Da haben wir uns gedacht, der Megapixel-Race wäre endlich rum. Irrtum. In Zeiten in denen den Marketingleuten nichts mehr einfällt, setzen Sie wieder auf einfach zu kommunizierende PS-Zahlen. Dass Sony einen 41MP-Sensor für FourThirds entwickelt -das ist ja schon letztes Jahr durch die Foren gegeistert. Die Type heißt IMX594CQR und liefert 120fps. Da man den Sensor aber nicht in der offiziellen Preisliste findet, ist die Nummer recht schnell wieder in Vergessenheit geraten. Der Grund für diese Geheimniskrämerei ist simpel: Der Sensor wurde für einen Kunden im Auftrag entwickelt – und auch bezahlt. Nur wollte dann der Kunde den Sensor zum Schluss nicht haben. Der hat jetzt einen anderen Sensor gekauft, den IMX492LQJ mit 47MP und maximal 30fps.

Beide Sensoren sind eigentlich reine Videosensoren, die 8K-fähig sind.

Nun verhandelt eben ein mFT-Hersteller mit dem Auftraggeber der Enwicklung um die Verwendung dieses 41MP-Sensors mit 120fps (Olympus hat da übrigens keine Aktien drin…) um den in eine Kamera einzubauen, die eigentlich schon seit eineinhalb Jahren fertig, aber mittlerweile eben veraltet ist.

Kleines Problem: Dieser 41MP-Sensor ist vom ursprünglichen Auftraggeber nicht etwa abgelehnt worden, weil er zu schnell war – sondern weil er zu sehr gerauscht hat. Rauschen ist aber bei Video mit ausreichend Rechenpower prima in den Griff zu kriegen, da man ja einen Stream hat. Man vergleicht drei aufeinanderfolgende Bilder und wenn beim mittleren Bild ein Pixel eine andere Farbe hat, als bei den anderen beiden, dann riecht das nach Rauschen. Also baut man einen extra Entrauschchip in die Kamera ein, der das Video entrauscht.

Bei Foto ist das etwas schwieriger – da gibt’s die klassische Version, die Kontrastkanten zu überschärfen und die Farbverläufe zu egalisieren. Das ist absolut nichts Neues. Canon macht das seit locker einem Jahrzehnt und bei den Handys ist das längst Standard. Das Ergebnis liefert scharfe Haare und weichere Haut. oder auch perfekte Ziegelsteinmauern und vermatschte Wiesen. Und weniger Rauschen, weil man bei Kontrastkanten kein Rauschen sieht und die feinen Farbverläufe, in denen das Rauschen steckt, ausgeglichen werden.

Das funktioniert so weit prima, bis eben das Rauschen die Detailauflösung zerlegt und vor lauter bunten Pixeln gar keine Farbverläufe mehr zu erkennen sind. In dem Augenblick bricht das Bild buchstäblich zusammen und ist nur noch als einzige Matsche zu erkennen. Beim 41MP-Sensor tritt das ab ISO 6400 auf. Nun denkt man – ISO 6400, das ist doch ganz flott – nur ist halt da das Bild nicht einwandfrei, sondern Handyqualität. Man kann das Motiv noch erkennen, aber feine Strukturen gibt es nicht. Womit natürlich die ganze Geschichte mit den 41MP bei Fotos fragwürdig wird.

Warum also 41MP auf FourThirds? Mal abgesehen davon, dass 40MP-Fotos kaum wer braucht und schon 4K-Video für die allermeisten Hobbyvideografen Overkill ist – von 6 oder 8K ganz zu schweigen. (Wo ist denn der geile 4K-Content, der mit all den Millionen 4K-Videokameras gedreht wurde?)

