Pana 25mm 1,7 vs Oly 25mm 1,8

Wieder mal ein Test, bei dem ich zwei eigentlich uralte Objektive aus der Mottenkiste krame und sie mal gegenüberstelle. Den Vergleich gibt es schon bei anderen Reviewern – er bietet sich ja auch an. Aber ich setze meinen Fokus auf andere Dinge. Dass das Pana sich nach Plastik anfühlt – ja, haben auch andere schon gesagt. Und dabei ist das Oly 25mm ja auch nicht der Metallklopper. Aber im Vergleich zum eigentlich größeren Pana ist das Oly massiv. Andere haben auch schon den AF des Pana beklagt, der war jetzt nicht so das Thema. An der E-M1II ist er ausreichend schnell, zumindest für das, was man eben so mit einer lichtstarken Normalbrennweite macht. Damit macht man ja keinen Sport. Man muss halt jedes Bild kontrollieren, weil der AF manchmal halt komplett daneben liegt.

Als erstes fällt im Vergleich auf, dass das Pana beim Fokussieren erheblich die Brennweite ändert, entsprechend ist im „näheren“ Bereich der Bildwinkel deutlich kleiner als beim Oly:

Oben das Oly, unten das Pana. Das Pana hat im RAW auch eine deutliche Tonne, die beim Olympus.-Objektiv weniger präsent ist. (Wie immer, die Kamera ist auf dem 200-Kilo-Studiostativ verschraubt und es wird lediglich das Objektiv gewechselt. )

Das ist gerade bei Street etwas lästig, weil man, wenn man ein Bild sieht, immer einen Schritt zurück machen muss, um den korrekten Bildausschnitt zu kriegen.

Eingang zum Stadtmauermuseum in Nördlingen.

Was wirklich lästig ist: bei meinem Exemplar, das ich von Panasonic zur Verfügung gestellt bekommen habe, ist die Schärfe schlicht lausig. Es wirkt, als wäre es mit den 20MP des Oly-Sensors überfordert und etwa für 10MP gebaut worden. Selbst die Schärfe in der Mitte lässt erheblich zu wünschen übrig:

Obwohl das Panasonic durch die längere Brennweite den deutlich größeren Bildausschnitt hat, ist das Olympus-Objektiv selbst in Bildmitte bei der Schärfe überlegen. Diese mangelnde Schärfe trat bei allen Bildern mit dem Objektiv auf – ich hoffe also auf eine Möhre, allerdings ist das Objektiv direkt von Panasonic….

Beide Bilder sind übrigens mit identischer Belichtungszeit gemacht. Das Pana mit 1,7, das Oly mit 1,8. Und da ist eher noch das Oly einen Kick heller. Der schnelle Check bestätigt es: das Pana schafft die 1,8 eher nur so halb. Ein 1,7 ist es definitiv nicht.

Letzter Test: Das Bokeh:

Oben Panasonic, unten M.Zuiko. Auch hier wieder, identische Position, unterschiedliche Bildwinkel. Das Bokeh des Pana ist an den Rändern härter und hat Doppelkonturen, fast einen Anflug von Soap-Bubble. Das m.Zuiko hat verwaschene Ränder. Wer auf präsentes Bokeh steht, also eher zum Pana greifen, wer eher unauffälliges Bokeh mag, für den ist das m.Zuiko besser.

Das Pana ist deutlich größer, deutlich leichter und liefert eine unterlegene Bildqualität. Es ist definitiv nicht lichtstärker als das Zuiko, der AF ist langsamer, es fühlt sich billig an – und man kriegt es neu für 150 Euronen nachgeworfen. Das m.Zuikos liegt bei mehr als dem Doppelten.

Der Tipp ist klar: Wer kein Geld hat, kauft sich ein gebrauchtes 25mm f/1,8 für etwa 160 Euro. Und wer Geld hat, kauft sich das Teil neu.

Mir fällt gerade nicht ein, welchen Vorteil das Pana haben könnte. Und ich bin eher untermotiviert damit noch weiter auf Motivsuche zu gehen. Eben weil die Bilder bei genauer Betrachtung halt nicht scharf sind. Und auch das 25mm f/1,8 ist ja jetzt nicht der Ausbund an übertriebener Knackschärfe. Aber es ist sehr deutlich überlegen.

13 Replies to “Pana 25mm 1,7 vs Oly 25mm 1,8”

  1. Hallo Reinhard,
    die Aussage „ Und auch das 25mm f/1,8 ist ja jetzt nicht der Ausbund an übertriebener Knackschärfe.“ hat mich schon etwas irritiert.

    Wenn man die Beschreibung dazu in Deinem Objektiv PDF liest, bekommt man einen anderen Eindruck. Zwar geht es anfangs um die Schärfe bei Offenblende, aber im weiteren Verlauf des Textes sieht das dann doch nach einem Objektiv mit durchgehend hoher Schärfe aus (auch wenn da nichts von „übertriebener Knackschärfe“ steht). Aber vielleicht habe ich auch nur etwas falsch verstanden?

