Wie Kleinbild leicht werden könnte

Die Branche ist in Aufruhr wie seit Jahren nicht mehr. Canon, Nikon und Panasonic haben Kleinbildkameras angekündigt – oder werden das noch tun. Die mit den neuen Bajonetten vorgestellten Objektive sind vor allem eines: groß, schwer und teuer.

Das ist jetzt nichts Neues. Um die geforderten Auflösungen von 50MP und darüber liefern zu können, braucht es Glas. Um den Bildkreis von Kleinbild auszuleuchten, braucht es Glas. Glas wiegt und Glas kostet. Und die ganzen Kleinbildkameras kosten auch noch um die 2500 Euro. Der Systempreis für den Neueinstieg in eines der neuen Kleinbildsysteme liegt bei lockeren 10k Euro und darüber. Das ist knackig, muss man wollen, muss man übrig haben.

Nun gibt es aber eine Möglichkeit, wie man ein Kleinbildsystem auf die Beine stellen kann, das tatsächlich klein und leicht  – und bezahlbar ist.

Wir fangen mit der Sensortechnik an: Kleinbildsensoren können, wenn man die Auflösung nicht übertreibt sondern den technischen Fortschritt nicht in noch mehr Megapixel sondern in die Dynamik steckt, heutzutage so gebaut werden, dass sie über 16EV Dynamik liefern können. Das ist für fotografische Anwendungen mit Kanonen nach Spatzen geschossen, weil es gar kein Medium gibt, das 16 Lichtwerte darstellen könnte – und niemand, der sich das ansehen würde, da wir bei solchen Kontrasten geblendet werden. (Ausprobieren: Im dunklen Keller in eine Taschenlampe kucken.) Die Reserven dieser Sensoren werden also für Low-ISO-Geschichten reserviert, bei normaler Beleuchtung wird vom eingefangenen Licht nur ein Bruchteil genutzt.

Nun geht es an die Objektive: native Kleinbildobjektive für hohe Auflösungen sind groß und schwer. Das ist Physik. Man kann ein bisschen tricksen mit Fresnellinsen oder Kunststoff, aber im Großen und Ganzen kommt man um das Glas nicht rum. Dazu kommt noch, dass spiegellose Systemkameras prinzipiell eine andere AF-Mechanik in den Objektiven erfordern als DSLRs. Man kann zwar, wie man bei der E-M1II sieht, auch die alten Objektive durchaus flott ansteuern, aber native mFT-Objektive sind einfach eine andere Hausnummer. Grund: Die Fokuselemente sind klein und leicht und können deshalb ganz anders beschleunigt werden. Um also eine praxistaugliche spiegellose Kleinbildkamera zu bauen, braucht man nativ für dieses System gebaute Objektive. Es gibt da von Sony ein System und von Leica. Beide funktionieren – und beide sind groß und schwer, eines davon auch noch richtig, richtig, teuer. Und was bisher von Canon und Nikon angekündigt wurde, ist im gleichen Segment unterwegs.

Es gibt aber noch ein aktuelles System, in dem so gut wie jede Brennweite zu haben ist. Und das klein, leicht und preiswert ist. Das nennt sich mFT.

Nun muss man wissen, dass die meisten mFT-Objektive einen größeren Bildkreis liefern als mFT benötigt.

Und nun basteln wir die ganzen Infos zusammen:

Wir nehmen einen Kleinbildbody mit einem guten, spiegellosen AF-System.

Wir nehmen ein mFT-Objektiv.

Und dann bauen wir beides mit einem kleinen ca. 1,4-fach Telekonverter zusammen. Fertig ist der Lack.

Doch halt! Ein 1,4-fach Telekonverter verliert eine Blende Licht! Das ist mit unserem neuen Sensor glücklicherweise gar kein Problem: Der Bildprozessor weiß, dass da vorne dran ein mFT-Objektiv ist und hellt das ganze Bild bereits im RAW eine Blende auf. Bei einem Dynamikumfang von 16 EV ab Sensor merkt das niemand. Und die Stabis in den mFT-Objektiven? Die werden entsprechend eben anders angesteuert. Und die Objektivfehler, die durch den Telekonverter verstärkt werden? Eines der Features von mFT ist, dass jedes einzelne Objektiv durchgemessen und seine Objektivfehler in der Firmware gespeichert werden. Die werden ausgelesen und von der Kamera digital korrigiert. Ein bisschen Software und auch das Problem ist gefixt.

