Pre-MF – Bug oder Feature?

Seit der E-M1II gibt es einen speziellen AF-Modus, der sich Pre-MF nennt. Ist in der Theorie ein ziemlich cooles Feature. Man stellt einen AF-Punkt ein, in Meter und Dezimeter, stellt, zum Beispiel per Schalterchen, von S-AF auf Pre-MF um und hat – Bingo – den Fokus auf diese Entfernung eingestellt.

Geil.

Wenn’s denn funktionieren würde. Lutz aus oly-e.de hatte Probleme damit, weil irgendwie ein paar von seinen Objektiven nicht mitspielen. Also habe ich mich mal an meinen kompletten Vorrat an FT und mFT-Objektiven gemacht und dieses Feature durchgetestet.

Aufbau: Ich habe mein langes Baustellenbandmaß rausgekramt und Elkes Nase auf 4,9 Meter vom Sensor der E-M1X aus aufgestellt. Im Menü unter A4-Eingestellt. NF-Abstand 4,9 Meter eingetragen. Und dann los. Bei Zooms habe ich immer die längste Brennweite genommen, wegen der Schärfentiefe. Ansonsten das Schalterchen in der einen Stellung auf MF, in der anderen auf PreMF.

Bei folgenden FT-Objektiven funktioniert der PreMF schon mal überhaupt nicht: 11-22, 14-54 I, Sigma 55-200, 17,5-45, 14-45, Panasonic 14-50, 7-14, 50-200 I, 50er Makro, 8mm Fish, 70-300, 40-150 3,5-4,5, 150er 2,0, 35-100 2,0.

Niente. Nada. Nix.

Mit folgenden FTs geht’s:

14-35, 14-42, 12-60

Genauer: es tut sich was. Das einzige Objektiv, das grob auch nur in die Nähe der eingestellten Fokusentfernung kommt, ist das 14-35. Das stellt auf 5 Meter, statt 4,90 ein. Kann man tolerieren. Das 14-42 landet bei 2,5m und das 12-60 bei 3 Metern.

Wie sieht’s nun bei den mFT-Objektiven aus?

Tjaaaaa.

Folgende Objektive stellten auf den eingestellten Punkt scharf:

14-42 EZ.

Jo. Richtig. Mehr nicht.

Folgende Objektive landeten zumindest in der Nähe:

75-300 I.

Jepp. Alle (!) anderen getesteten mFT-Objektive lagen zwischen 2,5 Metern und 4,5 Metern und damit war die angepeilte Elke unscharf. Darunter so illustre Objektive wie das 40-150 2,8 (4,5 Meter) und das 75er 1,8 (3,9 Meter) Das 45er (2,8 Meter) und das 25er 1,8 (2,5 Meter)

40-150 2,8 mit MC14
40-150 2,8 ohne MC-14. Nicht besser.
75mm. Nicht mal die Hand ist scharf.

Oft wird der PreMF dafür verwendet, in der Nacht auf unendlich scharf zu stellen. Also habe ich auf 999 Meter eingestellt und von Rocksdorf aus auf das Waschhaus in Sulzbürg fokussiert. Das ist 1070 Meter weg.

75-300 bei 300mm. Im Rahmen dessen, was das Objektiv hergibt – scharf.
Hier ein Crop aus dem 75er. Der Busch vorne rechts: scharf. Über den Rest können wir diskutieren.

Tja, was soll ich sagen: Das 14-42EZ liefert astreine Schärfe, das 75-300 passt auch noch und alle anderen Objektive stellen teilweise erheblich auf Frontfokus. Das 75er landet bei etwa 100m – dort ist es allerdings wunderbar scharf. PreMF 999,9m ist also NICHT unendlich.

Die Meterangabe im Menü ist also nicht mal grob für irgendwas gut. Man nehme ein Maßband, messe nach und lege sich eine Umrechnungstabelle für jedes einzelne Objektiv an – so man diese Funktion für irgendwas nutzen will. Ansonsten sollte man die Finger davon lassen. Die Funktion taugt nicht mal dazu, auf die HyFo scharf zu stellen, so man das nicht vorher mit dem Metermaß ausprobiert hat.

Bug oder Feature? Das kann jeder selber entscheiden.

10 Replies to “Pre-MF – Bug oder Feature?”

  1. evtl. Liegt das Problem am metrischen System. Hast du es mal mit Feed und Inch probiert.
    Dass die das ungetestet ausliefern, kann ich mir nicht vorstellen.

    Gruß Rudolf

    1. Dann müssten alle Objektive aber auf die gleiche Entfernung einstellen. Machen sie aber nicht. Anfangs dache ich an einen fehlgeleiteten Schärfentiefe-Algorithmus. Das ist es aber auch nicht, weil das 14-35 2,0 scharf stellt, das 14-42 I und II nicht, das 14-42EZ schon, das 40-150 aber nicht, dafür das 75-300 wieder. Ich vermute, dass sie im Labor mit dem 14-42EZ getestet haben, da ging’s prima. Aber eben nicht mit allen anderen Objektiven. Geht mir ja genaauso. Erst durch Lutz‘ Post habe ich mich mal drangemacht. Ich habe den Parameter ein paarmal in der Nacht getestet, das hat immer nicht funktioniert (Kunststück, ich hatte meistens das 8mm FT-Fish oder das 11-22 drauf) und bin der Sache aber nie nachgegangen sondern habe den Parameter einfach nicht mehr verwendet.

