1955 kam eine Weiterentwicklung der 35 raus – die „Wide“. Der Zentralverschluss kam nun von Copal und das Normalobjektiv wurde durch ein Tessar mit 35mm und Blende 3,5 ersetzt.  Die Wide wurde bis 1957 gebaut und erlebte mehrere Versionen. Am spektakulärsten war die Wide S von 1957, bei der das Tessar durch einen Achtlinser mit f/2,0 ersetzt wurde.  Während die Wide E, auch von 1957, einen Belichtungsmesser eingebaut hatte – eine riesige Fotozelle, die  anstelle des Fensters für den Leuchtrahmen eingebaut wurde, wurde die Wide S ohne Belichtungsmesser, aber dafür mit einem parallaxenkorrigierten Sucher, der auch die Fokuslage anzeigte, ausgeliefert.

Die Wide II, die dann 1958 rauskam, hatte wieder das 35mm f/3,5 sowie den Leuchtrahmensucher und bekam eine komfortable Faltkurbel zum Rückspulen des Films spendiert.

Zu der Zeit hatte Olympus drei Kameras im Programm: Die 35 IV, die 1954 rauskam, die Wide und die Flex. Nicht zu vergessen, diverse Mikroskop- und Gastrokameras.

Das hier ist die 35 IVb mit 40mm f/3,5-Objektiv. (Foto von Arsenal Photo aus der Olypedia) Auch wenn der Sprung von 40mm auf  die 35mm der Wide nicht spektakulär erscheint, Weitwinkelobjektive waren damals noch nicht so selbstverständlich wie heute. Die Kameras wurden von Eiichi Sakurai entwickelt, der 1956 einen Mann zu Olympus holte, der die Kamerasparte von Olympus entscheidend beeinflussen sollte: Yoshihisa Maitani

Natürlich fertigte Olympus auch noch Mikroskope an. Besonders stolz ist Olympus heute noch auf das „E-Mikroskop“.

Die „E-Serie“ war ein modulares System, an das man verschiedene Köpfe, Okulare, Lichtquellen oder Tische montieren konnte. Das Mikroskop konnte dadurch in so gut wie jedem Umfeld eingesetzt werden und setzte sich dadurch rasch durch.

3 Replies to “Olympus 1954-1958”

  1. Die älteste Kamera in meiner kleinen Olympus-Sammlung ist eine »Olympus 35«. Ein »S« ist nicht aufgeprägt, doch scheint es mir eine »35S 3,5 2. Version zu sein. Ich vergleiche sie gerne mit der »Agfa Super Silette«, die in etwa zur gleichen Zeit (1955/56) herauskam. Beide Kameras ähneln sich in den meisten Details. Das D.Zuiko F.C. 1:3.5 1= 4 cm der Olympus war ein Vierlinser ebenso wie das Solinar 1:3,5/45 mm der Agfa. Beide Kameras hatten bereits einen Schnellschalthebel zum Weiterspulen und eine Merkscheibe für die Filmempfindlichkeit auf dem Rückspulrad. Die Agfa ist deutlich leichter (527 g) als die Olympus (596 g) und hat rundere Formen. die Olympus ist eckiger, kantiger. Dafür muss man bei der Olympus den Film nicht über ein Rad mühsam zurückdrehen sondern kann einen Hebel ausklappen, mit dem das ganz fix und bequem geht. Die Agfa musste ich erst überarbeiten lassen, bevor ich mit ihr wieder fotografieren konnte. Die Olympus war so, wie ich sie in die Hand bekam, nutzbar; sogar die Verschlusszeiten funktionieren noch plausibel (allerdings nur mit einfacher Lichtmessung durch das Objektiv geprüft). Der Grund liegt aber sicher nicht in den Kameras sondern an den Vorbenutzern, denn beide sind solide gebaut. Die Agfa kostete damals rund 250 DM. Das war bei den Verhältnissen in den 1950er Jahren nicht wenig. Ich weiß nicht, ob man die Olympus überhaupt in Deutschland kaufen konnte und was sie dann gekostet hat. Im Grunde kann man sagen, beide Kameras sind »gleichauf«. In den folgenden beiden Jahrzehnten zeigte sich dann, wo die grundlegenden Unterschiede der beiden Firmen lagen. Agfa legte es hauptsächlich darauf an, möglichst viele Kameras in den Massenmarkt zu bekommen, um seine Filme verkaufen zu können. Die Qualität blieb dabei weitgehend auf der Strecke, obwohl auch immer hochwertige Kameras hergestellt wurden (sogar im Halbformatbereich). Olympus (und auch andere japanische Kamerahersteller) hatten diesen Hintergrund nicht und legten mehr Wert auf die Qualität der Kameras. Agfa ist heute »Geschichte«, Olympus baut gute Kameras nach wie vor.

    Die beiden alten Kameras nehme ich hin und wieder gerne aus dem Schrank, lege einen Film ein und nehme sie zu einem Fotospaziergang mit. In meiner Fototasche ist neben der OM-D E-M10 II oder Pen E-P5 und einem zweiten Objektiv immer noch Platz für eine analoge Kamera.

    Grüße aus dem Taubertal

    HD

  2. Herzlichen Dank sehr spät auch von mir für diese hochinteressante Reihe.
    Die kommenden Folgen erwarte ich mit Spannung, werden sie doch die, für die Fotografie allgemein und Olympus im Speziellen, prägenden Jahre behandeln.
    Untrennbar verbunden mit dem Namen Yoshihisa Maitani und seinem Team.
    Wer hätte gedacht, dass seine Formensprache aus den 1960er bis 1980er Jahren heute immer noch aktuell ist.

    MfG
    Uwe

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