Als Endprodukt haben wir ein Kleinbildsystem mit mFT-Optiken dran. Schnell, klein, leicht.

Ein paar Probleme dürfte es geben: ein 7-14 wird mit einem 1,4er  Konverter zu einem 10-20. Ein 10-20 an Kleinbild ist ein ultrabrutales Weitwinkel. Das muss man erstmal einsetzen können. Ein 100-400 wird zu einem 140-560 und nicht zu einem 200-800. Das wird natürlich den einen oder anderen Telefan etwas enttäuschen. Aber auch ein 140-560 an Kleinbild ist ausgesprochen amtlich.

Und jetzt könnte man dieses System in den Markt bringen. Kaufe jetzt Kleinbild, nimm Deine mFT-Optiken mit und irgendwann gibt’s dann native Optiken für das System. Noch lichtstärker, noch höhere Qualität, noch mehr Bling und Kawumm und Zoinnng.

Science Fiction?

Nö.

Das Einzige was man tatsächlich braucht, ist ein Telekonverter, der auch in größeren Stückzahlen in gleichbleibender Qualität hergestellt wird. Das ist kein Hexenwerk und da gibt es einige Objektivschmieden, die sowas können..

Und was sollte das Ganze für einen Sinn haben? Klar – die Bildqualität eines solchen Kleinbildsystems wird nicht über das aktuelle mFT-System hinausgehen. Zauberei ist in der Physik auch bei Anwendung fieser Tricks nicht vorgesehen. Aber man hat eine Kleinbildkamera, die man tatsächlich samt Objektiven tragen kann – und wenn man mal nicht schleppen muss, kann man ja native Kleinbildoptiken dranschrauben – die dann vielleicht die ersehnte geringe Schärfentiefe bieten. Das Beste aus zwei Welten.  Nun muss man es nur noch den Usern schmackhaft machen. Piece of cake.

Update: 43rumors ist auch auf den Zug „mFT an KB“ aufgesprungen („Wild rumor“ – grins) Nur haben die es nicht kapiert. Ein simpler Adapter ist unsinnig – aus einem ganzen Bündel von Gründen. Nur mit einem Konverter ist das sinnvoll machbar. Und da spielt dann auch das Auflagemaß der Kleinbildknipse keine Rolle mehr.

Update2: Ich könnte es ja toll finden, wenn sich Anonymusse über meinen Blog echauffieren – erhöht die Zugriffszahlen. Aber wenn die Herren XY bei mir glauben Fehler  gefunden zu haben, dann möchten sie es doch bitte hier drunterschreiben. Mal sehen, vielleicht liegt ein Missverständnis vor, vielleicht liegt ein Fehler auf meiner Seite.

16 Replies to “Wie Kleinbild leicht werden könnte”

    1. Naja, wenn eine Idee in der Luft liegt – irgendeiner setzt sich dann hin und macht das. Ist allerdings Cool: „Umgekehrter Speedbooster“. Als die Dinger rauskamen, nannte man es „umgekehrter Telekonverter“. So ändern sich die Zeiten…. 😉
      Priorität können wir aber beide nicht auf die Idee beanspruchen – da hat einer längst funktionierende Samples gebaut. Ich wollte nur mal die dahinterstehende Technik beleuchten.

    1. Heiße Diskussion dort. Da hat auch einer mal die Ausgangspupille zweier Optiken nachgemessen: 32mm beim 150er, 28mm beim 300er f/4. Das reicht nicht für APS, also braucht’s mindestens einen 1,6fach Konverter. Sollte aber auch gehen. Vor allem die guten, alten FT-Optiken kommen dann richtig gut.
      Und nein, ich habe nicht Bildkreis und Austrittspupille verwechselt. Bei telezentrischen Objektiven – und darum handelt es sich bei FT/mFT – ist der Bildkreisdurchmesser und der Austrittspupillendurchmesser mit – für unsere Zwecke ausreichender Genauigkeit – gleich. Ich habe mich dann selber drangemacht und die Bildkreise einiger mFT- und FT-Objektive ausgemessen. Die Ergebnisse des Kollegen kann ich bestätigen. Die Bildkreise liegen nie unter 28mm, auch bei WW nicht und meistens zwischen 28 und 30mm. Über die Qualität der Randbereiche reden wir hier nicht, aber es ist verblüffend, was man dort mit Software herausholen kann.

