OM-1 vs Em-1II vs E-M5 Dynamik

Eine der größten Diskussionen in den Foren ist ja der von OMDS behauptete höhere Dynamikumfang der OM-1. Eine ganze Blende mehr Dynamik.

Nun hängt der Dynamikumfang eines Bildes aber längst nicht mehr vom Sensor ab. Sondern von der Software, die die Sensordaten zu einem RAW verwurstet. Denn schon der Sensor der E-M5 hatte eine größere Dynamik als in die 12 bit des RAW überhaupt reinpasste. Wird die Dynamik des Sensors nun gesteigert, muss eine Art Dynamikkompression stattfinden, wie bei einem HDR. Das ist nicht ganz ohne, damit das auch bei Szenen anständig aussieht, die eben die höhere Dynamik gar nicht brauchen.

Also habe ich eine vergleichsweise simple Szene gewählt: Frau in weißem Kleid neben Frau in schwarzem Rock mit Gegenlicht. Bei ISO 200, wo ja die größte Dynamik zur Verfügung stehen sollte.

Ein festes 35-100 auf dem Studiostativ, dahinter dann jeweils als Objektivrückdeckel eine E-M5, eine E-M1II und eine OM-1, fixe ISO, fixer Weißabgleich, gleiche Blende, gleiche Belichtungszeit.

Erste Erkenntnis: die OM-1 ist deutlich wärmer abgestimmt als die E-M1II. Die Hauttöne und auch der Weißton haben bei exakt gleich eingestellter Kelvinzahl einen Orangestich. Und zwar nicht nur in der Kamera, sondern auch bei anschließender Entwicklung in Workspace. Auch die E-M5 ist da kälter. Das wäre eine eigene Untersuchung wert, inwiefern die Kamera dann auch beim Weißabgleich auf Graukarte abweichende Farben liefert.

Bei der ersten Untersuchung ging es darum, inwiefern die Lichter weniger ausfressen. Also mal das Gegenlicht bei allen drei Kameras rausvergrößert:

Von links nach rechts: E-M1II, OM-1, E-M5II. Nochmal, exakt gleiches Objektiv. Persönlich würde ich sagen, die OM-1 hat die meisten Probleme mit dem Gegenlicht. Die deutlichen Kreise um den Lichtfleck sind nicht hübsch und die scharfe Abgrenzung zum ausgefressenen Bereich ist es auch nicht.

Noch deutlicher sieht man den Unterschied, wenn man die RAWs in Workspace zwei Blenden unterbelichtet:

Ganz klar: Advantage E-M1II. Von “einer Blende mehr Dynamik” keine Spur.

Am anderen Ende sieht es etwas anders aus:

Hier habe ich die RAWs in Workspace zwei Blenden aufgehellt und dann mit Picasa nochmal maximal aufgehellt:

Von links nach rechts: E-M5, E-M1II, OM-1. Von deutlich höherer Dynamik keine Spur, aber das Bild ist seehr deutlich rauschärmer. Während bei der E-M5 das RAW in den Schatten schon bei ISO 200 auf der “letzten Rille” läuft und auch bei der E-M1II noch Farbwolken sichtbar sind, ist das RAW der OM-1 sauber. Die Rauschunterdrückung stand selbstverständlich auf “Aus”.

Wird das RAW nicht aufgehellt, sondern abgedunkelt und dann in Picasa aufgehellt, sieht es anders aus:

Von links nach rechts: E-M1II; OM-1, E-M5. Auch hier keine Spur von höherer Dynamik der OM-1. Im Gegenteil. Die E-M1II zeigt, was geht.

Also mal wieder ne wilde Marketingaussage, ohne dass was dahinter ist?

Wenn es darum geht, dass der Kunde tatsächlich in seinen Bildern eine höhere Dynamik abbilden kann, ja. Wenn man der OM-1 noch eine Messungenauigkeit zugute hält, etwa weil die Blitze nicht identisch abbrennen, dann haben E-M1II und OM-1 praktisch identischen Dynamikumfang im RAW.

Wo sich der höhere Dynamikumfang des Sensors bemerkbar macht, sind die sauberen Schatten. Das Bild selbst liefert aber keinen höheren Kontrastumfang. Aus diesem Grund haben diverse Webseiten auch beim Dynamikumfang keinerlei Unterschied zwischen den Kameras festgestellt. Der abbildbare Bereich ist identisch – klar, sind ja alles 12bit RAWs, wo soll da auch sehr viel mehr herkommen – nur ist halt der tiefste Schattenbereich auf einmal nicht mehr mit Farbrauschen verseucht. Und das bedeutet, dass man mit entsprechender Software aus den RAWs der OM-1 nochmal ein Eck mehr rauskitzeln kann. In guter Qualität.

