Nichts ist so fein gesponnen…

es kommt doch an das Licht der Sonne. Was haben wir in den letzten knapp zehn Jahren nicht von Offiziellen und Influencern gehört, dass diese oder jene Funktion unmöglich in die alte Kamera zu packen ist, nein, man brauche ganz unbedingt die neue Kamera. Dringend. Und die Fanboys – und eine ganze Zeitlang ich auch – haben es geglaubt und mit Klauen und Zähnen ihre Anschaffung verteidigt.

Und jetzt kommen ein paar Hobbyisten daher, lassen die KI im eigenen Keller die Firmware analysieren und – Überraschung – alles ist anders. Die neueren Kameras arbeiten laut deren Analysen nur mit einem Teil der Leistung, die die Dinger tatsächlich unter der Haube haben. Große Bereiche der Firmware bestehen aus Nullen. Und auch die E-M1II / E-M1II wurden bereits analysiert – und siehe da, da stecken schon die Routinen der PEN-F drin. Und die E-M1II hat auch schon den Handheld-Highres drin.

Die Leute, die diese Firmware analysieren und verändern, vernetzen sich gerade, tauschen ihre Ergebnisse aus und was ich beim PATLive am Freitag noch gesagt habe, dass bisher nur Funktionen freigeschaltet wurden, die bereits in der Firmware vorhanden waren, aber aus welchen Gründen auch immer dem Kunden nicht zur Verfügung gestellt wurden, das ändert sich. Zusätzliche Funktionen sind in Planung, der entsprechende Zeithorizont ist „Weihnachten“. Der Fortschritt bemisst sich nicht nach Monaten, sondern nach Tagen.

Und diese Leute sind Überzeugungstäter. Die sehen sich die Firmware an und bekommen Hals. Sie fühlen sich vom Hersteller hintergangen. Die Kamera, die sie zum vollen Preis gekauft haben, dreht vor allem Däumchen. Ein bestimmtes Objektiv geht nur dann an einer Kamera mit voller Leistung, wenn alle anderen Objektive eingebremst werden. Und beim Online-Firmwareupdate werden noch dazu alle Nutzungsdaten nach Hause gemeldet. Da hilft es auch nichts, wenn der Hersteller Geld anbietet, damit die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden. Leute die Hals haben, kriegt man so nicht.

Es gibt für die Outdoor-Company nur noch einen Pfad zum Sieg: Mit Turboantrieb tätig werden, Firmwareupdates für alle Kameras der letzten zehn Jahre mit vollem Funktionsumfang. Besser und schneller sein, als die Hobbyisten. Die bisherige Methode ist nicht mehr zielführend. Wenn selbst Vorzeigeinfluencer eine Kamera mit getweakter Firmware in ihrem YouTube-Kanal präsentieren und fragen „Warum kriegen wir das nicht offiziell?“ dann sollte in Tokio die Alarmsirene durch alle Gänge und vor allem im Büro des CEO schrillen. Denn das Kapital des Influencers ist Glaubwürdigkeit. Zumindest ein kleiner Rest ist notwendig, um den Zuschauern noch eine bezahlte Werbebotschaft vermitteln zu können. Wer auf der Titanic behauptet, Eisberge seien eine Erfindung von bösartigen Bloggern, der muss sich nicht wundern, wenn ihn niemand mehr ernst nimmt.

Und so ein Influencer hätte halt gerne einen Platz in einem Rettungsboot. Mit dem angeschlagenen Dampfer unterzugehen ist normalerweise nicht der Businessplan.

Tokio, um Himmels Willen! Legt nen Zahn zu. Mindestens. Am besten alle Zähne, die ihr auftreiben könnt. Wenn die erste getweakte OM-1-Firmware mit LiveGND und den verbesserten Color- und Mono-Modi der PEN-F draußen ist, seid ihr das Gespött der ganzen Branche. Niemand mit einem Funken Verstand glaubt euch und den bezahlten Sprechpuppen dann noch irgendwas .

Und ihr könnt sicher sein. Ich schreibe dann das Buch zu dieser Firmware. Egal wer sie bringt. Und zu welchen Kameras sie kommen.

Und wenn jetzt jemand denkt, das würde nur einen Kamerahersteller betreffen – nein. Alle Hersteller müssen sich gefallen lassen, dass nun genauer hingesehen wird. Die Nummer „Merkt schon keiner“ ist durch.

One Reply to “Nichts ist so fein gesponnen…”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

The maximum upload file size: 2 MB. You can upload: image. Drop file here