      1. Mal abgesehen davon, dass es im Manual anders steht und dort die „Q“-Taste auch korrekt als „OK-Taste“ bezeichnet wird. Es wird auch explizit dort beschrieben, dass man die Entfernung auch über das Menü eingeben kann. (Seite 361). Wäre auch reichlich albern, extra einen Menüpunkt einzubauen, an dem man nichts einstellen darf. Und ja, wenn man die Entfernung mit einem Objektiv einstellt und dann das Objektiv nicht wechselt, dann kann man später diese Entfernung wieder aufrufen. Nur – wozu brauche ich dazu PreMF? Das ging schon immer. Und mit dem Snapshotring gibt es auch schon seit ein paar Jahren eine zweite Möglichkeit. Dazu kommt: sobald man das Objektiv runter und wieder draufmacht, stimmt der Fokus nicht mehr. Olympus schreibt in seiner Beschreibung sogar, dass die Entfernung nur Richtwerte sind – wenn man verschiedene Objektive auf das gleiche Motiv loslässt, bekommt man immer wieder andere Entfernungen – aber die Funktion als solche gaukelt halt Möglichkeiten vor, die schlicht nicht gegeben sind. Und das sollte man wissen.

        1. Das E-M1X-Manual hat 688 Seiten. Wie Du im Post lesen kannst, geht es um diese Kamera.
          „PreMF“ ist der Bezeichner für die Auswahl des Fokus-Modus. MF-Voreinstellung die Einstellung in Meter für den PreMF. Wenn Du nach der Methode Info-Taste den PreMF einstellst, dann stellst Du damit auch den Wert der MF-Voreinstellung um. Schlicht weil das nur EIN Wert ist. Und umgekehrt.
          Ansonsten, wenn Du solche Infos für unwichtig findest – Du musst hier nicht mitlesen. Es gibt Leute, denen ist das wichtig.

        2. „Bushing“ ist eine Buchse. Was eine Olympus-Buchse sein soll, ist mir nicht ganz klar. Ich kann mich auf jeden Fall nicht erinnern, sowas gebaut zu haben. Eventuell Helge?

  2. Gerade in der Nacht habe ich mich noch nie auf irgendeine Automatik verlassen. Dazu ist mir die Zeit zu schade, die man bei einer der wenigen klaren dunklen Nächte versemmelt, zu schade.

    Außerdem ändert sich mit der Temperatur der Fokus und solange da nicht ein Thermosensor eingebaut, der temperatur/fokusmäßig für jedes Objektiv geeicht ist, um dann entsprechend den Fokus neue einzustellen, werde ich dabei bleiben. 🙂

    Schon alleine deshalb mag ich mein Fernrohr: Einmal scharf gestellt, bleibt es das auch.

    Siegfried

    1. Das gilt aber auch nur für Kohlefasertuben. Ein Metalltubus hat durchaus Temperaturgang. Dann muss nach einiger Zeit die Schärfe nachjustiert werden. Aber das brauch ich Dir wohl nicht zu sagen 🙂

  3. Ich habe vor ca. 2 Jahren das 12-100/4.0 mFT getestet – ich habe dazu eine Stop-Tafel in ca. 20m Entfernung fotografiert
    – auf 100mm gezoomt
    – Pre-MF mit Hilfe des Autofokus gestellt – es wurden ca. 29m anzgezeigt
    – auf 20mm gezoomt
    – Pre-MF aufgerufen –> unscharfest Bild
    – Pre-MF mit Hilfe des Autofokus gestellt – nur wurden ca. 10m angzeigt

    –> beim 12-100 kann man den Pre-MF vergessen 🙁

    Ich finde es extrem schade, dass Olympus das nicht korrigiert – eine paar Bytes für eine entsprechende Korrekturtabelle in der Firmeware in Objektiv oder Kamera werden wohl noch zur Verfügung stehen und alles wär gut.

    lg. Christian

    PS: Ich gehe davon aus, dass sich die falsche Entfernung auch auf den AF-Limiter auswirken 🙁

    1. Leider muss ich Dir recht geben – ich hab’s ausprobiert, auch die Werte des AF-Limiters arbeiten auf der gleichen Basis – und sind reine Phantasiewerte. Aber immerhin funktionieren die FT-Objektive mit dem AF-Limiter, auch wenn man natürlich die Entfernung, auf die man einstellen muss, nur raten kann. Denn mit dem PreMF ausmessen geht ja nicht. Und das Maßband ist auch sinnlos.

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