Offener Brief an die Newsletter-Versender

Liebe Lieferanten,

ich weiß, dass ihr an mir interessiert seid. Ich verstehe das. Ich interessiere mich ja auch. Aber ich hätte ein paar kleine Bitten:

  • Macht eine Bestellung nicht von der Zustimmung zum Newsletterversand abhängig. Das macht nur miese Stimmung.
  • Wenn ihr schon nicht auf Werbebildchen verzichten könnt, dann schickt sie wenigstens mit. Oder macht einen PDF-Anhang. Die Unsitte, Bilder über das Internet nachzuladen ist nicht nur lästig, sondern ein brutales Sicherheitsrisiko und illegal. Ihr erreicht mit den Bildern nur die Leute, die nicht wissen, was sie tun – die anderen verärgert ihr nur. Für diese Unsitte gibt es einen Namen: „Lazy HTML“ und das ist bei guten MailClients aus gutem Grund per Default abgeschaltet. Ich weiß, dass ihr durch Lazy HTML genau nachvollziehen könnt, wann und wie oft und von welchem Endgerät und mit welchem Mailclient ich die Mail gelesen habe.  Das muss aber irgendwie nicht sein, oder?
  • Ich habe es erlebt, dass der Klick zum Abbestellen des Newsletters über eine spezielle ID über einen Server umgeleitet wird auf eine normale Abmeldeseite, wo man dann nochmals seine Mailadresse eingeben musste. Sprich: Zwischendrin war ein Server, der nochmal alle meine Daten abgriff um mich ein letztesmal auszuspähen.  Das ist nicht nett und es kann sein, dass man damit nicht nur einen Newsletterabonnenten, sondern auch einen Kunden verliert. Warum macht ihr das?
  • Wenn man auf einen Newsletter antworten will, wird als Mailadresse gerne eine ellenlange Einmaladresse angegeben, die natürlich automatisiert ausgewertet wird. Will ich das? Nein, ich will, wenn ich eine Frage habe, gerne einen Menschen an der anderen Seite und keinen Blechdeppen. Schließlich bin ich ja auch ein Mensch. Oder?
  • Newsletter sind für den Absender billig. Und sie werden versandt in der Absicht, die Empfänger zu einem Kauf zu animieren. Also das Äquivalent eines Werbeblättchens im Briefkasten. Liebe Newsletterversender. Lest ihr all das, was da in eurem Briefkasten steckt? Schreibt doch in euren Newsletter Dinge rein, die, zumindest für eine gewisse Zeit, exklusiv sind. Informationen, die für eure Kunden wichtig sind. Zum Beispiel über Firmwareupdates. Oder spezielle Tipps und Tricks, die wirklich neu sind. Sonderangebote und Goodies nur für Newsletterabonnenten.  Und nicht einfach „Zur Rabattaktion machen wir eine Newsletteraussendung.“

Können wir uns drauf einigen, dass ihr diese Bitten beherzigt? Weil Weihnachten ist?

Danke.

10 Replies to “Offener Brief an die Newsletter-Versender”

  1. Hallo Reinhard,
    gut geschrieben – von mir volle Unterstützung! Allerdings befürchte ich, dass es nichts nutzt 🙁 .
    Ich habe schon Firmen angeschrieben, dass mich die 2-täglichen Newsletter stören (natürlich an die hotline gesendet) und sie damit das Gegenteil dessen erreichen, was sie sich wünschen. Hat nix genützt, ich wurde weiter zugemüllt. Abmelden teilweise nicht möglich, oder wie von Dir beschrieben.

    Ich habe dann angefangen, die Firmen an zu mailen und ihnen zu gratulieren – dazu, dass sie es geschafft haben, bei meinem Provider auf der „Blacklist“ (Filterregen = Ausschlussliste) zu landen. Dort eingetragen werden die Newsletter vollautomatisch vom Provider gelöscht, im Extremfall auch alle anderen eMail von der entsprechenden Firma.
    Mittlerweile sind dort ca. 250 Adressen hinterlegt, die mich nicht mehr belästigen. Einfach nur angenehm 😉

    LG
    und frohe Weihnachten
    Detlef

    1. Ich habe mit Verantwortlichen in allen möglichen Branchen gesprochen. Denen ist überhaupt nicht klarzumachen, was LazyHTML ist und was sie damit anrichten. Denen kann man es dreimal erklären und sie schauen einen an als würde man chinesisch sprechen. Das ist für die ein unveräußerliches Grundrecht, genau zu wissen, wie viele Leute wann und wie oft den Newsletter gelesen haben. Und natürlich ist es auch wichtig, den Content, der übers Netz geladen wird, auch jederzeit zu ändern. Jemand, der ihnen sagt, dass das nich so prickelnd ist, ist reif für die Klapsmühle….