Die Antwort ist simpel. Der Hersteller hat seit Jahren Probleme, die Fotografen anzusprechen, seine Spiegellosen werden hauptsächlich als Videokameras betrachtet. Videos mit Systemkameras ist aber immer noch kein Markt. Und wenn da nicht bald ernsthaft was unternommen wird, wird das auch so bleiben. Vlogger machen ihren Content mit dem Handy oder einer klassischen Videokamera. Der Hersteller versucht durchaus, über Influencer sein Equipment an den Mann zu bringen. (Hier mal bewusst keine geschlechtsneutrale Formulierung.) Aber das Problem ist eben immer noch: Filme drehen ist Teamarbeit. Und um einen Fotografen dazu zu bringen, Filme zu drehen, muss man ihm nicht nur das KnowHow dafür vermitteln, sondern vor allem das Team dazu. Das ist aber ein Konzept, das eine völlig neue Denke im Marketing erfordert. Denn das Öffnen eines Marktes kostet Geld und Grips – das sollen bitte die anderen machen.

Es gab mal ein ziemlich cooles Videoportal, das hieß Sevenload, und das hat regelmäßig Videowettbewerbe veranstaltet, bei denen es nicht irgendwelche dummen Sachpreise gab, sondern Cash. Bar Kralle. Dort hat sich innerhalb relativ kurzer Zeit eine Community gebildet, die anfing, kreativ zu werden. Kaum war die Nummer auf einem guten Weg, ist passiert, was da halt so passiert – man hat damit aufgehört. Die beiden Gründer Evsan und Bachem sind 2009 raus und 2010 hat Burda übernommen. Damit ging’s bergab und 2014 war dann Schicht im Schacht.

Zurück zum 41MP-Sensor. Da SoftSkills krass underrated werden und man 41MP und 120fps in der Werbung groß herausstellen kann und sowieso jeder “weiß” dass FT fürchterlich rauscht und die Community auf sowas trainiert ist (“Also ich hör da nix rauschen….”) werden wir also demnächst – Anfang nächsten Jahres – eine neue Kamera bekommen, die 8K Video macht. Mit bis zu 120fps. Und ja, natürlich wird die Qualität von den Influencern erstmal in den Himmel gelobt und dann von anderen Bloggern in der Luft zerrissen werden. Aber es ist eine neue Kamera. Und in der augenblicklichen Situation ist es wichtig, zumindest ein Lebenszeichen zu senden.

Klar, die Bildqualität wird nicht der Brüller sein, aber bei ISO 200 akzeptabel und eben – 41MP! Es gibt auch genug, die auf den HighResShot der Olys abfahren, obwohl ich kaum jemand kenne, der die Ergebnisse tatsächlich verwendet.

Im Endeffekt ist die Frage “41MP auf 4/3” eine Sache des Marketing. Der Hersteller braucht die hohe Auflösung nicht etwa, weil die Kunden das Feature brauchen, sondern weil sie einen kurzen “Claim” brauchen, den jeder kapiert. “Wir haben den Längeren, Größeren, Schöneren, Stärkeren.” “Kauf, dann hast Du mehr als Dein Nachbar.” Die alte Geschichte: Wir kaufen mit Geld, das wir nicht haben, Produkte, die wir nicht brauchen um Leute zu beeindrucken, die wir nicht ausstehen können.

Die Fotos? Das ist Samantha Fish im November 2013 im Hirsch in Nürnberg, zusammen mit Royal Southern Brotherhood. Mit der E-M1 und FT-Equipment. Kuckst Du.

19 Replies to “41MP auf mFT”

  1. Ich zuckel schon seid 3 Jahren herum eine neue Kamera zu kaufen. Meine EM 1 Mark 1 verrichtet ihren Dienst ja immernoch …

    16 Mio Auflösung reichen auch schon überall hin …

    Jetzt wo es praktisch zum 1.2 er Objektiv und als Zugabe die M2 obendrauf gibt, kann man ja nochmals drüber nachdenken…

  2. Mit anderen Worten dürfen wir also zur CP+ 2021 die Panasonic Lumix DC GH6 mit 41 MPix und 8K erwarten. Mal sehen, was der Spaß kosten wird.
    Ansonsten lasse ich mich lieber von JIP/Olympus überraschen.

