Olympus 1934-1938

Der Herr, der hier mit Mikrofon abgebildet ist, ist Yoshihisa Maitani bei einem Vortrag 2005.  Maitani ist hier als eine der Quellen für die frühen Ereignisse bei Olympus ganz spannend. Maitani war der Designer der PEN – und vor allem des M-Systems. M wie Maitani. Das M-System ist als „OM – Olympus Maitani“ bekannt geworden.

Die Story, dass Takeshi Yamashita, der Gründer von Olympus, vorher im Zuckerhandel ein Vermögen verdient hatte und dann irgendwann beschlossen habe. das Kapital zur Produktion von Mikroskopen zu verwenden verweist selbst Maitani ins Hörensagen. Yamashita war vor der Gründung Mitarbeiter bei  Tokiwa Shōkai, der das Startkapital zur Verfügung stellte und unter dessen Namen auch die ersten Mikroskope vertrieben wurden.

Das ist ein Foto des ersten Olympus HQ.

Die Fertigung von Mikroskopen war am Anfang ein bisschen schwierig, weil es in Japan niemand gab, der schon Mikroskope hergestellt hatte – alle Mikroskope waren importiert worden. Also quetschten sie die Wissenschaftler an der Universität Tokio aus, wie so was gemacht werden musste. Offensichtlich erklärten die ihnen recht schnell, dass das mit dem Rotguss auf Dauer keine gute Idee wäre.

Da es in Japan keine Mikroskopindustrie gab, gab es auch keine Einzelteile, also mussten auch Linsen selbst hergestellt werden.

Ein Problem von Mikroskopen war damals auch, dass die Weitergabe der Ergebnisse schwierig war. Teilweise wurde das, was man im Mikroskop sah, abgezeichnet.  Es gab damals sogar Prismenkonstruktionen, die nur zum Zeichnen dienten.

Schon Ende der zwanziger Jahre hatte Olympus begonnen, Verschlüsse zu konstruieren. Damals waren Kameras meist simple Konstruktionen: Stoffbalgen mit Einlinser vorne und Aufnahme für Glasplatte oder Film hinten. Die Technik  – Verschluss und Blende – saß direkt am Objektiv.

Olympus brachte schließlich 1936 seine erste Kamera heraus, die „SEMI-Olympus“

Die SEMI-Olympus war eine einfache Balgenkamera. Als Objektiv diente ein Zuiko 75mm mit f/4,5.  „Zuiko“ war der Markenname, den sich Olympus für seine Objektive einfallen hatte lassen. Eine exakte Übersetzung ist nicht möglich, da die beiden Schriftzeichen unterschiedliche Interpretationen zulassen. „Goldenes Licht“, „Licht der Götter“ oder auch „Klar wie ein Gebirgsbach“. Eine echte Übersetzung ist auch gar nicht sinnvoll, da die beiden Schriftzeichen lediglich die Anfangsbuchstaben von Mizuho Kōgaku Kenkyūjo waren. Der Name kam bei einem internen Ideenwettbewerb heraus. Mizuho Kōgaku Kenkyūjo bedeutet simpel „Mizuho optische Forschungsstätte“. Diese Firma befand sich im Hauptgebäude von Olympus und wurde eigentlich gegründet, um an Strom zu kommen. Damals wurde Strom penibel zugeteilt. Ihre Aufgabe war eben die Entwicklung von Objektiven – Auch von Kameraobjektiven. Leider wollte diese Objektive niemand kaufen. Also baute man Kameras um die Objektive außenrum. Mizuho ist der Name mehrerer japanischer Orte und die Optikfirma hat mit der Mizuho Bank oder mit der Medizinfirma Mizuho nichts zu tun.

In den ersten Exemplaren der SEMI-Olympus war ein Auto-Compur Zentralverschluss aus Deutschland montiert, die Kamera verwendete 120mm Rollfilm und wurde hochkant bedient. (Das Foto ist hier also nicht aus Versehen gedreht.) Überhaupt hatte Olympus schon immer eine gewisse Affinität zu Deutschland. Sie hatten für die Entwicklung der Mikroskope kurzerhand acht Zeiss-Ingenieure importiert.

Der Body der Kamera wurde von „Proud-Sha“ geliefert, einer Tokioter Firma, die die SEMI als ziemlich dreiste Kopie der Baldax herstellten. Die wiederum wurde von Balda – einer deutschen Firma produziert.  Balda stellte seine Mittelklasse-Kameras seinerzeit als OEM her, es kann also sogar sein, dass die ersten SEMI-Olympus in Wirklichkeit deutsche Kameras mit japanischer Linse waren.

