
Ich bin Journalist. Ich berichte. Ja, ich habe eine sehr lockere Schreibe und ich halte mit meiner Meinung zu manchen Dingen nicht hinterm Berg. Und ich bin Moralist. Aber ich versuche mich immer vom Gegenstand der Berichterstattung fern zu halten. Das gelingt mir nicht immer – zur PEN-F zum Beispiel habe ich eine sehr besondere Beziehung – aber ich versuche es.
Ich mache mich lustig über eine Firma, wenn sie alberne Dinge tut. Ich schreibe über Probleme bei deren Produkten. Und ich mag persönlich einige Leute, die dort arbeiten, weniger als andere Leute. Aber ich schreibe nicht „Die Firma ist Kacke“. Und wenn die gute Dinge machen, bin ich jederzeit bereit, zu schreiben, dass sie gute Dinge machen.
Das ist Journalismus. Wenn ich eine Kandidatin interviewe, muss ich auch dem Gegenkandidaten Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Die Nummer „Mit Dir rede ich nicht, weil ich Dich nicht mag“ ist kein Journalismus, sondern Propaganda. Wenn der Gegenkandidat nicht mit mir reden will, ist das nicht mein Problem, sondern seines.
Wenn nun Leute, denen meine Berichterstattung nicht gefällt, versuchen, sich in den Kommentarspalten auszutoben, dann lasse ich das zu, weil sie sich damit meistens selbst disqualifizieren. Was ich rausmoderiere, sind strafrechtlich relevante Dinge oder einfach blanke Beleidigungen ohne Bezug zu irgendwas.
Auf den Überbringer der schlechten Nachricht zu schießen, ist natürlich einfacher, als den anzugehen, der die Sache verbockt hat. Hat Kassandra schon festgestellt – was aber für die Leute, die nicht hören wollten, nicht gut ausgegangen ist.
Im Gegensatz zu Kassandra kann ich nicht hellsehen und habe auch keine göttlichen Vorfahren. Mehr so Handwerker. Dachdecker. Malermeister. Deshalb mache ich auch Fehler. Wie letzthin bei den Eigentumsverhältnissen japanischer Akkufirmen. Dann bin ich für Korrekturen dankbar. Also wenn jemand etwas besser weiß, dann ist er kein Besserwisser – sondern sehr willkommen. Und wenn jemand ernsthaft was zu sagen hat – gerne herkommen und vor der Kamera erzählen.
Und – im Gegensatz zu all den Möchtegern-Politinfluencern und „Podcastern“, die nur Leute einladen, deren Reichweite sie abgreifen können – dürfen sich bei mir auch Leute auf den Hocker setzen, die keine Sau kennt. Hauptsache, sie haben was Wichtiges zu sagen. Und ich antworte auch.
Denn ich habe den riesigen Vorteil, dass ich nicht auf Werbeeinnahmen von YouTube angewiesen bin. Ich tue nicht so, als wäre ich unabhängig. Ich bin es wirklich. Wer mich anschreibt, kriegt ne Antwort. (OK, einmal im Vierteljahr rutscht mir eine Mail durch. Ich bitte um Entschuldigung.)
Und wer mich mit Informationen anschreibt, der kann bei mir Quellenschutz beanspruchen. Und wenn die Info noch nicht nach draußen darf, dann geht sie auch nicht nach draußen. Das ist der Job.
Trotzdem bin ich hier kein „Nachrichtenkanal“. Und ich bin auch keine reine „Meinungsseite“. Das hier ist ein Blog. Ein Webtagebuch, wie es früher mal hieß. Dinge beschäftigen mich – und dann schreibe ich drüber. Manchmal in Form von ziemlich blanken Nachrichten, wie eben bei der letzten Reparaturliste, manchmal in Form von ganz persönlichen Meinungen. zu gesellschaftlichen Entwicklungen, die ich aus einem moralisierenden Standpunkt heraus betrachte. Meistens irgendwas dazwischen.
Von der reinen Lehre her ist das natürlich unzulässig. Nachricht und Kommentar müssen sauber getrennt und entsprechend gekennzeichnet sein. Nur leider ist dieser Ansatz mittlerweile extrem unmodern, habe ich den Eindruck. Wo ich hinkucke, wird meinungsmäßig eingeordnet, denn man darf dem Leser ja nicht zumuten, sich selber eine Meinung zu bilden. Der polnische Präsident Nawrocki mutierte in der Berichterstattung der Tagesschau zum „ehemaligen Amateurboxer“, weil er mal vier Jahre in der Jugend geboxt hat. Dass er 14 Jahre Fußballer war und für EX Siedlce Gdańsk in 90 Speilen 24 Tore erzielt hat, lassen wir unter den Tisch fallen. (Nein, ich finde den Typen nicht sympathisch, aber Fakten sind halt Fakten.)
Ich bin ja jeden Tag am Recherchieren. Ich kriege Infos und mir werden Dinge gemailt. Vor ein paar Tagen kam eine Mail rein mit einem Foto eines zerstörten 12-100 (Titelbild), das anschließend von OMDS repariert wurde. Sie haben dafür inklusive Versand 10 Tage gebraucht und der Absender dachte, ich mache jetzt da einen Artikel draus – man könne ja auch mal was Positives über den Laden sagen.
Jo. Wenn ich die Pauschale zahle, dann wird das Objektiv repariert. Klar, kann ich einen Artikel draus machen. Nur: was genau ist die Nachricht? Jemand macht das, wofür er bezahlt wird? Wenn ich ein Ticket für die Bahn kaufe, gehe ich davon aus, dass mich die Bahn zum gebuchten Zeitraum an den gebuchten Ort befördert. Wenn das klappt, ist das kein „Boah ey“ sondern eine Selbstverständlichkeit. Ich kriege positive Rückmeldungen, weil ich meine Bücher a) schnell verschicke und b) so verpacke, dass sie den Versand überleben. Ich freue mich ja über die Rückmeldung – aber was sagt das über die anderen Versender aus?
Wir sind mittlerweile bereit, Minderleistung zum vollen Preis zu akzeptieren, weil ja der Lieferant „Gewinn machen muss“. Wir sind bereit, miesen Journalismus zu akzeptieren, weil ja sonst der Journalist vom Hersteller keine Kameras mehr zum Vorstellen bekommt.
Wir sollten umdenken.
Noch ein bisschen Fact-Dropping. Für einen YouTuber, der seinen Kanal „monetarisiert“ hat, werden pro 1000 Views zwischen 1,12 Euro und 12 Euro ausbezahlt. Kommt drauf an, über was der YouTuber spricht. Bei Finanzdienstleistungen ist die Entlohnung höher als bei simplen Gamingkanälen. (Was erklärt, warum es so viele Kanäle für Finanzen gibt.)
Also verdiene ich pro PATLive zwei Euro? Nein. Mein Kanal ist nicht monetarisiert.
Warum mache ich es dann?
Weil ich dadurch ein oder zweimal im Monat mit Rudolf Spaß haben kann.

Ich wäre nicht hier, wenn Du nicht so wärst wie Du bist. Ich partizipiere von Deinen Fachwissen. Mag ehrlichen Jounalismus. Und Leute die Wort halten. Und ich bin gespannt das Praxisbuch in den händen zu halten.
Volle Zustimmung!
LG