    MfG

    1. Ich hätte da eher auf Black Magic oder Sharp getippt….das wären Video-Kameras, da kommt es auf die Fotoqualität nicht so an. Und Sharp hat ja 8K angekündigt.
      Und für Foto hätte ich einen TIpp, den die TG-Serie bei höheren ISO auch macht: Pixel zusammenfassen. Also einen “Low Res” Modus ab ISO 1600. Nur noch 20 statt 40 Megapixel.

  3. Ob 8k eine so gute Idee ist fragt man sich ja auch im Vollformat: die Canon R5 scheint eine sehr gute Fotokamera zu sein, aber das Marketing hat ein halbes Jahr vor Erscheinen schon damit angefangen den 8k Hype aufzubauen. Jetzt wird das Teil dummerweise bei Video sehr schnell sehr warm… Hätte man die Fähigkeiten der Fotokamera beworben und das Video als Zuckerl nebenbei mitgegeben, wäre die Reaktion sicher anders ausgefallen.

    Zum Thema HighRes bei Oly: Ich benutze den HR Modus meiner 1M2 vor allem bei Nachtaufnahmen, da bin ich sowieso mit Stativ unterwegs. Die Auflösung ist nett, mir geht es aber vor allem um die deutlich bessere Dynamik! Ich brauche keine HDRs mehr zu machen, das RAW hat genug Spielraum um in der Nachbearbeitung aus Lichtern und Schatten deutlich mehr rauszuholen. Ich finde die Ergebnisse deutlich besser als mit „normalen“ Aufnahmen. Ist vielleicht eine Nische, aber ich bin froh, dass es den Modus in meiner 1M2 gibt…

  4. Das mit den mehr und mehr Megapixeln nervt.
    Können die Objektive überhaupt so hoch auflösen?
    Wer will denn mehr Rauschen statt weniger?

    Wir brauchen einen besseren, rauschärmeren, schnelleren 20-MP-Sensor.
    Einen im Kreuz- oder Quadratformat, damit man ohne die Kamera zu drehen auch Hochkant-Fotos machen kann.

    1. Die quadratischen Sensoren geistern immer wieder durch die Diskussionen. Nur leider sind die Optiken auf 4/3 konstruiert und nicht auf 1/1. Das fängt bei den Streulichtblenden an und hört nicht damit auf, dass zum Beispiel das 35-100 hinter der Hinterlinse eine oval/eckige Maske hat.

  5. Hm, mein Eindruck war immer, dass die Linsen in den Objektiven rund sind. Vielleicht ist das mal wieder naiv und die Linsen haben irgendwo Elliptoid-Eigenschaften?

    Und die meisten Streulichtblenden erscheinen mir auch rund.
    .
    Und ein altes Objektiv mit einer nicht-runden Austrittsmaske… bei dem könnte man die Kamera immer noch drehen.

    1. “Die meisten Streulichtblenden”. Jepp. Die meisten. Außer die, die eben nicht rund sind. Es ist halt ein bisschen doof, wenn man ne Kamera mit nem neuen Feature baut, das mit dem Standardzoom 12-40 nicht zu verwenden ist.

      1. Sei mir nicht böse, aber der Pfennigartikel „Streulichtblende“ erscheint mir ein echt dünner Grund gegen einen 1:1- oder kreuzförmigen Sensor, der die Notwendigkeit für Hochkant-Griffe und das Doppeln der Bedienelemente bzw. das Drehen der Kamera beenden würde.

        1. “Kreuzförmiger Sensor” – das ist eher nicht so ganz einfach umzusetzen. Es gab auch schon Leute, die einen runden Sensor gefordert haben, was ähnlich schräg ist. Ein quadratischer Überformatsensor wäre eher möglich, da werden halt die RAWs gigantisch, der Stabi verliert Leistungsfähigkeit, der Sensor wird deutlich teuerer, die Puffer müssen doppelt so groß werden, der Sensor wird langsamer, der Rolling Shutter wird doppelt so stark, der Stromverbrauch wächst auf das Doppelte, das Gehäuse muss größer werden um die Hitze abzuführen. Und das alles nur, damit man nicht mehr umgreifen muss – das ist schwierig zu verkaufen, weil das Fotografieren ja nicht schneller wird – man muss ja trotzdem irgendwie einen Knopf drücken um das Format umzustellen.

