Ich nehme an, jeder hat das Video von Robin Wong gesehen, in dem er sich JIP als Promotor empfiehlt. Und auch erklärt, dass er derzeit kein anderes System anschaffen will, weil er das Geld nicht hat. (Das ist ein überzeugendes Argument. Muss ich sagen. ) Und gleich seinen Paypal-Account zur gefälligen Benutzung empfiehlt. Man weiß ja, dass er auch Sony mal toll fand….

Mal abgesehen davon, dass das Zeitalter der “Visionaries” mittlerweile IMHO abgelaufen ist, weil zu viele prominente “Markenbotschafter” die Marke gewechselt haben und viele Visionaries nur bei einer bestimmten Marke sind, weil sie keine andere Marke finden, die mehr zahlt.

Wichtig an seinem Video war, dass Olympus sich aus Malaysia zurückgezogen und das dortige Geschäft einem Distributor übergeben hat. Das wird nicht nur in Malaysia so sein, sondern auch in den meisten anderen Staaten. Ganz Afrika und Südamerika etwa. Ich hatte da schon länger Infos dazu, aber eben nicht, wie JIP das bewerkstelligen will. Malaysia liefert jetzt die Blaupause dazu. Die Olympus-Büros werden zugemacht, das ganze Geschäft übernehmen lokale Distributoren.

Das klingt auf den ersten Blick ganz prima. Aber ich habe ein Jahrzehnt mit Tech-Distributoren zu tun gehabt, und Distributoren sind Wirtschaftsunternehmen. Die können feststellen, dass der Vorlieferant “nicht passt” oder ein größerer Kunde droht, seinen Vertrag nicht zu erneuern wenn das Konkurrenzprodukt nicht rausfliegt oder der Distributor macht schlicht pleite. Hatte ich alles und das war jedesmal ein ziemliches Generve, weil ich dann wiederum meinem Kunden erklären musste, warum er von diesem speziellen Monitor keinen mehr bekommt, obwohl seine kundenspezifische Lösung genau diesen Monitor benötigt. (Von den höchst unterschiedlichen Methoden, wie Distributoren den Einzelhandel unterstützen oder nicht mal ganz zu schweigen.)

Wir haben in DACH allerdings den großen Vorteil, dass uns “Olympus” erhalten bleibt. Die Strukturen werden sich ändern – sie sind schon dabei – und JIP wird ein Team zusammenbauen, das das Produkt kennt und davon überzeugt ist. Und sie werden die Produkte auf ein anderes Level heben.

Ich habe ja schon mal geschrieben, dass Olympus zur E-M1X ganz andere Produkte in der Pipeline hatte, als dann im Endeffekt auf den Markt kamen. Die entsprechenden Prototypen wurden wieder eingemottet. Sprich: bei Research & Development bei Olympus liegt Zeug rum, nach dem sich Fotografen alle zehn Finger lecken würden. Wenn sie nur dran dürften. (Sagt ja auch Robin Wong, wer mal gesehen hat, was in der R&D passiert, kriegt einen anderen Blick auf Olympus.)

Ich habe damals erfahren, dass wir dann allerdings über andere Preise reden würden. Ich habe meinen Kontakten gesagt, dass das piepegal ist – ob ich 3000 Euro für eine X ausgebe oder 4000 für eine Kamera mit richtig geilen Features – so what? Das Geld tut einmal weh, dann nicht mehr. Die X habe ich nie gekauft – schlicht weil die zusätzlichen Möglichkeiten mir keinen zusätzlichen Umsatz gebracht hätten. Eine Hilti kauft man nicht, weil das “Cool” ist, sondern weil die was wegschafft. Und zwar, ohne dass man hinterher den Bauarbeiter auf Kur schicken muss.

JIP (aka OMDS) wird Werkzeug liefern. Gerääääte. Nicht billig. Mancher wird demonstrativ in Ohnmacht fallen und von “würde ich mir kaufen, wenn halb so teuer” blubbern. Jo. Beim Aldi gibt’s auch Schlagbohrmaschinen. Die machen auch Löcher.

Bei den Händlern laufen die Stories rum, dass die PEN-Linie eingestellt wird. Vor zwei Wochen noch hat Hr. Häussler von Olympus DACH noch erklärt, die kleinen PENs würden fortgeführt.

Meine Informationen lauten, es wird eine “kleine” PEN geben, mit dem 20MP-Sensor der E-M10IV. Aber das könnte die Letzte sein.

Aber – und das ist ganz wichtig – alles ist im Fluß – und es kann sich übermorgen jemand wieder anders entscheiden und es kommt anders.

Mein Rat ist trotzdem: es kommen endkrasse Geräte zu angehobenen Preisen. Haltet euer Geld zusammen.

