OMDS und Klimaschutz

Eigentlich wollte ich das Thema noch ein bisschen aufheben, aber nachdem ich gestern einen süßen Kommentar von einem merkbefreiten, anonymen Hater bekommen habe, ich sei ein „grüner Gretinist“ und würde nur Scheiße schreiben, (Warum liest er es dann?) denke ich mir: Und gleich nochmal.

Ich habe ja vor der Pandemie ne Serie über Klimaschutz bei Kameraherstellern gemacht. Und als dann OMDS neu angefangen hat, habe ich gleich nachgefragt, wie OMDs das denn damit hält. Schließlich ist das bei ner neuen Firma wesentlich einfacher in die Prozesse einzubinden, als bei einem jahrzehntealten, riesigen Konzern, der seine ganzen Strukturen umbauen muss.

Ich habe zuerst monatelang keine Antwort bekommen. Dann „Es gilt das gleiche wie bei Olympus“. Olympus hatte damals einen riesigen Neubau in Hamburg hochgezogen und angeblich den Neubau über Ausgleichsmaßnahmen kompensiert. OK. Umweltfreundlicher ist zwar Renovieren im Bestand – die Zementherstellung ist einer der größten Klimakiller – aber immerhin. Nur – welchen Neubau zieht OMDS gerade hoch?

Tatsächlich residiert OMDS nach wie vor in einer Coworking-Location. Böswillig könnte man davon reden, OMDS hat in Hamburg einen Briefkasten gemietet. Das ist aber per se nicht Negatives. Eine Coworking-Location kann umwelttechnisch absolut Sinn machen, es muss ja nicht jede Firma ein eigenes Gebäude haben. Also habe ich die Pressestelle der Coworking-Location angeschrieben, einen Artikel über das Konzept angekündigt und Informationen zur Klimafreundlichkeit der Company angefragt. Also nicht von OMDS, sondern vom Vermieter des Briefkastens.

Es gab eine ausgesprochen freundliche Antwort, man sei daran, strebe Klimaneutralität zum Ende des Jahres an und es gäbe demnächst auf der Website umfangreiche Infos dazu. Und man wolle mich auf dem Laufenden halten.

Tscho. In Berlin hat der Anbieter seine Location immerhin schon an Ökostrom angeschlossen, in Hamburg nicht. Eigentlich überflüssig zu sagen, dass es natürlich auf der Website bis heute keine Infos zur Klimaneutralität gibt, keinen Plan und natürlich bekam ich keine weitere Mails. Warum?

Der Vermieter hat natürlich meinen Mailfooter und Webseiten gestalkt und festgestellt, dass ich über OMDS berichte. Und logischerweise gleich dort nachgefragt, ob man mich kenne…. Jo. Darum.

Aber es ist ja jetzt nicht so, dass das OMDS alles völlig egal ist mit der Erderwärmung. Man plant nun „Aktionen“. Die erste kann man bereits hier bewundern. Ein Fotowettbewerb zum Wald. Man trifft sich zu „Fotowalks“ (3km mit Möglichkeit zur Einkehr) , bekommt nebenbei etwas Werbung aufs Auge gedrückt und jeder zahlt zehn Euro, mit denen dann zwei Bäume gepflanzt werden. Dann schenkt man OMDS die fertigen Fotos und hofft auf einen Gewinn….

Das nennt man „Greenwashing“. Und zwar von der allerschlechtesten Sorte. Die Suchmaschine Ecosia hat bereits 131 Millionen Bäume gepflanzt. Panasonic hat eine komplett klimaneutrale Batteriefabrik in den Niederlanden aufgebaut. Aber OMDS schreibt mir, der Vergleich mit Panasonic oder Sony wäre nicht zulässig.

Doch. Ist.

Und ja, es ist nicht einfach, in Hamburg Büroräume zu finden, die klimaschonend sind. Aber wenn die Firmen das nicht nachfragen, werden die Anbieter das auch nicht anbieten. Eine Binse. Und wenn wir so weitermachen, wird es in relativ kurzer Zeit in Hamburg gar keine Büroräume mehr geben, weil es dann Hamburg nicht mehr gibt.

9 Replies to “OMDS und Klimaschutz”

  1. Nunja, die Wasserstands-Vorhersagen für 2050 bzgl. Hamburg entsprechen der Flutkatastrophe von 1962. Südlich der Elbe ist dann einiges See. Nördlich der Elbe, dort wo Olympus residiert, könnten Gummistiefel reichen.
    Gibt es das Auslieferungslager in Billbrook eigentlich noch? Da wären dann HOCH-Regale angezeigt.
    Normales Tide-Hoch, übrigens. Nicht Sturmflut. Bei Sturmflut gehts nur per Boot zum Olympus-Hauptquartier…

    Galgenhumor beiseite…
    Kompensation ist schon mal eine gute Idee. Eigentlich das Mindeste, was mensch tun kann und sollte. Immer. Überall.
    Meine Gattin und ich wohnen relativ großzügig (ok, inkl. unserer Büros), aber in einem alten Haus, was dankenswerterweise gerade vom Vermieter saniert wird. Erhalt erhält auch die Umwelt. Unseren Energiebedarf kompensieren wir. Auch bzgl. Mobilität inkl. Reisen. Ja, gerade bei unseren Fernreisen ist die Kompensation ein sehr ordentlicher finanzieller Batzen. Aber, hey, wie scheinheilig wäre es, daheim Ökostrom zu beziehen und Gurken nicht zu kaufen, wenn sie in Plastik eingepackt sind, aber zwischendurch mal für zwei Wochen nach Timbuktu (o.ä.) zu fliegen?! Wenn ich schon meine, Reisen zu „müssen“, dann doch bitteschön wenigstens Bäume dafür pflanzen!

