1949 fragte ein Doktor der Klinik in Tokio bei Olympus nach, ob es nicht möglich wäre, eine Kamera zu bauen, mit der man im Magen des Patienten Fotos machen könnte, sinnvollerweise, ohne ihn aufzuschneiden.  Das war jetzt keine wirklich neue Idee, die beiden Deutschen Lange und Meltzing hatten bereits 1893 so eine Kamera gebaut, damit aber keinen Erfolg gehabt, weil die Kamera lediglich ein einzelnes, sehr grobes schwarz-weiß-Bild liefern konnte.  Da man ja oben nicht sah, was man unten fotografiert hatte, musste der Patient den Schlauch für jeden neuen Versuch neu eingeführt bekommen – es dürfte klar sein, dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Probanten sich in Grenzen hielt.

Bereits 1927 hatte der Münchner Heinrich Lamm in seiner Dissertation beschrieben, wie man mittels Lichtleitern Bilder transportieren konnte, aber noch 1950 standen keine entsprechend brauchbaren Glasfasern zur Verfügung. Also sah sich Olympus die Gastrokamera von Lange und Meltzing sehr genau an und baute in den Kopf eine leistungsfähige Lichtquelle und eine Farbfilmkassette ein, die mittels Seilzug zum jeweils nächsten Bild transportiert wurde. Nach den ersten Prototypen – davon ist einer oben abgebildet – konnten die Gerätschaften immer schlanker gebaut werden.

Ab 1952 wurden diese Gastrokameras in Serie gebaut und in Japan bei Massenuntersuchungen zur Früherkennung von Magenkrebs eingesetzt. Der Einsatz der Geräte reduzierte die Sterblichkeit an Magenkrebs in Japan erheblich.  In Deutschland setzten sich die Geräte nicht durch, die ab 1958 aufkommenden, amerikanischen Lichtleiter-Endoskope waren nicht vom Markt zu verdrängen.

Olymus stellte aber nicht nur winzige Kameras für Magenfotografie her. 1952 kam die Flex heraus.

Anfang der 50er gab es in Japan einen Hype um zweiäuigige Spiegelreflex-Kameras und mit der Flex wurde diese Nachfrage bedient. Die Flex-Serie wurde nur bis 1956 gebaut, dann war dieser Hype vorbei. Die Flex hatte wieder einen zugekauften Seikosha-Zentralverschluss und lieferte 6×6-Bilder auf Rollfilm wie das „Original“, die Rolleiflex. Die Kamera kostete sechs Monatsgehälter – war also eher an die wohlhabende Käuferschicht adressiert. Als Objektiv wurden 75mm f/2,8 verwendet. Die Rolleiflex war ursprünglich schon in den 30ern auf den Markt gekommen und hatte anfangs nur f/4,5-Objektive. Erst 1949 kamen die f/2,8-Versionen auf den Markt – und eben anfangs nur für Amerika. Da hatte Olympus in Japan natürlich eine gemütliche Nische.  Der zu Beginn verwendete Sucher musste nach wenigen Exemplaren ausgetauscht werden, weil er etwas zu unverschämt von Rollei abgekupfert war und ein Patent verletzte.

Anfangs hieß die Flex nur Flex, erst später kam wieder eine Versionnummer dahinter: Flex I. 1955 kam eine vereinfachte Version heraus: Die A. Das half aber auch nicht, November 1956 war der Trend rum und die Flex wurde eingestellt, was auch daran lag, dass zwischenzeitlich Rollei reagiert hatte und ihre 2,8er Flex nun weltweit anboten.

Anfang der 50er siedelte die Hauptverwaltung von Olympus zurück nach Tokyo an den Stammsitz. Und natürlich stellte man noch Mikroskope her. Zum Beispiel kam 1951 das „PM5“ auf den Markt. Ein Mikroskop mit Aufsatzkamera für das es sogar eine Belichtungsmessung gab.

 

2 Replies to “Olympus 1949-1953”

  1. Aha, das waren also die Anfänge. Gut, dass es heute digital geht, da kann mein Arzt die Polypen bei der Darmspiegelung gleich beim Durchgucken abknipsen und ins Labor schicken. Und ich kann auf dem großen Bildschirm gemeinsam mit ihm in mich selbst schauen (bei einer Magenspiegelung geht das nicht, klar). Bei den letzten beiden Malen war es ein Olympus-Endoskop mit dem das bei mir gemacht wurde.

    Und wieder die Aufforderung: geht zur Vorsorgeuntersuchung!

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