      1. Der Bildkreis bei mft Optiken ist groß, wahrscheinlich auch wegen IBIS. Kannst du sagen, wie weit der Sensor maximal ausgelenkt wird? Den Wert habe ich noch nirgends gesehen.
        Und dann sollte man das auch im benötigten Bildkreis bei FF mit berücksichtigen! Auch die FF Kamera sollte einen IBIS haben!

        1. Die maximale Auslenkung des Sensors ist unterschiedlich, je nach Kamera. Ob eine hypothetische Kleinbildkamera einen Stabi hat und ob er bei allen adaptierten mFT-Objektiven mit voller Leistung arbeitet oder eben an den Bildkreis des Objektivs angepasst, dürfen wir getrost dem Hersteller einer solchen Kamera überlassen… 😉

  1. Hallo Reinhard,

    wow, steile Theorie die Du da in die Welt gesetzt hast, aber erlaube mir die Frage, warum? Nur um einen KB Sensor zu haben? Olympus und Panasonic haben ein tolles Setup an Linsen und Bodys, die heutigen mFT Sensoren sind brutal gut und ich wage mal die Behauptung in 2 bis 3 Jahren sind die neuen mFT Sensoren auf dem heutigen Level von KB. Wie Du schon geschrieben hast werden die Linsen für KB, selbst wenn sie von Olympus kommen, groß und schwer sein und günstig sind diese sicher auch nicht! Also warum sollte ich meine klasse mFT Linsen an einen KB Body schrauben? Ich bleibe beim Original. Wichtiger als Hardware werden in Zukunft die Softskills sein, also Software und Menschen, die sich um die Nutzer der Marke kümmern. Das bindet viel mehr an die Marke denke ich.

    1. Hallo Jörg,
      Warum Kleinbild? Simpel weil es in Foren und von Journalisten verlangt wird. Warum mFT an Kleinbild? Weil das das einzige große Sortiment an Kontrast-AF-tauglichen Linsen ist. Ob das ganze auf dem Markt eine Chance hat, außerhalb von Foren oder Journalisten, ist eine ganz andere Frage. Ich persönlich brauch’s nicht. Die Schärfentiefe ist mir schon bei mFT öfter zu knapp also zu groß. Die Auflösung von 20MP (oder 80MP HighRes) reicht mir für alle Anwendungen. Aber ich bin nicht das Maß aller Dinge und vielleicht gibt es ja 100.000 Leute, die eine Kleinbildkamera kaufen, an die man mFT-Objektive flanschen kann. Wenn man’s nicht probiert, kann man’s nicht wissen.

        1. Jo. Das Marketing will 8K. Weil man Buzzwords leichter vermarkten kann. Das Problem ist nur: Der Markt ist nicht da. Filme machen ist aufwendig und man braucht Leute. Und Ideen. Beides ist Mangelware. Der limitierende Faktor ist nicht die Kameratechnik, sondern das, was um die Kamera rum ist. 4K mit dem Smartphone ist easy. Weitwinkel, Schärfentiefe ohne Ende, kurze Clips, keine Handlung, keine Story. Angekuckt wird das auf YouTube. 8K mit einer Kleinbildkamera ist was für richtig Fortgeschrittene. Papierdünne Schärfentiefen. Extreme Anforderungen an die Weiterverarbeitung und Wiedergabe. Kein Standard zur Weitergabe der Daten. Kaum Wiedergabegeräte. 8K ist kein Markt. Das ist ein Alptraum. Aber hört sich cool an.

          1. Hallo Reinhard,
            8k ist kein Markt??? Heute für Filmemacher noch nicht, da gebe ich Dir recht. Auch mit dem Aufwand beim Filmen hast Du vollkommen recht.
            Aber die Geräte insbesondere zur Ausgabe und zur rechnerischen Verarbeitung werden kommen und werden nachgefragt, und zwar vom größten Umsatzmarkt Gaming. Dieser ist stetig wachsend, bis 2020 ca. 100 Mrd. USD weltweit und wird den Film/TV Markt überholt haben.
            Wir alle werden in den nächsten Jahren 8k Glotzen im Wohnzimmer stehen haben, weil es – so wie heute kaum FHD – nichts anderes geben wird. So und auch dafür wird es demnächst das erste Smartphone geben, das die native Auflösung für Film und Foto liefert, ob das Sinn macht oder nicht.
            Was bleibt den Kameraherstellern denn anderes übrig, als mitzuhalten?
            Jo

          2. Meiner Meinung nach wird 8K im Massenmarkt das Schicksal von 3D erleiden. Hersteller werden irrsinnig Geld darin versenken und nach ein paar Jahren gibt es nicht mal mehr Ersatzteile dafür. Die Leute wollten sich nicht mit Brille auf das Sofa setzen und sie werden dieses Sofa auch nicht einen halben Meter an ihre Glotze ranstellen, damit sie 8K sehen können. Und so groß der Gamingmarkt ist und eventuell noch wird – aber wozu braucht ein Gamer 8K? Das sieht er doch gar nicht? Das frisst nur Rechenleistung!

