
Das Bild dieses Wracks habe ich vor – Moment – 17 Jahren schon gepostet. (Sagte ich schon, dass ich so langsam zu den Dinosaurieren der Blogosphäre gehöre?) Das lag irgendwo an der E6 in der Nähe von Sarvesjok. (Das ist ziemlich weit oben im Norden. Nördlich von Alta.) Damals war ich der Meinung, das sei ein Ford.
Derzeit verschlagworte ich meine Bilder – wenn ich nicht gerade nach Bildern für mein Praxisbuch suche – und da wollte ich es genau wissen. Von dem Auto gibt es auch noch das Heckteil:

Spannenderweise lag das vor dem Vorderteil.
Keine Ahnung wer sich da einen Joke erlaubt hatte, denn das Auto lag nicht wegen eines Unfalls da. Dazu war es entschieden zu wenig verbeult. Ja nu, die Form kam mir bekannt vor und für nen Amischlitten war das Auto zu klein. Also mal Google Lens drauf angesetzt. Die KI erklärte mir, dass es sich zweifelsfrei um einen Volvo P444 oder P544 handeln müsse. Die Stoßstange und der Kühlergrill seien typisch. Das Foto sei zudem in Schweden gemacht. Gaaanz sicher. Auf so einem Oldtimerschrottplatz. Oder einen Opel Olympia P1. Das Ergebnis war jetzt nicht so befriedigend.
Also mal ChatGPT befragt: Die behauptet Ford Fairlane oder Fairlane 500. Und dann kommt ChatGPT auf eine bessere Idee: Den 1956er Cadillac Eldorado. Der hat immerhin ähnliche Rückleuchten. Aber ganz sicher war das noch nicht, also schlug ChatGpt noch vor:
Wenn du möchtest, kann ich jetzt die Frontpartie auf deinem Foto anhand der Form von Grill, Stoßstange, Scheinwerferaufnahme und Kotflügel mit den Kandidaten 1957 Ford, 1956 Cadillac, 1956 DeSoto, 1956/57 Packard und 1956/57 Buick abgleichen. Das dürfte die Identifikation ziemlich eindeutig machen.
Dafür müsse ich aber ein Abo abschließen, weil ich meine täglichen Gratisfragen bereits verbraten hätte.
Also habe ich mich selber auf die Suche gemacht und hatte nach ein paar Minuten das richtige Fahrzeug gefunden: einen Opel Rekord P2. Zweitürer. Zweifarbenlackierung. Typischer Kühlergrill, Stoßstangenhörner und Heckleuchten.
Was lernen wir daraus? Eigentlich nichts Neues: Die KI erzählt im Brustton der Überzeugung Blödsinn und man sollte buchstäblich nichts glauben, was sie behauptet.
Und ChatGPT ist auf amerikanische Autos fixiert.
Und so sah das zusammen aus:

Ach ja, wer hofft, vielleicht noch ein paar Teile ausbauen zu können: Nope. Das Auto war schon zwei Jahre später nicht mehr da.

