Horizonte Zingst 2021 abgesagt

“Hoffnung bringt keine Sicherheit”. Unter dieser Überschrift hat Zingst das Horizonte-Festival abgesagt. Leider erst, nachdem die Landesregierung den Lockdown bis 9.5. verlängert hat, Eigentlich ist seit Mitte März für alle professionellen Veranstalter längst klar, dass bis Ende Juli keine Großveranstaltungen stattfinden können. (Rock im Park, Rock am Ring, längst abgesagt). Die Oberstdorfer haben es noch nicht verstanden und trommeln überall noch für ihren Fotogipfel Ende Juni.

Ich habe seit Monaten alle Seminare bis Juli abgesagt und fange erst Anfang Juli mit einem Basisseminar an, für das ich auch noch nur zwei Teilnehmer zugelassen habe – was ich in jedem Fall verantworten kann, da alle anderen, die dann in Rocksdorf sein werden, bereits geimpft sind.

Die “Notbremse” des Bundes würde keinen TÜV-Termin überstehen, das wissen wir alle – oder zumindest sollten wir das wissen. Die Zahlen werden noch mindestens drei Wochen weiter steigen – und jeder Tag den das Geeiere so weiter geht, werden die Zahlen stärker steigen. Exponentialfunktion. Jeder, der zu Zeiten des Lockdowns in Italien war und sich heute in Deutschland umkuckt, wird sich verwundert die Augen reiben und sich fragen, ob da alle, die sich über “Beschränkungen” beschweren, einen an der Waffel haben. Und die Mathematik ist leider gnadenlos – je später wir dicht machen, desto länger müssen wir dicht machen, und je weniger wir dichtmachen, desto weniger können wir öffnen.

Wenn dieser Dummfug so weitergeht – und derzeit sieht es nicht danach aus, als dass irgendwer “ganz da oben” zur Vernunft kommt – wird der Scheitel der Welle Anfang Juni sein. Modellierer sprechen von einer Inzidenz von 2000 auf die wir zumarschieren. Das sind dann 20.000 Tote pro Woche. Nicht gerechnet die, die gar nicht mehr behandelt werden können und zum Sterben nach Hause geschickt werden. Denn jetzt erwischt es nicht mehr “die Alten” sondern jeden. Und während “die Alten” die Intensivbetten nach zwei Wochen frei gemacht haben – so oder so – belegen “die Jungen” so ein Bett auch mal drei Monate. In dieser Situation Großveranstaltungen wie den Fotogipfel zu planen ist völlig absurd.

Insofern: Hut ab vor den Leuten in Zingst: Sie haben es kapiert. Hoffnung bringt keine Sicherheit. Aber im katholischen Allgäu und beim Premiumpartner in Hamburg glaubt man halt noch an Wunder…..

23 Replies to “Horizonte Zingst 2021 abgesagt”

  1. Du hast ja so recht!!!
    Aber “die da oben” hören ja weiter nicht auf die Wissenschaftler – die ja mit ihren Prognosen (bis jetzt) immer richtig lagen.
    Habe ein ganz schlechtes Bauchgefühl……
    Bleibt alle gesund!

  2. Ich würde anregen, nicht alles an einem Inzidenzwert fest zu machen, so wie Reinhard schreibt, denn auch einen Wert von 0 können wir in einer Woche erreichen. Wie? Ganz einfach, wenn keine Tests mehr stattfinden. Daher sagt dieser Wert nämlich gerade nichts bezüglich der Sterblichkeit aus, lieber Reinhard.

    Die Verwirrung um diesen Wert und dessen Berechnung tut meiner Mathematiker-Seele weh. Daher nicht noch mehr Verwirrung fördern, als nötig ist…

    https://vera-lengsfeld.de/2021/04/15/mathematiker-an-bundesregierung-inszidenzwert-ist-wertlos/

    1. Ich würde anregen, dass sich jeder selbst mal an die Nase fasst und mit dem A…. zuhause bleibt, statt sich das Problem schön zu argumentieren lieber Roland.
      MfG Uwe

      1. Ich war vor kurzem eine Woche in Dänemark – habe ich ja hier thematisiert. Ich bin in diesem Rahmen vier mal getestet worden, habe alle Quarantäneregeln befolgt und bin außerhalb der Unterkunft nur mit FFP2 rumgelaufen. Bei meinen Fotoaktionen im Freien musste ich die Maske abnehmen, aber mein “Model” war bereits längst geimpft und saß außerdem im Auto.
        Ansonsten versuche ich seit mittlerweile einem Jahr, meine Kontakte so gering wie möglich zu halten. Als Autor auf dem Land habe ich dazu die Möglichkeit – im Gegensatz zu meiner Frau, die jeden Tag in der Klinik ist und mit allem in Kontakt kommt, was es so an Bakterien und Viren gibt. Aber gerade deshalb habe ich meine Kontakte so stark wie möglich reduziert. Ich weiß, was los ist.
        Du hast einfach recht: wir können nur intelligenter sein als unsere Eliten und unseren eigenen LockDown machen, so dass wir nicht zu denen gehören, die in den nächsten Wochen meine Frau und ihre KollegInnen überlasten werden.

