Ab 2. August: Kennzeichnungspflicht KI

Ich bin von meinem Versicherungsmenschen auf etwas aufmerksam gemacht worden, was in den nächsten Tagen akut wird. Die KI-Kennzeichnungspflicht. Dazu ist dieser Artikel von Patrick Lux verlinkt worden. Nun könnte ich es einfach dabei belassen und sagen „Lest euch den Artikel durch“. Aber der Fokus bei Patrick Lux sind eher Fotografenkunden – also nicht so der Hobbyfotograf, der hier mitliest.

Deswegen versuche ich das jetzt ein bisschen zielgruppenspezifisch einzuordnen.

Urheberrecht beim „Prompter“:

KI-Werke können urheberrechtlich geschützt sein, wenn man nachweisen kann, dass da ernsthaft Arbeit und Schöpfungshöhe drinsteckt. Das ist aber so ein Ding, weil die Schöpfungshöhe Gegenstand von Streit vor Gericht werden kann – und vor Gericht und auf hoher See……

Klaut also jemand das KI-Werk, dann muss man erst mal nachweisen, dass da überhaupt ein Urheberrecht drauf ist – was unter Umständen teurer sein kann, als die Sache wert ist.

KI-Bild verletzt Rechte.

Wenn das KI-Bild die Rechte anderer verletzt, haftet der, der das Bild verbreitet. Also wenn das Bild da oben zum Beispiel das Urheberrecht an dem Roboter verletzt, dann hafte ich, weil ich das Bild veröffentlicht habe. Nicht OpenAI deren Software das Ding zusammengestöpselt hat. Problematisch sind Kopien von bekannten Stilen von Künstlern. Reale Personen. Logos. Markennamen. Gerade bei den Personen kann man unter Umständen mit Vollgas gegen die Wand rennen. Denn die KI hat meistens irgendein reales Gesicht als Vorbild – und der Besitzer des Gesichtes kann da protestieren. Das trifft auch zum Beispiel für Models zu. Die haben in ihren Verträgen die Verwendung oft genau spezifiziert – Auflage, Verbreitung, Dauer. Und wenn die KI dann einfach das Bild hernimmt und verwurstet, dann kann das richtig, richtig schief gehen. Als „Prompter“ weiß man gar nicht, wer das ist, der da auf dem Bild gezeigt wird – und ist dann völlig geflasht, wenn da eine Rechnung oder Abmahnung ins Haus flattert.

Was steht nun in diesem EU-Ding drin? Kann man hier nachlesen.

Deepfakes: Müssen gekennzeichnet sein. Und zwar direkt am Deepfake. Ausnahme: wenn das Ganze ein künstlerisches Werk ist, dann muss es nur irgendwo dranstehen, so dass es den Kunstgenuss nicht beeinträchtigt. Das ist aber schon alt. Seit Februar 2025.

Nun kommt ab 2.8. dazu: Als Anwender muss man kennzeichnen, ob die Person die auf dem Bild ist, echt ist und verändert wurde, oder künstlich erzeugt wurde. Hintergrund muss ebenfalls als „KI-generiert“ gekennzeichnet werden. (Bei den Aldi-Prospekten steht der Hinweis auf KI am Hintergrund schon seit letztem Jahr dran.) Je „echter “ das Bild aussieht, desto kritischer ist das.

Die entsprechende Vorschrift enthält keinen Hinweis, dass das nur für eine kommerzielle Verwendung gilt. Also gilt es für jede Veröffentlichung. Zum Beispiel auch auf einer privaten Website oder bei einem Fotografie-Wettbewerb. Gerade bei einem Fotografie-Wettbewerb kann das kritisch sein, weil die Bestimmungen Text auf dem Bild meistens verbietet, und nur ein blankes Bild abgegeben werden darf. Wurde bei einem solchen Bild also KI verwendet, kann der Veranstalter des Wettbewerbs angezeigt werden. Der dann wiederum meistens richtig böse reagiert, weil die Strafen empfindlich sind.