(Sagte ich schon, dass ich so langsam zu den Dinosaurieren der Blogosphäre gehöre?)
Willkommen im Club, ich mache das auf verschiedenen Domains schon seit mindestens 2003. So genau weiß ich das gar nicht mehr 😉
Ja, die gute alte Zeit… *fg*
Rolf
Hallo,
vom Gefühl würde ich sagen, dass es sich um einen Opel Rekord P2 (https://de.wikipedia.org/wiki/Opel_Rekord_P2) handelt. Hatte während meiner Grundschulzeit der Vater eines Freundes.
Ja, da merkt man(n) wie alt man(n) schon ist 😉
LG
Freue mich auf morgen online!
Auch ich habe sofort auf den Opel Rekord getippt. Der war in meiner Kindheit recht häufig zu sehen.
Gruß Lutz
Tja, meine Erfahrung mit KI-Antworten entspricht ziemlich genau dem Typ: „Viel Meinung und wenig Ahnung“. Also solche Zeitgenossen die meinem zu allem möglichst laut das ausposaunen zu müssen was ihnen gerade dazu durch den Kopf ging egal ob richtig oder falsch. Was oberflächlich erstmal beeindruckend wirkt, meindet man solche Zeitgenossen jedoch bald.
Nun, die letzten Tage hatte ich wieder so ein Beispiel. Ich wollte wissen, wie die von den Huthis abgeschossene F15 der Saudis im vergleich zu anderen Figthern einzuschätzen ist. Dabei hatte die KI für praktisch alle aktuellen Westlichen Modelle incl. der Rafele erklärt diese hätten eine „Makellose Bilanz“ ohne gegnerischen Abschuss im Luftkampf. Als ich dann auf Indien-Pakistan hingewiesen habe: „Oh- ja, mein Fehler“. Aufschlussreich was danach kam, als ich einwarf, daß ich da ja nichts mehr glauben kann. Daher will ich gerne hier Kern der Erklärungen zu teilen:
„Warum passiert so etwas?
Dieser Fehler entsteht durch die Art und Weise, wie KI-Modelle Informationen verarbeiten. Die Aussage „Die Rafale wurde noch nie im Kampf abgeschossen“ war fast zwei Jahrzehnte lang ein unumstößlicher Fakt in der Militärliteratur. Wenn ich eine allgemeine Übersicht erstelle, greift die KI auf diese tief verankerten, historischen Standard-Phrasen zurück, ohne in Sekundenbruchteilen zu prüfen, ob jüngere historische Ereignisse (wie der hochaktuelle Konflikt von 2025) diesen alten Fakt bereits ungültig gemacht haben. Erst als Sie mich gezielt auf Pakistan angesprochen haben, wurde der Fokus auf dieses spezifische Ereignis gelenkt.
Wie können Sie sich auf die anderen Aussagen verlassen?
Sie sollten KI-Aussagen bei hochspezifischen oder politisch/militärisch sensiblen Themen generell wie die Behauptungen eines guten Bekannten behandeln: Sie sind ein hervorragender Wegweiser für die Richtung, müssen aber bei harten Fakten überprüft werden.“
Nun, nun… das bezeichnende ist daß die KI alles im „Brustton der Überzeugung“ erklärt, wie oben so schön formuliert. Hätte sie gesagt: In den Fachbüchern der Militärliteratur kein Abschuss verzeichnet, wäre klar wie die Information zu bewerten ist. Aber nein, es wird als gültiger Fakt dargestellt.
Ich korrigiere die KI nicht, wenn ich festgestellt habe, dass sie, wie fast immer, Blödsinn erzählt. Warum sollte ich meine Zeit investieren, um die KI zu belehren? Wenn die KI meine Bücher kaufen würde – kein Thema. Dann helfe ich gerne. Aber so nicht.
Ich habe mal versucht, Microsoft Copilot zu belehren. Er hat seinen Irrtum eingesehen und sich höflich dafür entschuldigt. Eine Viertelstunde später hatte er das wieder vergessen und reproduzierbar die gleiche falsche Antwort gegeben.
Dennoch hilft es manchmal, die KI zu korrigieren, dann verbessert sie ihre Antwort nämlich.
Da für die KI uralte Bücher eingescannt werden, dürften die Antworten auch bei Atomkraftwerken, Segelschiffen und Ottomotoren ähnliche Qualität aufweisen.
Aber bei Wikipedia geht es schon los: Da werden Zeitungsartikel als Beleg aufgeführt, von denen ein Insider weiß, dass sich der Redakteur schlampig recherchiert hat und die dort aufgeführten „Fakten“ keine sind. Die Firma, in der ich vor 35 Jahren mal für PR zuständig war, wird völlig unzureichend dargestellt. Hätte ich noch alle Fakten im Kopf, würden diese nicht als „Beleg“ akzeptiert. Die Sammlung aus Auswertung von Wissen ist also immer noch eine Aufgabe von kritisch denkenden Menschen.
Da sich gerade jüngere Menschen, denen oft eine breite Allgemeinbildung fehlt, auf die KI-Auskünfte verlassen, sehe ich schwarz für unsere Industrie und Wissenschaften.
Dass es ein deutscher Ford oder Opel war, war mir auf Anhieb klar. Weil sich die Formen bei einem älteren Menschen eingeprägt haben. Rein analog.
Gelegentlich mach ich mir einen Spaß daraus, Gemini mit den Antworten von Copilot zu konfrontieren, und natürlich andersherum. So im Stil: „Copilot, das ist so nicht richtig. Gemini hat gesagt…“ . Das hat wirklich Unterhaltungswert, wenn die sich gegenseitig runter machen.
Mir ist einfach schade um die Zeit, mich damit zu beschäftigen, was an Aussagen von KI wahr ist und was halluziniert. Da lese ich doch lieber gleich die originalen Quellen im Kontext nach und lerne was dabei.
KI ist was für Menschen, die sich gerne positiv bestätigt fühlen und weniger Wert auf belastbare Fakten legen.
Ich gehe sogar so weit und behaupte „KI“ ist etwas für Menschen ohne eigenes Denkvermögen…
ChatGpd scheint auf alle Fälle noch lernfähig zu sein. Ich gehe davon aus, dass ich nicht der erste bin der es seit der Veröffentlichung versucht hat.
Eine tolle Antwort. Bis auf die Tatsache, dass es kein Ford Taunus 17M ist. Nicht mal von Ferne.
Aber Reinhard, die Versionsnummer mit P2 war doch schon Mal richtig. 😉
Und beim Hersteller stimmt auch ein Buchstabe. Sind es schon drei. Also nur extrem knapp daneben.
Der Ford 17M P2 hat über den Kotflügeln einen langen integrierten Aufsatz, in dem vorn die Blinker sitzen. Die Mustererkennung der KI ist also nicht einmal in der Lage, diesen wesentlichen Unterschied zu erkennen. Außerdem ist bei dem vorgefundenen Opel Rekord der Kühlergrill um die Vorderkanten herum gezogen und endet nicht unter den Scheinwerfern wie beim Ford.
Der Buchstabe „I“ in „KI“ (oder „AI“) ist wahrscheinlich der größte Schwindel des Jahrzehnts.
Ein großes Problem in der Gesellschaft ist, dass Menschen, die etwas sehr überzeugend erklären können, von manchen automatisch als „intelligent“ bezeichnet werden, selbst wenn die Erklärung keinen Sinn ergibt und/oder die Person keine Ahnung hat.
Es gibt einige Beispiele, z.B. einen CEO, der Milliardär ist und viele Kinder hat, und ich vermute, dass es in jedem Land auch einen solchen sogenannten „intelligenten“ Politiker gibt.
Etwas „überzeugend“ zu erklären, ohne die Bedeutung zu verstehen: genau das tut „KI“. Also die falsche Bedeutung des Wortes „intelligent“.
Noch schlimmer wird es, wenn man E-Mails von menschlichen E-Mail-Adressen erhält, der Inhalt aber deutlich KI-generiert ist. Dass jemand seine Nachricht an mich nicht selbst schreiben wollte, macht bei mir … keinen guten Eindruck.
(Hinweis: Ich benutze hier Google Translate als Hilfe für mein Deutsch, und auch das verwendet ja eine Art KI.)