Das Ende der Bildkritik

Spitzenforschung in Deutschland. Die Fogra, das Forschungsinstitut für Medientechnologie, ein eingetragener Verein aus München, entwickelt eine “Künstliche Intelligenz”, die es in Zukunft Medienunternehmen erleichtern soll, “gute” Bilder auszuwählen. Die Software entscheidet selbst, ob ein Bild “gut” ist – und schlägt dann eben nur noch solche Bilder vor.

Aprilscherz? Nein. Man sucht Bildbeispiele, um die Software entsprechend zu trainieren. Der DVF hat das auf seiner Homepage auch schon verlinkt. Der Verein, bei dem man, wenn man Mitglied wird, einen Ausweis bekommt, auf dem steht “Ich bin Hobbyfotograf. Bitte helfen Sie mir!” (OK, das ist falsch. Es steht “Der Inhaber dieses Ausweises fotografiert nicht kommerziell. Bitte gewähren Sie ihm jede mögliche Unterstützung.” Kommt aber auf das Gleiche raus.) bittet also darum, der Fogra Bilder zur Verfügung zu stellen. Unentgeltlich natürlich. Die Fogra wendet sich zwar eigentlich an “Fotografie-Studios”, “Design- und Reprounternehmen” und “Medienvorstufebetriebe”. Aber weil die echt was anderes zu tun haben, als Originale und Kundenbilder mit allen Metadaten hochzuladen. (Wie schräg muss man drauf sein, dass man ernsthaft glaubt, dass das ein Profi macht….) geht man jetzt halt an die Hobbyisten ran.

Wir werden also in absehbarer Zeit eine Software haben, die den Massengeschmack von Hobbyfotografen als “Gut” definiert.

Und alles andere als “schlecht”.

Gespannt bin ich auf “Fashion – gelegte Ware.” Mir ist kein Hobbyist bekannt, der sowas freiwillig knipst. Das macht ja selbst ein Profi nur unter Androhung von Bezahlung….

Für Fotowettbewerbe ist das dann natürlich prima. Da kann man dann die Jury loswerden und schickt das Bild nur noch automatisiert durch die Software. Braucht sich kein Mensch die Fottos mehr ankucken.

Hat bei einem Fotowettbewerb gewonnen. Was hält die KI davon?

Und dann kauft man sich die Software selbst, schickt seine Fotos durch und lässt sie dann ganz automatisch von der Software gleich entsprechend optimieren, damit sie von der Software maximale Punktzahl erhalten.

Und wir können drauf warten, dass das dann in die Kamera integriert wird, so dass man dann gleich beim Blick durch den Sucher die erwartbare Punktzahl für das Bild eingeblendet kriegt.

69 von 100 Punkten. Da ist wohl noch Potenzial..

Kein Aprilscherz.

Kann man sich nicht ausdenken.

13 Replies to “Das Ende der Bildkritik”

  1. Interessanter Artikel, manchmal überkommt mich schon Wehmut ob meines Alters, wenn ich solche Sachen lese empfinde ich ein Glücksgefühl, weil ich seit 50 Jahren mich jeglicher Vereins, Club und Mainstream Interessen enthalte.

  2. Du meinst doch nicht “die KI”, die mir hunderte Staubsauger-Werbungen hinterher schickt wenn ich einen Staubsauger gekauft habe? Gottlob dauert es noch … 😉

  3. Also dann mal los! Wir schicken jetzt alle unsere schlechtesten Aufnahmen ein. Unscharf, verwackelt, nicht sagend etc. und schwups haben wir einen neuen Stil kreiert der auf noch jeden Fotowettbewerb gewinnt und in sämtlichen Magazinen abgedruckt wird (gibt es die überhaupt noch?)