      2. Entschuldigung, aber wo ist der sachliche Gehalt Deiner Nachricht, Uwe?
        Ich bin mit meinem A… so viel zuhause wie es geht und meine drei Kinder habe ich diese Woche auch zuhause damit nicht noch mehr passiert.
        Diese Unterstellungen bitte ich zu unterlassen!

    2. Im Zuge der COVID-19-Pandemie rief Lengsfeld am 28. März 2020 über den Kurznachrichtendienst Twitter dazu auf, eine Petition zur sofortigen Aufhebung aller Gegenmaßnahmen zu unterschreiben, da die Maßnahmen die „bürgerlichen Freiheiten“ einschränken würden und die Pandemie „weit weniger gefährlich als andere Grippewellen“ sei.
      Die Dame ist echt die volle Koryphäe.
      Mitglied der CDU-“Werteunion” – Noch Fragen?

      1. Nein!
        Zur Ergänzung einfach mal die Biografie (besonders für die Zeiten ihrer SED-Mitgliedschaft) zu Gemüte ziehen lassen…
        Noch Fragen?

        1. Was sie in der DDR gemacht hat, kann ich nicht beurteilen. Aber eine Frau, die bei einer Veranstaltung von “EIKE” spricht, hat definitiv nicht mehr alle Akkus im Blitz.

          1. Ist das jetzt schon Cancel Culture? Keine Ahnung, was es mit der Person so auf sich hat, aber rein mathematisch gesehen ist an der Sache ja wohl etwas dran.

            Ich kann mich ganz dunkel daran erinnern, daß ich hier vor etwa einem Jahr, vielleicht auch weniger, Kritik an der Politik geübt habe. Die Kommentare wurden teils wieder gelöscht, teils gar nicht erst veröffentlicht. Nun klingen Deine Artikel noch ganz anders als meine Kommentare damals.

          2. Nein. An der Methematik des Studenten ist eben nichts dran. Weil der Herr es entweder bewusst ignoriert oder einfach nicht weiß. Seine Aussage ” Die Anzahl der durchgeführten Schnelltests wird
            nach wie vor nicht erfasst und geht nirgendwo als Bezugsgröße in die Berechnung ein.” ist einfach eine Lüge. Der wird sehr wohl erfasst und auch berücksichtigt – spielt aber für den Berechnungswert der Inzidenz keine Rolle. Weil der Inzidenzwert sowieso nur ein Pi-Daumen Wert ist und einfach anzeigt, dass jenseits von grob 50 das Virus außer Kontrolle ist. Es gibt Bundesländer, die tatsächlich weniger testen als andere und sich dann mit niedrigerer Inzidenz rühmen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ein Wert von 100 nichts aussagen würde. 100 bedeutet: diffuses Infektionsgeschehen. Cluster sind nicht mehr nachvollziehbar. Um die Sache in den Griff zu kriegen hilft nur, alles zumachen. Diese ganzen “Argumentationen” sind Pseudowissenschaft. Und vor einem Jahr wurden vernünftige, erfolgreiche Maßnahmen getroffen. Man hätte noch früher reagieren können, vor allem bezüglich der Masken, aber immerhin. Was jetzt abläuft ist rational nicht mehr begründbar.

          3. Hm, naja, der offene Brief ist ja nicht von dem Mathestudenten, wenn ich das richtig sehe. Andererseits kann ich nach ein bißchen Nachdenken nun doch nicht nachvollziehen, inwiefern der Inzidenzwert falsch berechnet werden soll. Er ist eben so. Aber was man daraus macht, sollte wohl nicht einfach nur von seinem Wert abhängen. Du sagst:
            »Weil der Inzidenzwert sowieso nur ein Pi-Daumen Wert ist und einfach anzeigt, dass jenseits von grob 50 das Virus außer Kontrolle ist. […] 100 bedeutet: diffuses Infektionsgeschehen. Cluster sind nicht mehr nachvollziehbar.«
            Wäre das auch so, wenn die Dunkelziffer der Infizierten gleich Null wäre? Dann wäre der Inzidenzwert ja ganz exakt und kein ungefährer Wert. Wenn ein Wert von 50 dann immer noch zu hoch wäre, dann müßte ja jetzt (mit der tatsächlichen Dunkelziffer) ein Wert von 20 oder 30 zumindest sehr kritisch sein.