Und jetzt bitte hinsetzen: Es geht nicht nur darum, dass ganze Bilder mit KI erzeugt werden – wie das hier oben .Jede Manipulation mit KI muss mitgeteilt werden. Das sind zum Beispiel Funktionen wie

  • Generative Fill
  • Personen freistellen und in eine anderes Bild einsetzen (klassisches Composing)
  • Bildausschnitte erweitern (Outpainting)
  • Hautretusche mit KI-Tools
  • Objekte entfernen und mit KI füllen.
  • Physiognomien mit KI ändern

Sobald auch nur ein Pixel in dem Bild durch KI erzeugt wurde, muss das mitgeteilt werden. Inwieweit das auch KI-Rauschunterdrückungstools betrifft- keine Ahnung, aber wer will das vor Gericht ausprobieren?

Nochmal: Es muss immer mitgeteilt werden. Bei einem kommerziell verwendeten Bild sollte es im Bild als Text stehen, bei einem „künstlerischen Bild“ muss es drunter stehen. Ab 2.8.2026.

Wer das alles im stillen Kämmerlein macht und nur Prints macht, die er sich selbst an die Wand hängt – kein Problem. Sobald er damit ohne KI-Hinweis an die Öffentlichkeit geht, wird’s extrem haarig. Wer das an einen anderen ohne die komplette KI-Doku verkauft, der es dann veröffentlicht, sollte eine gute Vermögensschadenhaftpflicht abschließen. Vorher.

28 Replies to “Ab 2. August: Kennzeichnungspflicht KI”

  1. Ist ja prima !
    Dann kann die Abmahnkanzlei eine KI einsetzen um herauszufinden wo im Bild von der gestaltenden KI geklaut wurde.
    KI eröffnet also doch ganz neue Geschäftsmodelle 😉
    Wolfgang

  2. Ist eigentlich genau das, was man sich im Bereich Doku schon seit langem gewünscht hat und auch von Verlagen und Archiven eh gefordert wurde.

    War ja schon vor KI-Zeiten problematisch, wenn der Fotograf (Hobbyknipser) den Baukran am Kirchturm oder den ollen Schuppen am Gasthof wegretuschiert hat und das Bild Generationen später – warum auch immer – Bedeutung gewann und zeitlich falsch eingeordnet wurde.

    Heute, mit KI, kann das jeder Dödel. Da werden dann per Mausklick bei einem Foto aus dem Herbst im Gebirge einfach mal die bereits aufgestellten Schneestangen am Straßenrand oder Gleisbett entfernt. Weil es vermeintlich störend wirkt. Solcher Mist wird dann in Eisenbahnforen oder Autozeitschriften verbreitet.

    Was eigentlich noch fehlt ist eine Software für „Jedermann“ die solche Tricksereien zuverlässig erkennt. Sollte man vielleicht auch ähnlich Virenscannern regelmäßig auf den Prüfstand stellen. Denn gerade unter den Hobbyisten ist der Drang mal ein Titelfoto zu bekommen so hoch, dass Bedingungen von Verlagen oder gar Gesetze kaum dem Betrug Einhalt gebieten werden.

  3. Das gilt übrigens ab August auch für Musik. Hier müssen in ähnlicher Abstufung Teile oder das ganze Stück gekennzeichnet sein. Spannend bleiben die Fragen wie und in welchem Umfang eine Überprüfung stattfindet.Wie zuverlässig wird sie ausgeführt? Wer wird daran verdienen? Es bleibt spannend….

    Gruß aus dem Ruhrgebiet

    1. “Spannend bleiben die Fragen wie und in welchem Umfang eine Überprüfung stattfindet.Wie zuverlässig wird sie ausgeführt? Wer wird daran verdienen? Es bleibt spannend….”

      Die Überprüfung wird wohl von KI gemacht. Jetzt ist es so weit, dass die KI sich selbst kontrolliert. Wo das hinführt möchte ich mir nicht ausmalen.
      Verdienen werden die üblichen Verdächtigen. Die Ausgaben für die Lobbyarbeit müssen ja irgendwie wieder zurück kommen.

