Stille ist urheberrechtlich geschützt.

Ich spiele Bass. Viel zu selten, aber ab und zu tue ich das. Irgendwann bin ich auf Davie504 gestoßen, der auch Bass spielt. Ein YouTuber mit knapp 14 Millionen Abonnenten. Das rentiert sich. Da er eben auch Basslinien bekannter Bands und Bassisten vorstellt, kriegt er einen Copyright-Claim nach dem nächsten. Das bedeutet, alle Einnahmen gehen an den, der da das Copyright beansprucht.

Interessanterweise gibt es in Amiland für absolut jedes winzige Stück Musik einen Copyright-Inhaber. Natürlich auch für Musik, die uralt ist. Fats Waller ist seit ewigen Zeiten tot, aber irgendwem „gehört“ die Musik von ihm, obwohl sie nach allen Gesetzen dieser Welt längst „frei“ ist. Das betrifft auch Beethoven und andere klassische Komponisten.

Ich habe vor ein paar Tagen ein Video für eine Freundin gemacht, mit ihrer eigenen Musik – und YouTube hat nach dem Hochladen Stunden gebraucht, um anzuerkennen, dass da keiner Rechte dran hat.

Bei Davie hat das wilde Blüten getrieben. Er ist in einen schalltoten Raum gegangen und hat dann angekündigt den „Klang der Stille“ zu spielen. „Sound of Silence“. Dann hat er den Ton rausgedreht und was völlig anderes gespielt. Zack Copyright Claim „Sounds of Silence“.

Ich warte jetzt darauf, dass irgendein Label systematisch eine KI auf jede nur denkbare Melodie ansetzt und die dann alle schützt.

Auch „Copyrightfreie“ Musik ist längst von irgendeinem Hai geschützt. Ich hatte Videos mit copyrightfreier Musik unterlegt, das hat eine gewisse Zeit funktioniert, mittlerweile sind die alle von irgendwem geclaimt. Ich habe jetzt alle Videos gelöscht. Ich kriege eh kein Geld dafür, dann soll auch jemand anders keine Kohle damit machen.

11 Replies to “Stille ist urheberrechtlich geschützt.”

    1. Das System bei YouTube ist so: Ein Akteur behauptet, dass die Musik ihm gehört. Er muss das nicht nachweisen. Der YouTuber, der die Musik verwendet, muss nachweisen, dass sie frei ist. Der Hinweis auf das Todesdatum des Interpreten/Komponisten samt Hinweis auf die Rechtslage genügt dafür NICHT. (Habe ich alles selber durch.) Ob das Creative Commons ist, spielt da überhaupt keine Rolle, weil es darum an keinem Punkt geht. Selbst wenn Du tatsächlich ein Ding selber geschrieben und gespielt hast und die Musik hat signifikante Aufrufe, kann es Dir passieren, dass irgendwer daherkommt und behauptet, das wäre seines – weil er dann die Werbeeinnahmen abgreift. Im Falle von Davie geht es da um zigtausend Dollar. Da wird natürlich alles geclaimt. Auch die Stille.

      1. Also man muss nachweisen, dass NIEMAND ein Recht darauf hat? – Das ist praktisch unmöglich.
        Aber IRGENDWER kann daherkommen und behaupten, er habe ein Recht darauf und muss es NICHT nachweisen?
        Verkehrte Welt!
        Und damit der Tod von so ziemlich allen was das Internet ausmacht – am Ende kommt noch einer und behauptet, er hat alle Rechte am Internet…..oder der ganzen Welt – ach nein, DEN haben wir ja schon…..

        Andy
        imrechtemodus

        1. Eben. Und anstatt alle ihn auslachen und ihn mit einer weißen Jacke mit langen Ärmeln ausstatten, gibt es Leute, die das auch noch verteidigen.

        1. pro Minute werden ca. 500 Stunden Videomaterial auf der Plattform hochgeladen. Da wird einiges an Musik dabei sein.
          Sage den allen, Stopp, hört auf damit.

  1. wer hat denn eigentlich das Urheberrecht für Dummheit?
    Das ist doch eine hervorragende Einnahmequelle, die ganzen Plagiateure mit Abmahnungen zu überziehen.
    Da kommen ca. 8 Milliarden potentielle Zahlungspflichtige zusammen.

    Jetzt merke ich gerade, dass mir mein Sarkasmus keinen Spaß mehr macht.

    1. Da haben wir dann ein ernsthaftes Kapazitätsproblem für die Gerichte. Man kann Abermillionen von Urheberrechtsverletzern zwar automatisiert abmahnen, aber wenn die nicht zahlen und die Sache vor Gericht geht, läuft sich das irgendwann tot. Aber man kann die Betreiber der Platform verklagen und eine wild gewordene Bürokratie kann hohe Strafen verhängen. YT versucht, sich diesen Ärger vom Leibe zu halten und implementiert automatisierte Kontrollen. Dass dabei das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird, ist offensichtlich. Die Prozedur bedarf noch der Feinjustierung,

      1. Das Problem sind nicht die automatisierten Kontrollen. Die funktionieren ziemlich gut. Die meisten Copyright Claims kommen nicht durch die automatisierten Kontrollen, sondern durch „händische“ Einsprüche der Labels. Deswegen trifft es Creator wie Davie, weil die natürlich unter Beobachtung stehen. Und andere laden unbeanstandet Coverversionen hoch.
        Das Problem ist, dass die Rechtmäßigkeit dieser Copyright Claims von den großen Labels nicht bewiesen werden muss. Und das ist generell das Problem, auch bei Reaction-Videos. Große Medienanstalten suchen sich sehr genau raus, wen sie kicken, und wen nicht. Zitatrecht und Pastiche hin oder her. Es geht nicht um Feintuning des Automatismus, es geht um einen grundsätzlichen Konstruktionsfehlers des YT-Systems. (Übrigens auch des Systems der einstweiligen Anordnung bei uns. Eine entsprechender Antrag muss keinerlei Beweise beinhalten. Er muss nur „glaubwürdig“ auf den Richter wirken. Da kann die Gegenseite schubkarrenweise Beweise auffahren – die kann der Richter einfach ignorieren.)

  2. Momentan gibt YouTube die angebliche Rechteverletzung an die
    Kanalbesitzer weiter, anstatt Widerstand zu leisten bzw. dem
    „Kläger“ zu sagen, dass er Beweise liefern soll. Dies macht
    YouTube deswegen, weil YouTube sich juristisch damit nicht
    beschäftigen will und weil die Anwälte des Klägers mehr
    juristische Kraft besitzen, als die Anwälte des Kanalbesitzers.

    Davie504 oder jemand anders mit Geld sollte YouTube verklagen,
    weil YouTube durch die Weitergabe der falschen Behauptung,
    dass das Urheberrecht verletzt wurde, dem Kanalbesitzer
    finanziell schadet, sodass man von YouTube eine
    Entschädigungszahlung fordern kann (ein juristischer Vergleich
    sollte gemieden werden). Wenn Entschädigungszahlung akzeptiert
    wird, dann würden die Täter bei anderen (zukünftigen) Fällen
    deutlich seltener falsche Behauptungen aufstellen.

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