20mm f/1,4 Esbjerg und Varde

Der Mensch am Meer – letztes Jahr noch mit 17mm und Impfpromopflaster, dieses Jahr ohne dafür mit 20mm – und ohne Touristen drumrum. Irgendwann hat man das Gefühl, zuhause zu sein, vielleicht mach ich mir doch noch nen Aufkleber auf die Kameratasche „I’m not a tourist – I live here“. Die diversen Läden in Esbjerg waren jetzt nicht so fotogen, also heute in Varde ein bisschen geknipst. Sollte jemand von euch jemals nach Varde kommen, übrigens unbedingt ins Otto Frello-Museum gehen. Der hat in seiner Malerei sowas gemacht, was wir mit Doppelbelichtungen und LiveComposite in den Kameras machen können. Einfach mal inspirieren lassen davon, wieviel Details und wieviel Hirmschmalz der in seine Bilder gesteckt hat. Der deutsche Katalog kostet 100 Kronen – rentiert sich.

Sollte jemand Lust haben, sich in Varde selbstständig machen zu wollen: Direkt am Standesamt ist Aunt Bettys Cafe zum Verkauf. Seeehr nett und vielleicht verticken Sie auch ihr Rezept für Zimtschnecken mit. Die duften unverschämt gut und füllen im Sommer das Cafe.

Gegenüber ist der Big Ben Old English Pub, den ich schon mal bei Nacht hier gezeigt habe. ist übrigens geöffnet. Trotz Corona. Angeblich sind derzeit 10% der Dänen infiziert, das ist denen aber irgendwie wurscht. Ab 1.2. erklären sie Corona wieder für beendet.

Den künstlichen Bach auf dem Marktplatz habe ich auch schon ein paarmal fotografiert, aber nie mit 20mm. Ich dachte immer, da braucht man 14mm dazu – oder noch besser 7mm. Klar, geht auch, aber 20mm hat auch was.

Das ist der Junge mit dem geklauten Buch vor der Bibliothek. Man könnte sagen, es sei ein Zoomeffekt, ist es aber nicht. Einfach die Blende zu und selber bewegen. Spannenderweise bleibt der Hintergrund scharf…

Ein Baum auf dem Friedhof. Man sieht’s deutlich, das ist der Farblängsfehler, den ich schon ein paar mal angesprochen habe:

Das Bild ist etwa zwei Blenden überbelichtet, um im Vordergrund noch Zeichnung zu haben. Wird das Bild korrekt belichtet, ist der Spuk fast vorbei:

Auch das untere Bild des Baumes ist mit 1,4 gemacht. Ja, man kann das Lila provozieren, aber muss ja nicht sein. Hier ganz ohne Lila:

Wenn wir schon am Friedhof sind – jedes Dorf hat wohl so seine Gräberkultur. Auch was für’s 20mm. Je mehr ich damit mache, desto sexy finde ich die Brennweite. Irgendwie geht’s mir jetzt wie mit dem 75. Da dachte ich auch anfangs – 75mm, wer braucht denn das – und jetzt gehe ich kaum noch aus dem Haus ohne das eins-acht. Und ja, Porträts mit dem 20mm , das muss echt nicht sein. Da hängt man schon sehr an der Nase. Aber Street macht einfach fett Spaß.

Da konnte ich nicht widerstehen – und ja, es ist beschnitten. Und auch wenn ich in das Büro hineinfotografiert habe – das ist ganz offensichtlich genau dafür so gemacht.

Und zum guten Schluss noch ein bisschen „cremige Unschärfe“. Ja, kann man machen. Aber das 20mm ist kein Makro, sehr viel näher kommt man nicht ran, im Nahbereich wird der AF zickig und trotz f/1,4 ist das 20mm jetzt kein Bokeh-Monster, mit dem man fett freistellen kann. Klar, bis zu einer Motivgröße von etwa einem Meter hat man einen deutlichen Schärfeunterschied zum Hintergrund. Aber die knackige Freistellung, die man mit längeren Brennweiten kriegt (45 F/1,2) die geht mit der kurzen Brennweite einfach nicht. Dafür ist es nicht gebaut. Das Objektiv hat andere Qualitäten.

Ich habe natürlich das 75er in der Tasche. Und das 14-35. Und das 7-14. Und natürlich ist das 20mm hauptsächlich drauf, weil ich ja was zeigen will. Aber ich bin verblüfft – ich habe äußerst selten das Bedürfnis zu wechseln. Das ist mit dem 25mm lange nicht so und mit dem 17er neige ich dazu, es an die PEN-F zu schrauben und mich mit dem Creative Dial auszutoben. Das 20mm passt perfekt auf die E-M1II und tut einfach mit Natural.

Taugt mir…

4 Replies to “20mm f/1,4 Esbjerg und Varde”

  1. Was habe ich mich jahrelang nach einem optisch gut korrigierten, lichtstarken 20er für mFT gesehnt. Endlich ist es da! Vom Pana 20 1.7 hatte ich mich vor Jahren getrennt, als ich das mZuiko 25mm 1.8 in die Finger bekam und mich mit dem etwas engeren Bildwinkel angefreundet hatte (der miese AF des Pana bei wenig Licht war der Hauptgrund). Vieles von dem, was du bzgl. deiner Eindrücke zu diesem Bildwinkel schreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen. 20mm mag die effektloseste bzw. normalste Brennweite überhaupt sein, aber genau das ist es was ich für meine dokumentarische Art zu fotografieren auch überwiegend haben will.
    Danke für deine sehr interessanten Blog-Artikel zu diesem OM System Produkt!

  2. Hallo. Der Nachbar meiner Schwester in Nürnberg fährt mit dem Slogan-Aufkleber „RESPECT THE LOCALS“ herum. Der passt immer.
    Ansonsten stelle ich mir nur die Frage, ob nicht gerade eine PEN der kongeniale Partner des neuen 20er ist. Der M1 II kann ohne Frage alles besser, als die filigranere Mk I. Aber die Mk II ist doch so viel größer, dass auch das große, optisch tadellose 17mm/1.2 nicht mehr viel ausmacht.

    Beste Grüße, Andreas

  3. Bei Reinhards Technik-Geschichten erfährt man immer wieder etwas Interessantes auf kultureller Ebene, das man vorher nicht kannte.
    Diesmal: Außergewöhnliche Statuen und ein außergewöhnlicher Maler. Bitte weiter so.

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