Wer übrigens darauf spekuliert, dass das 150-400 mit der Zeit billiger werden wird – nein. Im nächsten Jahr nicht. Das, was da derzeit per Hand in Nagano zusammengeschraubt wird, wird grotesk unter Preis verkauft. Bis die Fertigung ernsthaft in Richtung Stückzahlen gebracht werden kann, wird es April oder Mai werden. Bis dahin werden extrem hoch bezahlte Linsenmeister in Japan die Objektive in Handarbeit fertigen und die wenigen, die eine der Juwelen ergattern können, können sich “von” schreiben.

Und das 150-400 wird nicht das einzige weiße Objektiv von Olympus bleiben.

9 Replies to “Olympus schrumpft”

  1. Deine Worte in Zuikos Ohr! Ich habe die E-M1X auch weggelassen. Gegenüber der E-M1.2 war sie mir nicht besser genug. Das 150-400 könnte mich reizen. Aber ich habe ja schon das 4/300, also langsam.

    Wenn Olympus(OMDS) weiter macht mit tragbar/frei Hand für Leute wie mich, die draußen herumstrolchen, dann bleiben wir Freunde. Weniger neues Zeugs, aber wirklich neues Zeugs. So wie zu OM-Zeiten. Wenn nicht, auch kein Beinbruch.

    Es gibt Wichtigeres. Naturschutz, Klimaschutz, …

  2. So schlecht finde ich die E-M1X nicht.
    Die hat immerhin meine E-M1 Mark II auf die Ersatzbank geschickt.
    Ich freue mich schon auf den ‘Bird detection AF’.

    lg
    Wolfgang

  3. Ich habe die E-M1 X schon nach der Markteinführung gekauft und ist für mich gegenüber Mark II in Sachen AF ein Mehrwert. Das 150-400 habe ich vorbestellt. Für mich in Sachen Sport und Natur eine ideale Kombination.

    VG Pit

  4. Ich fände es schade, wenn Olympus mich als Ottonormalkäufer nicht mehr bedienen wollte, aber wenn es denn so sein sollte, kann ich auch damit leben. Fotografie ist nicht mein Leben, sondern nur eins von vielen meiner Interessengebiete. Und dafür werde ich sicher immer bezahlbares Gerät finden. Auch wenn ich mich dann mehr auf meine begrenzten Fähigkeiten als auf geile Technik verlassen müsste.

    1. Das mit den Fähigkeiten – das ist immer eine gute Idee…. 😉
      Ansonsten: definiere Ottonormalkäufer. Ernsthaft. Wenn Du ein Musterbeispiel für den Normalkäufer bist, dann wären einige Marketingstrategen ziemlich scharf drauf, Dich kennenzulernen. Im Augenblick haben wir das Problem, dass die Kameras immer mehr Funktionen haben müssen, aber nicht teuerer werden dürfen. Das geht ne gewisse Zeit lang gut und alle denken, das geht so weiter. Tut es aber nicht. Weil langsam die Grenzen der Physik erreicht sind. Und der Aufwand, diese Grenzen nochmal ein bisschen rauszuschubsen, irrsinnig ansteigt. Du kannst ein A4-Papier zwei mal falten und denkst, easy, ist ja locker. Bei viermal wird’s schon härter, beim sechsten Knick geht Dir auf, dass schon der siebte ein Problem wird….
      Es wird neue Kameras mit völlig neuen Möglichkeiten geben. Die wird nicht jeder brauchen. So what? Schon die jetzt auf dem Markt befindlichen Kameras werden von den wenigsten Fotografen ausgenützt. Und die, die seit Jahren dringend auf die Features warten, die werden die dafür nötigen Euronen auf den Tisch legen – mehr oder weniger zähneknirschend.
      Generell, und das sehe ich jedesmal in meinen Seminaren: die meisten und preiswertesten Optimierungsmöglichkeiten liegen hinter dem Sucher.
      Und das waren jetzt 2 Euro ins Phrasenschwein.

