1989 war dann erstmal Schluss mit OM- Neuvorstellungen. Die AF-Spiegelreflexkameras waren Flops und der Mitbewerb auf und davon. Olympus orientierte sich um und erfand die Bridge-Kamera. Die IS-1000 (in Japan als L-1 verkauft), die 1990 auf den Markt kam, hatte ein eingebautes 35-135 Zoomobjektiv mit f/4,5-5,6 und eine neue Form, bei der das große Zoom außermittig angeordnet war. „L-Shape“ – L-Form eben. Die IS-1000 hatte natürlich keinen Bildstabi, der war noch nicht erfunden, aber aufgrund der ergonomischen Gestaltung konnte man die Kamera ausgesprochen ruhig halten.

Die IS-1000 hatte nun auch einen Lamellenverschluss mit einer Blitzsychronzeit von 1/100s, die beiden Blitze hatten Leitzahl 20 und 25, einer war für Weitwinkel, der andere für Tele.  (Zum Vergleich, heutige eingebaute Blitze haben Leitzahlen von 7 oder 8). Der AF wurde nun passiv mittels teildurchlässigem Spiegel realisiert – wie es auch heute noch bei Spiegelreflexkameras üblich ist.  Die ausgefinkelte, autodynamische Belichtungsmessung der OM wurde begraben und nun das Bild zur Messung vom Sucher abgegriffen.

Wenn man die IS-1000 vor sich hat, denkt man, die Kamera wäre eine frühe, digitale Bridge, vor allem, weil sie auf der Rückseite sogar ein Display besitzt – allerdings nur zur Anzeige der Kameradaten.

1991 kam dann die Mju-1 (µ-1).

Man erkennt die Abstammung von Maitanis XA, aber Tatsuya Suzuki, der damalige Chefdesigner, kreuzte Maitanis Entwurf noch mit einem Stück Seife und allem, was die damalige Technik hergab. Heraus kam eine jackentaschentaugliche Kamera mit sehr guten Optiken und ausgefinkelter Blitztechnik, die perfekt mit einer Hand zu bedienen war. Die Kamera, die in Amerika als „Stylus“ vermarktet wurde, war der Start für die bestverkaufte Kameraserie aller Zeiten. Mehr als 5 Millionen „Mjus“ gingen über die Ladentische.

Man glaubt es nicht, aber diese beiden Kameras waren die einzigen wichtigen Neuheiten, die Olympus in dieser Zeit herausbrachte. Grund war der Zusammenbruch der „Blasenwirtschaft“ in Japan 1990.  Toshiro Shimoyama, damals Präsident von Olympus, versuchte, den brutalen Wertverlust der Geldanlagen damit zu kompensieren, dass er noch höhere Risiken einging um noch höhere Renditen zu erwirtschaften.  Der Stapel der wertlosen Wertpapiere türmte sich schon Ende 1990 auf knapp 100 Mrd Yen – einer Summe von 1,1 Mrd D-Mark nach damaligem Kurs.

Ein kleiner Beitrag zum Thema war dann noch die Écru, eine Kompaktkamera, die in einer Auflage von 20.000 Stück produziert wurde und im Endeffekt den Erfolg des O-Products wiederholte.

Die Écru war ein Vollautomat mit eingebautem Motor, die kaum mehr als zwei Tafeln Schokolade wog, ein simples 35mm f/3,5 als Objektiv besaß und für 888 Mark verkauft wurde.

1993 wurde Masatoshi Kishimoto Präsident von Olympus. Dieser versuchte, das Geschäft von Olympus in Richtung Diktiergeräte zu verlagern. Diktiergeräte? Ja. Olympus hatte 1969 das erste Diktiergerät für Mikrocasetten auf den Markt gebracht, damals noch unter der Marke „Zuiko Pearlcorder“. Der allererste Pearlcorder war ein Designjuwel in Modulbauweise – Hier gibt’s ein Video dazu:

In den 90ern waren die Pearlcorder Standard in allen Büros. Wer kein TA-Diktiergerät hatte, hatte einen Pearlcorder. Allerdings war das Design deutlich schlichter:

Die Geräte waren unverwüstlich. Leider ist die Audio-Sparte von Olympus ähnlich knausrig mit Produkt-Timelines wie die Endoskop-Sparte. Der S724 etwa, ist nicht mal bei der Liste ausgelaufener Produkte auf der Olympus-Site, vielleicht, weil es einfach ein S723 mit Fußschalteranschluss ist. Jahreszahlen gibt es überhaupt nicht.

Auf jeden Fall beschlos Kishimotu , das Problem der wertlosen Wertpapiere zum „PAL“ (Problem Anderer Leute) zu erklären und übergab es der Abteilung für Portfolio Management. Ob bei diesem Vorgang ein Pearlcorder eine wesentliche Rolle gespielt hat, konnte auch von der TaskForce von 2011, die die Vorgänge von damals untersuchte, nicht geklärt werden.

Auch bei den Mikroskopen war Olympus nicht untätig. Sie entwickelten eine ganze Serie von 3D-fähigen Laser-Scanning Mikroskopen, die LSM-Serie, mit denen DNA-Strukturen sichtbar gemacht werden konnten.

Die Geräte hatten Bildspeicher die zwei Bilder von 640×480 und 16 Mio Farben speichern konnten. In einer Zeit, in der in den Computerläden noch Bernsteinmonitore mit Herculesgrafik-Karten verkauft wurden, war das HighEnd. Die Mikroskopfotografie hatte einen weiten Weg zurück gelegt, seit der ersten Mikroskop-Kamera von Olympus:

 

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