12-200 an der E-M1X

Jetzt im „Echteinsatz“. Das 12-200 ist ein Reisezoom – also was liegt näher, als es auf einer Reise mitzunehmen?

Findings: Das 12-200 ist von der Schärfe her gar nicht schlecht, das Problem ist, es liefert – sowohl an der E-M1X als auch an der E-M1II – einen unzuverlässsigen Fokus. Das ist mir ja schon beim Rallye-knipsen aufgefallen, allerdings bei C-AF. Jetzt ist mir das auch bei S-AF passiert. In einer Situation, bei der ich alle Zeit der Welt hatte. Von 8 Fotos sind 5 unscharf – Frontfokus. Was bei Kontrast-AF eigentlich gar nicht vorkommen darf. Rein theoretisch. Auch der Fokuspunkt in den EXIFs zeigt, dass ich eigentlich richtig gezielt habe – aber der Fokus ist deutlich zu weit vorne. Diese Fails habe ich jetzt nicht gezeigt, unscharfe Fotos sind nicht soo spannend. Hier was Anderes:

Gegenlicht mag das Objektiv gar nicht. Es produziert dann Halos um die Motive. Auch das sorgt für Unschärfe.

Auch die CAs des Objektivs sind nicht wirklich förderlich. Sie werden zwar halbwegs korrigiert, aber Details die nicht da sind, kann die Elektronik nicht hervorzaubern. Sehr viel Schärfe des Objektivs kommt deshalb aus dem Bildprozessor.

Wenn es einen guten Tag hat, kann man damit auch per C-AF auf fliegende Schmetterlinge scharf stellen. Von fünf „Treffern“ ist immerhin einer wirklich scharf – und wenn das Objektiv den Schmetterling mal in der Schärfe hat, dann bleibt er auch scharf. Leider funktioniert es, wenn die Schärfe daneben liegt, genauso. Einmal „fast scharf“, immer „fast scharf“.

Das hat auch nichts mit der E-M1X zu tun – das Verhalten ist an der E-M1II identisch.

Die Tonnenverzerrung am kurzen Ende, hier mit 13mm, ist unkorrigiert natürlich heftig.

Links unkorrigiert, rechts korrigiert.

Speziell mit der E-M1X kann man mit dem 12-200 natürlich tolle Spielereien machen. Eingebauten ND-Filter aktivieren und dann in der Kirche sowas machen:

Das ist ohne Stativ gemacht und quer durch die Kirche. Mit 200mm angefangen zu zoomen. Natürlich ist das Zoom nicht parfokal. Aber für solche Gags reicht es.

Fazit: Das Objektiv ist im Prinzip brauchbar scharf und schnell. Es ist am langen Ende nicht viel schlechter als das 40-150 f/2,8 mit MC-14 bei gleicher Brennweite. Für die kompakte Bauweise erstaunlich. Klar ist es deutlich lichtschwächer, das ist aber bei gutem Wetter absolut kein Problem.

Eigentlich wäre es ein absolut brauchbares Reisezoom mit sehr anständiger Qualität. Aber leider ist es reiner Zufall, wenn das, was rauskommt, an der richtigen Stelle scharf ist. Ob das nun an zu großen Schrittweiten des Fokusmotors liegt, oder an was sonst – und ob das per Firmwareupdate zu beheben ist – keine Ahnung. Solange dieser Bug auf jeden Fall nicht beseitigt ist, sollte man die Finger von diesem Objektiv lassen. Ich habe hier in Tignale viel zu viele tolle Motive aufgrund des AF dieses Objektivs in den Sand gesetzt.

Was das Objektiv kann, wenn es mal will:

Da kann man noch Croppen. Hier ein 100%-Crop:

Das ist jetzt kein Makro, aber für ein 16-fach-Suppenzoom am langen Ende Offenblende finde ich das „voll in Ordnung“. Wenn der Bug beseitigt ist, ist das ein tolles Reiseobjektiv. (Natürlich kann es sein, dass mein Objektiv schlicht defekt ist, ich werde es mit einem entsprechenden Vermerk zu Olympus zurückschicken. )

11 Replies to “12-200 an der E-M1X”

  1. Ich hab ja immer noch nicht verstanden, wozu man ein Reisezoom braucht. Wenn ich auf Reisen bin, dann i.d.R. zu Orten die ich wohl nur 1 mal im Leben aufsuche. Warum dann Bilder mit mäßiger Qualität machen? Die guten Objektive zu Hause lassen? Wozu hat man sie denn, wenn nicht zum Bilder machen?
    Bin wohl nicht die Zielgruppe für sowas, mein Reisezoom bleibt das FT 35-100 zusammen mit dem anderen Gerümpel.

  2. Tja, Rudolf,
    das kommt halt drauf an wohin du fährst. Ich habe mir mal das 18-180mm FT für eine Reise gekauft. Mehrere Tage in den Bergen und im Urwald unterwegs. Da war nur die E-1 und eine recht überschaubare Zahl an Objektiven dabei. Klar hab ich mich bei einigen Motiven nach dem 35-100mm oder dem 150mm gesehnt. Ich habe aber auch so genug geschwitzt.
    Auf meiner letzten Tour blieb die Kristallkugel daheim. Da hat mir die mFT Variante viel Gewicht gespart. Auf über 5000m zählt jedes Gramm.