    Das 25mm F1.2 hingegen wird ja eher in der Schärfe zurückgekommen „nicht ultrascharf“ beurteilt.

    Mich würde halt nur interessieren, wie ich das 25mm F1.8 nun einzuordnen habe bzw. was derzeit als Maßstab für sehr hohe Schärfe gilt (12-100mm F4.0, 40-150 F2.8?).

    Beste Grüße
    Frank

    1. Es ist genauso gemeint, wie ich es schreibe. Das 25mm f/1,8 hat eine gute Schärfe, ist aber nicht übertrieben. Es gibt Objektive, die auf Kontrast=Schärfe optimiert sind, dann aber wieder Details verlieren, weil Schärfe Kantenkontrast bedeutet. Und das geht eben zu Lasten der Detailauflösung. Das 40-150 f/2,8 ist auch nicht „ultrascharf“. Die 4,0er-Reihe ist sehr stark auf Kantenkontrast ausgerichtet. Das muss man wollen. Ich will diese übertriebene Schärfe nicht. Aber es gibt sehr viele Fotografen, die das mögen. Insofern hat OMDS da für jeden was.
      Ich halte die Diskussion um Schärfe aber ab einem bestimmten Punkt für akademisch. Jedes Objektiv ist ein Kompromiss. Es geht um Gewicht, Herstellungskosten und optische Qualität. Und dann eben noch um Verwendungszweck. Die eierlegende Wollmilchsau gibt’s weder bei Kameras, noch bei Objektiven. Wer nur 150 Euronen übrig hat, dem hilft es nicht, wenn es ein Objektiv gibt, das dreimal schärfer ist….

      1. Reinhard, als „Liebhaber“ des alten FT 14-54 II, das ja auch nicht „knackscharf“ ist, entspricht die Schärfe des 1,8/25 meinen „Geschmack“. Ich habe das Objektiv oft an der Kamera und finde es haptisch, größenmäßig und vor allem von der Bildqualität (für mich als Amateur) klasse – und seinen Preis wert.
        Gruß Lutz

  2. Vielen Dank für den Vergleich, das lässt mich doch nochmal grübeln, auf das Oly umzusteigen. Oder gleich das 25/1.2…. oder das PanaLeica 25/1.4….. So viel Auswahl trotz „totem Systems“ 😉
    Das Pana 25/1.7 war meine erste MFT-Festbrennweite und zumindest an den 16MP der EM10ii sehe ich kaum weniger Schärfe als am Oly 45/1.8, an der EM1ii habe ich es aber z.B nie getestet. Das sagt vielleicht auch etwas über die subjektive Qualität aus. 🙂
    Es ist aber zugegebenerweise so, dass die Bilder gerade bei seitlichem Licht trotz Sonnenblende schnell etwas „flau“ wirken. Auch bekomme ich hin und wieder magentafarbende Farbsäume um starke Kontrastkanten im Gegenlicht, z.B. wenn man im Dunkeln gegen eine Laterne fotografiert. Das scheinen mir keine chromatischen Abberationen zu sein. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass das an der unterschiedlichen Vergütung der Sensoren der Lumix- (auf die Pana-Objektive abgestimmt sind) und Oly-Kameras liegen soll, aber wenn ich micht recht an deinen Artikel zum PanaLeica 12mm erinnere, glaubst du da eher weniger dran… 😉 Ich habe keine Ahnung, aber jedenfalls sind sie da.
    Subjektiv gefallen mir die Bilder mit der Linse aber gut, ich mag z.B. das leichte Bubble-Bokeh und insbesondere an der EM 10 stellt sich bei mir immer ein gewisser Retro-Charme ein, aber eben mit dem Vorteil Autofokus. Die Blendensterne des Objektivs sind übrigens eher solala…
    Zwei Fragen/Hinweise noch:
    1. Kann es sein, dass die Pana-Objektive insgesamt „nicht so gut“ von der Kamera korrigiert werden, wenn es eine Oly ist? (reine „böswillige“ Vermutung)
    2. Ist der unterschiedliche Bildwinkel zwischen dem Oly auch im RAW, oder wird hier vielleicht zu viel „des Schlechten“ an den Rändern abgeschnitten?

    Insbesondere zu 1. fände ich einen Vergleich mal interessant, in dem Pana und Oly Linsen sowie Kameras mal lustig durchgetauscht werden…

    1. Zumindest zur Eingangsfrage kann ich meine Einschätzung darlegen:
      Lohnt die 1,2er-Optik im Vergleich zur 1,8er?

      Bemerkenswerterweise gibt es ja bei Olympus die Brennweiten 17, 25 und 45 mm in beiden Ausführungen.

