OM-1 „Schärfeproblem“

Ich hatte es ja beim letzten FolyFos angesprochen: bei der OM-1 wird öfter von einem „Schärfeproblem“ bei kontrastarmen Motiven gesprochen. Ich habe mir dieses Problem mal vorgenommen und beim herrschenden miserablen Wetter die Skipiste gegenüber ins Visier genommen. Die Piste ist ziemlich genau zwei Kilometer entfernt.

Ich habe den Fokus auf die „Bergstation“ des Schlepplifts gesetzt, S-AF, Crossfeld, das Ganze auf dem Studiostativ, zwischen den einzelnen Auslösungen mit dem Snapshotring defokussiert und mit elektronischem Verschluss 8 Bilder gemacht.

Hier ein 100%-Crop des schlechtesten Bildes:

Und hier ein 100%-Crop des besten Bildes:

Letzteres habe ich mit ein bisschen Kontrast und etwas Schärfe aufgepeppt:

Man sieht hier tatsächlich auf zwei Kilometer Luftlinie bei diesigem Wetter einzelne Treppenstufen. (Übrigens auch ganz ohne Tricks auf dem OM-1-Display bei 14x Vergrößerung).

Also: Kamera und Objektiv können es. Die Fotos sind aber nicht alle so scharf. Genauer, von 8 war nur eines so scharf, die anderen waren mehr so mittel. Also eine E-M1II mit identischem Setup montiert, die konnte überhaupt nur mittel. Es war kein so schlechter Ausreißer dabei, wie bei der OM-1, aber kein einziges Foto war richtig scharf. Das hat sich durch Umstellung auf „Small“-Feld nicht geändert.

Wird aber bei der OM-1 auf „Small“ umgestellt, habe ich die „Scharfrate“ um satte 200% gesteigert. Von acht Bildern sind jetzt drei ziemlich scharf.

Bei Brennweite 95mm und f/2,8 dürfte das aber nicht sein. Die Hyperfokaldistanz liegt bei 453 Metern. Ein Blick in die Debug-Info erhellt die Sache etwas: Alle Bilder haben eine AF-Entfernung von 4294967,3m (Also nicht 43km, wie ich erzählt habe, sondern 4249km.) Der Unterschied liegt in der Fokusposition.

Das schlechteste Bild hat eine Fokusposition von 8851 und damit einen Backfokus, das andere Extrem ist ein Bild mit einer Fokusposition von 8810, Frontfokus. Korrekt wären 8836 gewesen. Nahezu jedes Bild hatte eine andere Fokusposition, die Ergebnisse sind also erratisch.

Offensichtlich ist der Fokus auf Geschwindigkeit und nicht auf Genauigkeit getrimmt worden. Wenn man nun also zu viel Zeit hat, kann man sich mit einem stabilen Stativ hinstellen und hunderte Bilder machen und die dann hinterher mittels WPMeta auswerten und einen wunderschönen Verteilungsgraphen machen. Das ist aber eigentlich Sache von OMDS.

Bei Vögeln merkt das keiner, wenn der AF dauernd daneben liegt. Bei Landschaftsfotografie ist das aber ein Killer. Die Kamera kann’s. Also dann lasst sie gefälligst auch. Oder baut ne Funktion ein, mit der der User sich aussuchen kann, ob er’s lieber schnell oder genau haben will.

Danke.

Bis dahin: wenn’s genau sein soll, den kleinsten Fokuspunkt nehmen, der möglich ist, und ein paar Fotos machen. Eins davon ist dann meistens richtig scharf.

12 Replies to “OM-1 „Schärfeproblem“”

  1. „Bei Vögeln merkt das keiner, wenn der AF dauernd daneben liegt.“

    Das sollte vermutlich ein Witz sein, den ich nicht verstanden habe?

    1. Ich vermute derzeit, dass sich der Fehlfokus bei Vögeln nicht auswirkt, weil der im Bereich der Schärfentiefe liegt. Das muss ich aber noch verifizieren. Wenn Du Lust hast, kannst Du das gerne machen.

      1. Bei guten Vogelaufnahmen ist das Tier relativ formatfüllend im Bild. Da ist Schärfentiefe dann ein sehr knappes Gut und jeder Fehlfokus sofort ersichtlich. Es gibt natürlich auch Aufnahmesituationen, wo das weniger kritisch ist, aber in der Regel muss der Fokus sehr genau sitzen. Gerade bei Vögeln ist durch die Federstruktur ein Fehlfokus auch sofort ersichtlich.

        1. Das ist etwas, was ich nicht verstehe. Gerade wenn der Vogel formatfüllend ist, muss die Schärfentiefe sehr groß sein, sonst sind 9/10 des Piepmatzes unscharf. Klar soll das Auge scharf sein. Aber wenn nur das Auge scharf ist und der Rest nicht, ist das Bild doch auch Grütze…

          1. Es wäre schön, wenn das so wäre, aber da hat leider die Physik was dagegen.
            Bei einem Vogel mit 15cm Körpergröße, mit 400mm und Fokus auf den Augen einigermaßen formatfüllend abgelichtet, ist sowohl das Brustgefieder, als auch der hintere Teil des Kopfes schon relativ unscharf, selbst wenn man auf f8 abblenden kann – mehr lässt das Licht meist nicht zu. Sprich: wenn der Fokus nur etwas zu weit vorne oder hinten sitzt, ist der Augenbereich schon unscharf.
            Leider ist das etwas, was der Vogelautofokus nur mäßig gut hinbekommt – der Fokus wackelt ziemlich kräftig um die Augen herum, sodass man im Zweifelsfall gut beraten ist, lieber mehr Bilder zu schießen. Das deckt sich dann ganz gut mit deinen obigen Beobachtungen. Bei einem vollkommen still sitzenden Vogel wäre es mir auch lieber, ich könnte mich auf Präzision des AF verlassen.