  2. …wie wahr … mmmh, Newsletter … obwohl es auch gute und nützliche Newsletter gibt – aber – meine Blacklist ist deart lang, dass ich die bereinigen muss damit neue Links aufgenommen werden können. Aber es hilft, zumindest mir und meinem Postfach. Offensichtlich scheint sich das für die Macher zu lohnen obwohl Allewelt daruf nicht gut zu sprechen ist!? Wer noch mehr zum Nachdenken möchte sollte sich mal auf YouTube ansehen: >>“Weltmacht Google“ – Über einen Konzern, der unser Leben beeinflusst • ZDF • 43.08 min<< … und schon steht vieles klarer im Licht was die gezielte und personenbezogene Werbung angeht (inkl. der Newsletter und dessen Werbung!

    1. ich leitet Newsletter die mich nicht interessieren automatisch weiter. Die Adresse dazu steht ja im Impressum des Newsletters, man kann sie aber auch an den Mitbewerber der auch Newsletter verschickt … 🙂

      Es gibt soviel Möglichkeiten

  3. Ich verstehe eure Probleme mit den Newsletter gar nicht. Die wenigen die ich bekomme, sind gewollt und falls mich einer nicht mehr interessiert, gibt es in jedem Newsletter (i.d.R. ganz unten) einen Link zum Abbestellen. Das funktionierte bisher ohne Probleme.
    Auch mein Mailclient (eM-Client) sperrt fremde Bilder (LazyHTML) automatisch.

    1. Rolf, ich bekomme auch nur Newsletter, die ich irgendwann mal, mehr oder weniger bewußt, bestellt habe. Trotzdem ist das leider sehr verbreitete Verhalten, Bilder aus dem Netz nachzuladen, gefährlich und nicht zu tolerieren! Und das, was beim Abbestellen des Newsletters leider sehr häufig losgetreten wird, hat Reinhard deutlich beschrieben. Das sollte so auch nicht sein, und genau darauf hat Reinhard hingwiesen.

  4. Du sprichst mir aus der Seele. Ich frag mich ja, wann Oly die erweiterte Garantie abdreht die an den Newsletter gebunden ist, wenn man den nicht lange genug liest. Die verwenden ja auch Lazy html.
    Wenn es sich um einen Versender in der EU handelt kann man ja was dagegen machen wenn es hakt, aber manche versenden aus anderen Ländern und ich hab manche, die kann man einfach nicht abbestellen weil sowohl Link als auch Mail aus dem Newsletter ins Leere gehen. Da hilft wirklich nur die Blacklist.
    Für mich ist es eine Frage der Höflichkeit und Wertschätzung, die Wünsche eines (möglichen) Geschäftspartners zu respektieren. Das fängt beim Prospekt an der Tür an und hört beim Newsletter noch lange nicht auf.

    1. Was ich eben so schlimm finde – selbst wenn man die Leute kennt und darauf anspricht, sie verstehen einfach das Problem nicht. Die Denke, dass der Kunde wichtiger ist als das Performance-Controlling der Marketingabteilung, das ist abwegiger als die Idee einer Hohlen Erde. Ich hab bei meinen Newslettern keinen Tracker, habe nirgendwo Google Analytics, trace keine IPs, ich habe nur auf den WordPress-Installationen Akismet zur Spamabwehr installiert. (Und wäre froh, wenn es ohne ginge.) Und O Wunder, ich lebe noch. Wenn Leute mir was sagen wollen, dann sagen sie es. Und wenn Leute was doof finden, was ich mache, dann sagen sie es mir auch. Da hab ich mehr davon als von stundenlangem Log-Studium, wo ich mir dann überlegen darf, warum zum Henker sind Anfang Mai die Zugriffe aus Bielefeld eingebrochen…. Denn die ganzen Zugriffszahlen liefern mir nur die Zahlen von denen, die mir die Zahlen liefern. Die Bedürfnisse der anderen nehme ich gar nicht wahr, das sind aber eventuell gerade die, deren Bedürfnisse mich zu interessieren haben, weil die sich Gedanken drüber machen, was sie so treiben.

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