Metz – Richtig Pleite

Ich habe mich zwischenzeitlich etwas umgehört und Geschäftsberichte gewälzt.

Wenn nicht ein Wunder passiert, wird Metz genauso verschwinden wie Multiblitz. Das Wunder würde bedeuten, dass hundert Leute freiwillig auf ihre Ansprüche verzichten und irgendjemand ein paar Millionen in ein Business steckt, das außer einem Namen eigentlich nichts hat – außer einem Lager mit Ersatzteilen für alte und uralte Blitze.

Wer mal in Zirndorf war und das Metz-Gelände kennt, das ist riesig. Vom einen Ende zum Anderen sind es fast 400 Meter Luftlinie. Das sind Hallen ohne Ende. Fortbewegung per Fahrrad oder Auto. So ne Firma kann doch nicht pleite machen? Doch. Wenn sich ein “Investor” das Gelände unter den Nagel reißt und an die Firma verpachtet. Metz hat keine “Assets” wie das so schön heißt. Keine Vermögenswerte. Der tolle Roller, den Metz entwickelt hat, ist vor allem auf dem “eigenen” Firmengelände praktisch.

Aus irgendwelchen seltsamen Gründen hat der junge Geschäftsführer, der aus dem Betrieb des Investors stammt, in den letzten Jahren vor allem auf Dinge gesetzt, die man aus China für die Hälfte kriegt. Einen Elektroroller. Eine Studioblitzanlage. Beide Artikel sind seit Jahren preislich im freien Fall. Warum? Weil sie nicht wirklich jemand braucht. Studioequipment setzt für eine Nutzung ein Studio voraus. Die sind Mangelware. Und die ganzen Hobbyisten, die ihr Wohnzimmer und ihre Keller aufgerüstet haben, fluten den Gebrauchtmarkt mit dem Kram.

Der Effekt ist, dass Metz kein wirklich konkurrenzfähiges Produkt anzubieten hat. Sie haben nicht mal eines in der Entwicklung. Die letzte Entwicklung war der 400er Metz. Das war vor 4 Jahren. Zwischendrin hatte Metz noch eine Insolvenz – die nur kaum aufgefallen ist. (Die aktuelle ist nicht die zweite, sondern die Dritte.)

Metz schreibt seit Jahren hohe Verluste. Und die Jahresberichte sind die Wucht in Tüten. Ich empfehle den Letzten, für 2018 mit dem Zusatz vom April 2020 – Corona. Der tollste Satz ist dieser: “Aufgrund der aktuellen Coronavirus-Krise geht die Geschäftsführung jedoch für 2020 von einem Umsatz auf Vorjahresniveau und bedingt durch weitere Einsparungsmaßnahmen von einer deutlichen Verbesserung der Vorsteuerergebnisse aus.” Das war am 15.April 2020. Mitten im LockDown. Nachdem die Umsätze seit 2016 jedes Jahr gesunken waren. Und man schon als Erfolg gefeiert hat, wenn der Verlust nur 3% des Umsatzes betragen hatte.

Also wenn jemand gerade im Lotto gewonnen und ein paar Millionen übrig hat, um eine völlig runtergewirtschaftete Marke von Null wieder aufzubauen – bitte beim Insolvenzverwalter melden. Und es gibt da ein paar Leute, die man zusammentrommeln muss, “um die Band wieder zusammenzubringen”.

6 Replies to “Metz – Richtig Pleite”

  1. Hallo Rolf,
    am 14.11.2014 meldete Metz das erste mal Insolvenz an. Ende März 2015 kündigte das Unternehmen an, zwei Investoren gefunden zu haben. Damit wurde das Unternehmen aufgeteilt. Die Fernsehgerätesparte übernahm der chinesische Elektronikkonzern Skyworth (ist in China führender Fernseherhersteller und verfolgt seit Jahren einen internationalen Wachstumskurs; vor allem durch Zukäufe). Soviel dazu.
    Die beiden anderen Abteilung der Metz-Werke (Blitzgeräte und Kunststofftechnik) erwarb die Daum-Gruppe. Was dort passierte, darüber hat Reinard ausführlich geschrieben. Ich habe den Eindrucks, dass die Metz-Werke seither bewust “gegen die Wand” gefahren wurden. Traurig, traurig.
    Sonntägliche Grüße
    Detlef

  2. Sollte man sich dann noch schnell mit einem Metz Blitz, z. B. dem M400 eindecken?
    Oder lieber lassen, weil es dann ja auch keinen Service geben wird, der einem im Fall der Fälle nach, vielleicht einem Jahr, das Gerät repariert

    Meine Multiblitzköpfe funktionieren immer noch einwandfrei und die habe ich schon seit ca. 35 Jahren

  3. Scheint wieder einmal ein Beleg dafür zu sein, dass Geld und Hirn nicht zwangsweise gemeinsam vorkommen müssen. Oder es hat jemand vorsätzlich eine Firma in den Graben gefahren weil eigentlich nur irgendwelche Rechte, Patente etc. im Fokus waren und die Firma an sich eigentlich nur ein lästiges Anhängsel war das man wie eine heisse Kartoffel besser schnell los wird. Wäre nicht das erste Mal gewesen …

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