OM-1 – Farbwiedergabe

Ich hatte ja im Post zur Dynamik schon angedeutet, dass da irgendwas mit der Farbwiedergabe der OM-1 seltsam ist. Dem versuchte ich nun auf den Grund zu gehen. Da der fixe Weißabgleich auf einen bestimmten Kelvinwert ganz klar neben den Werten der E-M1II lag, habe ich zuerst versucht, Fehlerquellen auszuschließen. Als da wären: instabile Blitzbrenner. Also mit allen drei Kameras und identischem Objektiv jeweils fünf Schlüsse aufs Motiv und anschließend verglichen: Jawohl, der Blitz ist bezüglich Helligkeit nicht 100% stabil, es gibt ganz leichte Helligkeitsabweichungen. Aber keine Farbabweichungen.

Also vor dem Motiv eine Graukarte aufgehängt und bei allen drei Kameras einen Weißabgleich auf diese Graukarte gefahren. Und ja, es handelt sich um eine ziemlich vergrabbelte Novoflex, aber im Prinzip hätte ich ja auch ein Tempotaschentuch aufhängen können, es geht ja nur darum, dass alle drei Kameras die gleiche Farbe zeigen.

Auf diese Graukarte habe ich nun meinen Weißabgleich gemacht, 35-100 wie immer auf dem Studiostativ, lediglich die Kameras wurden ausgetauscht. Und das kam dann raus:

Von links nach rechts: E-M5, E-M1II, OM-1. Sieht doch gut aus? Naja, die Farbe des Haares ist bei der OM-1 deutlich gelblicher als bei den beiden anderen Kameras. Nur: das ist korrekter als bei den anderen Kameras. Tatsächlich trifft die OM-1 den Farbton der Haare deutlich besser.

Kann Zufall sein, also hängen wir die Graukarte in einem anderen Kontext auf:

Einfach auf den schwarzen Molton geklatscht. Und dann mal ein bisschen bunten Stoff davor. Einfach ein paar Farbmuster für Polsterstoffe:

Da poste ich jetzt nicht alle drei kompletten Vergleichsbilder, weil die sich so gut wie gar nicht unterscheiden. Es reicht ein Ausschnitt:

Die Kameras sind von oben nach unten: E-M5, OM-1, E-M1II. Auch hier wirken die älteren Kameras etwas rötlicher, das Original hat diesen Rotstich im Gelb aber nicht. Es scheint, dass generell Rot bei den älteren Kameras einen Kick überbetont wird. Der Sofortweißabgleich ist also bei der OM-1 treffsicherer als bei den älteren Kameras.

Dagegen sind die CWB-Weißabgleiche einen Kick wärmer abgestimmt. Da ich hier keine Normlichtquelle im Grauraum habe, kann ich leider nicht entscheiden, welche Kamera da nun „Recht“ hat. Im Zweifel empfiehlt sich also eine gute Graukarte. Und bei der OM-1 nochmal deutlich mehr als bei den älteren Kameras.

Persönliche Erfahrung: die alten Kameras waren mir im Studio trotz Graukarte immer eine Spur zu rot, ich habe das auf meinen Holzfußboden geschoben. Das scheint es aber nicht gewesen zu sein.

Punkt für die OM-1.

16 Replies to “OM-1 – Farbwiedergabe”

  1. Hm, interessant. Als Laie und Gelegenheitsknipser, ziehe ich vielleicht falsche Parallelen… ich bin bei der EM5 II immer ein bisschen unzufrieden mit der Wiedergabe von Grün in der Landschaft: es ist nicht das, was ich sehe, etwas zu kalt, es fehlt etwas Gelb. Weißabgleich verschieben hilft nicht wirklich, dann wird das ganze Bild rötlich und das Grün stimmt immer noch nicht. Haben die alten Olys eine leichte „Sehschwäche“ bei Gelb? Oder reime ich mir da jetzt völligen Blödsinn zusammen?

    1. Das ist alles extrem schwierig. Ohne Messinstrumente ist da eigentlich keine vailde Aussage zu treffen. Deswegen habe ich da eben versucht, einen Versuchsaufbau zu beschreiben, der zumindest halbwegs nachvollziehbar ist. Ich bin auf jeden Fall selbst verblüfft, dass es da überhaupt einen Unterschied gibt.

  2. Spannend! Danke für den Test!

    Das mit dem Holzfussboden, der für das „zu rot“ verantwortlich ist, kenne ich aus meinem Studio auch 😉

    Wo es echt drauf ankommt ist ne Graukarte immer ne gute Idee!
    Für mich wäre noch der Vergleich interessant bei Auto-WB. Für meine „freien Projekte“ (klingt wichtig, oder?!) fotografiere ich viel mit Weiß im Hintergrund – da lasse ich den Auto-WB laufen. Passt überwiegend sehr gut.
    Ohne Blitz habe ich das auch im Laden gemacht, als ich die OM-1 gegen die E-M1 verglichen habe. Da war die weiße Wand im Laden aus der OM-1 etwas „gefälliger“, als aus der E-M1. Letztere hat einen Hauch zuviel Blau/Grün im direkten Vergleich. Oder eben die OM-1 etwas mehr Gelb 😉

    Blöd wäre es, wenn ich unterwegs die Kameras mische und Reportagen mit E-M1 und OM-1 durcheinander mache. Da wäre es blöd, wenn die Bilder unterschiedliche Farbanmutungen hätten!

    jm2c, Martin

    1. Nein. Bei mir muss es „Kick“ heißen. Echt. Der Tick ist, wenn jemand balla ist. Ein Kick hat die Chance zu einem Tor…..