      25mm: Das 1,8 ist recht gut, wird oft unterschätzt. Das 1,2 ist etwas besser, aber nicht überragend.
      17mm: Das 1,8 ist auch nach allgemeiner Einschätzung eher mau. Das 1,2 richtig gut.
      45mm: Das 1,8 bekanntermaßen gut. Das 1,2 aber noch viel besser, besser sogar als meine alte Lieblingslinse das 1,2er PanaLeica 42,5.

      Beste Grüße, Andreas

      1. Meine Erfahrung:
        Das 25/1,2 ist das Schwächste der OLY 1,2er und bringt außer der etwas höheren Lichtstärke keinen Vorteil gegenüber meinem 1,8er. (Selbst nach Tausch und Justierung beim Service).
        Das Pana 25/1,4 hatte oft einen stuckernten AF.
        Fazit: Das OLY 25/1,8 ist jeden Euro wert und ist meine Standardbrennweite.
        Ganz anders das OLY17/1,2, es ist dem 17/1,8 in allen bildrelevanten Parametern weit überlegen.

        Grüße
        Peter M.

        1. Die Aussage zum stuckernten AF des Pana 25/1,4 kann ich nicht bestätigen. Mein Summilux fokussiert sowohl an der PenF als auch an der EM1 II problemlos und zügig.
          Grüße
          Rudi Benz

          1. Dies bestätigt eine weitere Erfahrung: Die meisten Panas streuen erheblich in der Qualität. Ausnehmen würde ich davon allerdings die erheblich teureren 200/2.8 und 42.5/1.2. Meine sind tadellos und mir ist auch nichts von einem Ausreißer dieser beiden zu Ohren gekommen.
            Beste Grüße, Andreas

    2. Für meine Pen F hat es sich ergeben, dass ich viele Panas dran verwende. Weil die Zoomringe andersrum als die Oly laufen, bin ich für Zooms bei den Panas geblieben. Auch gefallen mir die Objektive besser von den Eckdaten: Olys f 1.2 sind mir zu gross und zu teuer, die f 1.7 zu mickrig gemacht und zu knapp in der Bildqualität.

      Oben fragst du zu den 25mm. Ich habe das Pana 1.4/25 mm und bin sehr zufrieden damit: Schärfe wie Reinhard es mag und schönes Bokeh. Da es eine neue Version gibt, wird einem das erste nachgeworfen. Ich habe meines für weniger als 200 CHF im Bestzustand (SoBl bei Pana inkl.) bekommen. Dass es an der Oly schlechter als die mZuikos gerechnet wird, kann ich nicht feststellen: scharf bis in die Ecken und keine CAs. Mein schlechtestes Objektiv ist das Oly 1.8/17 mm.

      Speziell finde ich, dass die Version des Pana 1.4/25 mm für die FT-Reihe ein Riesenklotz über 500 g ist (mft nur 200 g) bei gleicher Anfangsblende 1.4. Es liefert aber eine Bildqualität mit der E-5, die kaum von der Pen F zu unterscheiden ist trotz fast der Hälfte an Pixeln.

      1. Vielen Dank euren Antworten, Rudi, Ruedi, Andreas und MoPet!
        Das 17/1.2 habe ich. Da ich viel Outdoor unterwegs bin ist mir die Wetterfestigkeit sehr wichtig, da kann die Linse auch etwas größer sein. Die Lichtstärke des 1.2er ist mir gar nicht soooo wichtig, und dass es gegenüber den anderen beiden Pros etwas nachsteht habe ich schon öfter gelesen. Allerdings ist der Bildlook der 25/1.2, den ich so im Netz finde, einfach nochmal ein ganz anderer als man im Falle des 1.8er sieht. Okay, man könnte jetzt sagen, dass Menschen die ein Pro-Objektiv nutzen auch sehr gut in der Nachbearbeitung sind, aber das Bokeh an sich ändert sich dadurch ja nicht und ich erwarte hier ähnliches Rendering wie bei meinem 17/1.2.
        Da ich aber meist mit den drei 2.8er Zooms und evtl. noch 1.8er fish+60er Macro unterwegs bin, weiß ich auch nicht, ob ich da noch so einen Klotz in den Rucksack bekomme… Ich werde nochmal in mich gehen, aber das 17er ist mir häufig doch noch etwas zu weit, so dass es meist im Schrank liegen bleibt….

  3. Ich fürchte, dass Du mit Deinem Pana 25mm 1.7 eine Gurke erwischt hast. Meines ist tadellos, auf jeden Fall deutlich schärfer als ein bestimmtes Voigtländer, das ich mir letztes Jahr geholt habe.
    Ich habe das Gefühl, dass bei Objektiven die Serienstreuung, schlampige Fertigung unter irrem Preisdruck und fehlende Endkontrolle in den letzten Jahren zugenommen hat.
    Immerhin ist meine Gurke bis jetzt nicht explodiert und das ist in Zeiten wie diesen ja auch schon was.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.