  4. Das ist echt interessant, gilt das dann auch für Quelltext? Wer will das zuverlässig unterscheiden. Gilt das dann auch rückwirkend? Da haben dann einige Forenbetreiber eine Menge Arbeit vor sich. Bei Musik ist mir das alles ziemlich Wurst, weil die Musik die mir gefällt, deutlich älter ist als jede KI. Wo ist die Grenze? Ich habe schon Bilder von einem Landschaftsfotografen gesehen, die an völlig unterschiedlichen Lokationen aufgenommen wurden und alle den selben Himmel hatten. Reinhard hat es schon immer gewusst, die einzig wahren Bilder sin ooC

  5. Blöde Frage: Das gilt dann doch auch für jedes hochgeladene Foto bei Instagram und Co, Oly-Forum, DSLR-Forum, etc.Oder nicht?

    1. Habe jetzt mal (wer bemerkt den Gag?) die KI befragt, ob ich dem EU AI Act unterliege, wenn ich als Hobbyfotograf, ohne kommerzielle Interessen, aus einem Foto eines Vogels, mittels KI einen störenden Ast entfernt habe.

      Antwort sinngemäß: Nein! Es handelt sich um ein Standard-Werkzeug. Funktionen wie inhaltsbasiertes Füllen oder KI-Radierer gelten rechtlich als moderne Bildbearbeitungswerkzeuge und nicht als manipulative Informationserstellung.

      Da haben sich, meiner Meinung nach, die Juristen mal wieder die Zukunft ihrer eigenen Zunft gesichert und verdienen sich einen Sack voll Geld. Im Alltag wirklich etwas ändern wird sich dadurch vermutlich nicht. Es wird einen vergleichbaren Effekt haben wie die Zustimmung zu Cookies auf Internetseiten. Es wird primär nur nerven.
      Was bleibt: Ob ich einem Foto traue oder nicht, hängt für mich davon ab, ob ich der Quelle traue oder nicht. Manchmal ist das aber auch nicht mehr als ein Bauchgefühl. So sind die Zeiten…

      1. Das Problem an Antworten der KI ist: sie sind im Fall der Fälle exakt nichts wert. Wenn Du eine Anzeige wegen KI-Gebrauch bekommst, kannst Du Dich nicht auf die KI berufen. Und: die Rechtsprechung zum EU-AI-Act gibt es noch nicht, da der ja erst am Sonntag in Kraft tritt. Die KI hat also noch gar keine Datenbasis, auf der sie irgendwas „beurteilen“ kann. Der Absatz lautet: „Wer ein KI-System einsetzt, das Bild-, Audio- oder Videoinhalte erzeugt oder manipuliert, die einen Deep Fake darstellen, muss offenlegen, dass die Inhalte künstlich erzeugt oder manipuliert wurden. Ist der Inhalt Teil eines offensichtlich künstlerischen, kreativen, satirischen, fiktionalen oder analogen Werks oder Programms, so beschränken sich die in diesem Absatz genannten Transparenzpflichten auf die Offenlegung des Vorhandenseins eines solchen künstlich erzeugten oder manipulierten Inhalts in einer angemessenen Weise, die die Darstellung oder den Genuss des Werks nicht beeinträchtigt.
        Dabei gibt es eine Begriffsbestimmung für einen Deep Fake:
        „KI-generierte oder manipulierte Bild-, Audio- oder Videoinhalte, die existierenden Personen, Objekten, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einer Person fälschlicherweise als authentisch oder wahrheitsgemäß erscheinen würden“
        Wenn Du den Ast mittels KI entfernst, manipulierst Du ein Objekt, so dass das fälschlicherweise als authentisch erscheint. Der Text ist glasklar. Das „manipulieren“ von Inhalten mittels KI ist kennzeichnungspflichtig. Immer. Die wenigen Ausnahmen, wenn man etwa mit KI eine Szene erschafft, von der jeder sofort sieht „das gibbet es nich“ – sind für Hobbyfotografen eher nicht relevant.
        Und, nochmal, jemand anderes muss da keine Zivilklage anstrengen. Der kann einfach Anzeige erstatten.

        1. Und wenn ich zur Manipulation keine KI verwende, sondern das störende Ästchen im Vogelbild mit PS-Bordmitteln wie früher wegstempel, ist alles gut oder wie?
          Verrückte Welt!