Es wäre aber prinzipiell sicher mal ne Idee, eine Option für ein “enhanced RAW” einzubauen, bei dem man wirklich alle Daten vom Sensor in das RAW presst und von mir aus dabei auch den Dynamikumfang komprimiert. Für normale Bilder wäre das ungeeignet, weil die Bilder dann “flau” werden, aber für den Klassiker – Braut und Bräutigam in Knallsonne – wäre das mal was.

12 Replies to “OM-1 vs Em-1II vs E-M5 Dynamik”

  1. Dank dir tausend mal, lieber Reinhard! So etwas Detailliertes und Profundes findet man halt nur bei dir… Ich brauche also nicht mehr länger nachdenken, ob es irgendwann vielleicht doch einmal “notwendig“ sein könnte, von meiner E-M1 Mk II auf eine OM-1 umzusteigen… Viel Denkzeit und am Ende gegebenfalls auch viel Geld gespart !
    Ich knipse gerne weiter mit meiner schönen E-M1 Mk II.
    LG, Saint-Ex

  2. Ich hätte da ja eine ganz verrückte Idee für ein Firmware Update von OMDS, 14 bit verlustfrei komprimierte RAW Dateien. Das gibt es dann aber wohl frühestens bei der OM-1 Mk II.

      1. Fast wie früher bei den legendären Fingershows. Am Interessantesten war immer das, was nicht gesagt wurde …

  3. Danke für den Test – hätte mich auch gewundert wenn es hier Techniksprünge gegeben hätte. Da habe ich mal richtig gelegen als ich mir eine 2. M1ii für knapp 800 Eur gesichert habe, für Reise/Landschaft/Architektur verpasse ich mit der OM-1 offensichtlich nichts. Freue mich aber dass OMDS weitermacht, muss ich kein Geld für Wechsel auf Sony zurücklegen.

  4. “Das wäre eine eigene Untersuchung wert, inwiefern die Kamera dann auch beim Weißabgleich auf Graukarte abweichende Farben liefert. ”

    Bitte!
    Das mit der Farbabstimmung interessiert mich persönlich deutlich mehr, als das letzte Bit in der Dynamik.
    Also wenn du gerade am Testen bist… 😉

    lg + Dank im Voraus,
    Martin

  5. Interessante Ergebnisse, schade. Für mich relevanter wären in der Tat die Unterschiede der OOC-JPGs, und wenn ich den Testaufbau richtig verstehe, wurden die oben gezeigten Fotos alle erst am Rechner (im OM Workspace) entwickelt. Also darf ich zumindest weiter auf bessere high-ISO-OOC-Fotos hoffen, mit geringeren Rauschen (insbesondere Farbrauschen) und mehr Details jenseits von ISO 3200.

    1. Es geht hier um Dynamik, nicht um Rauschen.
      Rauschen bei digitalen Bildern ist extrem subjektiv und ob es stört oder nicht, liegt an der Nutzung der Bilder. Im Druck ist Rauschen im Allgemeinen überhaupt kein Thema. Wenn jemand danach sucht und entsprechend kritische Bilder ablichtet und aufhellt, dann kann man auch bei ISO 200 Rauschen finden.
      Man sage mir, um welches Motiv und um welche Verwendung es geht, dann kann man das beurteilen.

  6. Was willst Du mit “Denn schon der Sensor der E-M5 hatte eine größere Dynamik als in die 12 bit des RAW überhaupt reinpasste. ” sagen? Wie soll denn eine Kamera einen größeren Dynamikumfang abbilden können als die Bittiefe der Datei zu lässt? Sprichst Du hier von der Eingangs oder Ausgangsdynamik. Auch ist der Versuchsaufbau nicht für die Bestimmung eines Dynamikumfangs ausreichend. Wie stellst Du denn den Dynamikumfang deines Aufbaus fest? Was für ein Blitzgerät verwendest Du und wie genau ist die Wiederholgenauigkeit?

    1. Hallo Alexander, die meisten Deiner Fragen habe ich bereits an anderer Stelle beantwortet. Ich kann das nicht immer und immer wieder tun, nur weil jemand das nicht liest. Ich bitte um Verständnis. Ich muss nebenher auch noch Bücher schreiben.

      1. Interessant, Du erwartest, dass Deine Leser jeden Deiner Artikel und Kommentare kennen, die Du je geschrieben hast. Das entspricht der Ausdrucksweise dieses Blogs und ich habe nichts hinzuzufügen. Die Testmethode bleibt fragwürdig.

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