          1. Naja, es wäre kein Faktor 2, sondern ein Faktor 1,333 (4/3 halt). Sollte händelbar sein. Bei den Pixelzahlen ist das ungefähr derselbe relative Unterschied wie der zwischen dem 16-MP- und dem 20-MP-Sensor, und da hat kein Hahn nach gekräht. Außerdem sagt ja niemand, dass die RAW-Dateien die komplette Sensorfläche abdecken müssen; man könnte nach wie vor RAW-Dateien im Quer- oder Hochformat haben, denn mit den “Ecken” ist vermutlich sowieso nicht viel anzufangen. Ein quadratischer “Micro-4/4”-Sensor wäre flächenmäßig auch immer noch kleiner als ein APS-C-Sensor, und heute kriegt man anscheinend ja sogar für Kleinbild-Sensoren eine vernünftige Stabilisierung hin (jedenfalls wenn man Canon glauben darf). Das einzige praktische Problem wäre, jemanden zu finden, der so ein Nischenprodukt für einen vernünftigen Preis liefert.

            Aber gegen einen gut erreichbaren Knopf oder Hebel zum Umschalten zwischen Hoch und Quer sollte wenig zu sagen sein. Wenn der z.B. da ist, wo die PEN-F ihre “Fn1”-Taste hat, könnte das Fotografieren schon etwas schneller werden (oder jedenfalls nicht langsamer). Bequemer sowieso, weil die Haptik dieselbe bleibt – kein Fingerverbiegen im Hochformat – und die Sucheranzeigen da bleiben, wo sie waren. Auch Leute, die vom Stativ fotografieren, könnten sowas mögen. Das Einzige, was dann noch fehlt, ist ein quadratformatiger Beamer.

          2. …und quadratische Displays an der Kamera, quadratische Sucher, quadratische Leinwände und quadratische Fernseher. 😀
            Es gibt eine einfachere Methode: Man stellt die Kamera einfach von 4:3 auf 3:4 um. Können die Olys seit Jahren. Macht nur keiner. Warum wohl?

          3. Okay, das sind gute Gründe, vor allem die den Stabi beeinträchtigende größere Massenträgheit.
            Alle anderen Themen könnte man m.E. „leicht“ lösen.

          4. Von 4:3 auf 3:4 geht? Muss ich mal ausprobieren.

            Warum macht das keiner? Hm… Auflösungsverlust? Nicht auf eine Taste legbar?

            Letzteres wäre für mich eher ausschlaggebend.

            Grad probiert: Geht relativ schnell im SPC umzustellen. Wieder was gelernt. Danke!

            Gegenfrage: Wenn das da so leicht geht, warum kaufen Leute dann riesige Hochkant-Zusatzgriffe? 😉

          5. @Babelsguy: Vielleicht weil dann nur noch 11/12MP übrig bleiben???
            man also etwa 40% Auflösung verliert… So ne ganz naive Annahme…
            Disclaimer: Ich habe das nicht ausprobiert sondern kurz überschlagen. Falls ich also falsch liege, bitte korrigiert mich.

            @Rainhard: Wäre doch ein Artikel für den 1. April “OM-D EM1Mk3H” mit um 90% verdrehtem Sensor und angepasstem Bajonett 😉

          6. Nachdem ich jetzt nochmal darüber nachgedacht habe, verliert man nicht nur 40% Auflösung, sondern der CROP-Faktor beträgt dann auch 2,66.
            Was das für die Wirkung der Blende heißt, darf jemand schreiben, der mehr Ahnung davon hat..

  6. Es gibt ja unzählige Sensoren, die da Sony auf den Markt wirft. Ein ähnlicher Chip wird offenbar seit 1-2 Jahren in Astrokameras verbaut, die haben etwas über 11,3 MPixel und 14bit. Dabei werden dann jeweils 4 Pixel zusammengelegt (2x binning) Ohne hat man dann zwar nur 12bit, aber 46,8 MPixel.

    Das wäre doch was 🙂
    Siegfried

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