          1. Das ist gar nicht so verrückt. Mit „Bordmitteln“, also mit Kopierstempel, ist das nicht ganz so einfach – und in der fertigen Datei relativ einfach nachzuweisen. Mit KI ist das nur noch dann nachzuweisen, wenn die mal wieder Blödsinn macht. Und beim Ästchen beim Vögelchen ist das vielleicht noch tolerierbar, aber wo zieht man die Grenze? Also haben die im Text eben die Grenze ganz unten gezogen.

  6. Das heißt doch aber dann, dass spätestens in zwei, drei Jahren absolut jedes Bild als KI-manipuliert gekennzeichnet werden muss. Denn spätestens dann wird doch jede neue Kamera Funktionen wie AI-Entrauschen, AI-Schärfen usw. schon in die RAWs verbacken, oder?

    1. Das ist eben die Frage. Ist KI-Entrauschen und KI-Schärfen damit gemeint? Laut dem Text geht es um „Deep Fakes“ und die sind so definiert, dass da Bildinhalte geändert wurden. Das dürfte man bei Entrauschen und Schärfen eher verneinen. Allerdings kann es durchaus sein, dass zukünftige Kameras KI-Funktionen anbieten – zum Beispiel eine Porträtaufhübschung mit Physiognomieänderung wie bei „Portrait Professionel“. Das müsste dann gekennzeichnet werden . Oder ein automatisches Ausblenden von Stromkabeln.

    2. Spannende Ansicht. Ich für mich möchte auch gerne zwischen generativer KI und Machine Learning (ML-Algorithmen) unterscheiden, auch wenn ML der übergeordnete Begriff ist. Denn die ersten Ansätze von Entrauschalgorithmen basierten auf reinem ML (z.B. DxO) und nach und nach kamen generative Anteile dazu. Also wo zieht man die Grenze? Schon vor dem Bild? Also wenn ein AI Autofokus scharf stellt? Oder wenn Bildteile in der Kamera ergänzt werden (siehe Samsungs Hand-Aufnahmen vom Mond)? Vielleicht muss man erst mal klären, wo generative AI und wo klassische Algorithmen (ML oder Fuzzy Logic) zur Anwendung kommen. Wer wird‘s machen? Die Techniker oder die Juristen?
      Nur so mal gedanklich in den Raum geworfen.

      Hinweis! Dieser Text ist ohne KI erstellt und kann dennoch Fehler enthalten.
      Grüße aus dem Ruhrgebiet

    3. Das sehe ich auch so. Wie gesagt: Die Kennzeichnung, dass ein Foto mit KI bearbeitet worden ist, hat dann die gleiche nervige Relevanz wie heute die Cookie-Zustimmung nach DSGVO oder der Pflichttext bei der
      Bewerbung verschreibungspflichtiger Arzneimittel. So ein Pflichttext nimmt gut und gerne die Hälfte einer A4-seitigen Werbeanzeige in einer Fachzeitschrift ein, die im Übrigen nur von Medizinern gelesen wird. Ein QR-Code, der auf den Pflichttext verweist, reicht ausdrücklich nicht (da dies einen Medienbruch bedeuten würde). In über 20 Jahren habe ich noch nie einen Menschen getroffen, der den Pflichttext gelesen hätte. Eine Ausnahme ist lediglich der Wettbewerb, der hofft, in der Anzeige etwas zu finden, was für eine Abmahnung reicht.

      Ich befürchte, der Nutzen dieses EU AI-Act, wird für den Normalbürger mehr Belastung als Nutzen haben. Abmahnanwälte werden einen Reibach machen.

      1. Einfach mal das neueste Aldi-Prospekt zur Hand nehmen. Da sieht man, was das für Auswirkungen hat. An den meisten Hintergründen steht „Hintergrund KI“ und bei den ganzen Food-Fotos steht dran „KI-generiert“. Also links die Hähnchenbrust in Plastik, daneben ein Teller mit erfundenem Essen. (Und ja, schlechte Food-Fotografie war schon immer Beschiss.) Wenn ich nicht sowieso schon seit Jahren kein Fleisch mehr bei Aldi kaufen würde, würde ich das jetzt einführen. Ich hatte hier schon über die Anfänge berichtet: https://pen-and-tell.de/2025/07/aldi-goes-ki/

        1. Glaubst Du wirklich, dass es einen Einfluss auf das Kaufverhalten hat, wenn da jetzt neben dem Foto „KI generiert“ steht? Ein verschwindend kleiner Anteil der ALDI-Kunden dürften Fotografen sein. ALDI bekommt seine Ware über den Preis los und nicht über schöne, falsche Fotos. Da ändert auch der Zusatz „KI generiert“ rein gar nichts! Wie Du sagst „schlechte Foodfotografie war schon immer Beschiss“ und mir ist es ehrlich gesagt wuppe, ob die mit oder ohne KI hinbeschissen wurde.

