Ich habe ja in der letzten Woche das 100-400 mit der E-M10IV getestet und war speziell mit dem C-AF alles andere als zufrieden. Gestern war noch mal perfektes Wetter und ich bin, solange es noch geht, mit der Kamera und dem 75-300 zum Altmühlsee. (Die Geistesgrößen mit den “wir sind die 2.Welle”-Schildern haben es ja bald geschafft, dass solche Ausflüge mit Biergartenbesuch nicht mehr möglich sind. Ein kurzer “Summer of Love” und ein gruseliger Herbst und Winter.) Noch ein bisschen Geld in Tourismusindustrie und Gastronomie versenken.

Der Piepmatz des Titelbildes dürfte, soweit ich das beurteilen kann, ein junger Nachtreiher sein. Wenn das ein Ornithologe besser weiß – ich bin da für Belehrungen absolut offen. Der Flattermann ist knackscharf, der S-AF hat gut gepackt – in dem Fall aber auch keine Kunst, weil der Reiher sich kaum gerührt hat. Bei Störchen im Flug, die ja nun nicht zu den komplexesten AF-Zielen gehören, liegt der Ausschuss des AF wesentlich höher.

Ein bisschen schwieriger, weil kleiner sind da schon Wildgänse.

Das ist übrigens kein Ausschnitt, das ist mit 75mm gemacht – da sind die Vögel schon recht nah und der AF hat nicht wirklich viel Zeit zu reagieren. Bei den kurzen Brennweiten hat das auch prima geklappt – aber am langen Ende wie beim Storch war die Ausschussquote frustrierend. Verheerend wurde es, wenn ich auf C-AF und Serienbild L gestellt habe. Selbst ein entgegenkommendes. langsames Segelboot, bei dem ich mit 9er-Feld gezielt habe und bei jedem Bild auch eine korrekte AF-Bestätigung im Bild gesehen habe – ich habe also alles richtig gemacht – lieferte 50% mehr oder weniger unscharf.

Und das schon bei 150mm.

Bei einem Kitesurfer mit 300mm waren über 75% unscharf. Über schnellere Vögel im Flug bei 300mm reden wir gar nicht erst – Da lag der Ausschuss sehr nahe bei 90%.

Zwei Bilder aus einer 30er-Serie sind scharf. Nun sind Wildgänse aber echt keine Herausforderung für einen modernen AF. Man sieht sie von weitem kommen und sie fliegen ziemlich geradeaus. 90% Ausschuss sind selbst mit einem 75-300 viel zu viel.

Einstellen kann man am C-AF der E-M10IV nichts. Selbst die Auslösepriorität, die man seit bald zwanzig Jahren für C-Af und S-AF einstellen konnte – hier gibt’s nur einen fixierten Werkswert.

Gerade bei Wildlife ist der unzuverlässige Autofokus bei langen Brennweiten für mich ein NoGo. Selbst beim S-AF sollte man immer mehrere Fotos machen und jedesmal den S-AF neu starten, damit man wenigstens ein scharfes Foto dabei hat. Ich habe versucht, einen Schwan im Glitzergegenlicht zu fotografieren – sobald zu viel Glitzer war, ist der AF hoffnungslos in den Wald gefahren.

Eine Sekunde später war der S-AF davongelaufen. Spannenderweise löst die Kamera trotzdem aus. Der Effekt sind reihenweise unscharfe Bilder.

Wenn man sehr viel Zeit hat, dann bekommt man mit der Kombi auch gute, scharfe Bilder:

Aber der Anteil ist so frustrierend gering, weil eben die allermeisten eben nicht richtig scharf sind – dass man bei den wenigen scharfen Bildern erst sieht, was die Kombi für Potenzial hätte.

Die E-M10IV sehe ich mittlerweile als Kamera, an die man maximal 100mm dranschrauben kann. Alles andere sorgt einfach nur für Frust. Am besten ein 14-42EZ dran und nie wieder runter.

8 Replies to “E-M10IV und 75-300”

  1. Wenn man sich überlegt, das diese E-M10 die neueste Olympus Kamera ist, kann man nur hoffen, das es JIP besser kann.
    Sonst geht es damit wie mit Metz…

    1. Nach der Zusammenfassung eines Interviews mit Shinichi Inagaki (JPI) soll sich Olympus aus dem Consumer-Bereich zurückziehen und auf den High-End Business-Bereich und Video fokussieren. Für mich ist die E-M10 damit bereits beim Erscheinen abgeschrieben.

  2. Hallo Reinhard,
    die E-M10 IV juckt mich als zufriedener E-P5 Besitzer nicht zu sehr.
    Könnte dein Modell ein Ausreißer sein?
    Wie würde sich die die Pen-F schlagen? Das 75-300 II habe ich auch seit geraumer auf der “Wunschliste”.
    Liebe Grüße
    Wolfgang

    1. Nein, die Kamera ist kein Ausreißer. Die PEN-F hat ein völlig anderes Fokussystem. Erstens unterstützt die Kamera die FT-Objektive und zweitens hat die PEN-F beim C-AF kleinere Schritte. Sie pumpt auch, aber nicht so stark, wie die E-M10IV. (Das hat natürlich den Nachteil, dass schnelle Bewegungen wie Hunde nicht so gut erfasst werden können, aber langsamere Bewegungen werden besser erwischt.)

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