100-400 – Endlich wieder Oly-Kleber

Damwild, Rotwild, Schwarzwild. Wenn man früh genug aufsteht, kriegt man das noch vor die Linse. Und wenn man sich natürlich nicht wie die Axt im Walde…

Das 100-400 ist jetzt bereits in Stückzahlen beim Kunden und die Foren sind mit Fotos aus dem 100-400 geflutet. Mittlerweile ist Olympus Deutschland ausverkauft, die Händler haben teilweise noch Exemplare.

Mein erstes Testsample hatte einen Transportschaden, aber ich habe jetzt das zweite Sample bekommen und das liefert genau das, was man von der Optik erwarten kann. Einwandfreie Schärfe, schneller AF, einen ziemlich guten Stabi – scharfe Bilder mit 1/13s bei 400mm Freihand ist jetzt schon echt ne Ansage. (OK, es sind nicht alle scharf, aber schließlich bewegen sich Wildtiere auch mal.)

Das Objektiv wird durch den Bildprozessor deutlich “optimiert”, Schärfe und Kontrast aufgerissen. Das geht zu Lasten der Farbauflösung und produziert bei kritischen Strukturen Artefakte.

Mit Picasa aus dem RAW entwickelt.
Ausschnitt aus dem JPG oben. 400mm, 1/13s, Frei Hand mit E-M1II

Es ist kein 300 f/4 und schon gleich gar kein TopPro. Aber es liefert für das Geld, das Gewicht und die Brennweite sehr, sehr ansprechende Bilder. Der Zoom geht streng genug, dass sich die Optik wertig anfühlt, aber leicht genug, dass man ruckfrei zoomen kann.

Die 400mm am langen Ende sind ausgesprochen gut nutzbar, einen ernsthaften Auflösungseinbruch habe ich nicht festgestellt. Auch mit MC-14 ist das Objektiv völlig OK. Wenn das Licht reicht. Die Unart, die ISO hochzujubeln um die Belichtungszeiten kurz zu halten, im Extremfall sogar noch mit AutoISO, ruiniert die Qualität, die das Objektiv liefern kann. Lieber ein Stativ und versuchen, das entsprechende Tier mal zu erwischen, wenn es nicht rumzappelt.

560mm, 1/40s, f/9
Crop aus dem Bild oben.

Nochmal. Wir reden hier über Rotwild im morgendlichen Halbschatten, das natürlich ein ganzes Ende weg ist – nämlich etwa 50 Meter. ISO 400. Das ist für ein Objektiv in dieser Preisklasse eine Leistung.

Was absolut strange ist, sind die Flares, die das Objektiv produziert:

Der Flare sieht aus wie eine ganze Folge von Kreisen. Glücklicherweise ist das Objektiv ziemlich unempfindlich gegen Flares – denn wenn sie auftauchen, sind sie nicht hübsch. Hier noch ein kleines Detail:

Rim-Light – das kommt schon ziemlich fett. 1/1250s, f/6, 218mm. Klar, bei kürzeren Brennweiten ist das Objektiv noch besser als bei 400mm. Dann noch kurze Belichtungszeiten und die Ergebnisse lassen echt nichts zu wünschen übrig. Der AF ist zudem auch noch extrem flott – ich habe mit dem Objektiv mehrfach Libellen im Flug erwischt – dass die nicht scharf waren, lag schlicht daran, dass man das mit 1/100s und länger einfach nicht erwarten darf. Die Viecher sind einfach zu schnell.

Das Objektiv liefert. Und es ist seit langem mal wieder ein Objektiv, das “Kleber” hat. Man will es nicht mehr hergeben. Obwohl ich gegenüber diesen Ofenrohren echt skeptisch bin – das 100-400 taugt was. Man darf halt nicht der Illusion erliegen, nur weil der Stabi ne Bank ist, würde das Motiv auch still halten.

5 Replies to “100-400 – Endlich wieder Oly-Kleber”

  1. Ich hatte am Freitag im Rahmen der “Olympus Days 2020” die Chance die Linse kurz zu testen.
    Kurzes Fazit in 2 Worten: “HABEN WILL”* (*Grammatikalisch korrekt wirds etwas länger)
    Selbst an meiner EM10II macht die Linse Spaß.
    Der AF ist deutlich schneller als der vom 75-300. Der AF trifft auch besser.
    Die Bildqualität erscheint mir auf den ersten Blick auch besser (ich habe meine Bilder aber noch nicht Pixelpeep-Modus angeschaut.)
    Einzig der Zoom Ring geht mir eine Spur zu stramm – das ist sicher Gewohnheitssache.
    Gruß
    Markus

  2. Wie sieht es bei.dem guten Stück mit Sport aus, z. B. Fussball? Ich rede nur von schön Wetter, keine Halle und Freistellung benotige ich ganz sicher nicht. Traut Ihr dem Autofokus das zu, und welche Blende hat das Objektiv bei ca. 200 mm?

    1. Maximale Blenden: 100mm f/5, 150mm f/5,7, 200mm f/5,9, 253mm f/6,1, 300mm f/6,3, 349mm f/6,3, 400mm f/6,3. Fußball ist kein Problem. Das kommt eher auf die Kamera an. Aber mit einer E-M1II ist das absolut kein Thema.

  3. Wir konnten das Objektiv im Rahmen eines kleinen Foto-Walks in Hamburg kurz testen. Noch nicht so, wie wir es für eine gute Beurteilung gerne hätten. aber für einen ersten Eindruck reicht es.
    Keine Frage, die Qualität der Fotos ist für ein Objektiv dieser Preisklasse bestechend! Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top!
    Trotzdem kommt bei mir/uns noch kein sofortiger “Habenwollen-Reflex” auf. Der Zoom-Ring läuft, zumindest in dem Exemplar, das wir hatten, etwas sehr stramm und leicht ungleichmäßig. Bei meiner Handschuhgröße 12 ist das nicht so dramatisch, damit komme ich klar, aber Claudia empfand das schon als etwas mühsam.
    Die Möglichkeit, statt zu drehen, den Zoom zu schieben, ist zwar ganz nett, aber selbst mit meinen großen Händen verreiße ich den Fokus dabei enorm. Das “bei kleiner Brennweite anvisieren, dann schnell hochzoomen” muss man wohl üben.
    Im Moment ist der Klebefaktor noch verhalten, aber wir hoffen, dass wir das Objektiv mal etwas ausführlicher, und ganz in Ruhe testen können.

    Grüße
    Martin

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