          1. Du hast natürlich recht, dass die wenigsten in einem Prospekt neben Produktname und Preis noch irgendwas anderes lesen . Aber „Ki“ hat mittlerweile längst den Ruf von „das ist Beschiss“ – selbst wenn sie zur Abwechslung mal liefert. Es ist also kein Qualitätsmerkmal, sondern das Gegenteil. Und deswegen denke ich, dass wenn es mal jemand liest, er das Produkt eher nicht mehr in die engere Wahl nimmt.
            Aber die Zahlen dazu wird Aldi in ein paar Monaten sehen.
            Im Augenblick sieht es ziemlich mau aus:
            https://lebensmittelpraxis.de/zentrale-management/45395-kampf-um-die-discount-vorherrschaft-die-gejagten.html
            Aldi spart am falschen Ende……

        2. Ich habe noch nie bei ALDI gekauft! Ich kaufe beim Metzger und dort zeigt mir der Verkäufer (m/w/d) immer das Fleisch, sogar das aus dem mein Hackfleisch gemacht wird! Da habe ich auch kein KI-Problem!

  7. Wir sind längst von KI umzingelt.
    Werbefotografen werden in Kürze wohl nur noch im High-End Sektor Aufträge bekommen, ditto Models, Maskenbildner usw.
    In der Filmbranche dürfte es noch ein paar wenige Jährchen dauern, aber als erstes dürfen sich wohl die Synchronsprecher warm anziehen.
    In der Eventbranche ist bei Corporate Events KI Synchronübersetzung in Echtzeit gerade am durchmarschieren.
    In der Musikbranche konnte man gerade lesen, dass mittlerweile über 50% der hochgeladenen Musik auf Streamingplattformen KI generiert ist.
    In der Bücherbranche herrscht auch Alarmstimmung, gerade im Selfpublishing Bereich sei man schon bei über 50%.

    Auch wenn mich das tief berührt, als jemand der ebenfalls in der Kulturbranche arbeitet: mpviel mehr Sorgen machen mir mittlerweile der ganze KI Slop, die KI Posts in Kommentarspalten, Deepfake Videos auf Social Media Plattformen. Für seriöse Medien wird es immer schwieriger, verlässliche Nachrichten zu recherchieren.
    Oder die Pläne von China grosse Flieger á la Langstreckenbomber als Drohnenplattformen zu bauen mit grossen Mengen an Drohnen an Bord, die ausschwärmen können, oder die aktuelle Entwicklungen im Ukraine Krieg, mit selbst entscheidenden Drohnen.
    Und dann steht da noch der Elefant „Smartglasses“ im Raum inkl. Meta, die Gesichtserkennung zum Standard machen will.

    Hand aufs Herz: als letztes interessiert mich, ob die Aldi Produktebilder per KI generiert wurde.
    Kennzeichnung, ja natürlich, aber die Verlaufsgrenzen werden wohl die Gerichte bestimmen. Eigentlich bräuchte es aber globale Regeln und Koordinierung zur KI, ähnlich wie die Völkerverträge zu Waffengattungen.
    Wird aber wohl nicht mehr passieren. Die Büchse ist längst geöffnet.

    1. Da gehe ich zu 100% mit! Die von Dir angesprochenen Themen werden uns viel, viel mehr berühren als irgendein KI-generierter Werbeprospekt. Aber die EU hat mal wieder nichts besseres zu tun als ein neues Bürokratiemonster zu erschaffen anstatt die wirklichen Probleme und Gefahren die mit KI einhergehen, zu regulieren. Und das geht nur weltweit. Alles andere macht heutzutage überhaupt keinen Sinn mehr.