        2. Ich denke, ihr habt Beide recht, und meint dasselbe. (Auto)Fokus muss präzise sitzen und mit dem Sujet angepasster Schärfentiefe. Ich verfolge diese Diskussionen betr. OM-1, da ich mit Kauf der Kamera u. dem 150-400 f4.5 Zoom liebäugle – für Tierfotografie. Diese Investition (teures Hobby !) macht aber nur Sinn, wenn die OM-1 wirklich zuverlässig mitspielt. Nutze die EM-1 Mk2, u. bin sehr zufrieden damit für meine allgemeine Fotografie.

  2. “Alle Bilder haben eine AF-Entfernung von 4294967,3m (Also nicht 43km, wie ich erzählt habe, sondern 4249km.)”

    4294967,3 m sind so ungefähr 4294967295 mm, oder mit anderen Worten 2³²-1 mm. Anscheinend rechnet die Kamera intern mit 32-Bit-Zahlen in Millimeter und 4249-km-und-ein-paar-Zerquetschte sind “unendlich”.

  3. „Die Kamera kann’s. Also dann lasst sie gefälligst auch. Oder baut ne Funktion ein, mit der der User sich aussuchen kann, ob er’s lieber schnell oder genau haben will.“

    Das sehe ich genauso! FW-Update, liebes Team von OMDS…

    Hans-Joachim

  4. … ich nehme es mit „Schärfe & Co“ sehr genau, doch auf eine solche Distanz bei diesem diffusen Wetter macht die Luftunruhe (Dichte, Feuchtigkeit!) in der Atmosphäre eine sichere Beurteilung zunichte … da wäre ich mit der Beurteilung vorsichtig! Bei dem Testbild ist der Dunst grenzwertig. Gerade bei solchem Wetter gibt es Luftbewegung und -dichteunterschiede in Form von Wirbeln usw., gerade auch durch Bäume etc, wie im „Motiv“ vorhanden … diese werde ja mit zunehmender Brennweite auch noch „optisch“ komprimiert und verstärkt.
    Die gezeigten „Schärfe“unterschiede sind sichtbar, das ist klar … worauf sie beruhen, so denke ich, ist allerdings fraglich. Wer sich hier mit Zahlen zaubert, muss sich auch auf der Pixelebene des Sensors, der tatsächlichen Auflösung in der Gegenstandsebene in „Zentimetern“ begeben. Genau gesagt: welche „physikalische Auflösung“ in Zentimetern hat ein Bild-Pixel bei einer Distanz von 2000m! Achtung, ein „Bildpixel“ wird ja aus drei Sensorpixel (Farben, Bayermuster!) interpolliert! …
    unterm Strich wird das eine Doktorarbeit. Was schaft die Sensor/Kamerasoftware/Objektiv physikalisch/optisch an gegenständlicher Auflösung bei solchen Distanzen? …
    … viel Spaß 🙂 … !!!
    Gruß
    Siegbert Müller

    1. Ich bin der Allererste, der Unschärfen bei Landschaftsaufnahmen auf Luftunruhe schiebt. Aber in diesem Fall habe ich in den EXIFs den oben erwähnten Parameter der Fokusposition. Und dieser Parameter korreliert exakt mit der vorliegenden Schärfe. Sprich: je näher der Wert der Fokusposition in den EXIFs dem „Idealwert“ liegt, desto schärfer das Bild. Und durch die Umstellung des Fokuspunktes konnte die Ausbeute deutlich gesteigert werden. Das wäre alles nicht der Fall, wenn die Unschärfe durch Luftunruhe und Dunst verursacht wäre.

  5. Hallo Reinhard, ein paar Fragen:
    – Bezüglich Bildergebnis: Liegt das Fokuskreuz wirklich in allen Bildern an derselben Stelle bzw. geht das überhaupt auf 2km?
    – Warum muss der Versuch in diesen räumlichen Dimensionen von 2km durchgeführt werden? Kann ich den Versuch nicht auch mit einem 75/1.8 und einem schwarz weiss und anschliessend einem hellgrau, dunkelgrau Target inhaus durchführen werden?

    Letztlich benutzt Du die Kamera als Messmittel und führst eine Fähigkeitsuntersuchung für Wiederholbarkeit einer Entfernungsmessung durch. Ich habe mich schon oft gefragt, warum es dafür keinen Standardtest in der Fotografie gibt.

    1. 1. Wenn man ein Studiostativ hat, das etwa 150kg wiegt – ja.
      2. Wenn Du ein inhaus hast, das deutlich länger als die Hyperfokaldistanz ist, kannst Du das auch indoor durchführen. Ich habe nicht. Ich wurde aufmerksam gemacht auf Fokusprobleme bei schlechtem Kontrast und Landschaftsaufnahmen. Also habe ich bei schlechtem Kontrast Landschaft aufgenommen.
      3. Wahrscheinlich weil niemand ein inhaus hat, das entsprechend groß ist. Die meisten Kameratests werden auf wenige Meter gemacht. Wenn da einer eine Vorrichtung auf acht Meter hat, wie „Trustyoureyes“ https://www.trust-your-eyes.com/about.php dann ist das schon eine fette Ausnahme.

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