          4. Wenn es keine Schwerkraft gäbe, könnten wir alle fliegen. Es ist völliger Unsinn, sich über Dinge Gedanken zu machen, die es nicht gibt.

          5. Stimmt, ich frage mich auch, warum ich hier immer noch kommentiere, in der Erwartung einmal eine sachliche Antwort zu bekommen. Vielleicht einfach nochmal die Frage lesen und etwas länger drüber nachdenken. Wenn der Wert nur sehr grob ist, wie kann man dann so allgemein behaupten, welche Bedeutung ein Wert von 50 und welche einer von 100 hat? Der relative Fehler der Datenlage ist doch größer als der Faktor Zwei zwischen diesen beiden Werten.

          6. Diese ganze Geschichte ist x-mal von Wissenschaftlern durchgekaut und dargelegt worden. Kann man überall nachlesen und nachhören. Wer jetzt, ein Jahr nach Beginn der Pandemie, versucht, an solchen grundlegenden Dingen rumzudiskutieren, hat ein grundsätzliches Bildungsdefizit. Informier Dich. Ich bin nicht dafür zuständig, Dir da Nachhilfe zu geben. Du kannst ja mal mit dem NDR-Podcast anfangen. Da haste ein paar Wochen zu tun.
            Ansonsten mache ich hier zu.

      2. Tja, ich habe nicht die “gute” Dame zitiert, sondern das Schreiben der Mathematiker. Daher nicht das eine mit dem Anderen vertauschen. Was die Dame tut oder lässt ist ihre Sache.
        Gewiss liegt die Lösung in der Mitte, dazu müssen sich die Menschen aber sachlich unterhalten und Argumente austauschen, aber das tun sie nicht. Daher wird das auch nichts mit “der” Lösung.

        Ich kauf mir jetzt eine Popcorn-Maschine und schau zu, wie das Theaterstück in den 4. und 5. Akt weiter geht. Mal sehen obs ein Drama oder eine Tragödie wird – da bin ich mir noch nicht so im klaren.

    3. Ich habe den verlinkten Artikel gelesen. Frau Lengsfeld ignoriert, dass Corona kein mathematisches, sondern ein gesellschaftliches Problem ist. Charakter einer Stichprobe ist doch, ein Merkmal in einer Grundgesamtheit statistisch korrekt angeben zu können, Normalverteilung vorausgesetzt.
      Den waren Wert gibt es eh nicht, dazu müssten alle 80 Mio Menschen getestet werden.

      Ein Kommunikationsfehler ist meiner Meinung nach, den Inzidenzwert für Otto Normalverbraucher mit Nachkommastellen anzugeben. Das suggeriert eine Präzision, die es nicht gibt. Ein Wissenschaftler kann sowas einordnen. Nicht jeder hat in seinem Leben wissenschaftlich gearbeitet.
      Für Otto Normalverbraucher würde es meiner Meinung nach ausreichen, Werte in Bereichen anzugeben – kleiner 50, größer 100, 100…200 usw. . Und diesen Bereichen anschliessend Handlungen zuzuordnen.

      Weiss jemand, ob die aktuellen Limits der Inzidenzwerte über Vorhersagemodelle mit den maximal verfügbaren Anzahlen Intensivbetten verknüpft sind? Das war meine stille Annahme.

      Was hat Frau Lengsfeld eigentlich als Lösung vorgeschlagen?