    1. Genau!
      Ich schleppe seit Jahren die FTs 8mm, 7-14, 12-60, 50-200, EC-14, „zur Sicherheit“ 14-54II, etc. mit mir rum. Klar sehen die Bilder beim Pixelpeepen besser aus, als die mit dem µFT 14-150 gemachten.
      Trotzdem „sticht“ mich meine Liebste mit dem 14-150 oft aus, weil sie einfach schneller vom Weitwinkel beim Tele und wieder zurück ist.
      Wenn´s geht verteile ich meine 12-200 auf zwei Kameras. Aber das muss ich dann auch schleppen. Nicht immer lustig…
      jm2c, Martin

  3. Hallo Reinhard,
    danke für deinen Test und den Eindrücken vom Objektiv. Ich selbst wäre schon sehr an diesem „Reisezoom“ interresiert, auch in Kombination mit der Pen-F, da ich nur noch diese besitze.
    Momentan bin ich zwiespältig ob ich es mir leisten soll. Benutze zur Zeit ein für meine Bedürfnisse recht gutes Tamron 14-150 mm F3.5-5.8 Di III. Den „Makrobereich“ decke ich mit Meike Zwischeringen ab. Nach unten das Laowa 7,5.
    Deshalb meine Frage an dich: Würdest du unter diesen Voraussetzungen zum 12-200 wechseln?
    Bin sehr neugierig auf neue Erkenntnisse über die Behebung des Bug.
    HG – Rainer

  4. Hallo Reinhard,
    wie kommt es denn zu diesen Front AF Fehlern? Was steckt dahinter
    Ich habe die auch (also vermute ich mal) auch mit Pro Optiken, speziell dem 40.150/2.8 aber auch dem 12-100/4 und der PenF.
    Mein Workaround ist (S-AF / Einzelauslösung): Ich fokussiere inzwischen 2mal und drück dabei durch. Beim ersten Fall ist der Fokus noch ungenau, beim 2 Mal, häufig, aber nicht immer besser.
    Hast Du ne Idee?
    Dank Dir!

    VG Dieter

    1. Ich habe identische Motive mit unterschiedlichen Objektiven getestet und dabei nur mit dem 12-200 diesen vermehrten Fehlfokus gehabt. Es geht nicht um gelegentlichen Fehlfokus. Das passiert einfach. Da gibt es tausend Gründe und wenn ich nicht dabei bin, kann ich absolut nicht nachvollziehen, woran es liegt. Allerdings weiß ich auch nicht, woran es am 12-200 liegt, dazu fehlt mir die genaue technische Dokumentation des Objektivs.

  5. Inzwischen habe ich das 12-200 trotzdem bestellt und bin, da es keinerlei Bericht darüber gibt, gespannt wie es sich an der Pen-F verhält.
    Vielleicht ein Fehlgriff – mal schauen?!
    HG – Rainer

    1. Update:
      Nachdem ich das 12-200 an der Pen-F testen und den Vergleich mit dem Tamron 14-150 mm F3.5-5.8 Di III sehen konnte, habe ich das Objektiv wieder zurück geschickt.
      Es bietet mir an der Pen-F nicht soviele Vorteile wie ich gehofft hatte. Die Bildleistung ist etwas besser, aber nicht so ausgeprägt wie gedacht.
      Dazu ist es in der Handhabung im Vergleich doch zuschwer für mich.
      Also bleibt es wie es ist.
      Für diejenigen die noch kein Telezoom haben sicherlich eine Überlegung wert.
      Gruß – Rainer

  6. Ich habe gerade ein paar 1000 km und noch mehr Fotos hinter mir, dabei waren 12-40 mm, 12-100 mm, 12-200 mm und die besten FB von mFT und Sony VF.
    Am Ende sind nach großer Skepsis 85% der Aufnahmen bei gewohnt guter Qualität mit wenig Abstrichen mit dem 12-200 mm entstanden.
    Den beschriebenen Fehler hatte ich weder an E-M1II noch an G9.
    Etwas CA, etwas Weichheit im Tele, ab und zu ein Zoom-Rutscher, selten ein Fehlfokus bei Hektik, mal etwas mau bei Gegenlicht (viel zu kurze Blende für’s Tele) – aber insgesamt so variablen und spontan wie noch nie. Nur bei Dämmerung, wenig Kontrast und schnellen Szenen hatte es verloren.
    Aber trotz großer Abneigung von Super-Zooms (bisher waren ausschließlich Leica 14-150 mm FT und Oly 4/12-100 mm gut brauchbar) an allen Formaten (bei VF noch erheblich schlimmer – Tamron, Sigma, Canon, Nikon, Sony & Co fielen bei mir an allen Sensoren durch) – ich reise vorerst nicht mehr ohne 12-200 mm Oly und 2.8/12-40 mm Oly.
    Beste Reisegrüße, Harry

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