      1. Den “Ottonormalkäufer” zu definieren dürfte aussichtslos sein. Man kann aber, wenn man sich nur mal auf das Pro-Sortiment beschränkt, durchaus erkennen, dass bei vielen Kunden der Grundbedarf vom Angebot her gedeckt ist.
        Die drei 2.8er Zooms stellen einen großen Teil der solventen Käufer zufrieden. Pack noch die drei 1.2er dazu und man ist schon luxuriös ausgestattet. Was lange gefehlt hat, zumindest aus meiner Sicht, war das 12-45mm F4.0. Habe ich mir zu den 6 zuvor genannten Objektiven kürzlich noch gekauft, weil damit die PEN-F so richtig Spaß macht. Objektive brauche ich persönlich nicht mehr. Makros oder lange Brennweiten sind was für Spezialisten, ich freue mich wenn mein Hersteller das im Sortiment hat und mir Leute in Foren tolle Aufnahmen damit zeigen. Aber ich denke hier kann man eben mit dem Ottonormalverbraucher kommen, der ein 150-400 nicht erwirbt und sich vermutlich zu den drei 2.8er Pros nicht auch noch das 100-400 in die Tasche steckt. Klar kann man seine Tasche immer der Situation entsprechend bestücken, aber die meisten Leute werden es kennen, dass es da Objektive gibt, die nur sehr selten den Weg in die Tasche finden.
        Ich denke auch, dass ich mit zwei E-M1X, und da geht es nicht mal um die Firmware, ebenfalls irgendwie angekommen – wunschlos glücklich bin. An den klassischen 1ern gab es für mich noch immer was zu mäkeln, hier hat mir Olympus das für mich optimale Gehäuse hingestellt. Ein Gehäuse das mich auch davon befreit zu warten was da noch kommt.
        Ich bin froh, gerade jetzt zu diesem Zeitpunkt, meine ideale Ausrüstung zusammen zu haben und das wäre sicher auch nicht ohne die Rabattschlachten so gekommen. Olympus (bzw. der Nachfolger) wird sicher auch in Zukunft Produkte herstellen, die mich aus rein technischer Sicht faszinieren. Die Frage ist eher womit sie mir Geld aus der Tasche ziehen können. Ja, ich würde mich als Ottonormalkäufer sehen – vielleicht mit einer Ausrüstung, die für einen Hobbyisten schon am oberen Ende der Skala liegt.
        Unabhängig vom Preis kommen mir aber nur noch Objektive ins Haus, die ich auch tatsächlich verwende und da wird es dann verdammt schwer noch was zu finden. Man hört in Foren oft Rufe nach einem lichtstarken “Standardzoom”. Vielleicht würde ich da noch bis 3000 Euro zugreifen. Was die Firmware betrifft hätte ich gerne den Schwarzweiss-Modus der PEN-F in den OM-D Gehäusen. Ich bin nicht der Technik-Nerd, ich kann keinen Nutzen aus einem neuen Sensor ziehen, habe keine Vorstellung davon was mir ein Global-Shutter tatsächlich bringen würde. Olympus bringt noch Video ins Spiel. Auch hier bin ich bei der E-M1X (vermutlich auch bei der E-M1 III) wunschlos glücklich.
        Ich kann es nachvollziehen, wenn Leute sagen, dass Olympus sie als Kunden verliert. Die Aussage ist ja nicht abwertend gemeint, man hat halt die Ausrüstung zusammen, die man auch noch vernünftig nutzen kann. Da stehen dann eher Serviceangebote für Wartung und Reparatur im Fokus. Ich denke der Weg den JIP einschlagen will ist nur konsequent. Wenn Reinhard von geilen Produkten schreibt, die in den Schubladen der Entwickler liegen, dann geschieht dies sicher aus einer anderen Perspektive. Das 150-400 ist ein interessantes Teil, aber es bringt Leute wie mich nicht mehr in den Fotohandel, da würde ja auch durch das Begrabbeln bei der Promotion kein Habenwollen-Effekt eintreten. Das ist ein Objektiv für das ich schlicht keine Verwendung hätte, weil man damit gezielt irgendwo hingeht und nicht durch die Gegend läuft. Wer solch ein Objektiv kauft braucht auch keinen Influencer, der weiß hoffentlich wofür er sein Geld investiert.

        1. Hallo Frank,
          ich denke, mit deiner Ausrüstung bist Du schon deutlich nicht mehr der “Ottonormalkäufer” sondern schon deutlich in Richtung A-Kunde / Lieblingskunde.
          Genauso wenig denke ich, dass der “Ottonormalkäufer” auf den sich JIP auch fokussieren sollte derjenige ist, der sich eine PEN oder E-M10 mit dem 14-42 kauft und dann nichts mehr.
          Aber aus meiner Erfahrung gibt es aber eine ganze Menge Fotografen, die mit der E-M10/E-M5 (egal welcher Evolutionsstufe) zufrieden sind, als einziges Pro-Objektiv vielleicht da 12-40 2.8 haben und ansonsten ziemlich viel mit den 1.8er Festbrennweiten 17/25/45/75 arbeiten.
          Das ist aus meiner Sicht der Kunde den JIP nicht aus dem Auge verlieren darf.

          1. Also ich persönlich bin da irgendwo in der Mitte – ich habe eine E-M5, eine E-M5 II *und* eine PEN-F und (inzwischen) einen relativ großen Zoo von Objektiven, wobei mein einziges “Pro” bisher das 12-100 ist (OK, ich habe auch das 100-400). Als Hobbyfotograf mit gutem, aber nicht exorbitantem Budget habe ich mich bei Olympus vom Preis-Leistungs-Verhältnis bisher recht gut aufgehoben gefühlt. Wenn es ab jetzt nur noch Premium-Hardware für Tierfotografen geben soll, dann müsste ich erst mal schlucken; ich würde in ein paar Jahren bestimmt nochmal ein (dann) neues Kameragehäuse kaufen, aber wenn die Angebote von OMDS preislich eher in Richtung Einführungspreis der E-M1X gehen, ist das für mich möglicherweise jenseits der Schmerzgrenze.

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