      1. Und ich wage mal eine Prophezeiung, wohin sich ein Teil der Gesellschaft entwickeln wird:
        – die Menschen werden wieder mehr zu Live-Veranstaltungen gehen, wo sie sehen können, dass da zum Beispiel wirklich ein Mensch Musik macht
        – Wichtige Geschäftsmeetings werden wieder mehr face to face in einem Tagungsraum stattfinden, weil sich nur dann alle Beteiligten sicher sein können, dass nicht irgendein deep fake teilnimmt
        – die Menschen werden sich wieder mehr persönlich treffen, weil sie keiner Mail und keinem Telefonat mehr trauen können
        – Die Menschen werden sich auf einen kleinen, aber feinen Bekanntenkreis konzentrieren und Facebook und Co den Rücken kehren
        – es wird zu einer „Verdörflichung“ des Gesellschaftslebens kommen
        – durch die zunehmende Überforderung und Unmöglichkeit, entscheiden zu müssen, was echt und was gelogen ist, werden sich die Menschen wieder mehr auf das konzentrieren, was sie im Alltag tatsächlich tangiert
        – die Welt des Einzelnen wird sich nach einer Epoche der Globalisierung eher wieder regionalisieren

        Was aber nicht passieren wird ist, dass die Welt untergeht. Die eh nicht! Wenn, dann nur die Menschheit. Und der wird keiner eine Träne nachweinen.

        Auf die Frage: Geht es auch eine Nummer kleiner? Meine Antwort lautet: Ja!

        1. Live Musikveranstaltungen boomen längst, das hat v.a. mit dem Streaming angefangen, weniger wegen KI. Aber: mittlerweile entsteht ein Problem mittelgrosse Acts zu finden. Die sterben momentan gerade sprichwörtlich aus und es kommen zu wenig Junge nach.

          Geschäftsmeetings, Tagungen und Kongresse finden längst wieder hauptsächlich physisch statt, die virtuelle Version war nur wegen Covid kurz am boomen. Die KI Übersetzung setzt sich aber gerade auf breiter Linie durch (sogar in einem z.B. European Economic Forum).

          Ansonsten: welche Menschen werden sich wieder persönlich treffen im Berufsleben, wenn keiner Mail mehr zu vertrauen ist? Wohl nur die oberen Kader bei ihren informellen Meetings und dort machen die das längst (ich sitze als Tontechniker regelmässig dabei, nach Unterzeichnung diverser NDA‘s). 🙂

          Die Welt wird wieder dörflicher? Ja, aber mit ein paar grossen Internetplayern, die die Nähe suggerieren und Amazon als Lieferant für das meiste physikalische im Leben.
          Also GUI dörflich, aber Quellcode Global. 😉

          Denkst du echt die multinationalen Unternehmen geben ihre Macht freiwillig aus der Hand? Läuft doch bereits für die. Die Unternehmen agieren und der Politik bleibt nix anderes als reagieren.
          Und wenn alle Stricke reissen: weisst du, dass Bill Gates der grösste Landwirtschaftsflächenbesitzer der Welt ist? Der grösste „Farmer“ der USA? Das die anderen grossen Player ebenfalls dicke in Boden und Wasser investieren und nebenbei in internationale Sicherheitsfirmen?

          Aber ja, es geht immer eine Nummer kleiner, wenn du das gerne hättest. Scheinbar beinhaltet das auch das Aussterben der Menschen für dich? Ähhm, ich hätte gerne eine Zukunft für meine Enkel und Grossenkel. 😉

