GfO: Schärfere Bilder mit elektronischem Verschluss

Ich habe es schon mehrfach erklärt – aber irgendwie ist es „draußen“ so angekommen als ginge es um einen „Fehler“ des 300 f/4 und manche dachten, es ginge um die Erschütterung durch den Verschluss.

Nein.

Es geht bei der Geschichte, dass Bilder mit elektronischem Verschluss schärfer sind als mit mechanischem Verschluss um die Lichtbeugung am Verschluss bei kurzen Belichtungszeiten. Ab etwa 1/4000s wird der Schlitz zwischen 1. und 2. Vorhang so schmal, dass die Beugung an den Kanten der „Vorhänge“ relevant wird. Das erkennt man daran, dass bei starken Lichtquellen nach oben und unten „Ausreißer“ sichtbar werden. (Im Hochformat nach links und rechts) Oben beim Bild der Sonne am Nordkapp genauso wie bei den Spiegelungen auf dem Wasser. Jeweils Belichtungszeiten von 1/8000s und mechanischer Verschluss.

1/8000s, mechanischer Verschluss. Nicht nur die Sonnenstrahlen werden gebeugt. ALLE Strahlen werden gebeugt.

Das ist ähnlich wie beim Abblenden. Da ist spätestens ab Blende 16 auch vorbei mit der Knackschärfe (auch wenn die neueren Olys versuchen, die Beugung über digitale Schärfung wieder auszugleichen.)

Das betrifft alle Objektive. Objektive, die so leistungsfähig sind wie das 300mm f/4 betrifft das natürlich stärker als irgendeinen Flaschenboden, der von Haus aus schon keine Auflösung bringt. Da ist die Beugung am Verschluss irrelevant gegenüber den anderen Unschärfen des Objektivs.

Wenn es um Endschärfe geht, ist also der mechanische Verschluss nur in Bereichen zwischen ca. 1/250s und 1/2000s vernünftig. Darunter kann die Erschütterung der Kamera durch den Verschluss ein Problem sein, darüber die Beugung am Verschluss.

Natürlich ist der elektronische Verschluss kein Allheilmittel, weil es eben zu Rolling Shutter-Effekten kommen kann, oder eben zu Streifen durch Flackerbeleuchtung. Aber wenn es um Schärfe geht, ist der elektronische Verschluss in den allermeisten Fällen das Mittel der Wahl.

Wenn man weiches, harmonisches Bokeh haben will – also diese klassischen, runden, hellen Lichtflecke – dann ist der mechanische Verschluss bei kurzen Verschlusszeiten wieder im Vorteil: der „vermatscht“ nämlich nicht nur das Motiv, sondern auch das Bokeh. Es wirkt weicher. Und es kann tatsächlich sein, dass es besser ist, leichte Unschärfen im Gesicht des Models in Kauf zu nehmen, als das härtere Bokeh des elektronischen Verschlusses.

12 Replies to “GfO: Schärfere Bilder mit elektronischem Verschluss”

  1. wow. Da sieht man mal wieder wer der Experte ist. 😉

    Vielen Dank für die richtig Stellung! Im Stream wurde die Frage ja leider nicht in Gänze beantwortet…

      1. Nils hat uns seinerzeit beim „Lange Tüten Treffen“ in Rocksdorf überhaupt erst auf die Spur gebracht, wo der Grund für die Unschärfe zu suchen ist. Jeder hat mal nen schlechten Tag….

        1. Ich habe Nils, hauptsächlich zu Olympus Zeiten, schon anders erlebt als in diesem Stream. Mir kam es so vor, als ob ein Aufpasser in Person von S.R. in der Mitte saß. Aber vielleicht täusche ich mich auch.

