
Ich habe mal wieder ein Lumix 100-300 in die Hand bekommen. Diesmal die Version II. Das Objektiv lag wochenlang rum und wartete auf eine brauchbare Gelegenheit. Vorletztes Wochenende durfte es dann endlich mal ran. In Wettenhofen war wieder „Stoppelfeldrennen“. Das ist letztes Jahr ausgefallen, weil das Landratsamt irre Auflagen verhängt hatte. Dieses Jahr klappte es wieder und wie das halt so am Dorf ist: Werbung dafür gab es nicht. Am Abend vorher kam die Mutter des Veranstalters bei mir vorbei „morgen nachmittag um zwei!“. Also alles eingepackt. OM-1 mit 90-250 f/2,8, E.M1II mit 100-300 und M.Zuiko 100-400.
C-AF, Serienbild lautlos. Gib ihm.

Direkt neben mir saß der Kollege, der das ganze Event mit zwei Drohnen begleitet hat. Eine davon eine dji Avata (rechts oben im Bild). Damit ist er sozusagen das Rennen „mitgeflogen“. Ja, das ist voll fett verboten – außer man macht das mit Wissen und Willen des Veranstalters. Aber man kriegt die „Action“ halt immer nur von hinten. Mit dem langen Tele bin ich halt von vorne dabei, habe die Gesichter der Fahrer und ich kann rasante Mitzieher machen, auch wenn die Autos kaum schneller als 30 fahren.
Der Drohnenpilot macht übrigens auch andere Dinge. Der hat sich auch eine Wärmebilddrohne gekauft und fliegt damit vor der Ernte mittlerweile 150 Hektar Felder ab. Auf der Suche nach Rehkitzen. Der Effekt: die Bauern haben keine gehäckselten Rehe mehr. Und die Bambis rennen noch rum. Ach ja: damit das klappt, muss der Drohnenpilot um vier Uhr früh raus und losfliegen. Ehre!
Dass der Dreck so fliegt, liegt vor allem daran, dass die Reifen, die verwendet werden, längst kein nennenswertes Profil mehr haben und deshalb dauernd durchdrehen. 100 Punkte für spektakuläre Erdfontänen. 0 Punkte für Vortrieb.

Es hatte wochenlang so gut wie nicht geregnet, entsprechen war der Acker staubig. Obwohl immer wieder ein Traktor mit Wasser über die Bahn gefahren ist, der den Staub im Zaum halten sollte, war die Sache gelegentlich „undurchsichtig“. Punkt für das Objektiv, das trotz „Nebel“ seinen Fokus gut gefunden hat und auch beim C-AF sauber hinterhergekommen ist.

Hier sieht man’s: Drängelei auf den Plätzen, der Führende hat eine Staubfahne hinterlassen. Trotzdem alles scharf. Übrigens, die Schärfe. Bei Offenblende am kurzen Ende am Rand etwas weicher als in der Mitte. Bei Blende 8 etwas besser, aber eigentlich auch bei Offenblende problemlos tauglich. Bei 300mm in den Ecken deutlich weicher, aber immer noch akzeptabel. Bei Blende 8 geringfügig besser. Also habe ich mit dem 100-300 eigentlich immer Offenblende fotografieren können, keine Probleme damit.

So sieht es aus, wenn die Stoßdämpfer bereits hinüber sind. Übrigens hat das Geschlage dazu geführt, dass sich das Heck langsam gelöst hat und bei den späteren Rennen mit amtlichen LKW-Gurten an Ort und Stelle gehalten werden musste.
Was ist der Unterschied zwischen einem Stoppelfeldrennen und einem Stockcar-Rennen? Bei einem Stockcarrennen werden die Scheiben rausgenommen und alles entbehrliche entfernt. Die Türen werden zugeschweißt, Überrollbügel sind Pflicht. Frontscheiben gibt es nicht. Alle Hauben sind doppelt gesichert. Bei einem Stoppelfeldrennen sind es einfach Autos, die im Leben keinen TÜV mehr kriegen. Was abfällt, fällt ab. Manchmal schweißt man einen Kuhfänger vorne dran, geht aber auch ohne. Und nach dem Rennen wird alles, was nicht mehr fährt, mit dem Traktor mit Gabel auf einen Haufen gestellt, den dann der Schrotthändler en bloc abholt. Was noch fährt kommt in die heimische Scheune und wird für das nächste Jahr wieder hingedengelt.

Das hier stammt aus dem 100-400. Außer dem Auto ist niemand was passiert. Das Auto wurde nach Überschlag wieder auf die Räder gestellt und ist weitergefahren. Das ist übrigens der VW mit dem roten Gestell vorne dran. War kein Problem, das Dach war nur auf der Beifahrerseite eingedellt und die Frontscheibe hatte ne Spider-App, aber wen stört das?
Zum Objektiv noch etwas: CAs: Kaum feststellbar. Ein paar lila Ahnungen, aber nichts, was ernsthaft Probleme macht. Überhaupt nur bei 200% feststellbar. Die Kamera entfernt das alles zuverlässig.
Lensflares: Ja, man kann mit extremem Licht in die Kamera ein bisschen was provozieren, im praktischen Betrieb hat das Objektiv keine LensFlares. Es liefert auch keine nennenswerten Blendensterne. Auch nicht bei Blende 22.
Fazit zum Objektiv: Wenn man sich an den anderslaufenden Zoom gewöhnt hat, ein schnelles Objektiv mit absolut konkurrenzfähiger Abbildungsqualität. Das 90-250 spielt natürlich in einer anderen Liga, aber zwischen 100-400 und 100-300 habe ich keine Unterschiede festgestellt. Höchstens dass das 100-300 einen Tacken treffsicherer ist.
Taugt.
Tolle Aktionfotos. So eine Aktion macht echt Laune. Aber blöde Frage: kann der Bauer wegen auslaufendem Öl o.ä.nicht Probleme bekommen? Oder hat die örtliche Feuerwehr danach einfach stellenweise etwas Acker entsorgt?
Stockcar findet ja normalerweise auf speziellen Rundstrecken statt, die danach nicht landwirtschaftlich genutzt werden.
Noch eine Frage zum Drohnenpiloten (ich habe keine und kenne mich da nicht besonders aus): ich dachte eine Drohne kann gleichschnell vorwärts oder rückwärts fliegen. Da hätte der Kollege auch vor einem Auto mit Kamera „nach hinten“ fliegen können. Oder habe ich da einen Denkfehler?
Die Autos werden mit minimalem Öl und Benzin befüllt. Da die Kübel hinterher sowieso Schrott sind, ist das egal. Zudem sind die Geschwindigkeiten so klein, dass da nichts Wesentliches beschädigt werden kann. Also keine Probleme mit Öl. (Kann auch sein, dass die für das Rennen Kettensägenöl einfüllen.)
Die Drohne wurde mit Brille geflogen. Und da kann man eben nur nach vorne kucken. Für ein Auto sind 30 oder 40 nicht schnell. Für eine Drohne ist das aber ordentliche Geschwindigkeit.
Kitzrettung mache ich auch als Pilot, wir haben an vollen Tagen rund 15 Drohnenteams mit 4-5 Personen im Rems-Murr-Kreis im Einsatz, die Piloten haben den einfachsten Job dabei, die Hauptarbeit machen die Helfer, die Kitze fangen. Wenn die Wiesen naß sind, kann man die Helfer hinterher auswinden. Wenn die Kitze etwas beweglicher sind, ist öfters mal Action gefragt.