      1. Ich halte die ganze Diskussion über den Inzidenzwert und seine Exaktheit für aufgesetzt. Dieser Wert ist der Beste den wir haben. Gibt man grobe Werte an, blubbert irgendwer daher, er will es genauer wissen. Und der Wert ist tatsächlich exakt. Es wurden X Personen in y Stunden positiv getestet, in einer Gegend, die Z Einwohner hat. Das ist sehr exakt auszurechnen, auch auf beliebig viele Kommastellen genau. Sobald man sagt “Das ist aber sicher nicht genau, weil…” begibt man sich auf das Feld der Spekulation. Es gibt keine verlässliche Dunkelziffer. Und selbst wenn man alle Bürger jeden Tag testen würde, hätte man noch ne Dunkelziffer. Dunkelziffern sind unbekannt, das ist der Trick dran.
        Eine Verknüpfung von Inzidenzwerten mit maximal verfügbaren Intensivbetten gibt es nicht und kann es nicht geben. Es gibt lediglich eine grobe Kalkulation: wenn 30.000 Infiziert sind, dann werden etwa 600 beatmungspflichtig werden und davon werden 50% sterben. Da wir aber nicht alle infizierten finden, ist die Erfahrung, dass bei 30.000 Infizierten sechs Wochen später 1000 sterben.
        Im ganzen ist die Diskussion um solche Zahlen brutal menschenverachtend.

        1. Hi Reinhard,
          hab grad versucht, Dich telefonisch zu erreichen. Leider hats nicht geklappt. Versuch Du mich evtl. mal anzurufen.

          Bei Deiner Argumentation ist ein großer Denkfehler drin. Durch die falsche Annahme klingt der Rest plausibel. Das ist der Fehler bei der Implikation. Aus einer falschen Annahme kann man alles schließen. Das würde hier aber zuweit gehen, daher lass uns kurz telefonieren, wenn Du magst.

          LG Roland

    4. Die Inzidenz wird unten ausführlich diskutiert. Was aber dabei untergeht, ist ein weiterer fundamentaler Irrtum in den Ausführungen von Vera Lengsfeld:
      “Im Freien gibt es kaum ein Ansteckungsrisiko, vor allem in den Sommermonaten, wenn das Virus
      durch die UV-Strahlung dezimiert wird!”
      Das ist leider eine Hypothese, die derzeit von Wirtschaftsverbänden, diversen politischen Parteien und Coronakritikern apodiktisch wie eine Monstranz durch die Lande getragen wird. Entscheidend ist immer – drinnen wie draußen – die interpersonale Distanz in einer Personengruppe und die kann unter Umständen outdoor deutlich geringer sein (z.B. Stehtische im Außenbereich von Bars) als Einzeltische in einem Restaurant. Abhängig von Konvektion und Thermik kann die Exposition gegenüber den Aerosolen eines Infizierten draußen fataler sein als im Innenbereich; jeder kennt die Ausbreitung von Zigarettenqualm oder die weiße Atemwolke des Gegenübers im Winter bei entsprechendem Luftzug.
      Am 19. Februar 2020 fand das Champions League Spiel Atalanta Bergamo gegen Valencia in einem rappelvollen Freiluft-Fußballstadion statt (Zuschauer 36.000). Danach war 1 von 5 Zuschauern mit Corona infiziert, dieser Event gilt bis heute als einer der großen Booster der bekannten Katastrophe in dieser norditalienischen Provinz. Vom gesamten Staff von Valencia kehrten 35% infiziert nach Spanien zurück, sie waren a priori damals nicht aus einer Hotspotregion eingeflogen.
      Noch unsinniger ist der Verweis auf die desinfizierende Wirkung von UV-Licht (Brasilien, Indien, Iran ohne Sonne ?). Die Wirksamkeit dieser Strahlung ist dokumentiert für kontaminierte Oberflächen, dort startet eine Effizienz nach zweistelliger Minutenexposition; für Aerosole, die im Sekundenbereich übertragen werden, ist dieser Effekt inexistent.
      Das Gesamtrisiko einer Ansteckung ist in Innenräumen sicher größer, im Außenbereich aber absolut real; die übliche Suche nach plakativen Ausflüchten und simplen Lösungen ein Katalysator der Pandemie.

  3. Nun habe ich erfahren, wo der ganze Quatsch herkommt. Offensichtlich hat sich jemand wieder mal nen Spaß draus gemacht, und einen Facebook-Fake verbreitet – und die Leute fallen reihenweise drauf rein. Hier: https://correctiv.org/faktencheck/2021/03/03/nein-die-fehlerquote-von-corona-tests-laesst-die-inzidenz-nicht-auf-ueber-50-steigen/ wird der Blödsinn aufgedröselt.
    Es ist unfassbar. Sorry, da ich solchen gemeingefährlichen (!) Dummfug wie diese Fakes längst aus meinem Leben verbannt habe, habe ich vielleicht inadäquat reagiert. Ich werde nicht mehr über dieses Stöckchen hüpfen und jeder, der wieder ansatzweise solchen Unsinn verbreitet kriegt sofort ne Sperre. Geht offensichtlich nicht anders.

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