wurde der zweite PC über eine Netzwerkverbindung ferngesteuert, damit dieser wiederum die Kamera ansteuern konnte. Erst als im Laufe des Jahres 2001 eine neue Version des SDK rauskam, konnten beide Kameras von einem Notebook aus gesteuert werden, die beiden Ausleger wurden gekürzt und der ganze Apparillo passte in einen Hartschalenkoffer.

Mittlerweile ist die Digitalisierung von Büchern mit 90°-Auflagen und Digitalkameras Standard, seinerzeit, im März 2001, war das eine Revolution.

Die 3030Z war zwar mein erster Kontakt zu Olympus, weil Olympus die erste erschwingliche Digitalkamera mit prima Optik und Software zum Fernsteuern auf den Markt gebracht hatte , aber die erste Camedia war die hier:

Die Camedia C2000 Z kam 1999 raus und hatte ein 3-fach Zoom mit f/2 bis f/2,8 und immerhin schon 2,1 Megapixel. Das knuffige Kameradesign mit lichtstarken, hochwertigen Linsen und für die damalige Zeit hervorragenden Sensoren wurde bis zur legendären 8080 beibehalten. Solange man nicht über ISO 200 hinausging, waren die Bilder absolut verwendbar, der Autofokus war ausreichend flott und wenn man genug Smartmedia-Karten und Batterien dabei hatte, konnte man damit auch in Urlaub fahren. Die damals üblichen NiCd-Akkus hielten leider nur wenige Auslösungen. Mit einem Satz – 4 Stück – Alkali-Zellen kam man immerhin gut 100 Bilder weit.

2000 kam nicht nur die 3030Z raus, sondern, für etwas mehr als den doppelten Preis, die E-10.

Die E-10 war eine professionelle Spiegelreflexkamera mit festem, lichtstarken Objektiv. Sie hatte 4Megapixel, ihr Nachfolger E-20 war dann mit einem 5 Megapixel CCD ausgestattet. Dazu gab es, Olympus-typisch, alles mögliche Zubehör, bis hin zu einem Telekonverter mit Trageschiene, die der Kamera ein fast militärisches Aussehen verlieh.

Das Jahr 2000 war auch die Geburtsstunde von oly-e.de, dem ältesten Olympus-Forum, das ins Leben gerufen wurde, weil die Lebensgefährtin des ersten Mods eine Frage zur E-10 hatte, es aber keinen Ort gab, an dem sie diese Frage stellen konnte.

Schon im Frühjahr 1999 schlug die Geburtsstunde von Four Thirds. Ein Optikentwickler von Olympus, Katsuhiro Takada, bekam den Auftrag, herauszufinden, wie ein zukunftssicheres, digitales Kamerasystem aussehen musste. Niemand wusste natürlich wirklich, wo die Sensortechnik in 20 Jahren landen würde, aber Takada kam aus der Optik und er ging vom Endprodukt aus. Schon mit 5MP sind eigentlich beliebig große Abzüge möglich, so lange man das Bild im Ganzen betrachtete. Und nach einem halben Jahr Forschungsarbeit, bei der es um Handlichkeit und Bezahlbarkeit ging, stellte sich der 4/3-Sensor mit einem Viertel der Fläche des Kleinbildfilms als optimaler Kompromiss heraus. Die Optiken sind auch bei extrem hoher Qualität und langen Brennweiten noch bezahl- und tragbar, die physikalische Grenze, die durch die Beugung vorgegeben ist, liegt beim 4/3-Sensor jenseits von 50 Megapixeln – Auflösungen, die zur damaligen Zeit nicht einmal Mittelformatkameras erreichten. Die Eckdaten des neuen Systems waren klar, Forschungsprojekt beendet.

Dann bekam der Entwickler der E-10, Yasuo Asakura, Wind von der Sache. Und nachdem Olympus ein Jahr lang den Markt auf Absatzchancen evaluiert hatte, wurde Asakura der Chef der Entwicklungsabteilung für „Four-Thirds“. Und er kam auch gleich mit einer ziemlich neuen Sache daher. Um dem neuen Bajonett mehr Akzeptanz zu verschaffen, bestand er darauf, dass der Standard „Four-Thirds“ auch für andere Firmen offen sein soll. Im Frühjahr 2002, nach der Vorstellung der E-20 legte Asakura die Kerngrößen von FourThirds fest.  Im Juni 2003 endlich wurde dann die E-1 vorgestellt.