    Übrigens immer bei den Anbietern nachfragen! Egal, was ihr kauft, bucht, ordert, etc.: Bei jeder Kommunikation mit den Anbietern, Händlern, Verkäufern nachfragen, wie es um den Verpackungsmüll, die CO2-Belastung und -Kompensation, etc. steht. Und ggf. auch ein Produkt nicht kaufen oder nicht buchen. Beispiel Gurken. Beispiel Reise. Und nur die Kommunikation mit den Anbieter, dass die verpackte Gurke jetzt liegen bleibt, weil es beim Händler nebenan eine unverpackte Gurke gibt, bringt etwas. Denn DAS ist die Marktanalyse, die kein Marktforschungsunternehmen bieten kann: die Abstimmung mit den Füßen aka Kaufverzicht.

    jm2c, Martin

    1. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist: soweit ich es verstanden habe, halten sich Gurken in der Kunstofffolie besser. Da die Gurkenproduktion stärker belastet als die wenigen Gramm Folie macht es also Sinn, Gurken in Folie zu haben.
      Zum Originalthema: zu wenig Klimaschutz trägt für mich zum Zweifeln an der Zukunftsfähigkeit bei ( Trends erkennen), aber vielleicht kommt ja mehr, die Firma ist ja noch jung.

      1. Man kann simpel Gurken ohne Folie kaufen und innerhalb einer Woche aufessen. Funktioniert. Ausprobiert.
        Asnosten: bezüglich der Zukunftsfähigkeit stimme ich Dir zu. Die Sache ist nämlich simpel: innerhalb weniger Jahre werden alle Firmen – auch Fotografen – ihren Co2-Footprint offenlegen müssen, weil die Auftraggeber das einfordern. Weil wiederum deren Auftraggeber…. Und wenn man da ne Knipse hat, deren Footprint ein Geheimnis ist, dann kriegt man eben den Auftrag nicht. Und wenn im Blödmarkt zehn Kameras nebeneinander liegen und auf jeder klebt ein Okö-Siegel, nur auf der OMDS-Knipse nicht, dann ist die Blei. Aus die Maus. Vom Lieferkettengesetz ganz zu schweigen. Über die Produktionsbedingungen in Vietnam schweigt sich OMDS aus. Jede Anfrage von mir wurde bisher – auch von Olympus – abgebügelt. Ich habe hintenrum ein paar Infos gekriegt, aber nichts Offizielles.

  2. Ich fürchte, wir sind – mit egal, was wir jetzt alles ändern – 30 Jahre zu spät dran. Der Felsbrocken ist nicht nur ins Rutschen gekommen, sondern rast bereits mit hohem Tempo den Berg runter. Die meisten Menschen haben nur noch nicht den Blick auf den Abhang über ihnen gerichtet. Der Klimawandel wird mE nicht nur erst unsere Kinder oder gar Enkel treffen. Ich bin überzeugt, dass fast jeder unter 60 noch die dramatischen Veränderungen am eigenen Umfeld, wenn nicht sogar am eigenen Leib zu spüren bekommen wird. Nachdem ich mich schon seit einiger Zeit mit den unterschiedlichsten Auswirkungen, Folgeerscheinungen, Bereichen und Phänomenen der Klimakatastrophe befasse, gruselt es mich richtig ordentlich. Und das, obwohl ich unverbesserlicher Optimist und Weltmeister im Verdrängen bin.

    1. Zu diesem hochaktuellen Thema empfehle ich ein aktuelles Buch, welches ich gerade erst gelesen habe.
      „Deutschland 2050 – wie der Klimawandel unser Leben verändert“
      Es passt sehr viel von dem haargenau, was dort geschrieben steht und es erzeugt durchaus eine mehr als nur leichte Beklemmung.

      1. Hallo Rudi,
        zur Zeit lese ich genau dieses Buch.
        Ich bin erschrocken und erschüttert über das, was ich dort lese.
        Vieles überrascht mich nicht, aber in der Klarheit ist über den ganzen Klima-Komplex meiner Meinung nach selten bis gar nicht geschrieben worden.

        1. Um einen Überblick über die Historie der Kimaforschung zu bekommen und zu erfahren, wie Lobbying eine wirkungsvolle Klimapolitik schon in den 80er Jahren verhindert hat, kann ich das Buch „Losing Earth“ von Nathaniel Rich empfehlen.
          Ebenso behandelte schon Hoimar von Ditfurth in seinem Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ das Thema. Das Buch ist 1985 erschienen.
          Wirklich nennenswerte neue Erkenntnisse der Klimaphysik sind seitdem nicht hinzugekommen.

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