Dieser Zustand war natürlich auf Dauer weder wirtschaftlich noch technisch haltbar. Olympus suchte sich an der Universität in Tokio Verstärkung in Gestalt des Studenten Eiichi Sakurai, der als fotoverrückt galt. Sakurai kam 1935 zu Olympus. Derweil wurde die SEMI-Olympus von Kitakawa weiterentwickelt wurde, der erstmal den importierten, teueren Compur-Verschluss aus der SEMI-Olympus durch den selbst entwickelten und produzierten KOHO-Verschluss ersetzte. Dann wurde Proud-Sha aus der Lieferkette genommen und die SEMI II gebaut. Gleiches Filmformat, aber nicht mehr mit Klappsucher, sondern mit festem Sucher – und im Querformat. Und – vor allem – als komplette Eigenproduktion.

Natürlich wurden nach wie vor noch Mikroskope gebaut, zum Beispiel das Mizuho LCE

Ein doppeläugiges Mikroskop mit Revolverkopf und 2000x-Vergrößerung.  Der Doppel-Aufsatz konnte durch einen einzelnes Okular ersetzt werden. Auch damals schon haben Kamera- und Medizin-Sparte zusammengearbeitet. Heraus kam 1938 ein wahres Monster von Mikroskop:

Schon Mitte der Zwanziger hatte Olympus erste Photo-Adapter gebaut, die auf Film in der Größe von Visitenkarten belichten konnten. Hier waren auch die selbst konstruierten Verschlüsse eingebaut worden.  Das „Super Foto universelles Forschungsmikroskop mit fotografischem System“ war eine Mischung aus einer Balgen-Kamera mit Spiegel, Mattscheibe und 120er Film und einem Mikroskop. Der Apparillo konnte alles, außer klein und leicht.

Zwischenzeitlich blieb die Kameraabteilung nicht untätig.  Eiichi Sakurai hatte sich auf den Hosenboden gesetzt und Nägel mit Köpfen gemacht. Ergebnis war die „Standard“, die nicht dem Kleinbild huldigte, sondern auf 127mm Rollfilm 4×5 belichtete. Das Design erinnerte etwas an die Contax II, war aber aufgeräumter und klarer.

Die Kamera war für Wechselobjektive konzipiert und mit einem 65mm f/3,5-Objektiv ausgestattet. Sie konnte 1/500s, hatte einen synchroniserten Verschlussaufzug und Filmtransport – der für Doppelbelichtungen abschaltbar war – und die Objektiv-Roadmap, die mit der Vorstellung herauskam, war beeindruckend:

  • Zuiko 65mm f/3.5: ¥100;
  • Zuiko 65mm f/2.7: ¥145;
  • Zuiko 65mm f/2: ¥225;
  • Zuiko 50mm f/4.5: ¥90;
  • Zuiko 135mm f/6.3: ¥130.

Um die angegebenen Preise der Objektive in Relation zu setzen: Eine komplette SEMI-Olympus kostete 105 Yen, die Standard kostete 275 Yen und ein durchschnittliches Monatsgehalt lag bei 75 Yen. Wie weit Olympus damals war, sieht man daran, dass die f/2,7 und f/2-Objektive Sechslinser waren. Damals galten Vierlinser wie das Tessar immer noch als Stand der Technik.

Von der Standard wurden nur 10 Prototypen gebaut.  Die Werbung lief an, aber es kam nie zu einer Auslieferung. Einer der Prototypen wurde 1937 bei der Präsentation auf einer Messe aus Versehen verkauft und landete recht rasch in Wetzlar, wo die Kamera ausführlich zerlegt und studiert wurde.

Warum die Kamera nie in Serie gebaut wurde ist umstritten. Die Behauptungen, dass das Militär nach dem Kriegsbeginn mit China 1937 die Produktion der Kamera stoppte, dürften falsch sein, obwohl Olympus seit 1933 offizieller Lieferant der japanischen Marine für Mikroskope war. Der Entwickler,  Eiichi Sakurai, sprach nach dem Krieg davon, dass das System für Olympus damals eine Nummer zu groß gewesen wäre. Eine Serienfertigung hätte Olympus ruiniert. Dazu kamen Probleme mit der Planlage der großen Rollfilme, die Sakurai erst nach dem Krieg bei den Konstruktionen für  die Chrome Six III und der Flex über einen Filmspanner löste. Diese Probleme dürften auch der Grund sein, warum Olympus die „Standard“ auf seiner History-Seite auch nicht erwähnt, obwohl sie von Design und Technik her eigentlich ein Meilenstein war.

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