    2. Das mit den Synchronsprechern – das ist gerade mit einem Film, ich glaube, von Netflix , so krachend gescheitert, dass aus einem Drama ein Schenkelklopfer wurde.
      Synchronübersetzungen bei Corporate Events: Tscho – selber schuld. Aber das dortige Publikum ist wohl mit den Folgen von Sparwut vertraut.
      Die KI-Musik. Hast Du das selber mal probiert? Ich habe. Was rauskommt ist Mainstream. Gut gemacht, aber Zeug, das man schon tausendmal hatte. Um aus Suno richtig gutes Zeug rauszukriegen, brauchst Du richtig gute Musiker und viiiiiel Zeit. Da ist es einfacher und besser, sich mit ein paar Musikern hinzusetzen und das selber einzuspielen. Ja, der Schrott wird in Massen produziert und in Massen hochgeladen. Das sagt aber nichts darüber aus, ob das von irgendeiner Bedeutung ist. Auch die Buchbranche: Snicklink hat zwei Tage mit der Ki gekämpft und ein Buch rausgehauen. Stellenweise ist es gut, stellenweise schlecht. Das meiste KI-Zeug ist nur schlecht. Und, eben, bedeutungslos. Schon vor KI sind pro Jahr hunderttausend Bücher veröffentlicht worden, die außer den Autor absolut niemand interessiert haben. Ich war jahrelang in der Privatverlegerei tätig – das Zeug war zu 99% irrelevant. Ja, es hat die ISB-Nummern verstopft. Aber es hat niemand gekauft und noch weniger haben das gelesen. Ki erhöht nur diesen Stapel an überflüssigen Texten. Das Problem für die Verlage ist, ihren Dutzendschrott noch zu bewerben um ihn von dem KI-Dutzendschrott abzuheben. Es geht schon lange nicht mehr um „Literatur“ und „Kultur“.
      Und „Seriöse Medien“. Ich habe seinerzeit meinen Feldversuch mit allen „seriösen“ Medien in Deutschland gestartet. Nicht ein einziges Medium war auch nur fähig, eine Pressemitteilung fehlerfrei abzuschreiben. „Recherche“ – ich lache mich scheckig. Schon 2000 haben die Medien nur den Artikel der dpa übernommen – und ihn bestenfalls noch verschlimmert. Das ist nicht besser geworden. Nein, viel, viel schlimmer. Ich habe selber erlebt, was passiert, wenn man als Journalist anfängt zu recherchieren. Dann dreht die Redaktion den Artikel so, dass man das irgendwem anders in die Schuhe schieben kann, wenn sich wer beschwert.
      Das mit den Mutterdrohnen und Tochterdrohnen. Das haben die Amis 2017 – oder noch früher – aufgebracht. Haben sie auf einer Waffenmesse als Krieg der Zukunft vorgestellt. Wollte nur niemand kaufen, weil die richtig viel Kohle dafür haben wollten, und man damals noch von der F35 ganz besoffen war.

      Die KI, im Sinne von großen Rechenzentren und LLMs, ist bereits so gut wie tot. Durch den Krieg im Nahen Osten ist die Begeisterung der Scheichs, amerikanische Milliardäre mit Milliarden zu versorgen, um Rechenzentren zu bauen, die dann die Iraner mit einer ballistischen Rakete plätten, etwas gedämpft worden. Und ohne die Ölmilliarden bricht diese ganze Geldmaschine zusammen. Weil natürlich der Deal der Amis war „Ihr gebt uns euer Geld, wir sorgen dafür, dass ihr weiterscheichen könnt.“ Und die Scheichs festgestellt haben, dass die Iraner nur ein paar Entsalzungsanlagen plätten müssen und es hat sich ausgescheicht.

      Ob dann irgendwann mal jeder seine eigene KI im Keller hat oder es irgendwann schlicht verboten wird – weil die KI ja mittlerweile auch ganz locker die ganzen Hintertüren, die die Geheimdienste in die Software eingebaut haben, finden und ausnutzen kann, man wird es sehen. vorläufig sorgt die KI erstmal nur für eine umfassende Enshittifizierung.

      1. Disclaymer: die KI Übersetzung bei Corporate Events funktioniert mittlerweile ziemlich gut (habe einen Master in Englisch und sprachliche Erfahrung in diversen Fachthemen) und ich kann das einigermassen abschätzen. Die schriftliche Ausgaben sind schon verdammt gut, Sprachausgabe holpert noch, aber holt mit jeder neuen Version rasend schnell auf.
        Wegen Musik und KI: natürlich sprechen wir über Mainstream, ebenso bei den Filmen oder Bücher (Rosamunde Pilcher und Jerry Cotton lassen grüssen, letzterer ist übrigens wieder in). Oder andersrum formuliert: „Kultur für die Massen“.
        Ja, die Synchro in Netflix war eine Pleite, aber warte noch ein paar Versionsiterationen ab. Ist wie mit dem selbstfahrenden Auto: vor 10 Jahren sagten alle, das wird nie was. Mittlerweile fahren sie in diversen Staaten regelmässig und in der Schweiz fahren schon Postautobusse autonom.
        Zu deinen Ausführungen zu den Medien sage ich jetzt mal nicht viel, nur so viel: ich schätze z.B. die Hintergrundartikel der Schweizer Repuplik, Infosperber.ch, Journal21 oder der Süddeutschen oder die Dokfilme des öffentlichrechtlichen Schweizer TVs oder von Arte.
        Zu den autonomen Waffensystemen: nur weil es einmal gefloppt hat, muss es das in Zukunft nicht zwingend auch. In der Ukraine sind die ersten Drohnensysteme autonom in der Todeszone unterwegs.