          1. Ich denke, das trifft die Sache schon ganz gut. Diese unsinnige Pseudoveranstaltung namens Livetalk sollte man sich sparen und die Energie in die zu vielen anderen Problembereiche stecken……

            1. Es ist schon eine besondere Kunst von S.R., zwei Stunden zu reden ohne etwas zu sagen……und Nils konnte einem schon fast leidtun. Werde mir diesen leeren Livetalk nicht nochmals antun.
              Freue mich schon auf Freitag:-)

  2. Sehr geehrter Herr Wagner,
    Sie haben dies schon mehrfach an diversen Stellen erklärt, man muß Ihnen eben auch mal zuhören.
    Fotografieren heißt, auch mal lange und geduldig beobachten zu können.
    Mir war das klar, ich (ver)folge auch artig.
    LG

  3. Super erklärt. Kurz und knackig auf den Punkt.
    Und dann den Artikel alle 2 Jahre neu verlinken und irgendwann merken wir uns das dann wirklich 😉
    Danke!

  4. Als aufmerksamer Leser war mir das zwar schon bekannt (und auch aus eigener Erfahrung), aber woanders hätte ich es wohl nie erfahren. Also danke für den Artikel mit den Bildern, die den Effekt sehr schön illustrieren!

    Wie stark wirkt sich eigentlich das Schliessen der Blende auf die Erschütterung / Unschärfe aus? Kann es sein, dass Objektive mit relativ grossen Blenden wie z.B. das 45mm F1.2 diesbezüglich Probleme bereiten? Mir kommt das manchmal im High Resolution Mode so vor, wenn ich wegen Gewichtsbeschränkung das leichte Reisestativ verwenden muss…

    Einen Oh My Doomed Stuff (OMDS) Live Talk habe ich mir noch nie angetan. Sein Ruf eilt ihm voraus. 😉

    Herzliche Grüsse, Gregor

    1. Jaja, die leichten Reisestative… Im Ernst: das müsste untersucht werden. Eigentlich müsste da das 75er oder auch das 45 1,8 ganz gut sein, weil relativ leicht und auf f/22 abblendbar. Ich könnte mein Manfrotto Befree mal wieder ausgraben, die Mittelsäule ausziehen und ne Testreihe machen. Kannst Du mir möglichst genau sagen, unter welchen Bedingungen Du das Problem hattest? Und kannst Du Wind und Bodenschwingungen ausschließen?

  5. Lieber Herr Wagner

    Vielen Dank für die Antwort. Das Unschärfe-Problem tauchte mit dem 45mm F1.2 PRO an der E-M1 III auf, und zwar nur im High Res Modus (also elektronischer Verschluss). Ich habe standardmässig eine Vorlaufzeit von 15 Sekunden eingestellt, damit allfällige Schwingungen abklingen können. Ausserdem bin ich jeweils ganz ruhig etwas abseits vom Stativ und ein Einsacken des Stativs im Boden würde eine andere Art Unschärfe erzeugen.
    Zuerst schrieb ich den Effekt dem Wind zu und probierte das Ganze nochmals an einem windstillen Tag. Wieder dasselbe. Die rechte Bildhälfte war etwas verzittert (treppenförmige Artefakte). Dann bemerkte ich, dass die Fotos bei ganz geöffneter Blende 1.2 überall scharf waren. Bei Blende 4 hatte ich mit dem 12-40mm PRO bei 40mm schärfere Bilder als mit dem 45mm F1.2 bei Blende 4, obwohl das 45mm eigentlich sagenhaft scharf ist. Ich bekam das Gefühl, dass es an der grösseren Blende des lichtstärkeren Objektives liegen könnte, d.h. mehr Masse wird bewegt und damit eine grössere Erschütterung erzeugt.
    Auf jeden Fall habe ich mir nun doch ein Gitzo Traveler Stativ zugelegt und hoffe, damit keine derartigen Probleme mehr zu haben. Leider fehlt mir vor Weihnachten die Zeit für weitere Tests.

    Herzliche Grüsse, Gregor

    1. Ich hatte solche Problem mal vor vielen Jahren mit einer E-3. Da verursachte der Stabi eine Resonanz im Stativ bei Langzeitbelichtungen, die so heftig war, dass das Stativ anfing, laut zu brummen. (Natürlich alles unscharf.)
      Wenn die Blende weiter geschlossen ist, müsste das noch schlechter werden. Was mich allerdings stutzig macht ist, dass die Unschärfe sich auf einen einseitigen Bildbereich beschränkt. Eventuell tritt da auch eine Resonanz mit dem Stativ auf. (Berlebach mini….. 😉

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