In den Jahren 1984 bis 1988 erreichte der Output an neuen OM-Modellen seinen Höhepunkt.

OM-2S, OM-2SP, OM-40, OM707, OM-4, OM-4 T, OM-4Ti, OM-77, OM-88 und OM-101PF.

Das Flaggschiff war natürlich die OM-4Ti (in Amerika wurde die identische Kamera als OM-4T verkauft.) Die 4Ti hatte Titan Ober- und Unterschalen (im Gegensatz zur E-M5II Titanium, die lediglich grau lackiert war) zur Gewichtsreduktion, hatte eine überarbeitete Elektronik um das Problem mit dem Ruhestrom zu eliminieren und gilt als Höhepunkt der OM-Reihe. Sie war die erste Kamera mit Schlitzverschluss, bei der man mit allen Belichtungszeiten blitzen konnte. Bis zu 1/2000s. Das war vor allem deshalb beachtlich, weil die OMs nach wie vor Tuchverschlüsse und rein mechanisch immer noch eine Sync-Zeit von 1/60s hatten.  Die bei anderen Kameraherstellern längst üblichen Lamellenverschlüsse passten schlicht nicht in die kleinen Gehäuse hinein.

Doch Olympus konnte nicht nur wunderschön und leicht, sondern auch hässlich. Die OM-707 war ein Versuch, einen AF mittels Motor in der Kamera zu realisieren, wie es auch Nikon und Minolta machten.

Der AF war  sogar recht zuverlässig, leider hat man vergessen, eine manuelle Fokussierung zu implementieren. Die einzige Möglichkeit für manuellen Fokus war über den „Power-Fokus“, bei dem mittels der Schaltwippe rechts oben hinten am Gehäuse (PF) der Fokusmotor angesteuert wurde. Das Gehäuse hatte Plastikfeeling und hörte sich auch genauso an.  Nachdem die Kamera nicht wirklich lief, brachte man noch die kleine Schwester OM-101PF heraus:

Auch keine echte Schönheit, man versuchte ein bisschen die Colani-Linie der Canons zu imitieren – und musste feststellen, dass das auch nicht zum Ziel führte. Beide Kameras wurden relativ schnell wieder abverkauft.

1985 kamen dann gleich noch zwei XAs raus, die XA-3 und XA-4, letztere mit einem 28mm f/3,5 Weitwinkelobjektiv. Doch auch die wurde eigentlich schon durch die 1984 vorgestellte AF-1 überflüssig. Die AF-1, eine Kleinbildsucherkamera mit 35mm f/2,8-Objektiv, war die erste wasserdichte, vollautomatische Kompaktkamera.

Doch neben typischem, klobigem 80er- Design konnten die Marketingleute bei Olympus auch etwas um die Ecke denken. Sie bauten zum 70. Geburtstag von Olympus in einer Auflage von 20.000 Stück das O-Produkt.

Das O-Produkt war eine Kompakte mit ansteckbarem Blitz. Verbaut war ein 35mm f/3,5 mit Autofokus. Die Kamera kostete seinerzeit in Deutschland 888 D-Mark. In Japan war der Hingucker innerhalb von zwei Wochen ausverkauft. Wer den Exoten haben will: Die Kamera wird derzeit knapp unter 300 Euro gehandelt. Das Innenleben hatte die Kamera von der AF-1 geerbt, das Design stammte von Naoki Sikai und seiner Firmwa „Water Design“, die übrigens auch das Nissan Be1 entworfen hat.

Solch schrägen Entwürfe waren damals in Japan ein Zeitphänomen, die Wirtschaft in Japan hatte sich zu einer riesigen Blase entwickelt. Es war mittlerweile kaum noch lukrativ, tatsächlich brauchbare Produkte herzustellen, Spekulationen mit Immoblien und Wertpapieren waren sehr viel lohnender. Aus diesem Grund kam auch Olympus auf die Idee, die freien Mittel statt in sinnvolle Produkte zu stecken, auf den Finanzmärkten zu investieren. Sie vertrauten dabei externen Bankberatern. Man hoffte damit, die Aktionäre zu beruhigen, die angesichts der Profite anderer Firmen ähnliche Renditen auch von Olympus erwarteten. Auf der Strecke blieb die längst überfällige Entwicklung eines vernünftigen Autofokus-Spiegelreflex-Systems. Dazu kam auch noch, dass damals dieses neue AF-Zeug nicht „Profi“ war. Das hatte den Geruch von Amateur, denn Profis arbeiteten natürlich mit manuellem Fokus – und Olympus wollte mit dem OM-System natürlich auch nur Profis beliefern.

6 Replies to “Olympus 1984-1988”

  1. Moin, ja die OMD-4TI – ein Träumchen – die „grazile Schönheit“ (liegt natürlich im Auge des Betrachters) unter den Spiegelreflexkameras. Die techn. Daten kommen hier im Bericht ein klein wenig zu kurz, wie ich finde. Meines Wissens hatte sie in der damaligen Zeit echte technische Leckerbissen wie die „autodynamische Messsteuerung“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Autodynamische_Belichtungssteuerung ) und eine Spotmessung mit bis zu acht (!) individuellen Messpunkten … u.v.m.

  2. Vor ein paar Jahren hate ich meine OM4T und meine geliebten OM Objektive für ein 90-250 in Zahlung gegeben.
    Zuerst hatte uch der OM Ausrüstung „nachgetrauert“. Aber die Entschädigung ist immer noch erste Sahne…

  3. Die OM-4Ti Black, da war der Lack schneller ab, als man gucken konnte. Schön bei den OMs war die Kompatibilität. Der uralte Motordrive 1 tat an der OM-4Ti ebenso seinen Dienst, wie an der alten OM-1 MD. Die Einstellscheiben waren auch problemlos auszutauschen. Aber ganz ehrlich: schon die E-3 war haushoch überlegen.

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