Ende Januar, unter der Woche bei Nieselregen ist der Touristenort Henne-Strand in Dänemark so gut wie ausgestorben. Es sind noch ein paar Dänen da, die ihre Ferienhäuser renovieren, aber das war’s. Für Objektivtests wunderbar, denn es laufen einem keine Leute ins Bild. Außer die beiden, die gerade mit einer UV-Lampe nach Bernstein suchen. (Das ist übrigens ganz spannend, weil da nicht nur Bernstein aufleuchtet, sondern auch Plastikteile, Muscheln und sogar manche Steine.) Auf jeden Fall kann da das 20mm 1,4 mal zeigen was es kann. Es kann. 1/8s ISO 800. Klar. Nachts am Strand wäre dann natürlich schon ein Snapshotring praktisch, weil man da dann auch auf die Brandung scharf stellen könnte. Aber ist nicht da, also muss es anders gehen.

20mm hat einen großen Vorteil. So lange man nicht wirklich nah rangeht, reicht mit 1,4 für die meisten Bilder die Schärfentiefe. Klar, wenn man hier reinzoomt, fällt spätestens ab der erleuchteten Werbetafel auf, dass da nix mehr scharf ist – so what – alles aus der Hand….

Hier sieht man die Vorteile der 20mm. Einerseits ist die Treppe noch in Reichweite, man sieht also die nahen Stufen von oben, andererseits wird aber der weiter entfernte Treppenteil nicht so winzig wie bei 17mm oder darunter. Der Vordergrund wird nicht „übermächtig“, die Bilder sind unspektakulärer, aber ich finde, sie haben so eine „vertraute“ Anmutung.

Beim FolyFos habe ich großspurig getönt, dass ich mit der Brennweite absolut nichts anfangen kann. Aber schon nach dem Abend mit der Linse muss ich da meine Einstellung überdenken.

Hier ein bisschen mit dem Keystone nachgeholfen. Die 20mm haben einen interessanten Vorteil. Man sieht ein Motiv und muss dann noch ein, zwei Schritte gehen, damit die Perspektive stimmt. Das bedeutet, man kann so ein bisschen „im Gehen fotografieren“. Beim 25mm muss man sofort stehenbleiben, beim 17mm muss man bewusst näher rangehen. Die 20mm sind so ein entspanntes „Ich seh das Ding und knipse im Vorbeischlendern.“

Das ist eigentlich ein typisches 17mm-Motiv. Die leeren Tische im Vordergrund, hinten die leere Straße mit der Beleuchtung. Mit 20mm wird die Straße etwas komprimiert, es schaut eher „wie echt“ aus.

Und hier zum Schluss noch der Weiher in Tistrup. Alles aus der Hand, alles f1,4. Und ja, nirgends sieht man hier was vom Farblängsfehler – den lila Kanten. Ja, den kann man provozieren, aber man kann es auch bleibenlassen. Das Objektiv liefert für mich. Der AF hat auch am Strand bei ziemlicher Dunkelheit funktioniert, der Bildwinkel ist verblüffend brauchbar – und zwar für ziemlich viel – das Objektiv liefert prima Schärfe auf den Punkt – soweit es überhaupt irgendwas mit Schärfe gibt – der Stabi der Olys ist sowieso ne Bank, also in der Nacht ist das Objektiv richtig, richtig gut.

4 Replies to “20mm 1,4 in Henne”

  1. Klingt gut, danke für deine Eindrücke Reinhard. Ich besitze das (fantastische) 45mm 1.2 und war am überlegen mir auch noch das 25mm 1.2 und das 17mm 1.2 zu kaufen, aber die sind an der geliebten Pen F a) ziemlich groß und b) habe ich von beiden Brennweiten bereits die 1.8er Version. Das 20mm 1.4 scheint die perfekte Lösung zu sein und viel Geld spare ich damit auch noch 🙂

  2. Hallo. Nachdem ich die ersten mFT-Jahren am liebsten mit 20er Lumix fotografiert habe, wollte ich heute prüfen, ob diese 20mm nur eine sentimentale Erinnerung sind – oder Fakt.
    Dazu habe ich alle gut vierzigtausend Aufnahmen herangezogen, welche ich in den letzten zwei Jahren mit dem 12-100/f4 gemacht habe. Wenn ich mit diesem Objektiv unterwegs war, gab es meist keine Alternative im Gepäck: So ist die Liste komplett und in der Bildwinkel-Entscheidung war ich bei dieser Optik frei.
    Wenn ich nun die Endwerte 12mm und 100mm herausnehme, gibt es über den gesamten Bereich zwei Peaks: Der größte bei 20/21mm, der kleinere bei 86mm. Letzteres ist eine kleine Überraschung, die 20mm nicht.
    Beste Grüße, Andreas

  3. Wenn es dieses Objektiv auch noch in silberner Farbausführung gäbe …

    P.S: Wie gut bzw. schlecht ist der Autofokus an Panasonic-Kameras?

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