        Aber schlussendlich diskutieren wir hier klein klein. Mir gefällt das grosse Bild immer weniger, die politische und gesellschaftliche Grosswetterlage. In der Meteorologie würde man sagen: „es ziehen Gewitterwolken auf.“
        Ich mag nicht in einer Gesellschaft leben in der die Dummheit überhand nimmt und in der die Ansprüche ins Bodenlose sinkt und die zunehmend gespalten wird.
        Ich prophezeie mal: bei den nächsten Wahlen in DE wird Frau Weidel die lachende Siegerin sein, in Frankreich die Partei von Le Pen und was in U-SAbsurdistan im November passiert, wage ich nicht zu prophezeien. Wir werden sehen… Und China wird irgendwann die Krallen ausfahren, zuerst wohl in Südostasien, da rumpelt es schon regelmässig.
        Übrigens die Scheichs scheichen schon längst in anderen Gefilden. Natürlich würden sie sehr sehr gerne weiterhin Öl und Gas verscheichen, aber die sind mittlerweile global in der Wirtschaft und Finanzwelt ziemlich weit diversifiziert am scheichen. Ist ein ziemlicher Rückschlag für die, v.a. auch Dubai als sichere, friedliche Metropole für Neureiche, aber um die Scheichs mache ich mir zuletzt Sorgen, die wissen wie man scheichen muss. Da macht mir DE wirtschaftlich mehr Bauchschmerzen…

        Nehmen wir jetzt noch ne Prise Überalterung und Schrumpfung der Weltbevölkerung, eine handvoll Klimaerwärmung, einen Schuss Börsenblase, einen Schluck zunehmender Wassermangel kombiniert mit zunehmenden Bürgerkiegen in Schwellenländer und schnell zunehmender Migration.
        Ergibt einen netten Coktail.

        Btw: ich bin beileibe kein Pessimist, im Gegenteil eher die Marke naiver Optimist, aber die momentanen Vorzeichen lassen mich langsam im Walde pfeifen. 🙂

        Und das hier müsstest du mir kurz erklären, wie ich das interpretieren soll: „ vorläufig sorgt die KI erstmal nur für eine umfassende Enshittifizierung.“

        Aber um die Sache wieder etwas zu fokussieren und aufs eigentliche Thema zurückzukommen: KI ist gekommen, um zu bleiben. Den Rest regeln die Anwälte. 🙂

  8. Ich habe neulich jemand m Bilder gezeigt, die ein Freund von mir gemacht hat, für den ich model. Die Bilder sind mit einer Kamera im Unterwasser Gehäuse im 5-stelligen Bereich entstanden, von jemandem gemacht, der damit wirklich gut umgehen kann.
    Die erste Reaktion war „das ist KI“, weil die Gegend selbst für die meisten Taucher ungewohnt aussieht. Man muss also schon drauf schreiben, dass ein Bild nicht mit KI gemacht wurde.

  9. Sind wir nun definitiv auch hier soweit, dass man auf dem Foto schreiben muss, dass es keine KI ist?

    Das ist wie mit den Gemüse/Früchten. Wenn es natürlich ist, muss man Bio drauf schreiben. Und bei konventionelles Gemüse/Früchten darf ich es ganz einfach benennen bspw. Gurken. Korrekt wäre mMn die Beschreibung „konventionelle Gurken“ und die Bio Gurken einfach Gurken.

    Aber man will die Konsumenten ja nicht erschrecken…

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