    Achse und da ich ja Handwerker bin, wäre es doch ganz einfach erstmal die potenziellen Ausbildenden zu testen. Unter 70 Punkten fängt keiner eine Ausbildung an (sorry Reinhard, das wird nicht mit Dir, sind ja nur 69 Pt.) Ja, und dann kommt ja noch die Gesellen und Meisterprüfung, Theorie wird mit einer App abgefragt, so wie in der Fahrschule, und Bilder werden automatisiert bewertet …

    Schöne neue Wellt

  4. Also, ich sehe in Zukunft viel Potenzial für Bilder mit gestreiften Schatten. Ach ja, und natürlich Katzenbilder.
    Das Schlimme dran ist ja, dass sich die Algorithmen Regeln entwickeln, die nur sehr schwer nachvollziehbar sind. Wenn es aber möglich ist die Jobchancen von Arbeitslosen mit KI zu bewerten, dann ist das Bewerten von Bildern noch das geringere Übel.
    Merke: wer selbst keine Intelligenz hat, braucht künstliche …

  5. Ich empfehle das Buch “QualityLand” von Marc-Uwe Kling (https://qualityland.de). Da ist das Thema Optimierung auf Kundenbedürfnisse konsequent weitergedacht worden. Ich habe sehr viel gelacht. Und oft hatte das auch einen klitzekleinen bitteren Beigeschmack…

  6. Wenn so eine KI hilft aus einer Bilderflut erst mal alle abgedroschenen Klischeefotos und alles was schon zu Genüge fotografiert wurde rauszufiltern ist doch prima. Wenn am Ende nur was irgendwie andersartig oder nicht in ein bereits ausgelutschtes Schema passt übrig bleibt, dürfte es sich doch lohnen mal genauer hinzusehen 😉

  7. Das Ablästern über die Art wie Sieger in Wettbewerben gekürt werden macht Spaß, geht aber am Kern der Sache vorbei. Hier geht es um viel Geld!
    Laut Projektsteckbrief in der Förderliste ist das ein ministeriell gefördertes Forschungsprojekt mit zwei Jahren Laufzeit. FOGRA und RWTH Aachen werden dafür bestimmt nicht gerade kleinlich gefördert. Ziel ist laut Projektsteckbrief, die Medienvorstufe weiter zu digitalisieren, indem KI aus (vorgefertigten) Bildbeständen die Bilder herausfischt, die dem von der Agentur gewünschten “Look” möglichst nahekommen – und womöglich die Bilder dann auch gleich noch automatisch druckreif hinretuschiert. Nur: Der rersultierende Einheits-Bildbrei ist kein Produkt der KI, den gibt es schon längst! Bloß dass diesen Job heute noch Graphikdesigner und Graphiker von Hand machen, die man dann auch noch einsparen kann. Wer’s nicht glaubt, stelle sich mal im Supermarkt vor das Zeitschriftenregal und bewundere die Titelbilder von Fernseh-, Mode- und „Herren“-Magazinen – die Damen darauf sehen doch heute schon alle gleich aus, einheitliches Lächeln, einheitliche, gefotoshoppte Proportionen, Gesichtszüge und Teint, alles immer im gleichen „Look“, damit die einheitliche „Identity“ der jeweiligen Medien rüberkommt … Und wer diese Art von KI soweit perfektioniert dass man mit dem Handy, unbelastet von jeder fotografischen Kompetenz, jederzeit das „optimierte“ Selfie schießen und sofort hochladen kann, der verdient bestimmt richtig gut daran.

  8. Aus gegebenem Anlaß hätte ich da eine Idee für eine sinnvolle KI-Anwendung: Mit einem Mikrofon eine Weile das laute Gebrabbel der stundenlang in einem absolut ätzenden Tonfall diskutierenden Nachbarin von der anderen Straßenseite aufnehmen, die eigene Musiksammlung schon vorab katalogisieren und dann die Musikstücke abspielen, die mit ihrem Spektrum und Zeitverlauf das Gebrabbel maximal verdecken, damit man nicht so laut aufdrehen muß, wenn man im Sommer nachts mal etwas kühlere Luft hereinlassen will.

    Nein, mit der kann man nicht reden. Ja, schon versucht. Das ist eine Prollkeule wie sie nicht mal im Buche steht. Sorry für den Ausdruck.

    (Der natürlichen Auslese qua Bleivergiftung trauere ich doch manchmal ein wenig nach. Irgendwo haben die Amis nicht komplett unrecht. Böser Humor. Höre schon wieder auf.)

      1. Da würden normale Kopfhörer ja auch reichen. Aber ich will nicht dauernd das Teil auf dem Kopf haben. Außerdem mag ich ANC nicht. Und wenn man dann schlafen will, bringt das alles nichts mehr. Ich bleib’ beim Blei.

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