Panasonic und CO2

Panasonic ist ja nicht nur Kamerahersteller, sondern stellt von Akkus über Spülmaschinen bis zu Fernsehern und Fahrrädern alles mögliche her. Ganz nebenbei bauen sie mit Tesla in Nevada in der Gigafactory die Batteriepacks für das Tesla Model 3. (Leider sind diese Investitionen im April gestoppt worden. ) Und Panasonic hatte letztes Jahr 100-Jähriges. Hat das wer mitbekommen?

Auch Panasonic habe ich ein paar Fragen bezüglich des Umgangs mit der CO2-Problematik gestellt und auch Panasonic hat mir ausführlich geantwortet.

Das alte Panasonic 14-50 für FT.

Die CO2-Footprints der Produkte sind bei Panasonic kein Thema. Man hält diese durch die Unzahl der verschiedenen Produkte für nicht berechenbar, auch gebe es zu wenig Nachfrage nach CO2-Footprints. Deshalb konzentriert sich Panasonic auch nicht darauf, den gesamten Footprint seiner Produkte zu minimieren, sondern lediglich den Ressourcenverbrauch während des Gebrauchs – aka Stromverbrauch.

Bis 2050 will Panasonic komplett klimaneutral werden – das bedeutet für Panasonic, dass der gesamte Produktlebenszyklus aller Produkte und Lieferketten insgesamt weniger Energie verbraucht als die Panasonic-Produkte produzieren. Für einen Hersteller von Solarzellen ist das jetzt kein allzu ambitioniertes Ziel – und ist eigentlich auch Augenwischerei, denn natürlich werden die Solarzellen bereits an anderer Stelle – nämlich beim Besitzer – dafür hergenommen, für Klimaneutralität zu sorgen.

Lobenswert: Die Batteriefabrik in Belgien, in der Alkali-Batterien hergestellt werden, arbeitet seit 2019 CO2-neutral. (Eigenes Windrad und Solaranlage)

Bis 2030 sollen dann alle Panasonic-Fabriken 30% weniger CO2 ausstoßen als 2014 und im neuen „Green Plan 2021“, der Ende August veröffentlicht werden soll, sind noch ein paar weitere Ziele definiert.

Klimawandel hat auch Vorteile. Man muss nicht mehr ans Meer fahren. Das Meer kommt von selbst.

Im Bereich Marketing ist Klimaschutz und Recycling bei Panasonic kein Thema, schlicht weil keiner danach fragt.

Die Verpackungen von Panasonic werden fast ausschließlich aus Pappe hergestellt, bei Katalogen wird auf lackierte Drucke verzichtet, die Tragetaschen bestehen aus Stoff und das POS-Material (Also der Kram, den man im Fotoladen geschenkt kriegt, die Aufsteller und Poster) wird tourenoptimiert versandt, Panasonic-Mitarbeiter fahren, „wo es geht“ mit der Bahn.

Soweit die Aussagen von Panasonic. Meine persönliche Zensur: wenn Stofftaschen im Jahre 2019 als Errungenschaft gefeiert werden, dann ist das ein Armutszeugnis. „Jute statt Plastik“ erblickte im Jahr 1978 das Licht der Welt. Und wenn sich ein Solarzellenhersteller den mit seinen Solarzellen erzeugten Strom auf sein Klimakonto gutschreibt, dann fällt mir da nicht mal mehr ein passender Ausdruck für ein. Ich warte drauf, dass sich ein Schuhhersteller für seine Schuhe nen Klimabonus an die Wand heftet – denn was man läuft, fährt man ja nicht im Auto.

Leider – und das kann sich Panasonic auf die Haben-Seite schreiben – gibt’s Technikfirmen, bei denen das Ergebnis noch viel haarsträubender ausfällt. Panasonic bemüht sich zumindest – die Fabrik in Belgien ist ein Beweis, dass es geht. Sie müssen nur leider viiiel schneller und viiiiel mehr machen. Panasonic kann – sie müssen es nur tun. Und sie wissen es eigentlich, dass ihnen die Zeit davon läuft. Zumindest schreiben Sie es auf ihrer Website. Aber auch auf dieser Seite heften sie sich Energieeinsparungen, die der Kunde mit ihren Produkten erzielt, an die eigene Weste. Auch wird nicht verraten, wieviel CO2 nun Panasonic selbst verursacht – Zahlen von 2007 sprechen von 4 Mio Tonnen. Angesichts eines „Energiesparbeitrags“ von 43 Mio Tonnen kann das irgendwie nicht korrekt sein. Die Größenordnung dürfte auf jeden Fall klar sein: Wenn Olympus den CO2-Ausstoß von halb Nürnberg hat, reden wir bei Panasonic von Berlin, Hamburg und München. Mindestens.

Wir als Kunden können zwei Dinge machen: Unsere Kaufentscheidungen anpassen – oder unserem Hersteller schreiben. Politiker ignorieren gerne solche Schreiben. Hersteller sind da deutlich empfindlicher.

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