Nochmal Streulichtblende

Ich schreibe ja gerade am ziemlich umfangreichen Update für das Objektivbuch und dabei ist natürlich bei jedem Objektiv immer wieder die Streulichtblendenthematik dran. Eines der Probleme war das 30mm Makro, das den 1:1,25 Abbildungsmaßstab nur erreicht, wenn der freie Arbeitsabstand irgendwas um die eineinhalb Zentimeter beträgt. Da Licht aufs Motiv zu kriegen, ist sportlich. Und Streulichtblende gibt’s für das Makro nicht.

Also ausprobiert.

30mm Makro bei f/4. Oben mit abgeschatteter Frontlinse, unten ohne.

Mein Aufbau ist immer gleich – Motiv auf blauem Hintergrund in einem Lichtzelt, von links und rechts mit Softbox beleuchtet und ein Snoot, der in einem grob 45°-Winkel aufs Objektiv brät. Beim 30er Makro waren es etwa 70°, weil ich nicht näher rangekommen bin.

Erkenntnis: Es kommt drauf an. Es gibt Objektive, die sind brutal streulichtempfindlich. Das 75er zum Beispiel. Dass da keine Blende mitgeliefert wird, ist ne Frechheit. Gleiches beim 45er 1,8. Das 40-150 f/2,8 kommt bei f/8 auch ohne Blende ganz gut klar, Offenblende ist das verheerend. Das 30er Makro kommt mit Streulicht gar nicht zurecht. Stark abhängig ist das immer von der verwendeten Blende.

75mm oben mit Streulichtblende, unten ohne. Blende 5!
75mm, oben mit Streulichblende, unten ohne. Blende 1,8

Verblüffend unempfindlich ist das alte 75-300. Klar, auch bei dem sieht man es, aber es ist nicht so schlimm.

75-300 bei 300mm, Offenblende 6,7

Beim 40-150 sieht es schon wieder anders aus:

40-150 f/2,8 bei 150mm, f/3,5

Oben mit Streulichtblende, unten ohne. Und ja, da fehlt der rechte vordere Blinker, aber nachdem die Fahrertür auch fehlt, spielt das keine Rolle…. (Bei einem geschenkten E-Type schaut man nicht so genau auf die Schnauze…)

Ich könnte jetzt Wochen investieren um alle Objektive, die ich habe, bei verschiedenen Blenden und verschiedenen Winkeln des Snoots auf Streulichtempfindlichkeit zu testen, und am besten noch ein spezielles Target entwickeln, an dem ich an jedem Punkt des Bildes die spezifische Kontrastreduktion ablesen kann. Und dann kommt garantiert einer daher und schreibt „Könntest Du das bitte noch mit meiner Kamera und meinem Objektiv testen?“

Es gibt eine ganz einfache Hilfe gegen Streulicht: Blende korrekt montieren und aufpassen, dass kein Streulicht auf die Frontlinse knallt. Im Zweifel zusätzlich mit einem Stück Pappe abschatten. (Da kann man eine A5-Graukarte als „Dual-Use“ einsetzen.) Streulicht senkt den Kontrast, wenn man Pech hat, dramatisch. Wenn man Glück hat, nur ein bisschen. Aber Verlust ist Verlust – und man schraubt ja auch den Tankdeckel wieder drauf, bevor man losfährt.

Meistens, zumindest.

8 Replies to “Nochmal Streulichtblende”

  1. Das 30er Makro fällt bei Kontrast und Sättigung gegenüber dem 60er Makro (mit billiger JJC-Gegenlichtblende) dramatisch ab, so wie beschrieben. Jetzt muss ich mir also eine Pappe basteln, die man mit Klebeband ans 30er kleben kann, damit es besser abbildet, oder es anderweitig abschatten. Mit dem 8/1.8 komme ich oft besser zurecht, wenn die Linse fast die Tür eines Modellführerstands berührt und ich ins Modell hinein fotografiere.

  2. Ganz kurz,
    Beispiel aus der Praxis die immer wieder zeigen, auch auf die vermeintlichen Kleinigkeiten kommt es an.
    Auch für das 30er gibt es eine Streulichtblende.
    HG
    Wolfgang

        1. Hallo Rudolf
          Ich reagiere hier sehr allergisch auf Kaufhinweise für Bezos‘ Gemischtwarensklavenhalterladen. Ich habe deshalb eine andere Bezugsquelle angegeben.

          1. Kein Problem :=))
            Deshalb habe ich die Quelle ja so „umschrieben“.
            Sorry…..
            P.S. Habe meine Streulichtblende auch nicht in Bezos‘ Gemischtwarensklavenhalterladen gekauft.
            P.P.S. Die vergleichbare „Tele-Blende“ hat abgeschattet, deshalb verwende ich die „Normal-Blende“ – funktioniert bei mir sehr gut.

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