      1. Ticks nennt man aber auch die kurzen Striche, die an den Achsen eines Diagramms dranhängen. Vielleicht auch die Rasten von einem Stellrad/Drehknopf. Eines davon ist vermutlich eher gemeint, als Verbildlichung von »ein wenig«. Kick konterkariert das doch ein … bißchen. 😉

    2. Das Kock(buch) der deutschen Rechtschreibung hilft uns, keinen Kack zu schreiben, wenn der persönliche Kick einen Tick zu keck ist.
      Das einzige wirkliche Problem ist, dass der Kuck(uk) nicht mehr ruft, weil wir alles um Ihn herum zerstören. Das sind die wahren Probleme.

    3. Was hat das eigentlich alles mit der OM-1 Farbwiedergabe zu tun?
      Tick ist beim IPX-Routing (IPX-Rip) ein Delay von 1/18 Sekunde. Anstelle von Hop Counting unter IP-RIP, wird bei IPX-RIP die Anzahl Ticks als Angabe der Metrik verwendet. Und wer das nicht nachvollziehen kann sucht sich einen Kuck(uk)…

  3. Das dem Original besser entsprechende Rot ist eine sehr gute Nachricht für mich. Denn das Verkehrsrot der DB-Lokomotiven lag in Lightroom Classic bei den Kameraeinstellungen ziemlich daneben und war eher brutalrot und auch mit Farbkorrekturen nicht zu erreichen. Nur mit Adobe Standard konnte ich meine RAWs annähernd vorbildgetreu ausgeben. Auch Braun war nie originalgetreu möglich. Das könnte sich auch verbessern.
    Daher freue ich mich auf die bessere Farbwiedergabe.

  4. Sind die Farbunterschiede auf unterschiedliche Bayer-Filter zurückzuführen, oder eher auf die Signalverwurstelung? Ginge bei den älteren Kameras etwas per Firmware-Update?

    1. Ich habe da keine Ahnung. Frag OMDS. Ich bin der Meinung (!) dass da einfach eine andere Farbtabelle hinterlegt ist. Also FW-Update. Aber ich weiß es nicht.

  5. Ich bin seiner Zeit von verschiedenen Canon Digitalkameras auf die Olympus PEN 3 umgestiegen und mich zur OM-D E-M1 Mark 3 hochgearbeitet, weil mir das Fotografieren mit MFT seht zusagt. Aber ab der PEN 3 hat ich schon immer den Eindruck, das Olympus irgendwie in rot verliebt ist.
    Danke Die, das du meinen Eindruck jetzt bestätigt hast und toll, das die OM-1 da etwas neutraler ist.

    Gruß
    Dirk

  6. EM-1 MK III. Viele nutzen leider nur die Standardeinstellungen. Tipp: Warme Farben = Aus. Quickmenü: Grün +1. In der Gradationskurven-Korrektur Tiefen etwas anheben. Im Bildmodus Vivid oder Neutral (i-Enhance: Tiefen saufen ab). Der automatische Weissbgleich ist meistens perfekt, auch bei Mischlicht. Ausnahme Kofferproblem: Ein cyanfarbener Stoffkoffer wird, auch bei Tageslicht, viel zu blau. Mühsame Korrektur: Vorübergehend im Quick-Menü grün verstärken oder Bild nachbearbeiten (ist einfacher als mit dem kamerainternen Farbgestalter). Auch schwarze Katzen haben einen Blaustich.

    1. Heiwei – ich bitte dringend, hier ganz klar zu sagen „Dies sind meine persönlichen Einstellungen, die ich persönlich toll finde.“ Das sei Dir unbenommen. Aber allgemeingültig ist das hier nicht. Ganz kurz: Warme Farben hat ausschließlich unterhalb von 7EV Wirkung, und auch da nur, wenn nicht ausreichend Blau im Bild vorhanden ist (also vorherrschend Holzfarbe). Auf alle anderen Bilder hat diese Einstellung exakt keine Wirkung!

      1. Ich hatte bei meiner em1 mk III auch schlechte Erfahrung mit Farbwiedergabe in jpeg. Meistens war es zu viel Rot in Hautfarbe. Es war nur schwer in der Kamera zu korrigieren und wenn, dann passten die anderen Farben nicht mehr. Mir hat es so genervt, dass ich die Marke gewechselt habe. Es wäre erfreulich wenn die om 1 eine bessere / realistischere Farbwiedergabe hätte.

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