Wer schon mal in Rocksdorf war, denkt sich – kenn ich doch! Nein. Kennst Du nicht. Dieses Haus steht nicht in Rocksdorf sondern zwei Dörfer weiter in Kiesenhof.

Oder, genauer, es stand. Diese Fotos sind von März 2017 und das Haus, das ein etwas kleinerer Zwilling von Rocksdorf18 war, existiert nun nicht mehr. Es ist abgeräumt und im Augenblick liegen noch die Balken des Dachstuhls rum.

Allerdings sah schon damals der Dachstuhl nicht mehr gesund aus.

Innen drin der alte Stall mit den Steintrögen und den Ringen für die Anbindehaltung der Tiere.

Der Flur im Inneren. Ziemlich genau so sah es früher auch mal in Rocksdorf aus.

Die alte Küche mit dem Schürofen aus den 50ern – auch das Fenster stammt aus dem 50ern – das war damals modern, diese großen, dreiteiligen Fenster. So eine Lampe hängt übrigens in Rocksdorf noch im Heizungsraum.

Das Esszimmer, mit den zweiteiligen Fenstern, auch aus den 50ern. Die Dielenbretter sind allerdings noch richtig alt:

Graffiti bezeugen, dass das Haus schon im November 2000 leer stand. Aber da die Leute außen rum das Haus im Auge behalten haben, gab’s doch recht wenig Vandalismus – und auch ich habe ja um Erlaubnis gefragt, dass ich rein durfte.

Ich habe mich immer gefragt, wie das mit der Treppe in Rocksdorf gelöst war, bevor in den 50ern die eine Wand rausgerissen wurde – hier ist noch die Originaltreppe von vor dem Kriege drin. Das Ding ist richtig steil und eng. Und absolut nicht hübsch. Links an der Wand sieht man schon, was „moderne“ Technik anrichtet. Oben noch der alte Putz, wie ich ihn in Rocksdorf wieder hergestellt habe. Unten Zement. Hinter dem Zementputz säuft die Wand ab – aber man sieht’s nicht mehr.

Im ersten Stock wird es noch archaischer. Dort steht ein alter Flachskamm und dahinter ein altes Bett mit Strohmatratze.

Dies ist nicht etwa der Dachboden, sondern der erste Stock – von hier ab gingen die Schlafstuben:

Solche Betten stehen jetzt in Rocksdorf – nur dass die früheren „Lattenroste“ eben Bretter waren, die einfach quer in den Rahmen gelegt wurden. Strohsack drauf. Fertig.

Klar- wenn das Dach „durch“ ist, dann fällt der Putz von der Decke. Und irgendwann fällt dann auch das Bett zusammen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Kiesenhof und Rocksdorf ist, dass ein Großteil der Mauern nicht aus Bruchsteinen besteht, sondern irgendwann in Ziegeln aufgezogen wurde – und entsprechend deutlich dünner sind. Offensichtlich ist auch dieses Haus im 30-jährigen Krieg zerstört und aber eben hintennach mit Ziegeln wieder aufgebaut worden. Die Wände im Dachgeschoss sind simple Bretterwände und kein Fachwerk wie in Rocksdorf – das Gewölbe aus dem Anfang 19. Jhd ist aber identisch – Feuerschutzvorschrift.

Das hier ist ein Teil des Dachbodens – rechts ist nochmal eine Kammer. Man sieht, dass die Kammer mal schnell in einem Teil des Bodens mit ein par Brettern abgeteilt wurde. Mitten durch den Boden läuft ein Tragbalken. Schon beim anderen Bild sah man – Zwischensparrendämmung gab’s nicht. Im Winter ist diese Kammer eine Tiefkühltruhe. Da lag der Rauhreif auf der Bettdecke – denn Heizung gab’s auch nicht. Die einzige Heizung waren die Kühe ein Stockwerk tiefer.

Hier sieht man die Hühnerleiter ins Dachgeschoss – könnte vom gleichen Schreiner wie in Rocksdorf sein – nur dass die In Rocksdorf top in Schuss ist.

RIP – an der Stelle des Hauses ist nichts mehr – platte Erde. Nichts von all dem gibt es noch.

Es ist wichtig, solche Dinge festzuhalten, bevor sie verschwinden. Aber es ist genauso wichtig, das nicht illegal zu machen, sondern vorher zu fragen. Oft ist es – wie hier – nicht ungefährlich, das Haus zu betreten und die Besitzer verweigern den Zutritt aus gutem Grund. Und öfter hört man: „Da ist die Tür, aber ich habe nicht hingekuckt. “ Aber fragen muss man. Und auch wenn es um einige der Stücke in diesem Haus jammerschade ist: Anfassen is nich.

9 Replies to “Lost Place”

  1. Na, Reinhard, von wegen „nichts anfassen“:
    Mit dem Regenschirm und Selbstauslöser hättest du doch eben mal schnell den spitzweg´schen Poeten nachstellen können, bitteschön…
    (Nur ohne den Fernseher im Bild!)

    Im Ernst:
    Ich finde es großartig, dass und wie du Rocksdorf18 vor diesem Schicksal bewahrt hast!

    LG, Martin

    1. Natürlich hat der Schirm gejuckt. Aber der Boden war nur noch an wenigen Stellen safe. Ich mache viel für ein gutes Foto – aber es gibt Grenzen.

  2. Schade, dass solch schöne Häuser platt gemacht werden. Sie hätten sicher viel zu erzählen. Andererseits sind die Kosten einer Sanierung nicht zu unterschätzen. Und bei uns in der Schweiz redet, je nach Objekt, auch noch der Denkmalschutz und die Gemeinde drein. Dann sind die Kosten nach oben offen, wie die Richterskala!

    Die Sanierung Deines Hauses in Rocksdorf hat sich gelohnt. Sehr schön geworden…

  3. Hallo Reinhard,
    ich kann mir schon vorstellen, dass da bei dir sehr viele Erinnerungen hochkamen.
    Vielen Dank fürs Zeigen. Ich spüre den Charme des Morbiden.
    Handanlegen möchte ich heute in meinem Alter nicht mehr.
    Gruß Rainer

  4. Wenn das Alte nicht mehrheitlich verschwinden würde, wäre kein Platz für Neues. Und wer möchte heute noch ernsthaft Flachs kämmen? Oder auf Strohmatratzen schlafen?

    1. Aber das Alte teilweise neben dem Neuen….
      Das sollte eigentlich gehen.
      Im Sinne davon, dass man seine Wurzeln nicht verkümmern lässt.
      Rainer

    2. Strohmatratzen: https://www.strohmatratzen.de/
      Leinen ist ausgesprochen haltbar. Wenn Baumwolle längst verrottet ist, ist Leinen immer noch strapazierfähig. Leinen ist gerade wieder im Kommen, weil mittlerweile wieder Wert auf Naturfasern gelegt wird. https://www.dormando.de/lexikon/leinen/
      Und für mich ist es einfach nicht nachvollziehbar, warum man Häuser herunterkommen lässt, die mehrere Hundert Jahre gestanden haben – um an gleicher Stelle ein Haus zu bauen, das eine kalkulierte Lebensdauer von 25 Jahren hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.