Ab 1944 fertigte Olympus vor allem Mikroskope und Ferngläser für die Armee. Eine Quelle nennt auch „andere optische Geräte“. Was damit gemeint ist, ist nicht bekannt. Die geordnete Fertigung von Mikroskopen und Kameraverschlüssen brach nach dem Angriff auf Tokio vom 25.5.1945 zusammen. Dieser Angriff vernichtete 44 Quadratkilometer Stadtfläche, die Anzahl der Todesopfer war nicht mehr feststellbar, die Toten unidentifzierbar. Bei diesem Angriff wurden von den Amerikanern mit 2953 Tonnen Napalm und weißem Phosphor Wohngebiete und kleine Handwerksbetriebe angegriffen.

Nach dem Krieg wurde in Ina die Mikroskop-Fertigung neu aufgebaut. Das oben abgebildete Showa GK war die erste Neuvorstellung nach dem Krieg. Im Krieg waren viele Blaupausen und wertvolle Werkzeuge vernichtet worden und niemand wusste auch so genau, ob überhaupt Kunden da waren, die sich Mikroskope kaufen würden. Die Vertriebsstrukturen hatten aufgehört zu existieren.

In der Verzweiflung begann Olympus um die Ina-Fabrik herum Rizinus-Pflanzen anzubauen. Rizinus-Öl ist Futter für Seidenraupen und so hoffte man mit diesem Plan B im Notfall über die Runden zu kommen, falls die Verkäufe des Showa GK sich verzögerten. Glücklicherweise war der Branchenwechsel nicht nötig. Das GK und sein Nachfolger, das GC, wurden gut verkauft und verbreiteten sich in den Schulen und Universitäten rasch.

In der ehemaligen Textilfabrik in Suwa wurden schon im Januer 1946 wieder Kameras produziert – die Produktion der SIX wurde wieder aufgenommen und sogar Mamiya zeigte Interesse an einer Linsenfertigung von Olympus für die Mamiya Six.  Bis Juli verließen immerhin 1015 Kameras das Werk.  Die ersten Kameras wurden noch aus alten „Super-Olympus“- Teilen zusammengeschraubt. Als Objektive wurden neu berechnete 4-Linser-Tessare verbaut, mit japanischen Linsen.  Problematisch wurde der Mangel an Verschlüssen. Olympus kaufte 1000 Koho-Verschlüsse von Mamiya zurück und als die alle waren, ging man auf die Suche nach Restbeständen des Fujimoto „Sport“-Verschlusses, die den Krieg überlebt hatten. Auch das reichte nicht und man verwendete schließlich noch drei andere Verschlüsse, die sich auftrieben ließen, so dass die Olympus SIX schließlich in allen möglichen Versionen auf dem Markt war.  Die letzten Exemplare dieser groß angelegten Resteverwertung wurden 1948 verkauft.

1948 schließlich kam die erste Kamera-Neuentwicklung auf den Markt: Die Olympus 35 I.  Entwickelt hatte die Kamera Eiichi Sakurai. Es handelte sich bei den ersten Exemplaren um ein Sonderformat mit 24x32mm (4:3!) das erst bei den späteren Kamera auf 24×36 erweitert wurde. Die 35 I war die erste japanische Kleinbildkamera

Als Verschluss wurde ein Seikosha Rapid eingesetzt, wieder ein Zentralverschluss, das Objektiv war ein 40mm f/3,5. Die Kamera hatte bereits einen Zubehörschuh. Der Trick bei der Kamera war, dass Filmaufzug und Auslöser direkt nebeneinander lagen. Die Verbindung vom Auslöser zum Zentralverschluss lag hinter der kleinen Blende mit dem „Olympus Tokyo“-Logo. Dadurch konnte sehr schnell fotografiert werden. (Nur der Verschluss mußte noch mit links gespannt werden.) Bei den bisher in Japan üblichen Faltkameras war der Auslöser immer vorne am Objektiv. Die schnelle Bedienbarkeit brachte der Kamera den Spitznamen „Taschendiebkamera“ ein.  Die Serie wurde bis zur 35V fortgesetzt. Die heute vermeintlich neue Mode mit „Mark II“ etc. hat bei Olympus also eine lange Tradition.

 

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