Gefunden: Die schlechteste Fotografin der Welt.

Laut der isländischen Jury handelt es sich um die Französin Blanche Mortemard. Das ist jetzt überhaupt keine Neuigkeit, weil Frau Mortemard bereits Anfang Juni gekürt wurde. Hier der Artikel von Euronews mit den „Gewinnerbildern.“ Abgesehen davon, dass ich schon schlechtere Fotos bei Wettbewerben gesehen habe, warte ich jetzt drauf, dass jetzt Bilder mit abgeschnittenen, unscharfen Fingern die Foren fluten.

Frau Mortemard hat mit Unterstützung des Icelandair-Teams ein „Videotagebuch“ gemacht, kann man auf YouTube kucken, oder auf der Website der Fluggesellschaft. Gleich im ersten Video hat sie einen „photo-contest“ mit einem Touristen mit Nikon gestartet. Sie mit Handy, er mit fetter Knipse und Tele. (2:30) . Jeweils zwei Fotos, das Schlechteste gewinnt. Und – es war abzusehen – der Mann mit der Nikon hat sie deklassiert.

Abgesehen davon, dass jeder, der schon mal in Island war, natürlich jede Menge Deja-Vues hat. („Das habe ich auch geknipst!“) ist der Film absolut unterhaltend und mal eine Abwechslung zu den ganzen Kamera-Influencer-Filmen, die so tun, als wären sie in der wildesten Wildnis.

Und natürlich, die gute Frau knipst ausschließlich mit dem Handy – mit einer normalen Kamera kriegt man den Daumen oder das Ohrläppchen beim besten Willen nicht vor das Objektiv.

Und was hat die gute Frau nun in Island verbrochen? Kann man sich u.A. hier bei Petapixel ansehen.

Die Denke hinter dem Wettbewerb ist so simpel wie genial: Man kann tatsächlich einfach so gute Bilder machen. Die Regeln wurden vom World Press Photo Award übernommen. Man darf ein bisschen am Kontrast, Helligkeit und Schärfe drehen und das war’s. Und, Überraschung, das funktioniert. Dann kann man auch die RAWs zeigen, ohne sich zu blamieren.

In dem Zusammenhang ist übrigens auch das Video von BeHaind, einem deutschen Filmkritiker, interessant. Auch er zeigt, wo es derzeit hapert und warum ältere Filme einfach besser aussahen. Grading, Dynamic Range, Bokeh, Schärfentiefenspielereien. Exakt das, was ich seit Jahren in meinen Büchern predige – man kann den Mist nicht mehr sehen. 24 unterhaltsame und lehrreiche Minuten.

Ich habe mit einer Kollegin mal einen Contest gestartet, ich glaube, letztes Jahr, wie man wirklich schlechte Fotos macht. Also absichtlich. Das ist gar nicht so einfach. Aber wie man sieht: Manche Leute können das.

Titelbild: auch an diesem Wasserfall war Frau Mortenard schon am ersten Tag. Allerdings ist sie nicht auf diesem Bild. Im Juli war das Wetter besser.

One Reply to “Gefunden: Die schlechteste Fotografin der Welt.”

  1. Da fällt mir eine Anekdote aus der Zeit ein, als mit Leica Messucher-Kameras das Kriegsgeschehen dokumentiert wurde. Irgendjemand aus den Manschaftsdienstgraden hat da erzählt, er hätte bei seinem Hauptmann einen Stein im Brett gehabt, dafür, daß er ihm den Tipp gegeben hat, vor der Aufnahme den Objektiv-Deckel herunter zu nehmen.

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