
Wer regelmäßig FolyFos oder PATLive gesehen hat, hat es mitbekommen: Ich habe vor über einem Jahr angefangen, von einem neuen mFT-Sensor zu labern, aus dem ich Bilder gesehen habe. Mit unglaublicher Detailauflösung und Dynamik. Und dass niemand mehr eine der existierenden mFT-Kameras kaufen würde, sobald eine Kamera mit diesem Sensor auf den Markt käme.
Der Wagner erzählt viel, wenn der Tag lang ist.
Ich war der Meinung, diese Kamera sei sicher schon fast fertig und werde demnächst auf den Markt kommen und diesen planieren. Ich habe mich geirrt. Es ist ein Ding, einen unglaublichen Sensor zu haben – und es ist ein anderes Ding, daraus eine funktionierende, serienreife, verkaufbare Kamera zu entwickeln. Wir hatten es gerade bei der „Wiesner One“. Und da hilft es gar nicht mal so viel, wenn man ganze Paletten voller Spielgeld in so ein Projekt versenken kann. Es dauert einfach und die Physik ist ein Arschloch. Sie weigert sich, die Naturgesetze zu ändern, nur weil es gerade marketingtechnisch in den Kram passen würde.
Sensortechnik kommt selten nur in einer Größe. Meistens ist es einfacher, fortschrittliche Sensoren in kleinerem Gehäuse zu entwickeln. Die Leitungen sind kürzer, die Wärmeentwicklung ist besser beherrschbar. Seinerzeit sind die Sensoren der 5DII reihenweise beim Filmen nach zehn Minuten abgeraucht, als die mFT-Sensoren schon problemlos ne halbe Stunde durchfilmen konnten.
Nun hat DJI ja die Pocket4 Pro vorgestellt. 50 Megapixel auf einem 1-Zoll-Sensor. So what? Mein Oppo A5 hat auch 50MP. Und der Sensor ist kleiner. Tja, nur sind die Fotos aus dem Oppo ein typischer Fall von „Besser nicht so genau hinkucken“ – von „brillianten hochauflösenden Bildern“ keine Spur und Dynamik ist ein Fremdwort.
Den 50MP-Sensor der Pocket 4 Pro hat Jeremy Gray von PetaPixel getestet. Es sei ein „LOFAR“-Sensor und das kleine Dingens habe 17 EV Dynamik. Um „17EV“ mal einzuordnen: Wenn man in Borgund aus der Kirche heraus durch die Tür nach draußen fotografiert, hat man 15 Blenden Dynamikumfang. In Borgund innen drin ist es stockdunkel. Dieses HDR-Pano ist mit Belichtungszeiten zwischen 20 Sekunden und 1/20s gemacht. Die HDR-Software konnte das damals nicht komplett rendern, der Friedhof blieb zu hell. In dem JPG stecken also grob 14 Blenden echte Dynamik drin.

Wenn sich also Petapixel nicht verrechnet hat, dann wäre eine solche Aufnahme mit der neuen Pocket 4 Pro mit einem Klick möglich. Und nicht mit zwei Stunden Arbeit, Stativ aufstellen, Genehmigung bei der norwegischen Denkmalschutzbehörde einholen und sperren des Zugangs. Und in weit besserer Qualität. (Der einzige Vorteil dieser Aufnahme ist: sie ist nicht wiederholbar, da die Stabkirche von Borgund mittlerweile generalsaniert wurde. Das ist der Zustand vor der Renovierung.)
Ein solcher Sensor im FT-Format, selbst mit „nur“ 50MP, würde blitzartig alles, was derzeit auf dem Markt ist, zu prähistorischen Dinosauriern machen. Absolut unverkäuflich, höchstens noch für Historiker und Archäologen interessant. Und Dino-Fans.
Das Problem für die bisherigen Hersteller ist dabei, dass das alles keine nebulöse Irgendwann-Geschichte ist. Die Pocket 4 Pro ist da. Die Technologie ist am Markt. Auf die Markteinführung der Sensortechnologie in größeren Sensoren können wir warten und – wie gesagt – ich habe schon Bilder aus Entwicklungsmustern gesehen. Die waren noch lange nicht ausentwickelt und haben bereits alles versenkt, was ich jenseits von Mittelformat bisher gesehen habe.
Deshalb bin ich der Meinung, es ist vorbei. Mit Panaonic-mFT-Kameras und mit Curry-Kameras. Wenn sie jetzt noch auf die Schnelle eine Kamera rausbringen würden, die eine ganze Stufe über den vorhandenen Kameras wäre, dann könnten sie die Fans nochmal melken. Aber wenn der große Bruder der Pocket kommt, ist es endgültig vorbei.
Mein Rat an die beiden Firmen: seht euch die alten TopPros an und baut die für mFT. 12-40 f/1,8, 35-100 f/1,8, 150mm f/1,8. Und vielleicht noch einen Nachfolger des Bigma – nur in gut. Wenn ihr es nicht macht, machen es die Chinesen. Und dann braucht euch niemand mehr.
Titelbild: Die SS Reginald auf den Orkneys. Das Schiff liegt zwar an den „Churchill Barriers“, ist aber bereits am 15. September 1915 als Blockschiff versenkt worden. Foto von 2002.
moin, moin
Danke für die Info.
Frage aus Interesse: kämen existierende objektive wie ein 40 150 2.8 oder was neueres mit so einem sensor (als mft) klar ?
Grüße
Tom
Es gibt keinen Grund, dass nicht.
Auch ein BIgma kommt mit einem 20MP-Sensor klar. Nur ist das Bigma halt nicht so scharf wie andere Objektive.