Bei der Vorstellung der E-1, die heute gegen die E-M1 wie ein überdimensionierter Dinosaurier wirkt, damals aber außerordentlich  kompakt war, wurden natürlich alle Fotografen von Rang eingeladen. Einer davon war Helmut Newton,  der den Auftrag hatte, mit der E-1 ein paar Porträts zu machen. Er wies den ihm zugewiesenen Olympus-Promotor an. die Kamera auf die höchste ISO-Zahl zu stellen – das ist bei der E-1 nicht so einfach, weil man da erst die ISO-Erweiterung im Menü einschalten muss, damit man die ISO über 800 hinausdrehen kann. Der Promotor versuchte Herrn Newton auf englisch beizubringen, dass das keine so gute Idee sei, weil man ja von ihm tolle Fotos für die Werbung haben wolle – keine verrauschten Porträts. Doch Herr Newton (aka Neustädter, denn Herr Newton war Berliner) bestand darauf und schoss einige begeisternde Porträts mit ISO 3200. (Wer das mit der E-1 jemals selbst versucht hat, wird wissen, was Herrn Newton so fasziniert hat.) Leider sind diese Bilder nie veröffentlicht worden, weil Olympus dann doch auf ein paar Bildern mit ISO 100 bestand.

Im November 2002 brachte Olympus das erste HDTV-Endoskop heraus.

 

Das Endoskop konnte nicht nur deutlich besser Auflösung liefern, sondern auch bessere Farben und beherrschte sogar einen Digitalzoom. Die bessere Bildqualität verkürzte die Eingriffszeit, was auch unmittelbar dem Patienten zu Gute kommt.

Im Jahr 1999 wurde die Situation um die angehäuften wertlosen Wertpapiere kritisch. Durch eine Gesetzesänderung sollte die Bilanzierung von Werten nicht nach deren historischen Werten, sondern nach deren aktuellen Werten vorgenommen werden. Dies hätte für Olympus bedeutet, einen Milliardenverlust ausweisen zu müssen. Hisashi Mori und Hideo Yamada, die dieses Problem in der Finanzabteilung auf dem Tisch hatten, beschlossen, erst einmal ihre Abteilung in „Treasure Group“ umzubenennen – Schatzgruppe. Und bewiesen damit einen gewissen Sinn für Humor. Da sie dafür keine Spezialisten waren, setzten sie sich mit den Vertretern von Axes America, einem Finanzdienstleister zusammen. Schließlich bauten Sie einen Fund auf den Cayman Island um die Wertpapiere erstmal aus Olympus herauszubringen. Auch mit der LGTBank in Lichtenstein wurde ein Deal gemacht, um Mittel aus Japan nach Mitteleuropa zu schaffen, damit dort für vorgeblich geplante Firmenaufkäufe Mittel zur Verfügung standen. Ende 1998 hatte Olympus 21 Milliarden Yen auf dem Konto der LGT Bank. Immerhin waren nun die toxischen Papiere aus Japan verschwunden.

Präsident Kishimoto wurde über die Maßnahmen unterrichtet und dieser billigte sie. Mitte 1999 wurde Tsuyoshi Kikukawa Chefdirektor bei Olympus und auch für die Finanzen zuständig. Im Januar 2000 erfuhr er von Mori und Yamada, was da so in Lichtenstein und auf den Camyans los war. Juni 2001 wurde Kikukawa Präsident.

Bis 2000 waren bereits 65 Milliarden Yen in die Verlustverschleierung geflossen. Mehrere Tarnfirmen und Fonds waren bereits gegründet worden, bevor dann neben der Europalinie eine zweite Linie in Asien eröffnet wurde. Hier spielte die Commerzbank eine unrühmliche Rolle und auch hier landeten bis 2005 60 Mrd. Yen.  Schließlich wurde auch eine Inländische Version aufgesetzt, in der wiederum 30 Mrd Yen versenkt wurde.

Nun waren die toxischen Mittel alle untergebracht, aber da die Wertpapiere zwar ausgelagert waren, aber die Fonds und Briefkastenfirmen, denen das nun gehörte, immer noch im Eigentum von Olympus waren, war das Problem nur verschoben. Irgendwann musste die Blase platzen. Da kam Yamada und Mori die glorreiche Idee, Startups mit den wertlosen Papieren zu kaufen. Startups gab’s damals wie Sand am Meer und dass Startups statt mit Cash mit irgendwelchen Wertpapieren bezahlt wurden, war normal. Und astronomisch überhöhte Kaufpreise waren ebenfalls normal. Leider ging das ein bisschen schief, aber dazu im nächsten Artikel.

6 Replies to “Olympus 1999-2003”

  1. Tja, der Finanzskandal ist ja so ein Ding…
    …viel mehr interessieren mich allerdings die Bilder meines Vorbilds, des Herrn Neustädter (ick bin ja och Berlina, wa). Und zwar sowohl die mit 100 also auch die mit 3200 Iso.
    Da ich von der C-8080 direkt zur E-3 gesprungen bin kenne ich die legendäre E-1 leider nicht aus eigener Handhabung.

    lg, Martin

    1. Ich habe mittlerweile zwei von der Sorte hier und werde das Nächstemal, wenn sich hier ein Model herverirrt einen Vergleichsshoot mit dem 14-54 und ISO 100 und ISO 3200 machen. Versprochen.

  2. Kam im Oktober 1999 nicht auch die C-2500L auf den Markt. Meiner Meinung nach für die damalige Zeit eine tolle Kamera. Nur für 3000 DM konnte ich sie mir neu nicht leisten und habe sie daher zu einem späteren Zeitpunkt gebraucht gekauft.

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