          3. Ich sehe die Sache mit 8k auch anders. Schon bei4k hat man vor Jahren gesagt, da ist kein Markt. Es gibt keine Filme, kein Sender kann 4k. Inzwischen gibt es nur noch wenige Fernseher ohne 4k…
            8k wird wird kommen. Noch nicht morgen, aber reden wir mal in 5 Jahren darüber…
            Bei 3D war es für mich anders, weil ich dazu lieber ins Kino gehe. Selbst bei 65Zoll finde ich den Effekt im Wohnzimmer nicht so toll. Bilder in 8k auf einem 65zoll wären da was anderes.

          4. Ja, es gibt nur wenige Fernseher ohne 4K, genauso wie es eine Zeitlang keine Fernseher ohne 3D gab. Nur – es gibt kaum Filme in 4K. Und keinen Sender, der regelmäßig in 4K sendet. Aktuell hat UHD-BluRay nur 2% des Scheibenmarktes, BluRays (FullHD) sind immerhin bei 38%. Die Mehrzahl der Datenträger ist nach wie vor DVD. PAL-Auflösung. 4K-Streaming benötigt flächendeckend 50Mbit Flatrates und Server, die das liefern können. Das ist derzeit nicht in Sicht. In Japan hat ein Anime-Film den UHD-Markt auf 10% katapultiert. Aber das ist eine Ausnahmeerscheinung. Weltweit ist 4K auf Contentseite ohne Bedeutung. Die erste 4K-Kamera stammt von 2003, der erste 4K-Beamer kam 2004. 2011 (acht Jahre später) gab es erste Kinos, die 4K konnten. Und erst 2016 kamen UHD-Blurays. Jetzt, nach 15 Jahren, sind wir bei 2% Marktabdeckung. Und 4K bringt noch eine Qualitätsverbesserung gegenüber FullHD. 8K nicht mehr. Ich gehe also mal davon aus, dass wir in 10 Jahren – vielleicht – 2% Abdeckung haben. Dann ist 8K auch 15 Jahre alt. Das ist kein Markt. Das ist ein Groschengrab. (4k braucht 12GBit/s Bandbreite. HDMI 2.0 kann 18GBit. 8k braucht 24GBit/s) Für 8K werden 88″-TVs empfohlen. Das sind Fernseher, die so groß sind wie eine Schrankwand, nur von zwei Mann bewegt werden können und mehr Strom fressen als der ganze Rest der Wohnung. Massenmarkt? Das ist „Eure Armut kotzt mich an“ und „Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen.“

          5. Ich habe vor ca. 6 Jahren einen 3D fähigen 40 Zoll TV gekauft. Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen 3D Film damit gesehen. Einziger Kaufgrund war das verbaute 100Hz Panel, das mir auch heute bei Sportsendungen große Freude macht.

            Ein Kaufgrund für einen neuen UHD-TV wäre(!) für mich heute: Ich kann damit meine Fotos im Wohnzimmer mit natürlicheren Farben (die aktuellen Panels unterstützen einen größeren Farbraum als solche vor 6 Jahren) und in höherer Auflösung schauen. Allerdings gibt es unter diesen TVs wiederum wenige mit 100 Hz Panel.

            Es ist also immer Luft nach oben. Und es ist ein 6-8 Jahre Kaufzyklus. Darum würde ich die aktuell zu geringen verfügbaren Bandbreiten, zu kleinen Medienkapazitäten nicht als Argument gegen die Entwicklungsrichtung sehen.

  2. Guten Abend,

    feine Theorie – das wäre mal echt ein Knaller … ein FF Body mit ToweJazz organischem Prozessor und Global Shutter – 8k in 60fps alles im Hinblick auf die Olympischen Spiele.
    Und um die Wartezeit auf die nativen (Video)-Objektive (vom wem auch immer … hallo Samyang Xine!) zu verkürzen ein intelligenter mFT 1,6 fach Konverter a´la Reinhard.

    Knaller!

    Gruß,
    Markus

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