
Gelegentlich kucke ich, wo mein Traffic herkommt und dann findet man immer wieder mal Anonymusse, die sich bemüßigt fühlen, über mich seltsame Dinge zu verbreiten. Bei den meisten ist es das übliche Geraune, man wisse schon, was man von mir zu halten habe und so. Und die übliche Nummer “Wer das liest, ist doof”. So what, keiner von denen hat mich jemals kontaktiert um mir zu erklären, wo ich falsch liege. Gratismut halt.
Einer hatte jetzt aber einen validen Punkt: bei mir seien die Meinungen wichtiger als die Fakten.
Sehr gut erkannt. Als Journalist bin ich hinter den Fakten her und recherchiere und evaluiere. Das ist mein Job. Ich kenne also Fakten. Nur, ich habe auf die harte Tour festgestellt, dass Dir Fakten gegen Abmahnungen gar nichts helfen. Denn bei einem entsprechenden Verfahren zum Erlass einer einstweiligen Anordnung spielen Fakten gar keine Rolle. Da kannst Du hundertmal beweisen, dass Du Recht hast. Wenn das Gericht der Meinung ist, die Gegenseite sei glaubwürdiger, dann hast Du verloren. Du brauchst dann wirklich viiiel Geld um ins Hauptverfahren zu gehen, denn die Journalisten-Rechtsschutzversicherung holt Dich zwar aus dem Kostenrisiko für die Abmahnung raus, aber zahlt Dir das Hauptverfahren nicht. Und erst im Hauptverfahren geht es um harte Beweise.
Du bist also erst mal 10k Euro los, bevor das Gericht überhaupt verpflichtet ist, Deine Fakten auch nur anzukucken.
Es gibt nun drei vernünftige Strategien, solchen Ärger zu vermeiden.
- Nur anonym in irgendwelchen Foren anderer Leute posten. Dann haben die den Ärger.
- Einfach die Fresse halten.
- Alles explizit als Meinung deklarieren. Denn meinen darf man noch.
Anonym geht auf dem eigenen Blog nicht. Selbst wenn man das Impressum weglässt oder fälscht, irgendwann kommt irgendwer daher und doxt einen. Wenn’s sein muss, wird da ein ganzes Team drauf angesetzt.
Die Fresse halten: machen ganz viele. Deshalb gibt es im Internet so wenig kritische Blogs und so viele Influencer und Jubelperser.
Also Möglichkeit 3. Mit dem Risiko, dass irgendwelche anonymen Profilneurotiker wieder was haben, was sie kritisieren können.
Dabei haben viele offensichtlich auch gar nicht verstanden, was dieser Blog ist. Das ist keine Nachrichtenseite. Das würde eine Redaktion erfordern und die ist mit Null Werbeeinnahmen nicht finanzierbar – und wenn ich eine kritische Nachrichtenseite betreiben würde, dann bekäme ich keine Werbeeinnahmen. Ich bekomme ja selbst als kritischer Blogger keine Werbeeinnahmen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Und deshalb wird vor allem kritisch über Unternehmen berichtet, die keine Werbung schalten oder kurz vor der Pleite sind. (Hatte ich sogar in meiner Zeit bei der Tageszeitung. “Der Supermarkt macht eine Aktion mit dem Kindergarten? Nein, berichten wir nicht, der schaltet keine Anzeige.”)
Ich blogge und mache meine LiveStreams aus einem ganz simplen Grund: ich will meine Bücher (und ab und zu Seminare) verkaufen. Dazu brauche ich Leute, die mit dem Kram knipsen, über den ich schreibe. Also brauche ich eine Community, die das System am Leben hält. Und diese Community gibt es nur dann, wenn ich einen Benefit für diese Community biete. HowTos, und eben auch Infos wie es mit dem System weitergeht oder weitergehen könnte. Denn wenn ich hier verbreite, dass das mit mFT vorbei ist und niemand mehr den Laden zum Leben erwecken kann, dann habe ich exakt nichts gewonnen. Also erkläre ich den Leuten “kauft dies und das, das ist aus dem und dem Grund gut” und “wenn ihr das kauft, dann passt auf das und das auf, damit ihr längere Zeit Freude dran habt.” und “Kauft das nicht, das ist rausgeworfenes Geld.”
Und wenn wer ein Problem hat, dann versuche ich ihm hier in Rocksdorf oder per Mail oder Telefon zu helfen. Community-Building eben.
Und – und das habe ich gelernt, als ich im Laden stand und Computer verkauft habe – ich muss immer gerade bleiben und zu dem stehen, was ich sage und schreibe. Denn es kann jederzeit sein, dass mir auf dem nächsten Fotografentreffen oder Messe oder sonstwo jemand über den Weg läuft – und ich habe keinen Bock, dass mir der dann “Was hast Du mir da für einen Scheiß verkauft!” entgegenwirft.
Ja, manchmal dauern Dinge länger als ich gehofft habe. Gelegentlich kommt eine Pandemie oder ein Krieg dazwischen. Oder ein unfähiger Marketingmensch. Aber meistens bin ich auf der richtigen Spur. Aber – und das ist wichtig – ich habe Quellen. Und die erzählen mir Dinge. Und ich werde einen Teufel tun und die ausplaudern. Weil ich dann diese Infos nicht mehr bekomme. Aber gelegentlich sind diese Infos für die Community wichtig. Weil es eben auch um Kaufentscheidungen geht und nicht jeder hat beliebige Mengen “Geld spielt keine Rolex”. Aber ich kann nicht erzählen “Firma A hat Firma B 300.000 Sensoren mit Spezifikation X,Y und Z verkauft.” sondern ich muss das halt in eine gemeinte Möglichkeit verpacken und die Stückzahlen ändern und eventuell auch die Specs.
Die Community, die mich kennt, weiß, was davon zu halten ist.
Und der Rest weiß es nicht und denkt, ich blubbere nur vor mich hin. Überraschung: Genau so ist das geplant.